Dreifaches Abseits?

Der Schiedsrichterassistent habe im Cupspiel FCZ-FCB “gleich eine dreifache Basler Offside-Position” übersehen, trompetet der “Blick” in seiner heutigen Ausgabe und bläst zum Sturm gegen Unparteiische und für den Videobeweis. Sicher: Es gehört zum Boulevard, dass er zuspitzt, polemisiert und übertreibt. Wenn es um Fussballregeln geht, empfiehlt es sich trotzdem, einigermassen bei den Fakten zu bleiben.

Die weisse Offsidelinie, die der Blick in sein SF-Standbild montiert hat, mag zwar schön parallel zum 16er verlaufen und zeigt tatsächlich, dass drei Basler jenseits dieser Linie stehen. Nur: bei zweien, Carlitos und Safari, spielt das überhaupt keine Rolle. Sie hätten auch auf der Grundlinie stehen können. Solange sie nicht aktiv ins Spiel eingreifen, d.h. weder an den Ball kommen noch einen Gegenspieler oder den gegnerischen Torhüter behindern oder bedrängen, können sie stehen, wo sie wollen. Es geht also nur um Streller. Im Moment der Ballagbabe wird er von Stahel noch halb verdeckt, und zwei Spieler im Vordergrund versperren zusätzlich die klare Sicht aufs Geschehen. Zudem ist seit langem bekannt: Das menschliche Auge (also auch jenes des Assistenten) kann bereits ab einem geringen Winkel nicht zwei Situationen zeitgleich erfassen. Für den Schwenk von Ballabgabe zu vermeintlich im Abseits positioniertem Spieler vergeht ein Sekundenbruchteil – genug, um eine Abseitsposition erst nach Ballabgabe entstehen zu lassen. Häufige Fehler sind hier nicht erstaunlich, sondern logisch, zumal modernes Verteidigungsspiel auf der Linie genau mit diesem Sekundenbruchteil operiert (der bekannte koordinierte Schritt nach vorn).

Sicher, Streller stand im Abseits. Aber äusserst knapp. Es gab schon eine Vielzahl klarerer Fehlentscheide, die zu weniger Aufruhr führten. Zudem: Wer am Mittwoch im Stadion war, muss zugeben: von Abseits war nie die Rede. Die Fragen, die sich die Leute nach dem Penaltypfiff stellten, waren: Foul oder nicht? Drinnen oder draussen? Abseits – sowas sehen wenn überhaupt sowieso nur jene paar Dutzend, die genau auf Höhe des hintersten Mannes sitzen, also exakt die Position des Assistenten innehaben. 

Bleiben wir also locker. Denn was für ein Lamento zu hören wäre, wenn wir erst einmal den Videobeweis eingeführt haben, will ich mir gar nicht vorstellen.

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