Archive for the ‘Allgemein’ Category

Fussball im Plattenladen

Friday, February 26th, 2010

DSC01807An dieser Stelle ein Hinweis auf einen Plattenladen im Zürcher Kreis 4 (Zweierstrasse 56) namens SPOOKY SOUND, der eine ziemlich erstklassige Auswahl an verstaubten Fussball-Accessoires feilbietet. Nicht nur schöne alte Dächlichappen wie auf dem Bild, sondern auch viele Fussball-Singles (Vinyl), NLA-Quartette, Bücher und Trikots, z.B. im Moment gerade Originale von Leeds und ManCity (70er), GC (div. 90er), FCB (Pax), Servette (letzte Meistersaison). Mal hingehen vielleicht, wer grad in der Gegend ist. Offen Di, Do, Fr 13-18 Uhr, Sa 12-16 Uhr

Montag in Basel

Tuesday, February 23rd, 2010

Beim Lällekönig, ist das früh. Aufstehen um viertel nach zwei. Im Drämmli sind schon alle gut gelaunt. Aber alles im Rahmen, im Bruno Rahmen. Wir warten bei einer Kirche in der Nähe vom Rathaus, bis es vier schlägt. Einer ist als Costanzo verkleidet. Ganz in Rot und Blau, mit einem Originaltrikot mit Originalunterschriften aller Originalspieler. Als Larve hat er einen Crazy-Fan-Carlsberg-Hut erweitert. Sieht gut aus. Sieht sehr gut aus. Dann, alles innert vier Sekunden: vier Glockenschläge, Morgestraich vorwärts Marsch, elektrisches Licht aus. Wobei in den kleinen Larvenlaternen ja auch fast alles elektrisch ist heutzutage. Also: elektrisches Licht der Strassenbeleuchtung aus. In Liestal, so schrieb die Basler Zeitung, war das auch so. Nur eine einzige Werbeleuchtschrift habe sich nicht daran gehalten: jene der Swisscom.

Diese vier Sekunden um vier lassen dich schaudern, da kannst du nichts machen. Da kannst du die Fasnacht hassen oder Luzerner sein oder Zürcher oder Mainzer. Diese vier Sekunden sollte man sich einmal im Leben geben. Nachher kann man wieder ins Bett oder in die Beiz, eine Mehlsuppe nehmen. Oder einen Gin-Tonic, wie mein Nebenmann, um 04.39 Uhr. Prösterchen, mein Freund, und trösterchen, mein Freund, wie Ivan Rebroff sang in “Schenk noch einen Vodka ein”. Am Nachmittag dann der Umzug, den man Cortège nennen muss, weil es sonst auf die Fresse gibt. Auf einer Laterne stand “Fir alli Unbasler”, und dann waren circa 20 Ausdrücke aufgelistet, die in der Restschweiz anders bzw. falsch gesagt werden. Cervelat zum Beispiel sollte man sich verkneifen. Auf einer andern Laterne ein schönes Gemälde aus lauter Sachen, die man in Basel hasst und am liebsten übermalen möchte mit roter Farbe, was dann auch getan wurde, aber natürlich schimmerte alles noch hervor, das war ja gerade der Effekt. Also auf der Laterne: Bin laden, der FCZ, ein Hakenkreuz, ein Rauchverbot, das Logo der Grünen, das Logo der SVP. Alles Dinge, die dem Basler das Leben versauen. Darum eine Warnung an alle ökologisch denkenden, nichtrauchenden, nationalsozialistischen Selbstmordattentäter unter den SVP-wählenden FCZ-Fans: Meidet den Rhein!DSC01803

Eine Clique hat als Motto die sinnlose Jugendgewalt. “F(r)uschträcht” steht auf ihren schwarzen Hoodies. In der ersten Reihe läuft einer mit einem YB-Schal. Ich interpretiere vom Strassenrand aus: der Inbegriff der sinnlosen Gewalt. FCB-Schals sieht man auch viele, aber eher unter den Schaulustigen. Hinter mir stehen drei Nati-Fans, wobei das ja auch nur Verkleidung sein könnte. Ist ja Fasnacht. Sie blasen in ihre Vuvuzelas. Das gibt sofort eine prächtige Stimmung und man möchte grad in den nächsten Flieger nach Südafrika und dort warten bis es endlich losgeht! Billett hat es ja noch. Dann zieht noch ein Wagen vorbei, bemalt vom schlechtesten Maler der Basler Fasnachtsszene überhaupt. Aber man erkennt den Fussballbezug. Danke sehr. Im Zug dann telefoniert eine junge Thurgauerin mit ihren Eltern: “Holsch mi z’Frauefeld ab?” Dann legt sie auf und versorgt ihr Natel im Natel-Täschli. Es ist ein spezielles Natel-Täschli. Eins mit FCB-Logo drauf.

