Und wer lieber liest als lost: voilà.
Und wer lieber liest als lost: voilà.
Sie sind weg, die Trikots, und sie haben zwischen 40 und 250 Franken eingebracht. Total sind 525 Franken zusammengekommen, die nun an Amnesty International überwiesen wurden (Belegkopie rechts). Vielen Dank allen Bietenden. Es war irgendwie noch glatt.
“Hast gestern was verpasst (jazzclub lustenau).” War der ganze Gruss aus dem
Rheintal, dazu ein Stück Musik aus der Alpenrepublik, über die grösste Figur
des Austria-Fussballs.
Mein erster Gedanke dazu: Grenzlage hat auch Vorteile. Sport und Musik so
genial zu verbinden, das schaffen sie auf unserer Seite des Rheins einfach
nie. Aber nur wir draussen am Ostrand der Schweiz bekommen all das überhaupt
mit. Dann kam mir eine Geschichte von meinem Vater in den Sinn: Nach dem
Krieg tingelte die Austria aus Wien durchs Land und verzauberte in einem
Freundschaftspiel gegen ein Team aus Widnau die schwerfälligen und
unbeholfenen Kicker aus dem St.Galler Rheintal. Das Spiel fand auf dem alten
Sportplatz im Auwald statt, der bei Hochwasser regelmässig mit Kies und
Sand überschwemmt wurde. Vater schwärmte wohl auch wegen dieses
unvergesslichen Moments für grosse Fussballer in Rot-Weiss-Rot, ganz
besonders hatten es ihm all jene gleich von der anderen Seite des Rheins
angetan, die es bis nach Innsbruck, Wien und weiter ins Ausland schafften.
Immer wieder fragte er mich: “Bruno Pezzey von der Eintracht Frankfurt!
Weisst du, wo der herkommt?” – “Aus Lauterach!” . “Stimmt. Dort gibt’s auch
einen grossen Güterbahnhof”. Das Vorarlberger Dorf Lauterach ist 12.4
Kilometer von Lustenau entfernt.
Dummerweise geht die Pointe dieses Eintrags nicht ganz auf: Der grosse
Fussballer, der im Jazzclub besungen wurde, spielte nach dem Krieg eben
gerade nicht bei der Austria, sondern beim Lokalrivalen Rapid. Sonst könnte
ich jetzt überall herumerzählen: “Mein Vater hat ihn noch mit eigenen Augen
spielen sehen, den grossen …., damals 1947 am Rheindamm”. Aber eigentlich
ist das von St.Margrethen an westwärts ja gar kein Problem. Wer interessiert
sich denn in der Schweiz schon für den Unterschied zwischen den Grünweissen
und den Veilchen aus Wien?
Und jetzt alle mal hinhören: Glernt
Evt. auch noch geeignet für eine kleine Manipulation am Schnittpult: “Now let’s the party begun!” (Rainer Maria Salzgeber nach dem Cupfinal zu Milan Vilotic)
Abstiegskampf in der 1. Liga, Mitte 2. Halbzeit, hinter dem Zapfhahn:
“Du, das Fass ist aber noch fast voll.”
“Mach dir keine Sorgen. Die von Kreuzlingen kommen sicher noch einmal.”
… auf Mandatsbasis für den FCZ. Oder gibt es noch andere Erklärungen für das hier?
Es ist nicht gerade, was man erwartet hätte: ein 320-seitiges Buch zum Servette FC im Frühling 2013. Es gäbe marketingtechnisch günstigere Momente, mit einer solcher Publikation aufzuwarten, als ausgerechnet jetzt und heute. Nur: Kümmern mich Marketingtechniken, wenn ich meinen Verein liebe? Interessieren mich Work-Life-Balances, wenn ich für meinen Verein ohnehin so viel Zeit aufwende, dass ich aus dem Ungleichgewicht gar nie mehr herausfinde?
