Archive for the ‘Allgemein’ Category

Feld, WALD, Wiese

Wednesday, September 1st, 2010

Wenn Sie in Ihrer Freizeit auch nicht viel Gescheiteres zu tun haben, als sich Videos anzuschauen von gut gebauten Männern, die anderen gut gebauten Männern in entlegenen Waldstücken auf die Fresse hauen, dann erkennen Sie bestimmt ohne zu zögern, dass es sich auf diesem Bild um eine Gruppe ebensolcher Männer handelt. Man sieht sie in ihrem angestammten Revier, dem Waldrand. Diese Männer brauchen den Wald. Er ist ihr temporärer Lebensraum. Grossflächige Waldzerstörungen würden ihre Identität in den Grundfesten erschüttern.

Nun ist es sehr verwunderlich, dass dieses Bild nicht etwa aus einer einschlägigen Postille stammt, sondern aus dem Auslandteil der Neuen Zürcher Zeitung vom 28. August 2010. Es bebildert einen längeren Artikel über ein Waldstück in der Nähe von Moskau, das seit Jahren heftig umkämpft ist. Die Regierung gedenkt, den Wald zugunsten einer 18-spurigen (ja, 18) Autobahn von Moskau nach Leningrad abzuholzen. Umweltschützer sind dagegen. Und was machen nun die starken Männer? Müssten sie sich nicht eigentlich den Umweltschützern anschliessen zur Verteidigung ihres Habitats? Ja, müssten sie eigentlich. Doch stattdessen ziehen sie los, um die Umweltschützer zu verdreschen. In ihren Augen vermutlich alles Asoziale. “Provokateure” und “Rowdys” werden die starken Männer in der NZZ genannt. Interessant.

Vo Huttu uf Tottu

Thursday, August 19th, 2010

Ossie Ardiles war ein gern gesehener Gast in Londons Tonstudios. Immer wenn sich Tottenham wieder einmal für einen Final qualifizierte und dafür eine neue Platte aufnahm, liessen sie Ossie ans Mikrofon und lachten herzhaft, wenn er sein “Dottingham” sang. Er ist ein feiner Mensch, heisst es, und er war ein feiner Fussballer, und so war ihm dieses “Tottenham” mit drei “t” einfach zu hart. Sehr wahrscheinlich.

Ich wanderte einfach einmal los in Huttwil, das Ossie wohl auch anders nennen würde. Kaum zu glauben, aber nach 500 Metern links ist man schon in diesem Emmental, das sie einem via Käsewerbung weismachen wollen. Ich hätte nicht gedacht, dass es das so wirklich gibt. Also so in echt. Mit all diesen gigantischen Höfen mit ihren wahnsinnigen Gärten vorne dran wo das Zeug nur so aus dem Boden knallt, Sonnenblumen höher als Ben Roethlisberger, Krautstielblätter grösser als “Die Wochenzeitung für das Emmental und Entlebuch”. Der eine Bauer lässt seinen Stier auf der Weide, ein beachtliches Vieh mit einem Gehänge bis hart an die Grasnarbe, der andere lässt auf seinen Feldern Kräuter für die Firma Ricola wachsen, hunderte von Metern Holunder, Pfefferminzlegionen in Reih und Glied. Und ich habe eigentlich immer gedacht, die stellen das alles im Labor her. Also diese Kräuternoten.

In der Sonne ist noch ein gäbiges Zimmer frei. Die Schweizer, die slowakische und die deutsche Eishockeynationalmannschaft waren auch schon hier zu Gast. Ob vielleicht der Satan schon in meinem Bett geschlafen hat oder gar der Krüger Ralph? Der Krüger Ralph. Der Aeschbacher Koni. Der Horak Hansjürg. Der Stettler Toni. Einen Tag vor dem YB-Spiel redet am Stammtisch keiner von Fussball. Alle nur vom Eidgenössischen. Aber alle. Und immer der Nachname zuerst. Aber immer. Der Hofer Martin. Vor dem Einschlafen blättere ich noch “Ansichten einer Region” durch. Und staune nicht schlecht, als ich auf Seite 35 sehe, dass Lothar Matthäus nach seinen Engagements in New York, Belgrad und Budapest jetzt im Emmental die Liebhaberbühne leitet. Das Stück heisst denn aber auch “Der schwarze Hecht”.

