Grosser Rat ist teuer

Mit 89 zu 33 Stimmen hat sich also das Aargauer Kantonsparlament, der Grosse Rat, für ein Burka-Verbot und die Lancierung einer Standesinitiative ausgesprochen. Die Idee dazu hatte ein Parlamentarier der Schweizer Demokraten (SD). Das ist jene Partei, die neulich im Zürcher Wahlkampf mit der Parole “Islamisierung und Afrikanisierung stoppen” antrat. 89 zu 33 für die SD. Da muss den Leuten aber was unter den Nägeln brennen, huärägopfertamisiech.robbie.jpg.display

Jetzt gehe ich doch auch schon gegen die 40. Die erste Hälfte meines Lebens hab ich im Dorf gewohnt, die zweite in der Stadt. Aber weder am einen noch am andern Ort habe ich jemals eine Burka tragende Frau gesehen. Ich war auch nicht im gleichen Tram wie jene krass mutige NZZamSonntag-Journalistin, die einen Tag lang wallraffte zwischen Bellevue und Paradeplatz und von ihrer Zeitung eine Seite dafür erhielt aufzuschreiben, wie krass komisch die Reaktionen auf eine Tram fahrende Burkafrau sind. Ich habe also keinerlei Erfahrung mit Burkas, ja ich weiss nicht einmal, ob das der richtige Plural ist oder ob es vielleicht Burken heisst oder Burkis (das wäre dann der Fussballbezug) oder vielleicht sogar ja Burka’s. Keine verdammte Ahnung. Und dann les ich das vom Aargau.

Das muss ja einen Siech voll Burkas haben in diesem Kanton, Herrgottjesus, wenn der Leidensdruck schon das Verhältnis 89 zu 33 erreicht hat. Aber wo? Letzte Woche war ich einen Tag lang in Bremgarten, und was hab ich gesehen? Einen Fluss, eine Brücke, eine Ente. Burka Fehlanzeige. Wo könnten die denn sein? Hat es irgendwo ein Nest? Im Fricktal vielleicht? In Kaisten, Wettingen, Lieli? Oder vielleicht sogar in Endingen und Lengnau?

Wir dürften die Augen nicht verschliessen vor den Problemen unserer Zeit, sagen sie. Ja, die Burka. Genau die Burka ist eines dieser dringenden, drängenden Probleme. Genau ungefähr ihretwegen haben wir uns Sorgen zu machen. Der Rest läuft ja wie geschmiert. Afrikaniserung stoppen, Burka verbieten, 89 zu 33. Herrgott steig hinab und räum auf. Wir bitten Dich erhöre uns.

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7 Responses to Grosser Rat ist teuer

  1. Capitão says:

    Sehr schön ist ja auch die Begründung, dass dieser Rat mit einem Männteranteil von 73.57% die Frauen aus diesem Gefängnis befreien will. Ein Akt der Gleichberechtigung alos! Aber warum die Herren dann Kleidungsvorschriften für Frauen erlassen müssen und nicht für die ebenso auffällig gekleideten Männer?
    Zuerst die Burkas, dann die Bomberjacken und am Ende bunte Haare…

  2. Fan says:

    alle burkis verstecken sich hinter all diesen gefährlichen minaretten…

  3. Pauletta says:

    “ähnlich absurd wäre es, in der Schweiz die Robbenjagd verbieten zu wollen” (NZZ von gestern)!

  4. Leser says:

    Also wir vom Letzigrund haben hier Minarette UND Burkas.

  5. Pingback: Merely Thinking» Blogarchiv » Schweizer Käse – Die Schweiz und die Burka

  6. schmid says:

    War gestern in Wohlen: Keine Burkas.

  7. blö says:

    finde frauen in schwarzen abfallsäcken auch erotisch. bitte nicht verbieten.

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