David Bowie als Vorbild

Monday, February 8th, 2010

GC-Fans haben es in der Tat nicht leicht dieser Tage. Das eigene Stadion gibt’s nur noch als Buch, die sportlichen Leistungen sind ebenso bescheiden wie der Zuschaueraufmarsch an Heimspielen, und die finanzielle Situation ist so prekär, dass man ohne grosses Nachfragen eckelhaften Betrügern auf den Leim kriecht.

Da mag es nicht verwundern, dass sich immer weniger Leute zu diesem Verein bekennen mögen. Prominente schon gar nicht, die gerade in dieser Situation doch als Vorbilder von immenser Bedeutung wären. Einmal mehr lernen wir: Früher war alles besser. Zeigt zumindest das Beispiel von David Bowie.

Es ist das Jahr 1969. Auch damals steht es um die Grasshoppers nicht gut. Der letzte Meistertitel ist 13 Jahre her, die laufende Saison schliesst GC auf dem erbärmlichen 9. Platz ab, drei Punkte vor einem Abstiegsplatz. Im Cup kommt das Aus gegen B-Ligist Chiasso. Und doch scheut sich der junge David Bowie nicht, im Video zu seinem Welthit “Space Oddity” seine Liebe zum Zürcher Verein offen zu zeigen.

And the stars look very different today (Hier der Link zum Video)

bowie

Bremer Beliebigkeit

Saturday, February 6th, 2010

CCI00000Match-Telegramme sind die Wundertüten der Sportberichterstattung. So ist heute zu lesen, dass sich der Bremer Claudio Pizarro für seinen Kopfball ein ganz besonderes Ziel ausgesucht hat: einen Pfosten. Einfach irgendeinen Pfosten. Irgendeinen Pfosten irgendwo auf der Welt. So viele Freiheiten – ist das nicht herrlich?

Zierliche Blues

Friday, January 29th, 2010

chlesea 1983Beim völlig sinnfreien Durchblättern des “Soccer Year Book 1984″ stiess ich auf dieses Bild von Chelsea-Regisseur Pat Nevin aus dem Jahr 1983. Chelsea gewann in der Saison 83/84 die Division 2 und stieg zusammen mit Wednesday und Newcastle in die Division 1 auf. Was auffällt, ist zum einen dieses schöne Trikot von Le Coq Sportif. Das habe ich eigentlich so noch nie gesehen. Zum andern ist da dieses Fragile an Pat Nevin, dieses Grazil-Zierliche. Das war da noch möglich. So konnte man damals gebaut sein und trotzdem Spiele entscheiden. Heute, all diese Ballack-Terry-Drogba-Testosteronbomben. Da würde der Pat Nevin einmal mittrainieren mit denen, man müsste ihn nachher eingestampft im Rasen des Trainingsplatzes suchen gehen. Gut, es gibt auch heute noch Ausnahmen. Luka Modric. Aber sonst? Die kleinen Katalanen zählen irgendwie nicht. Die sind zu zäh. Und zum dritten: von wem er da verfolgt wird, der Pat Nevin, da auf dem Bild. Von einem jungen Mann, der aussieht, als arbeite er in der Charcuterie-Abteilung eines heruntergekommenen Kaufhauses und verbringe zu viel seiner freien Zeit im Pub. Ich finde à propos leider nicht heraus, zu welchem Verein er gehört. Weiss jemand aus der geschätzten Leserschaft vielleicht, wer “McLean Homes” als Trikotsponsor hatte 1983/84?

Dank eines freundlichen Hinweises von Leser Don in den Kommentarspalten empfehle ich im Zusammenhang mit Pat Nevin nachträglich noch diesen Link. Nevin war also nicht nur zierlich, sondern auch sonst anders. The Fall statt Phil Collins – yes!

Samstag in Luzern

Wednesday, January 20th, 2010

Wenn wir pressieren, reichts noch für einen Ausflug ins Eigenthal. Ich war aber schon lange nicht mehr dort. Kenne mich nicht mehr aus. Im Touristoffice am Bahnhof darf ich für vier Franken zehn Minuten ins Internet. Für vier Franken kann ich in Berlin ein Internetcafé kaufen. Aber das interessiert die Office-Dame nicht. Nach 7:20′ weiss ich über das Eigenthal, was ich wissen muss. Was soll ich mit den restlichen 2:40′? Ich gehe mal auf den Knappdaneben-Blog. Da ist ja immer etwas los. War auch schon lange nicht mehr. Aber ja was? “Der Inhalt dieser Seite verstösst gegen die Regeln des Jugendschutzes”, lese ich da. Ich klicke noch mal. Ein neues Fensterchen: “Indizierter Begriff: Sexkontaktheftli”.

