Archive for the ‘Fans’ Category

Interessante Bildwahl III

Tuesday, March 9th, 2010

Aus Basel schreibt uns der aufmerksame Leser Simon: “Neues aus der Rubrik FCB-Fans-all-over-the-world: Neuerdings werden sie auch für Pyro in Freiburg verantwortlich gemacht.” Und er legt uns dieses Bildschirmfoto ab der Homepage des Noch-Bundesligisten SC Freiburg bei:

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Ultras im Europarat

Friday, March 5th, 2010

Wer sich mal einen kleinen wissenschaftlichen und vermutlich nicht allzu falschen Überblick über die europäische Ultra-Szene verschaffen möchte, kann hier eine Expertise des Instituts für Sportwissenschaft der Leibniz Universität Hannover runterladen, die zuhanden des Europarates verfasst wurde. Die Schweiz kommt darin auch ein bisschen vor. So ist u.a. zu lesen, der Frauenanteil in hiesigen Ultra-Gruppierungen sei überdurchschnittlich hoch. Das wär mir jetzt z.B. noch nicht so ins Auge gestochen bis jetzt, aber ich sehe auch nicht mehr so gut wie früher.

Ach ja: Die Lektüre ist übrigens auch all jenen Abermillionen von Maturandinnen, Fachhochschülern und BMS-lern zu empfehlen, die für ihre Abschlussarbeiten das originelle  Thema “Fans” respektive meistens “Ultras und Hooligans in der Schweiz” gewählt haben und dann, wenns ums Recherchieren geht, merken, dass sie fast nichts Gescheites dazu finden und dann in kompletter Not Hilferufe in Fan-Foren platzieren oder unbedarfte Blogger mit verzweifelten Mails eindecken.

BILD: auch interessante Bildwahl

Friday, February 26th, 2010

BaguetteUnd wenn wir schon dabei sind: Die Bild-Zeitung schreibt etwas über schmuggelnde Saarbrücker unter dem umwerfenden Titel “Bengalo im Baguette”. (Ich hätte gerne eine Baguette. Mit Schinken? Nein, mit Böller) Also, “Böller im Baguette”. Und dann wird das Ganze bebildert mit – tataaaaaaa – zündenden Ultras im alten Joggeli!

Blick: interessante Bildwahl

Friday, February 26th, 2010

Am Mittwochabend hatten ein paar Fans im schönen Niederhasli ja die gute Idee, den Repressionsbefürwortern noch ein paar Argumente zu liefern. Sie haben ja sonst zu wenige. Der Tagi war dabei. Und auch der Blick. Das heisst: Der tut zumindest so. Schreibt ein bisschen was und hängt ein Bild dazu. Von den vermummten FCZ-Fans in Niederhasli. Aber ist es wirklich Niederhasli? Steht das Joggeli jetzt im Wehntal? Und sind es wirklich FCZ-Fans? Und ist es im Februar am Abend hell? Nun, das ist ja eigentlich auch völlig egal. Es ist ja online-Journalismus. Da kann man auch mal Hundefleisch ins Sandwich tun.

Blick

Ganz Griechenland streikt

Thursday, February 25th, 2010

Ganz Griechenland? Nein! In einem kleinen Oval in Piräus arbeiten ein paar tausend Leute wie emsige Bienchen, emsige rot-weisse Bienchen: singen laut, strecken Sachen in die Höhe, klatschen und tun und machen. Wie sagte gestern der “Rundschau”-Moderator: für die Griechen seien immer die andern schuld. Das mag ja stimmen (z.B. ganz im Gegensatz zu uns Schweizern, die wir die Schuld grundsätzlich und gerne und eigentlich immer bei uns selber suchen), aber eben mit einer kleinen Ausnahme. Heureka!

Ha Ha Ha Ha-Ess-Vahau

Friday, February 12th, 2010

Es wird angepriesen als das etwas andere Firm-Buch, Alexander Hohs “In kleinen Gruppen, ohne Gesänge – unterwegs mit den Hamburg Hooligans“. Das Buch habe, so der Klappentext, “was vielen anderen Büchern zum Thema abgeht: Eine gesunde Prise Humor”. Im ersten Kapitel sieht das so aus: Auf der Heimfahrt aus277331507631 Kopenhagen werfen die Protagonisten einer aufdringlichen, naiven “Tunte” die Kleider aus dem Zugsfenster, watschen ihr ein bisschen das Köpfchen und verabschieden sie dann am Bahnhof Lübeck mit dem Lied “Einen kleinen Nymphomanen ficken! Eine kleine geile Sau! Sau!” Es darf nun jeder und jede gerne selber abwägen, wie nahe diese Art der Lustigkeit den eigenen Vorstellungen von Humor kommt.

