Anlässlich einer Lesung Ende 2009 darauf angesprochen, habe ich “Brügglifäld Olé” wieder aus dem Gedächtnis verbannt, bis mich Herr Roter Stern Unterstrass heute auf den dazugehörigen Clip rund um den FC Aarau aufmerksam gemacht hat. Sie heissen auch die Unabsteigbaren, die Herren vom FCA, und dass man dem unbedingt beipflichten muss, sehen Sie in den folgenden drei Minuten. Oder möchte das irgend jemand missen? Möchte irgend jemand, dass ein Verein, der sowas hervorbringt, von der Bildfläche verschwindet? Nicht im Ernst, oder? Wie schreibt doch schön der Herr Noz im Kommentar: “Gute Güte”. Damit ist ja dann alles gesagt.
Aus Basel schreibt uns der aufmerksame Leser Simon: “Neues aus der Rubrik FCB-Fans-all-over-the-world: Neuerdings werden sie auch für Pyro in Freiburg verantwortlich gemacht.” Und er legt uns dieses Bildschirmfoto ab der Homepage des Noch-Bundesligisten SC Freiburg bei:
Jetzt wo Fifa bzw. Board endgültig und für den Rest des Technologischen Zeitalters NEIN gesagt haben zur Störung des Fussballbetriebs durch Torkameras und Ballchips, habe ich einen Vorschlag: Die Hand-aufs-Herz-Regel. Sie geht so:
Jede Mannschaft hat pro Spiel ein- oder zweimal (das müsste dann das Board entscheiden, von mir aus zweimal) die Möglichkeit, beim Schiedsrichter einen Ehrlichkeits-Check eines Gegenspielers zu verlangen. Das kann eine Schwalbe, ein Hands, ein Phantomtor oder eine vermeintliche Tätlichkeit betreffen. Der Captain der sich benachteiligt fühlenden Mannschaft sagt dem Unparteiischen, welchem Gegenspieler welche Frage gestellt werden soll. Als Beispiel: “Fragen Sie Herrn Henry, ob er den Ball mit der Hand geführt hat.” Herr Henry stünde dann vor der Wahl: zugeben, und in der Kabine von seinen Mitspielern brutal abgeschlachtet werden (Variante ehrlich, selbstlos), oder: abstreiten, und von der durch TV-Beweise medial eventuell extrem aufgeheizten Öffentlichkeit in Stücke gerissen werden (Variante Eigennutz, dumm). “Eventuell” für den Fall, dass das Abstreiten zurecht erfolgte, weil tatsächlich eine Berührung da war oder wie das sonst so im Jargon heisst.
Jetzt kommen Sie natürlich und sagen: Geht nie und nimmer, gibt sofort Rudelbildung um den Befragten, um ihn zu beeinflussen. Daran habe ich aber bereits gedacht. Das Prozedere fände nämlich im Anstosskreis statt, zugegen wären nur die drei Involvierten. Wer den Abstand nicht einhält, direkt Rot.
Ich finde das ehrlich gesagt einen guten Vorschlag: Kostet nichts, braucht keine zusätzliche Technik, garantiert dafür ein paar zusätzliche Emotionen. Ich meine, stellen Sie sich die Frage vor: “Herr Rivaldo, hat er Sie am Kopf getroffen?” Da überlegt sich der doch zweimal, ob er sagt “Ja, mein Herr, mitten ins Gesicht.” Oder? Habe ich etwas vergessen? Nicht, oder? Sepp, ruf einfach an. Ich komm sonst auch nach Visp. Essen wir eine Randenwurst und machen alles klar.
Das fragt uns schriftlich Signore Pippo, der in Kongos Hauptstadt Kinshasa gerade nichts Besseres zu tun hat, als das Hausblatt der Lega Nord, “La Padania”, zu lesen. Online natürlich, er hat es nicht extra abonniert. Also in der “Padania” las er übersetzt:
Balotelli in die Nationalmannschaft! Von der Qualität her ist der Junge der Spieler unserer Zukunft. Die drei dunkelhäutigen Spieler Balotelli, Ogbonna und Okaka, die für Italiens U-21 gegen Ungarn ein exellentes Spiel absolviert haben, sind ein Hinweis darauf, dass sie in jeder Hinsicht Italiener sind. Sie sind in unserem Land geboren, hier haben sie studiert und die Grundlagen des Fussballs gelernt.
Das schreibt also “La Padania”, das Sprachrohr der Padanier und Legisten, während in den Stadien zwischen Turin und Catania Balotelli-Bashing betrieben wird, und zwar in einer Weise, dass selbst die “Weltwoche” unlängst die Frage in den Raum stellte, ob die Italiener Rassisten seien (wo doch Rassismus eine Erfindung von Georg Kreis ist, die Gleichstellung ein Irrtum und der Klimawandel ein warmer Furz). Nun also fragt Pippo: “Ein kleiner Lichtschimmer? Darf man hoffen?”
Keine Ahnung. Eher nein, sehr wahrscheinlich. Aber die besten Grüsse nach Kinshasa, so oder so.
Im noch genau bis heute Nacht aktuellen “Magazin” wird Zürich beklagt, unter anderem so:
«Verdichtung bedingt eine andere Wertstruktur in den Köpfen», sagt Architekt Marcel Meili. «Verdichtung heisst, einen Neubau zu akzeptieren, auch wenn er dir die Sicht auf den Uetliberg wegnimmt.» Meili weiss, wovon er redet. Vor sechs Jahren stand sein neues Hardturmstadium vor der Realisierung. Dann zog die Credit Suisse nicht mit, eine spiessige Anwohnerschaft blockte aus egoistischen Gründen. Meili hat das Projekt begraben. Er wird sich nicht am Wettbewerb für die bescheidene Variante eines neuen Hardturmstadions beteiligen.