Ja also bittesehr. Klar, ich war am Neujahrstag im Thurgau, und da liegen halt einfach Sexkontaktheftli rum. Was kann ich dafür? Die sollen besser den Zugang zum Thurgau sperren als zu diesem Blog. Das wäre dann wirklich Jugendschutz. Bevor ich mich fertig hintersinnt habe, ist die Zeit abgelaufen. Und das Postauto fährt. Der Chauffeur flucht laut. Die Strasse ins Eigenthal ist halt eng. Er flucht wie Emil. Ich merke, dass Emil schon nicht einfach ein Schweizer Komiker war, sondern ganz speziell auch ein Luzerner. “Jo was machsch etz? Was machsch etz was? Fahrsch ächt zrogg? Lueg etz fahrter zrogg. Jo, fahr nome, gopferteli nomol, jo jo, fahr nome.” So geht das die ganze Fahrt. “Was, deet chond nomol eyne? Jo verreckte huere Souseich. Jo chasch dänkä dass ech zrogg fahre. Jo chasch dänkä, domme Siech dä. Jo jo, zrogg! Fahr nome zrogg! För was horni de do di ganz Ziit? Gopferteli nomol.”

Der Chauffeur hat aber auch den Funk auf laut gestellt die ganze Zeit. Nicht, dass er mit jemandem funkte, aber die andern funken. “Hesch öppen’es Billett förs AC/DC-Konsäärt?” “Secher ned, isch jo uusverchouft.” “Äbe drom frogi dänk.” “Aha.” “Jo dänk.” “En alte Maa wie du muess sowiso nömme an es AC/DC-Konsäärt.”

Zurück in Luzern kauf ich mir beim Bachmann noch etwas Feines. So ein Rahmtörtchen, so ein portugiesisches. Sind nicht angeschrieben. Aber ich weiss noch halbwegs, wie sie heissen. “So ein Pasteis de Nata bitte.” “Was?” “Ein Pasteis de Nata, so eins da.” “Aha, es Schnäfeli.” “Aha, Schnäfeli sagen Sie denen.” “Joo. Das send haut so Rahmtörtli os Portugau.” “Ja eben. Die heissen glaubs eben Pasteis de Nata.” “Puuh, ke Aahnig, ech säg dene eyfach Schnäfeli.” Ja du bist mir auch ein Schnäfeli. Sag ich später zu jemandem. Werd ich noch oft sagen in Zukunft.

Am Bahnhof machen sich ein paar Junge mit ein paar Fahnen und Schals auf den DSC01782Weg. Flüchten vor der drohenden Fasnacht. Ja spielt denn der FCL? Das wüsste ich. Ich geh jetzt aber nicht noch einmal extra ins Internet. Die FCL-Seite kann ich sicher auch nicht öffnen vom Touristoffice aus. Da steht sicher irgendwo etwas mit Sex drin. Aber am nächsten Tag erfahre ich, dass die zum Eishockey nach Faido gefahren sind. 50 Zuschauer hatte es da, etwa 7 davon hab ich gesehen. Wir gehen unterdessen in den Ausgang ins Dorf und wieder zurück. Auf dem Billettautomaten steht eine ägyptische Dose Stella. Habe ich nie zuvor gesehen oder getrunken. Passt aber farblich extrem gut zum Billettautomaten.

Wieder in Luzern, merken wir, dass uns die Getränke ausgehen. Es ist aber schon spät. Da passieren wir – ein Wunder fast! – einen Selecta-Automaten mit allem drin, was für die Jugend verboten ist: Bier, Zigaretten. Nur die Sexkontaktheftli fehlen. Jetzt haben die das so gemacht, dass man nach dem Zahlen kurz seine ID durch einen Schlitz ziehen muss. Wenn man dann das richtige Alter hat, gibts Getränke. Bei mir funktioniert es aber nicht. Ich werde fast wahnsinnig. Das können sie nicht machen, einen solchen Automaten aufstellen, und dann geht es nicht. Immerhin, Wunsterunsere Freunde wohnen in der Nähe und haben im Kühlschrank noch eine Dose für drei Personen. Wir verteilen das Bier auf drei Gläser: ein kleines Hochdorfer-Glas, einen Von-Wunster-Stiefel und eine alte Sonnenbräu-Stange.