Es lacht einem laut das Herz, Meter für Meter, den man abspult in dieser Landschaft. Hier kreutz ein Reh den Weg, da hämmert ein Schwarzspecht auf eine Buche ein, und oben kreist ein Dutzend Milane. Wäre ich eine Maus, ich würde rufen “Milan, Milan, vaffanculo”, aber ich bin nur ein Wanderer. Unterwegs esse ich den Hefenussgipfel aus der kleinen Bäckerei, denn wenn die Dörfer auch winzig sind und es nicht mehr viel an Öffentlichem gibt, eine Bäckerei hat es immer. Oder auch zwei. Mit Meränggä gross wie Krautstielblätter. Emmentaler Krautstielblätter wohlverstanden. Die Postkarte habe ich leider schon eingeworfen, als ich sehe, dass der Briefkasten schon um acht geleert wurde. Sakerment. Was will man denn da mit A-Post? Wenn ich aufwache, mich anziehe, frühstücke, dann sofort einen wichtigen Brief schreibe, dann muss ich mit dem Velo zehn Kilometer weit fahren bis zur nächsten Poststelle, wenn ich will, dass der Brief am nächsten Tag ankommt. Oder ich muss um halb fünf aufstehen. Dicke Post. Gut, man muss auch sagen, die immer früheren Leerungen kompensieren sie wenigstens mit immer späteren Zustellungen.

Irgendwann komme ich in Bern an. Es hat schon ein paar englische Nester in der Stadt. Immer wenn ein YB-Fan an ihnen vorbeigeht, rufen die Engländer den Namen eines Chinesen, ich weiss nicht warum. “Hu A Ja, Hu A Ja”. Im Anker essen am Nebentisch vier ältere Semester aus London, drei Männer und eine Frau. Die Frau bestellt eine Speckrösti mit Spiegeleiern, dazu ein Bier. Die drei Männer bestellen alle Spaghetti Bolognese, dazu je eine Portion Pommes frites. Und auch Bier. Ausser einem, der bestellt ein Diet Coke. Er sieht aber so aus, als lege er sein Schwergewicht ernährungstechnisch auch sonst eher aufs Essen als aufs Trinken.

Im Stadion hauen sie einem die Tore nur so um die Ohren. Die oft gestellte Sinnfrage im Zusammenhang mit für Fussball aufgewendete Zeit beantwortet Moreno Costanzo mit seinem Pass auf Hochstrasser. Ich spaziere lange nach Schlusspfiff noch am Stadion-TV-Studio vorbei zum Grillstand, wo Marcel Koller nicht weiss, was er nehmen soll und sich am Ende für einen Hotdog entscheidet, mit Senf. Ich nehme die letzte, lauwarme YB-Wurst. Ein Fehler. Ich werde sie später der Stadt Bern zurückgeben müssen. Dass die heutigen Eventcaterer die Würste nicht mehr durchbraten, weiss man ja. Aber bei einem Schüblig fällt das halt anders ins Gewicht als bei einer Kalbsbratwurst. Gopferteli.

Wie meistens in Bern endet der Abend in ausgesprochen netter Gesellschaft, diesmal mit ein paar Urtrüben. Ich höre noch von einem, der mit dem Velo losgefahren ist nach London, fürs Rückspiel. Vielleicht gewinnen sie ja auch dort. Ich weiss es nicht. Niemand weiss es. Die Antwort kennt nur der Wind, der über den Grat bläst, der zum Ahorn führt. Ein Most, und runter nach Huttwil. Oder Hudwu.

Im Iran

Monday, August 16th, 2010

Zur Verfügung gestellt von Christoph via unsern Leser Daniel. Muchas Gracias und Inshallah.

