(Fremd)schämen mit Daniel G.

Kann man einen Spieler, der von seinem Trainer seit Wochen nicht mehr berücksichtigt wird, vertraglich dazu verpflichten mitzumachen, wenn sich sein Verein öffentlich und vorsätzlich zum Affen macht? Dieser Frage darf sich vielleicht dereinst das TAS annehmen, wenn es mit der ganzen Sion-Sache durch ist. Der FC Luzern hat es eine gute Idee gefunden, sich vom Luzerner Lokalradio Pilatus, einer Speerspitze des Sauglattismus, zu einem Cupfinal-Song überreden zu lassen. Es fehlten Zeit und Musse für eine Eigenkreation, und so hat man sich bei Michel Telo bedient. Herausgekommen ist das hier.

Beim entsetzten Betrachten habe ich die ganze Zeit gedacht: Wo ist der Gygax? Der kann doch da nicht etwa mitgemacht haben? Der hat doch einen Funken musikalisches Gewissen! Der ist doch Freizeit-DJ! Kann Vinyl von CDs unterscheiden! Der lässt sich doch nicht für sowas aufbieten! Und dann, bei Minute 2:35, die Auflösung: In der hintersten Ecke steht er, so versteckt wie möglich, aber halt im Bild (Walti: “Und du machst da mit, basta!”). Und irgendwann wird er seinen Kindern erklären müssen, wie das war damals. Das wird eine schwierige Aufgabe.

(Übrigens: “Blauwisse, Blauwisse, tüend üs im Final verrisse” – Kann noch jemand bitte erklären, um welche Sprache es sich hier handelt?)

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9 Responses to (Fremd)schämen mit Daniel G.

  1. benibunny says:

    Erinnert mich unweigerlich an “Gäll du wählsch mich” von der FDP die “liberalen” Reinach. Die FDP ist bei den Wahlen bekanntlich abgesoffen und war nachher überzeugt, mit dem Song schlimmeres verhütet zu haben. Ich zumindest warte gespannt auf den Cupfinal.

  2. benibunny says:

    Von einem Verein, in dessen Stadion nach einem Heimsieg DJ Ötzi läuft ist bis zum nächsten Konkurs musikalisch nicht mehr viel zu erwarten.

  3. Kulturbanause says:

    Ja, der FCL ist peinlich … nicht nur für den kleinen vernachlässigten Hobby-DJ der ja nur noch wieder an die Limat zurück möchte. Der FCZ will ihn ja auch nicht. Vielleicht sollte er zu Vonlanthen nach Kolumbien ziehen, da könnte er in der Kirche auflegen und ebenfalls vor sich hin “träumen”. Der FCL hat sich seit dem neuen Stadion dem Kommerz verschrieben, was so gar nicht passt. Der Stierli würde seine Mutter verkaufen, als Gästefan wird man wie ein Tier gehalten und dem “Nicht-Fussball” vom Yakin wird es bald gaubschwarz den Rücken runterlaufen. Kein Wunder dass Radio Pilatus da Einfluss nimmt. Man schaue sich im Video mal den Winter an, einfach nur noch peinlich. Früher waren die Zuschauer auf der Allmend zufrieden wenn im Mittelkreis gegrätscht wurde und das Eichhof kühl war, heute haben sie diese Pseudo-Stars welche die Mentalität und den Kommerz noch unterstützen. 1:0, 1:1, 1:0, 0:1, 1:1, 1:0. Die Digital-Resultate wurde ihnen präsentiert von (nicht aus) Muri. Wacht auf!

  4. Aufklärer says:

    Es heisst eben “Mer Blau-Wisse, Blau-Wisse”. Aber mit der Sprache ist es halt so eine Sache. Wir Luzerner fragen uns auch die ganze Zeit, was die Zürcher für eine Sprache sprechen….. Und wer weiss: vielleicht kommt bald der Remix und dann kann auch Daniel G. wieder voll hinter dem Song stehen.

  5. admin says:

    Danke für die Erklärung, Radio Pilatus. Jetzt wo Sie es schreiben, verstehe ich es. Wahrscheinlich habe ich zu wenig lange in Luzern gelebt! Caramba! Das mit dem Remix überlegen Sie sich bitte zweimal. Es wäre ein sehr grosses Risiko.

  6. David says:

    Der Kulturbanause hat vermutlich einst ein Eichhof zu viel getrunken oder bei einer Mani-Joller-Mittellinie-Grätsche eine Zerrung nördlich des Halses zugezogen. Anders ist dieser wirre, ja fast verschwörerirsche, Text mit lauter Verbindungen und Begründungen zu jeglichen Missständen rund um den FC Luzern nicht zu erklären.

    Ich bin fern Sympathien für den FCL zu haben. Dennoch möchte ich ganz kurz gewisse Sachen relativieren. 1. Digitalfussball hat seit Jahrzehnten Tradition auf der Allmend (Ausnahme Fringer, aber das war weder nachhaltig, noch auf der Allmend). Rausch wurde anno ’89 dank lauter 1:0-Siege Meister. Schützenfeste waren in der 80/90er sehr selten zu sehen. Eine stramme und kopfballstarke Abwehr, davor ein laufstarkes Mittelfeld mit defensivem Gewissen und ganz hinten ein durchschnittlicher Torwart; diese waren in der Simioni-Ära oft verantwortlich, dass man eine gewisse Heimstärke der Huub-Stevens-Mentalität verdankte. Zurzeit muss man anerkennen, dass eine hohe Ansammlung von mittelmässigen Fussballern sehr konstante Resultate abliefert, was diese Saison bereits locker zu Rang 2 und einem Cupfinaleinzug reicht. Was nebenbei die zweiterfolgreichste Saison in der 111-jährigen Vereinsgeschichte ist. Also, nur peinlich ist der FCL nicht. 2. Ist der Begriff Kommerz nicht per se schlecht. 3. Radio Pilatus ist sauglatt und sehr oft peinlich, aber der Einfluss auf den FCL ist grosszügig gesagt marginal. 4. Früher und nicht nur heute sind die Pseudo-Stars dem schnellen Geld und/oder unnötigen Engangements verfallen. Admins Plattensammlung ist der beste Beweis dafür.

  7. n. says:

    Im (Un-)Sinne des Fairplays, die sauglattpolierte Speerspitze vom Rhein:
    http://www.youtube.com/watch?v=Qi69-zqNH3c

  8. admin says:

    Oh n., musste das sein? Kannst du diese Verlinkung verantworten?

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