Archive for the ‘Fans’ Category

Gewalt im Fussball: Die Zahlen, die wirklichen

Monday, October 31st, 2011

Was die NZZ schon vor einem Jahr belegt hat, wohlgemerkt ohne es zu merken, bringt nun der Beobachter explizit und aktuell: All jene Zahlen, die Gewalt an Sportveranstaltungen erfassen, widerlegen die Behauptung einer Zunahme:

Im Jahr 2010 ging die Anzahl der Verzeigungen auf 303 zurück – eine Abnahme um sieben Prozent trotz steigenden Zuschauerzahlen. In den letzten beiden Jahren kam also je eine Verzeigung wegen einer Gewaltstraftat auf rund 13’000 Zuschauer. Bei schweren Gewalttaten beträgt das Verhältnis rund 1 zu 750’000.

Gestützt auf diese Tatsache kann man sich der Frage zuwenden, warum wichtige Repräsentanten einer rein repressiven Strategie gegen Gewalt und als Gewalt taxiertes Feuerwerk im Zusammenhang mit Fussballspielen sich so sehr dagegen wehren, die eindeutigen Zahlen zur Kenntnis zu nehmen. Luzerns Polizeikommandant Beat Hensler im SF-Club: “Ein bisschen Zu- oder Abnahme, das spielt doch keine Rolle”. Wäre es denkbar, dass ein bisschen Abnahme von Gewaltvorfällen bei steigender Zuschauerzahl etwas mit der angeblich nicht existierenden Selbstregulierung der Fanszenen zu tun hat? Nein, sagt dazu Beat Hensler im Club. Wenn tatsächlich weniger passiert, dann nur dank der Präsenz der Polizei. Urteilen Sie selbst.

Ohne Worte

Monday, October 24th, 2011

Meist ist es in solchen Fällen die Polizei, die die Medien informiert. Und leider findet diese Information dann meist auch ungefiltert den Weg in die Zeitungen und Online-Portale. Diesmal informieren die Fans. Wir deklarieren diesen Text als ungefiltert:

Communiqué der Muttenzerkurve Basel

Kurliges Interview

Sunday, September 18th, 2011

In der aktuellen Ausgabe des immer besser und v.a. auch immer schöner werdenden FCB-Heftchens “FussBâle”  ist ein kurzes Interview mit einem Besitzer eines Wassersportgeschäfts zu lesen. Das mag jetzt im ersten Moment erstaunen. Der Fussballbezug folgt aber auf den Fuss: Das Wassersportgeschäft, in Muttenz BL zu finden, verkauft die allseits beliebten Leuchtfackeln. Die sind zwar für akute Fälle von Seenot bestimmt, doch damit macht der Mann kein Fackelgeld. Richtig Umsatz wird mit dem Fussball gemacht: “60 bis 70 Prozent der Fackeln werden sicher für den Stadiongebrauch verkauft. (…) Für den Bootsbedarf verkaufen wir sehr wenig”, sagt er.

Dass beim Verkauf alles mit rechten Dingen, also gesetzeskonform zu und her geht, betont der Ladenbesitzer mehrmals. Und man glaubt es ihm aufs Wort. Grosses Erstaunen stellt sich dann aber ein, wenn wir lesen: “Das Gesetz verlangt, dass der Käufer mindestens 18 Jahre alt sein muss und dass wir den Namen und die Adresse registrieren.” In den Büchern des Wassersportgeschäfts in Muttenz wird demnach, wenn man das jetzt nicht völlig falsch interpretiert, ein Verzeichnis der nordwestschweizer Pyromanenszene geführt. Das habe ich so jetzt noch nie gelesen.

Auch noch nie so gelesen habe ich Marco Streller, in derselben Ausgabe von FussBâle. Ich hab für ihn zwar an anderer Stelle schon eine Lanze gebrochen. Wie er sich nun aber äussert im langen Interview, offen, kritisch und gelassen, gefällt mir ausgesprochen gut.

Was darf der Fan?