Im Zug

Sunday, August 15th, 2010

Sind Zugfahrer/-innen eigentlich erfolgreichere Menschen? Erlebt man mit der Bahn mehr als auf der Strasse? Und gibt es heute überhaupt noch ernsthafte Fussballteams, die im Speisewagen an einen Match fahren?
Zuerst zur letzten Frage: Erstaunlicherweise reiste der FC Naters heute per Eisenbahn vom Wallis nach St.Gallen zur Cuppartie gegen den SC Brühl. Der Grund: Der Reisecar kann nicht auf den Autozug durch den Lötschberg verladen werden und der Umweg auf der Autobahn über den Genfersee lohnt sich nicht. Zur Frage nach dem Erfolg: Naters vergibt in der zweiten Halbzeit erstklassige Chancen zum Ausgleich und scheidet mit 0:1 aus dem Cup aus.- Nun zur schwierigsten Frage: War die beschwerliche Anreise mit dem Zug schuld an der Naterser Niederlage, wurde die Mannschaft abgelenkt durch Handygeplapper oder Jugendliche auf dem Weg zur Streetparade? Wurde den Oberwallisern gar der Speisewagen zum Verhängnis? – Wir wissen es nicht. Aber eines ist sicher: Es wäre jammerschade, wenn der FC Naters die schöne Zug-Tradition nach dem Misserfolg in St.Gallen wieder aufgeben würde. Denn auch die SBB könnten die Gelegenheit nutzen und statt den ewig gleichen Schauermärchen über Fussballfans in Extrazügen eine Werbekampagne lancieren mit Fussballern der ersten Mannschaft des FC Naters. Szenen dazu gibt’s genug. Man braucht nur mit jenen zu reden, die ein Leben lang mit der Bahn unterwegs waren zu Fussballpartien in der ganzen Schweiz, zum Beispiel der 90-jährige ehemalige FCSG-Spieler Röbi Engler: „Wir mussten mit dem Zug nach La Chaux-de-Fonds an ein Auswärtsspiel, und der Hugo wollte unbedingt mit, aber für ihn gab es neben Mannschaft und Trainer kein Billet mehr. Der Hugo Heilig, unser Masseur! Der hat die Beine mehr gekitzelt als geknetet und mit seinen Wässerli eingerieben, aber das war ein lieber Kerl. Da ging er in den Speisewagen und fragte, ob sie noch einen brauchen können. Mit Erfolg. Der Hugo hat Teller abgewaschen, bis wir in La Chaux-de-Fonds waren.“ – Sollte das den Werbern der SBB doch zu verstaubt vorkommen und zu sehr an „Mein Name ist Eugen“ erinnern , dann können sie sich auch einfach auf dem Bahnhof in Brig aufstellen, zum Beispiel gerade jetzt und die Gesichter der geschlagenen Naterser Cup-Helden festhalten, die kommen jetzt dann gerade an, Abfahrt in St.Gallen war um 21.11 Uhr, Ankunft in Brig ist um 1.20 Uhr.

Fairness?

Thursday, August 5th, 2010

Während der WM und dem Saisonstart in der Schweiz habe ich wieder mal gemerkt, dass es zwei unterschiedliche Interpretationen von Fairness gibt. Für die einen bedeutet Fairness, dass man lediglich gemeinsame Regeln und Sanktionen festlegen muss. Eine Angelegenheit ist dann fair, wenn derjenigen bestraft wird, der gegen die Regel verstossen hat. Rolf Fringer beispielsweise behauptete, dass die rote Karte gegen Suarez im WM Viertelfinal unfair gewesen sei, da es ja schon Elfmeter gegeben hätte. Die Idee dahinter ist, dass man jemanden nicht für das gleiche Vergehen zweimal bestrafen darf. Auf der anderen Seite steht die Ansicht, dass Fairness eine Einstellung ist. Der Spieler soll versuchen, sich an die Regeln zu halten – unabhängig von den möglichen Konsequenzen. Diese Ansicht gipfelt in der (zugegeben) naiven Vorstellung, Fabiano hätte zumindest nach seinem dritten Handspiel eigentlich zugeben müssen, dass sein Tor nicht regulär war. Selbstverständlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Fussball soll ja nicht päpstlicher sein als der Papst. Trotzdem hat mich in letzter Zeit das Gefühl beschlichen, Fairness im Fussball werde immer häufiger als “crime and punishemt” betrachtet. Für mich liegt darin auch der Grund für die unsäglichen Diskussionen über Schiedsrichterentscheidungen. Wenn die Bestrafung zu einem zentralen Element eines funktionierenden Spiels wird, dann bekommt die Rolle des Schiedsrichters mehr Gewicht und somit steigt auch die Fehleranfälligkeit. Ich aber denke, dass eigentlich die Spieler in der Kritik stehen müssten.

Es braucht ja nicht gleich Aktionen wie im Video. Ich hoffe aber einfach, dass wir nicht die ganze Super-League Saison lang über Schiedsrichterentscheide diskutieren müssen, sondern hin und wieder auch mal ein bisschen gelebte Fairness zu sehen bekommen.