Jetzt stellen sich natürlich sehr viele Fragen. Zum Beispiel zur Spiessigkeit. Ich kann mich an das kollektive Aufatmen (u.a. in Kommentaren in Tagi und NZZ) erinnern, als das 5-Eck von Meili/Peter letztes Jahr endgültig begraben wurde. Der Tenor war: Diese doofen Anwohner, aber eigentlich hatten sie recht. Eigentlich müssen wir froh sein. Ich weiss nicht, was spiessiger ist für eine, schon rein topografisch, ewige Kleinstadt wie Zürich: dass ein paar keine Lust haben auf ein Monument vor der Haustür oder dass ein paar Lust haben auf zwei leere Stadien statt nur einem.
Erinnert sich noch jemand an die Demo gegen die Verhinderer-Spiesser auf dem Turbinenplatz (auch der müsste vielleicht beizeiten mal einer Spiessigkeitswertung unterzogen werden)? Die FDP machte den Max und Hotz gab auf der Bühne den Empörten und ein paar verwirrte Freunde der dritten Halbzeit freuten sich, endlich einmal in aller Öffentlichkeit kund tun zu dürfen, was sie von Linken halten. Wie verdichtet war denn dieser Anlass? Sieht so der Kampf für das Zürich von morgen aus? Frau Fiala für fünf Ecken?
Und jetzt müssen wir also vernehmen, dass sich Meili/Peter nicht mehr beteiligen, wenn es um den Entwurf eines neuen, kleineren Hardturmstadions geht. Es wollen mir einfach nicht recht die Tränen kommen. Genau so wenig wie es mir gelingt, ein tiefes Leiden zu entwickeln angesichts Zürichs Durchschnittlichkeit. Die Nicht-Spiesser haben ja Easy-Jet. Können shoppen in NY, wenn Apple Europa später bedient mit dem neusten i-Wank. Oder Ferien machen in Dubai. Das ist so verdichtet, da herrscht die reine Progressivität. Fragen Sie Roger Federer.
Das deutsche “Magazin für Fussballkultur” 11freunde ist 100 geworden. Und hat eine schöne Jubiläumsnummer produziert, die auch an hiesigen Kiosken erhältlich ist. Die 7.70 Sfr auszugeben lohnt sich allein schon wegen des grossartigen Tischgesprächs der Herren Biermann, Breuckmann, Redelings, Brux und Köster unter dem Titel “Was hat uns bloss so ruiniert?” Ein Auszug:
Köster: Uns hat vor kurzem ein Fan aus Hamburg trotzig gesagt: “Also für mich bleibt es die AOL-Arena!”
Breuckmann: Ja, die jungen Leute haben dieses ganze Glitzerpaket Fussballbundesliga inhaliert. Die haben sich daran gewöhnt, es wird nicht mehr in Frage gestellt. Man darf sich keine Illusionen machen, dass eine Kommerzkritik grossen Nachhall finden wird.
Dies und noch viel mehr Aufschlussreiches, Kontroverses und zum Teil ausgesprochen Lustiges findet sich auf den Seiten 56-63. Und jetzt ab!
Wer sich mal einen kleinen wissenschaftlichen und vermutlich nicht allzu falschen Überblick über die europäische Ultra-Szene verschaffen möchte, kann hier eine Expertise des Instituts für Sportwissenschaft der Leibniz Universität Hannover runterladen, die zuhanden des Europarates verfasst wurde. Die Schweiz kommt darin auch ein bisschen vor. So ist u.a. zu lesen, der Frauenanteil in hiesigen Ultra-Gruppierungen sei überdurchschnittlich hoch. Das wär mir jetzt z.B. noch nicht so ins Auge gestochen bis jetzt, aber ich sehe auch nicht mehr so gut wie früher.
Ach ja: Die Lektüre ist übrigens auch all jenen Abermillionen von Maturandinnen, Fachhochschülern und BMS-lern zu empfehlen, die für ihre Abschlussarbeiten das originelle Thema “Fans” respektive meistens “Ultras und Hooligans in der Schweiz” gewählt haben und dann, wenns ums Recherchieren geht, merken, dass sie fast nichts Gescheites dazu finden und dann in kompletter Not Hilferufe in Fan-Foren platzieren oder unbedarfte Blogger mit verzweifelten Mails eindecken.
Dies richtet sich an alle mit Wahlberechtigung in der Stadt Zürich: Geht an die Urne am Wochenende, wenn Ihr nicht schon längst brieflich abgestimmt habt. Es gibt nicht nur Renten zu retten, sondern auch Listen einzuwerfen. Die Auswahl ist gross: “Islamisierung und Afrikanisierung stoppen”, das wäre dann die Liste 88 8. Muss jetzt aber nicht sein, oder? Lieber Liste 7, damit es auch zu Fraktionsstärke reicht. Danke. Hinter der Liste 7 stehen – hallo Fussballbezug – auch jene, die sich gegen vorsorgliches Datensammeln unter Fussballfans ausgesprochen und eingesetzt haben (Gamma nein). Und heute für günstigen Wohnraum kämpfen. Und für eine offene Stadt, auch gegen die sozialen Ränder hin. Weil nicht alles, was stört, verboten gehört.
Die Tartan Army und der FC Bayern – eine wilde Liebe! Das zumindest legen Sutherland Brothers & Quiver nahe, deren Single ich gestern in einem schönen Laden in einer kleinen Kiste gefunden und gekauft habe, für fünf Stutz. Der Song, naja.
Jetzt endlich übersichtlich! Rechts unter “Seiten” findet sich jetzt eine eigene Knapp-daneben-Stadionpostkarten-Rubrik. Damit man auch wirklich mal drauskommt.