Ein Deutschschweizer und ein Welscher, die sich hinter den Pseudonymen Jacky Pasteur und Germinal Walaschek verstecken (aus einer von Enthusiasmus durchtränkten
Bescheidenheit), haben zwischen September 2011 und Dezember 2012 online Geschichte und Geschichten zum SFC und seinen Protagonisten zusammengetragen, jeweils inspiriert von der gerade anstehenden Partie oder einem anderen aktuellen Ereignis rund um den Klub. Daraus ist “Un peu d’Histoire …” geworden, und das ist natürlich eine glatte Untertreibung. Was das Buch an Anekdoten, Grafiken, Illustrationen, Bildern und Querverweisen bereit hält, ist beaucoup, beaucoup, beaucoup. Und für alle weit weg von Genf genau deshalb von Interesse, weil aus jeder Zeile diese sympathisch nutzlose Liebe zum Detail spricht, diese Begeisterung für etwas, das gemessen an ökonomischen Kriterien keine Zuwendung verdient hätte.
Vor dem Heimspiel gegen YB am 28. 4. 2012 zum Beispiel gedenken die Autoren der langen Geschichte der Charmilles bis zum letzten Abend, dem Match gegen YB im Dezember 2002, als Léo Thurre kurz vor Schluss in Unterzahl zum 4:4 (!) ausglich und Servette und seine Supporter sich so in Würde von ihrem geliebten Heim verabschieden konnte. “Rien n’effacera 72 ans d’histoire”, stand damals auf dem Transparent in der Kurve, und wie sehr das stimmt, beweist auch und gerade dieser Text in diesem Buch.
Vielleicht bedeutet es für die einen eine qualvolle, mit Traumata belegte Anstrengung, für die Lektüre dieses Buches das Schulfranzösisch aus den 80er Jahren zu reaktivieren. Wenn ein Buch aber etwas Schweiss und Tränen wert ist, dann “Un peu d’Histoire …”. Es zeigt, dass der Schweizer Fussball auch dort lebt, wo er für scheintot erklärt wird. Und dass die Sauerstoffzufuhr oft genug von unten kommt, von selbstlosen Freaks, die ihr Wissen und ihren Überblick ohne Lohn Gleichgesinnten zur Verfügung stellen, auf dass es weiter schlägt, dass Grenat-Herz.
“Un peu d’Histoire …”, Jacky Pasteur et Germinal Walaschek, Ibach 2013.
Screenshot aus der beliebten Tagi-online-Rubrik “Sportbilder der Woche“:
Wir danken Leser Raphi für den Hinweis.
Gestern bekam ich einen Brief. Ein Brief von Herrn Dosé und Herrn Canepa. Dass ich Ja stimmen soll am 22. September und dass ich ins Ja-Komitee reinkommen soll. Dazu: eine Broschüre. “Zwei Clubs, ein Stadion.” Vor nicht allzu langer Zeit hat der eine der zwei Clubs noch ein Buch herausgegeben über sich selbst mit dem Titel “Eine Stadt, ein Verein, eine Geschichte”. Nun aber gut, wie dem auch sei und item. Drinnen in der Broschüre: “Zürich ist die Fussballstadt der Schweiz.” Die kursiv ist von ihnen, nicht von mir. Das ist mutig. Das ist tollkühn. Das riecht nach Aufbruch! Aber zuerst wurde ja einmal abgebrochen auf dem Hardturm, vor allem. Und bis heute weiss niemand, warum. Aber einerlei. Schön ist dann der Schluss der Broschüre, die letzte Seite. Hier lässt man Eric Cantona das Schlusswort. Und er sagt: “We knew that you don’t get to be world champions without a struggle.” Ich glaube ihm das sofort, dem Eric. Dass sie das wussten. Nur ist er es ja gar nie geworden, Weltmeister. Bei allem Wissen um die Wichtigkeit vom struggle. Und was lehrt uns das? Keine Ahnung. Ist auch noch lange hin bis September.