Traumduo am Weiher

Saturday, July 24th, 2010

Es war eine kurze Email-Nachricht an Freunde unter dem Titel „geilesommerlochgeschichte“. Einige löschten sie wegen Spamverdacht sofort, andere schmunzelten über den 63-jährigen Verfasser, der von höchster Stelle bestätigt bekam, wie gut er fussballerisch immer noch im Schuss ist. Mich erinnerte der Bericht dagegen an eine eigene Enttäuschung: Ende der 60er-Jahre lockte mich mein Vater an einem Sonntagmorgen aus der Stadt hinauf auf Dreiweihern. „Lausanne mit Dürr und Chapuisat trainieren heute dort oben.“ Keine Ahnung, wo Vater das Gerücht aufgeschnappt hatte. Es gab an jenem Wochenende ein Trainingsspiel in der Stadt zwischen LS und dem FCSG. Von den Spielern war allerdings an jenem Sonntag auf Dreiweihern nichts zu sehen. Der rebellische und abwesende Chapuisat wurde dennoch zu meinem Vorbild und vielleicht habe ich mich gerade deshalb so über das Mail gefreut, weil mein Vater nachträglich doch irgendwie recht bekam: Manchmal tauchen sie wirklich an unscheinbaren Orten auf und spielen ein ganz gewöhnliches Mätschli mit alten Freunden, die grossen Stars. Aber man weiss eben nie im Voraus, wann und wo und geniesst es  umso mehr, wenn man mit dabei ist. Also hier jetzt die Email-Nachricht von meinem Freund:

„Gestern hatte ich das Vergnügen mit tranquillo barnetta einen match auf drei weihern 5 gegen 5 zu spielen. Ich und quillo harmonierten ausgezeichnet zusammen. wir gewannen das spiel 5 zu 4, und schossen je 2 tore, jeweils auf pass vom andern. das letzte tor erzielte barnetta auf eine massflanke von mir mit einem wuchtigen kopfstoss in das 120cm tor. auf dass ich zu ihm meinte, so sollte es in der nati laufen. seine antwort  darauf, leider fehlt es mir da an solchen mitspielern.“ 

Elfmeter selber basteln

Friday, July 23rd, 2010

Elfer-selber“Riesenspass: Elfmeter schiessen” – das findet nicht Asamoah Gyan, sondern “Selber machen – Die praktische Zeitschrift für praktische Leute”. Leser und Blogseelsorger Rafael hat uns die Ausgabe Nr. 10 vom Februar 1975 zukommen lassen, wo über vier volle Seiten ausgeführt wird, wie man sich seinen Kicker und seinen Torwart zurechtschustern kann. Alles sehr raffiniert. Nur: Wer soll das alles basteln? Wer bitteschön soll “die Körperrundungen mit Feile und Schleifpapier herausarbeiten und alles nach Lust und Laune bemalen”?

Da heulen die Wöfle!

Friday, July 23rd, 2010

woefliLive vom Uhrencup in Grenchen berichtet unser Leser Urs. Als Buchstabenexperte weist er uns auf die Titelgeschichte des Matchprogramms von Spieltag 1 hin, wo es darum geht, dass ein blondierter Jüngling nach ausgedehnten Südafrikaferien an seine Heimstatt zurückkehrt. Ein weiterer kleiner Fehler hat sich ausserdem unten links auf der Titelseite eingeschlichen. Der kleine Kasten ist mit “Fussballfan” betitelt, das Bild zeigt aber gar keinen Fan, sondern eine Frau mit einem grossen, sauglatten Coca-Cola-Hut, die eine Art Plastikrohr in der Hand hält und damit vor einem Gebüsch posiert. Der Fussballfan ist aber doch einer, der sich ein paar Biere genehmigt und bei einer Niederlage seines Teams jemandem ein paar an den Kopf haut. Und das nicht vor einem Gebüsch, sondern im Stadion. Oder liege ich da völlig falsch?

A spy called Eboué

Friday, July 2nd, 2010

Pleonas- und Hooliganismus

Friday, June 18th, 2010

Die seit dem Ableben der Schweizer AP als Agentur-Monopolistin ihr Unwesen treibende SDA macht heute mit einer verblüffenden Verdoppelung auf die Gewalt im Fussball aufmerksam:

Trotz intensiven Ermittlungen sei es noch nicht gelungen, mehrere Dutzend weitere gewalttätige Hooligans zu identifizieren,

wird sie von BaZ bis NZZ zitiert. Na, wenigstens haben sie die friedfertigen schon erwischt.