Polizei stoppt 250 Chaoten
So titelt der Tages-Anzeiger online nach dem Derby FCZ-GC vom Ostermontag. Seine Informationen hat er ausschliesslich von der Medienstelle der Stadtpolizei Zürich.
In Tat und Wahrheit war dies jedoch eine Ansammlung von normalen Stadionbesuchern, die einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren.
Das schreibt die IG GC Züri in ihrem Communiqué von heute Mittwoch. Sie, liebe Leserin, lieber Leser, haben damit die seltene Gelegenheit, ein Ereignis, das in den Mediendatenbanken unter “Fussballgewalt” abgelegt werden wird, aus zwei Perspektiven nachzulesen. Und dann zu urteilen. Oder sich zu entscheiden, dass ein Urteil aufgrund der vorliegenden Informationen nicht möglich ist.
Eine Bemerkung noch: Ende September 2009 hat das Zürcher Stimmvolk überdeutlich Ja gesagt zur polizeilichen Datenbank GAMMA, in der präventiv so genannt Gewalt suchende Sportfans registriert werden. Kritiker der Vorlage gaben damals zu bedenken, “Gewalt suchend” sei ein Gummibegriff, der der Polizei einen inakzeptablen Spielraum lasse.
Nachtrag 9. April: Hier erklärt Stadtpolizei-Sprecher Marco Cortesi (gegen Ende des Beitrags) mehr oder weniger transparent, welche Strategie die Polizei bei solchen Aktionen verfolgt. Aufhorchen lässt hier u.a. die Aussage, man sammle Daten von Gewaltbereiten “für Gamma oder für Hoogan”. Das Hooligangesetz BWIS II sieht nicht vor, irgendwelche Leute von der Strasse zu registrieren. Die Unschuldsvermutung gilt zwar bei Hoogan genauso wenig wie bei Gamma, doch Grundlage für einen Hoogan-Eintrag ist immer noch eine Massnahme gemäss BWIS, d.h. ein Rayon- oder Stadionverbot, Meldepflicht oder Ausreisebeschränkung. Es ist immer ein bisschen unangenehm zu erfahren, dass die Polizei zum Teil selber nicht genau weiss, was die Polizei soll und darf.