Saturday, August 6th, 2011

Drei verschiedene Medien befassten sich in den letzten Tagen auf unterschiedliche Weise mit der Frage, wie viel Einfluss den Fans in einem Fussballverein zugestanden werden soll. Im Steilplass-Blog des Tages-Anzeigers lobt Annette Fetscherin den FC Luzern für seinen integrativen Umgang mit der Anhängerschaft im Zusammenhang mit der Eröffnung des neuen Stadions und fragt, unter Beizug des Beispiels HSV mit seinem mächtigen Supporters Club, wie viel Fan-Mitsprache ein Verein verträgt. Zwar kratzt Fetscherin noch an der Oberfläche, und die Blumen für Walter Stierli dürften manchen aus der Luzerner Fangemeinde in Erstaunen versetzen, doch dass der Steilpass sich überhaupt des Themas annimmt, ist erfreulich. Und nicht jeder Kommentar zu Fetscherins Beitrag dumm.

In der NZZ schreibt Stefan Osterhaus halb belustigt, halb empört über die “Benimmregeln”, die die Ultras der “Schickeria München” ihrem neuen und alles andere als erwünschten Torhüter Neuer unterbreitet haben. Das Verhalten der Fans wird dabei als anmassend empfunden, was ein (unglücklicher) Vergleich mit der Chefetage eines Autokonzerns illustrieren soll. Tatsächlich ist ein Schmunzeln kaum zu unterdrücken, wenn wir erfahren, dass die Schickeria Manuel Neuer u.a. das Anstimmen des berüchtigten “Humba-Tätärä” (im Original übrigens von Ernst Neger, das aber nur nebenbei) verbietet, laut Osterhaus “eines der gehaltvollsten musikalischen Kleinode der deutschen Fan-Szene”. Der Tenor in der NZZ ist klar: Solches Gebaren ist kaum zu fassen, doch im Fussball ist eben alles möglich. Interessant vielleicht, was Dietrich Schulze-Marmeling, Autor des Werks “Der FC Bayern und seine Juden“, zu Münchens Ultras zu sagen hat: “Ich habe meine Probleme mit der Ultra-Kultur, aber dass sich der FC Bayern heute wieder zu seiner jüdischen Geschichte (…) bekennt, ist auch das Verdienst der Schickeria.” (in: ballesterer Nr. 63)

Der ballesterer wiederum fächert wie immer am breitesten. Jakob Rosenbergs mehrseitige Aufarbeitung des Platzsturms beim letzten Wiener Derby der Saison 10/11 ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie ein Sportmedium mit Fan-Themen umgehen kann, wenn es den Protagonisten auf Augenhöhe, unvoreingenommen und informiert begegnet. Der Text “Das gibt’s nur bei Rapid” versammelt alles, was heute die Fan-, Ultra- und Gewaltdiskussion prägt, Erhellendes und Widersprüchliches von allen Seiten. So wird ein Exponent der Ultras Rapid zitiert (namentlich!), der den Platzsturm zu erklären versucht: “Wir haben ja schon länger Protestspruchbänder gemacht, 15 Minuten nicht gesungen und so weiter, aber das hat anscheinend niemanden interessiert.” Hier kommt ein Weltbild zur Geltung, das sich auf den Rängen einer zunehmenden Verbreitung zu erfreuen scheint: Der Glaube, sportlicher Erfolg lasse sich durch Dauergesang herbei schreien, und die Idee, bei Nicht-Gelingen sei Strafe angebracht. Wer solches liest, kommt wie Osterhaus in der NZZ zum Schluss, hier habe sich das Selbstverständnis der organisierten Fans in eine ungute, unangenehme Richtung verschoben.

Unter dem Strich bleibt die erfreuliche Erkenntnis, dass Fan-Themen heute nicht nur den Weg in die Blätter finden, sondern auch zunehmend differenziert behandelt werden. Davon dürften am Ende alle profitieren. Auch wenn die Schickeria ihr Humba-Tätärä vielleicht für eine Weile einstellen muss.