Der Schreibstil darf getrost mit sports-casual umschrieben werden: “Pinny war ein richtiger Sunnyboy. Er hatte lange, lockige, dunkle Haare, auf denen er meist eine Baseballmütze trug. Er besass eigentlich immer ansteckend gute Laune, und ständig sass ihm der Schalk im Nacken. Er war ein durch und durch sympathischer Kerl, der für jeden Spass zu haben war.  Wenn der altmodische Begriff ‘Mit dem kann man Pferde stehlen!’ irgendwann auf jemanden zutraf, dann auf Pinny.” So geht das dann über gut 400 Seiten, und hin und wieder lacht einem dann doch das Glück. Zum Beispiel, wenn auf Seite 163 plötzlich Blitz’ “Razors in the night” aus den Boxen schallt. You – better watch out!

Polizectas, Fanarbeitsgruppierungen

Monday, February 8th, 2010

NZZaSIn einem recht schön gross bebilderten und aufgemachten Artikel schrieb die NZZamSonntag gestern von “Schnellverfahren gegen Hooligans” bzw. dass die jetzt flächendeckend eingeführt werden sollen. Wie vieles andere auch. Und dass bis Ende Februar mit den Vereinen und den Lokalbehörden alles geklärt sein sollte. Oder etwas in der Art. Ebenfalls soll bis dann vereinbart sein, dass als Option die Polizei ins Stadion kann, wenns wirklich hart auf hart kommt. Um das auch entsprechend zu bebildern, hat sich die Bildredaktion ein Föteli aus Basel ausgesucht, wo vier Leute drauf sind, die auch wirklich polizeimässig daherkommen. Und in der Legende steht dann auch: “Polizisten im Stadion sollen national konform sein. (Basel, 20. November 2009)” Gut, damals waren wohl tatsächlich Polizisten im Stadion, aber auf dem Bild da, also, ich müsste mich schon täuschen, aber schimmern da nicht die drei roten Protectas-Punkte hinter dem Schild hervor?

Dann hat es noch eine sogenannte Infobox unter dem Bild, die etwas zum Runden Tisch gegen Gewalt an Sportanlässen sagt. Nämlich zum Beispiel:

“Unter Federführung von Sportminister Ueli Maurer haben Vertreter von Verbänden, Bund, Kantonen, Städten und Fangruppierungen ein Konzept erarbeitet, um Ausschreitungen an Sportveranstaltungen zu verhindern.”

Nur ist es eben so, dass noch nie ein Fan, geschweige denn eine Fangruppierung, geschweige denn mehrere Fangruppierungen am Runden Tisch teilgenommen haben. Es ist, im Gegenteil, ein Markenzeichen des Runden Tisches, dass er ohne Fans auskommt. Teilgenommen hat ein Vertreter der Fanarbeit. Das war eigentlich überall zu lesen. Zum Beispiel auch in der offiziellen Medienmitteilung. Was denke ich jetzt als Leser der Infobox? Aha, da sitzen die Fans mit am Tisch. Da bestimmen die mit. Dann müssen die aber nachher nicht blöd kommen. Danke NZZamSonntag, danke Infobox.

Rückrundenstart der Gewalt?

Friday, January 15th, 2010

Wie an neuer Stelle vermerkt, widmet sich in der Süddeutschen Buchautor Ronny Blaschke (”Im Schatten des Spiels”) zum Bundesligarückrundenstart der Gewalt im deutschen Fussball bzw. auf den Rängen desselben bzw. vor dessen Stadiontoren, Mannschaftsbussen, Vereinsheimen. Blaschke fragt, wo es hinführen soll, wenn organisierte Fans aus der Kurve mit Gewaltdrohungen Trainer oder Vorstandsvorsitzende wegschreien können. Und er kommt zu keinem guten Fazit: “Wohin Ultras abdriften können, zeigt sich in Italien.”

DSC01781Im aktuellen “Stern“, den ich mir aus diesem Anlass zum ersten Mal in meinem Leben gekauft habe, schreiben zwei ehemalige RUND-Seelen zum selben Thema, mit einer etwas anderen, sagen wir mal Fan-naheren Optik und unter Einbezug entsprechender Gesprächspartner. Interessant am Artikel, der gemessen am Zielpublikum recht breitfächrig und differenziert daher kommt, sind v.a. die sich in dieser Diskussion nie auflösenden Widersprüche. Während etwa von Polizeiseite von “Lebensgefahr für Familien beim Stadionbesuch” gesprochen wird, während in den Stadien selber immer seltener etwas passiert, verweisen Ultras gerne und sicher auch berechtigterweise auf Polizeitaktiken, die Gewalt eher schüren als verhindern. Was denn aber die Polizei damit zu tun haben soll, wenn Braunschweiger einen Zug mit Hamburgern und Hannoveranern angreifen, darauf erhält man keine Antwort. Und dieses Phänomen kennt keine Landesgrenzen, auch nicht gegen Süden hin.