Jesus von Niederbüren

Friday, January 15th, 2010

Während naive Anhängerinnen der verfehlten Kuscheljustiz noch immer der Frage nachgehen, ob der Internetpranger im Zusammenhang mit Fussballausschreitungen angemessen sei, beweist der Gemeindepräsident eines Ostschweizer Dorfes, was Heilsbringung wirklich bedeutet: Er veröffentlicht die Namen von fünf jugendlichen Ultrabrutalen (ihre Opfer: 1 Christbaumbeleuchtung, 1 Inselschutzpfosten, 1 christliche Fensterscheibe) im Gemeindeblatt. Und die Minarettschweiz applaudiert. Endlich! Recht so! Wo wir uns in der Diskussion so rein niveaumässig bewegen, zeigt unter anderem dieser Kommentar auf tagi-online:

Niederbüren

Den Artikel, auf den sich der Kometirende bezieht, sollten sich trotzdem alle gönnen. Ein Mut machendes Beispiel von Gegensteuer.

Auf ins WM-Jahr!

Monday, January 11th, 2010

Mit 100 Kartons Dortmunder Pilskrone und einem Farbfernseher!

WM1974

Fields of Play

Monday, January 11th, 2010

Aus Basel geht der Hinweis ein (und wird umgehend verdankt) auf die wohl erste von bestimmt mehreren Ausstellungen hierzulande, die auf die WM in Südafrika hinführen: “Fields of Play” heisst sie, wird am 21. Januar in den Basler Afrika Bibliographien eröffnet und heisst im Untertitel “Ausstellung zu Fussballerinnerungen und Zwangsumsiedlungen”. Der Text auf der noch rudimentär gestalteten Homepage lässt ein paar Fragen offen, so zum Beispiel, ob “Zwangsumsiedlungen” nur den historischen Kontext im Apartheid-Staat meint oder auch von den Nebenwirkungen der Stadionbauten für das kommende Turnier erzählt. Der beste Weg, eine Antwort zu erhalten, ist höchstwahrscheinlich ein Besuch der Ausstellung. Winterpausenunterhaltung.

Um Himmelsrichtungs Willen!

Monday, January 11th, 2010

Der letzte Beitrag zum Hardturm-Text von Fritz Hirzel aus dem Jahr 1982 wirft nicht nur bei einigen Lesern die Frage auf nach der Orientierung in der Stadt Zürich, in der Welt und überhaupt im Leben. Ist die von Hirzel erwähnte GC-Südkurve eigentlich im Westen? Oder die Westkurve im Norden? Grosse Konfusion.

Zu den Tatsachen: Der Grasshopper Club nannte den Gästesektor in seinem Stadion, also jener Bereich, der wie von Hirzel beschrieben “schräg gegenüber” der Haupttribüne lag, stets Tribüne bzw. Estrade WEST. Die Tribüne/Estrade SÜD lag gegenüber der Haupttribüne, die wiederum NORD hiess. Interessant: Im alten Letzigrund, dessen Ausrichtung von Südwest nach Nordost ziemlich genau jener des Hardturm entsprach, war die Bezeichnung der Tribünen anders: Die im hardturmschen Norden gelegene Haupttribüne hiess beim FCZ Westtribüne, jene gegenüber deshalb OST, und die dazwischen, in südwestlicher Richtung, SÜD. Vielleicht geriet Herrn Hirzel deshalb einiges durcheinander. Wobei anzumerken ist, dass auch beim FCZ 1982 noch niemand von einer “Südkurve” sprach. Die Krux liegt wahrscheinlich darin, dass die beiden Stadien mit ihrer Schräglage eigentlich Südwest- und Nordostkurven hätten gebären müssen, dies aber aus nachvollziehbaren Gründen unterlassen haben. Wobei eine “Ost-Nordostkurve Zürich” oder etwas in der Art ja noch irgendwie avantgardistisch getönt hätte.

Sion_HardturmWie dem auch sei, dass sich noch lange nach 1982 hartgesottene GC-Fans in jenem himmelsrichtungsmässig umstrittenen Sektor getummelt haben, daran kann ich mich selber gut erinnern. Als sich Sion 1997 mit einem Sieg im Hardturm die Meisterschaft sicherte “so gut wie sicherte” (stellt der Oberwalliser klar), pöbelten sich Zürcher und Walliser durch ein Trenngitter einen Match lang an (s. Bild). Das Trenngitter übrigens war ideal auf linienbewusste Freunde der Erlebnisorientiertheit zugeschnitten, war es doch für Leichte ein leichtes, sich zwischen zwei Gitterelementen hindurch auf die gegnerische Seite zu zwängen, was dann auch mehrmals geschah in jenem Spiel. Das war aber nichts gegen den Platzsturm der Walliser nach Schlusspfiff. Die haben da schön den Zaun eingedrückt. Wir haben unser letztes Bier damals auch noch im Anspielkreis getrunken, was ungefährlich war, gab es doch noch keine richtigen Überwachungskameras, und Karin Keller-Sutter war auch noch nicht an der Macht. Gute Nacht.