 

Falsche Rayonverbote, richtige Kosten

Friday, July 8th, 2011

Wie Polizei und Haftrichter mitdrehen an der Kostenspirale im Zusammenhang mit Fussballspielen, ist auf der Homepage der Zürcher Südkurve ausführlich nachzulesen.

Erachten sich die Fans als unschuldig, müssen sie die bereits ausgesprochenen Rayonverbote innert Frist anfechten. Es kommt zu kostspieligen Verfahren vor dem Bezirks- in manchen Fällen gar vor dem Verwaltungsgericht in zweiter Instanz. (…) Obsiegen die Fans im Verfahren jedoch, ist es die öffentliche Hand, die für die Kosten aufzukommen hat. Die Gleichung ist dabei einfach: Je länger und komplizierter das Verfahren, desto teurer wird’s.

Hooliganismus im Lehrplan 21?

Thursday, July 7th, 2011

Harmos, Lehrplan 21, zurück zu alten Tugenden? Die Bildungsdiskussion in der Schweiz wird heiss geführt. Heute ist sie dank eines Leserbriefes in der NZZ um einen Beitrag reicher. “Hooligans sind keine Ultras” titeln zwei Schüler der Kantonsschule Baden AG. Um dann loszulegen, uns die Welt der gewalttätigen Fans zu erklären.

In der Menschenkunde haben die beiden offenbar ganz genau zugehört: “Hools halten sich strikt an einen aus England stammenden Ehrenkodex, welcher unter anderem den Einsatz von Waffen oder das Nachtreten verbietet.” Ehrenkodex also. Aus England importiert. Aber es geht noch weiter. Der gute Mensch Hooligan hat noch mehr zu bieten: “Ultras sind für massive Sachschäden verantwortlich, Hooligans dagegen nie.” Nie! Noch nie gewesen! Nirgends auf der Welt! Auch nie einen Gartenstuhl geschmissen! Und nie ein Glas! Da sind sie sauber.

“Der Begriff Hooliganismus wird heutzutage falsch und unpräzise (…) verwendet”, schreiben die beiden. Damit liegen sie absolut richtig. Damit sich daran nichts ändert, haben sie einen Leserbrief geschrieben. “Die Schweiz hat kein Hooligan-Problem. Die Schweiz hat ein Ultra-Problem!” Bildungsland Schweiz: Du bist auf gutem Weg.

Hans was Heiri

Wednesday, May 25th, 2011

Dank an Leser Philipp für den Hinweis.

Und allen einen heissen Abend.

«Risikospiele ganz friedlich: St. Gallen als Vorbild»

Tuesday, May 24th, 2011

Die Morgensendung von Radio DRS berichtete gestern Montag über das Fanverhalten anlässlich des Gastspiels des FC Basel am Vortag (MP3, ab 09:19). Der 1. Staatsanwalt des Kantons St. Gallen Hansjakob macht das Sankt-Galler-Modell mit einem polizeilichen Beweisererkennungs- und Festnahmeelement sowie einem Schnellrichter für das friedliche Risikospiel verantwortlich.

Personenfreizügigkeit

Friday, May 13th, 2011

Wenn dem Züricher Reporteler eine schöne Bildlegende gelingt: Blick am Abend, gestern Donnerstag.

Modetittenschlampen

Sunday, April 24th, 2011

Auf dem Steilpass-Blog bei tagi.ch geht es um Modefans und die Frage, ob es die geben darf. Die Antworten: Wie immer ein Hit! Zum Beispiel die von Rolf:

Das ist auch der Grund wieso es Schlampen gibt. Für diese Sorte Frau existieren Werte und Ehere nicht. Sie laufen den Erfolgreichen hinterher und das Wort Kamp existiert bei solchen Schlampen nicht. Wie so auch? Sie müssen nur mit ihren Titten wackeln und schon kommt ein dämlicher Fussballer dahergerannt.

Herr Supino, Sie machen das ja immer so gut mit den Klarstellungen. Sagen Sie dem Rolf, wie das bei Tamedia aussieht mit der Qualität? Also dass die eigentlich offiziell nicht in Gefahr ist? Besten Dank.