Ein bisschen stossend, wie immer – und auch das kennen wir zur Genüge aus eigenen Zeitungen und Zeitschriften – die Bildwahl im “Stern”: ein wahlloses Durcheinander von pöbelnden Cottbussern, vermummten Rostockern und zündenden Leverkusern. Die Gewalt hat halt viele Gesichter, gell.

Nachtrag zu phootballs Schneeball-Kommentar: Das hab ich auch gesehen gestern. Der Beamte in seiner Überwachungs-Loge, der sagt: Und wenn wir die kriegen, dann gibt das Stadionverbot. Erinnere mich an einen ähnlichen Vorfall in St. Gallen vor einigen Jahren. Der “Blick” schrieb danach von “Hooligans, die Schneebälle aufs Feld geworfen haben”. Es wird immer schlimmer. Immer schlimmer wird es. Schnee als Waffe. Künftig wird es in der Stadionordnung auch heissen, es sei verboten, Schnee mitzuführen. Oder das Schneien wird grundsätzlich unter Strafe gestellt.

Zürcher Südkurve

Friday, January 8th, 2010

“Im Schatten der Westtribüne liegt die Südkurve, in welcher das Fanklubvolk die Stellung hält, den Herren der Haupttribüne schräg gegenüber. “Das ist schon recht, dass die das Geld geben, aber fisi Sieche sind sie trotzdem.” So hat einer aus dem Fahnenwald, dessen Jeansmontur mit Klubabzeichen überdeckt ist, während einer der stillen, trüben Meisterschaftspartien es einmal gesagt. Die Sangeskunst, halb Selbstdarstellung, halb Beschwörungsformel, ist dumpfer, martialischer geworden. “Hardturmleute siegen heute”, hallt es im Sprechchor unnachgiebig aus der Südkurve, auch wenn der Alltag den Hardturm ernüchternd wieder hat und ein paar tausend Unentwegte Nachmittagsruhe zu halten scheinen. “Sieg! Sieg!” wird dazu aus einem Tross gefordert, die Fäuste reihenweise erhoben. Auf den Hardturm kommt die Jugend im Klubtrikot, aber wie es aussieht, ist sie nicht gänzlich abgeneigt, nach eigenem Gesetz inskünftig bandenmässig aufzutreten. Der Taumel der Begeisterung, wenigstens im Fussball soll er sein! Zur Hochstimmung gehören nicht nur am Stadtmatch die Raketen, die knatternd in der Nacht verglühen, die Bierdeckel, die zuhauf über das Gitter geflogen kommen, die Klosettrollen, die als Papierschlangen auf den Rasen niedergehen.”

Vorliegender Auszug stammt aus einem wunderbar anmütigen Zeitungsartikel von Fritz Hirzel vom 9. Oktober 1982, erschienen unter dem seltsamen Titel “Ein Tatort, der Geschichte hat, Planken mit Patina” im Tages-Anzeiger. Ungeachtet dessen, dass es eine Schande ist, nicht den gesamten Text zur Verfügung zu stellen (zu spät, um alles abzutippen, sorry, steigt selber ins Archiv), kommen bei der Lektüre dieser Zeilen ein paar brennende Fragen auf den Tisch: Standen die hartgesottenen GC-Fans früher im Süden ihres Stadions, also in der späteren Auswärtskurve? Benannten sie ihren Standort auch nach der Himmelsrichtung, in der er sich befand, oder tat dies nur der Journalist? Wer hat’s erfunden? Und nicht zuletzt: Warum holt niemand Fritz Hirzel zurück zum Tagi?

“Die eigene Party feiern”

Friday, January 8th, 2010

Vereine und Spieler würden sich immer weniger für die Menschen auf den Rängen interessieren, sagt Michael Gabriel, weshalb die Leute auf den Rängen auch zunehmend ihre eigene, vom Spiel losgelöste Party feierten. Der Leiter der deutschen Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) in Frankfurt spricht in einem ausführlichen Interview mit der Süddeutschen Zeitung über Ultras und Fussball und macht dabei deutlich, wie hilfreich es sein kann, wenn Leute ausgebildet werden, um eine Ahnung zu haben. Eine Ahnung von den Abläufen in der Fanszene zum Beispiel. In der Schweiz sind Ansätze vorhanden, doch die Rückschläge lassen nicht lange auf sich warten: So kürzt die Stadt Luzern ihren Beitrag an die dortige Fanarbeit um 45′000 auf 20′000 Franken, was nicht nur die Fanarbeit an sich, sondern auch das Fanlokal Zone5, in dem die Fanarbeit eingemietet ist, existentiell bedroht. Die lakonische Begründung für die Sparmassnahme: die meisten Fans wohnten ohnehin nicht in der Stadt. Mit dieser Logik könnte Luzern auch gleich seinen ÖV einstellen, wird er doch auch nur zu einem Teil von Stadtbewohnern genutzt.