Du bist nicht alleine, Tico!

Als sich Onyekachi Okonkwo im Elfmeterschiessen gegen Sturm Graz den Ball auf den Punkt legte, ahnten fleissige Statistiker bereits Böses. Dass ausgerechnet der einzige schwarze Schütze des FCZ nicht traf, ist keine Überraschung. Aus Neugierde hat der Autor die Elfmeterschiessen in Europa der letzten 20 Jahre untersucht (Meistercup/Champions League, UEFA-Cup, Cupsiegercup), jeweils ab der Runde der letzten 16 und dazu noch die Europameisterschaften ab 1988. Und die Ergebnisse sind verblüffend.

In all diesen Wettbewerben wurden bei Elfmeterschiessen 344 Penaltys geschossen, davon waren 42 Schützen (12.21%) dunkelhäutig.

Von diesen 344 Elfmetern wurden insgesamt 92 (26.74%) versemmelt.

Die 92 Versager vom Punkt waren 73 mal Weisse und 19 mal Schwarze. In Prozenten ausgedrückt heisst das: Von den Schwarzen verschossen 45.24% ihre Elfmeter, während es bei den Weissen nur 24.01% waren.

Schaut man nur die Vereinswettbewerbe an, ist das Bild noch deutlicher: 48.65% der Schwarzen verschossen ihre Elfer, von den Weissen nur 25.96%.

Weniger aussagekräfig sind die Daten der Europameisterschaften. In den Untersuchungszeitraum fielen nur 9 Entscheidungen vom Punkt, dabei kamen nur 6 Schwarze zum Zug und nur einer von ihnen hat verschossen (Clarence Seedorf 1996 im Viertelfinale Holland-Frankreich).

Wenn Schwarze also anscheinend die schlechteren Voraussetzungen beim Elfmeterschiessen haben, so ist es nur fair, wenn die ewig in Erinnerung bleibenden Versager durchwegs Weisse sind. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Baggio, Southgate, Beckham, de Boer und Marco Streller!

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10 Responses to Du bist nicht alleine, Tico!

  1. theo says:

    Statistik kann nur mit Statistik gekontert werden …

    Da es sich bei Okonkwo (Tico) um einen FCZ-Spieler handelt, erlaube ich mir, die gleiche Rechnung mit den FCZ-Penaltys zu machen. Da die Anzahl der Pentyschiessen für eine Vereinsmannschaft, die nicht regelmässig international spielt, eher gering ist (7), werde ich diese nicht berücksichtigen.

    Datenbasis: Alle FCZ-Pflichtspiele in den letzten 20 Jahren (also nach dem 31.8.1988), wobei Penaltys in Penatyschiessen nicht berücksichtigt werden.

    Dem FCZ wurden in den letzten 20 Jahren 93 Penaltys zugesprochen. Davon wurden 42 von dunkelhäutigen Spielern geschossen (= 45 %). 82 Penaltys wurden verwertet (= 88%) bzw. 11 versemmelt (= 12%). Bei 3 der 11 nicht verwerteten Penaltys waren die Schützen dunkelhäutig (= 27 %).

    Beim FCZ ist es also besser, wenn dunkelhäutige Spieler zu den Penaltys antreten, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sie treffen, liegt bei 93%. Bei den weisshäutigen hingegen nur bei 84% …

  2. Blochin says:

    Wobei man jetzt bei Theos Nachtrag noch anfügen könnte, dass Elfmeter im Spiel meist von den Experten geschossen werden, während bei Elfmeterschiessen die halbe noch auf dem Platz stehende Mannschaft schiessen muss, was selbstverständlich andere Resultate liefert, wie man nur schon anhand des Anteils versemmelter Elfer (12% vs. 27%) herauslesen kann.

  3. Jonas says:

    Knapp daneben?
    Ziemlich daneben diese “Statistik”!

    Soviel dazu (mein Kommentar auf einer Facebook-Seite):

    Warum hat er keine Statistik angelegt, die vergleicht, wie viele mehr oder weniger Elfmeter Fussballspieler mit der Schuhgr… Mehr anzeigenösse 42 gegenüber 43 vergeigen? Der Vergleich ist genauso inhaltslos (oder noch viel mehr). Und wenn er damit sagen will, ist eh nur Fussball, dann ist es leider nicht nur Fussball, sondern eine weiterer Schritt in die falsche Richtung, wo man weiterhin altertümliche Konnotationen pflegen kann. Ein Elfmeterschiessen beweist Nervenstärke, die der Autor Schwarzen damit eher abspricht. In der Berufswelt fühlt sich dann der weisse Arbeitgeber bestätigt, indem er einen Posten jemandem mit weniger Pigmentierung gibt, weil die ja “schiints” belastbarer wären. Also weg damit – der einzige Unterschied zwischen schwarz und weiss liegt darin, dass Schwarze weniger schnell einen Sonnenbrand bekommen (kriegen irgendwann aber doch einen!).

    Ausserdem hat Brasilien gegen Italien trotz stärkerer Pigmentierung ein nicht unbedeutendes Elfmeterschiessen gewonnen, wenn wir beim Fussball bleiben wollen.

  4. Jonas says:

    Rassendünkel oder einfach eine Statistik, die in sich total inhaltslos sein soll? Bitte ebenso die Quote von Elfmeterschützen mit Schuhgrösse 42 gegenüber 43 angibt.

  5. admin says:

    Jonas, ich gebe dir völlig recht und mache den Autor auf deinen Kommentar aufmerksam. Löschen möchte ich den Beitrag aber nicht, vor allem jetzt nicht mehr, wo du gut dagegen hältst. Dafür werde ich in Zukunft besser darauf achten, rassistisch Konnotiertes zu vermeiden. Danke für deinen Beitrag.

  6. Blochin says:

    Lieber Jonas, danke für deinen Kommentar. Anscheinend kann diese aus reiner Neugierde entstandene Statistik falsche Eindrück erwecken. Weder sollte sie rassistisch konnotiert sein und schon gar nicht sollte es eine Empfehlung an Arbeitgeber sein. Uns ist lediglich mehrfach beim gemeinsamen Fussballschauen das aufgefallen, was eben diese Statistik aussagt. Wer mich kennt, der weiss, dass ich als regelmässiger Afrika-Reiser definitiv keine Vorurteile hege, hingegen aber eine grosse Schwäche für Fussball-Statistiken habe und mir eine Vermutung keine Ruhe lässt, bis ich die Zahlen dazu habe. Ebenso neugierig wäre ich auch auf die Statistik zu den Schuhgrössen, dem Alter und Links/Rechtsfüsser. Auch diese kann man mit einem Augenzwinkern der Kategorie «Unnützes Wissen» zuordnen, ohne dass sie eine weiter reichende Aussage machen sollen.

  7. Blochin says:

    Und als Nachtrag: Wer sich noch an das Elfmeterschiessen im Viertelfinal des Afrika-Cups 2006 zwischen Kamerun und der Elfenbeinküste erinnern kann, der weiss, wie wenig ernst man diese Statistik nehmen sollte. Das endete nämlich 12:11 für die Ivorer, nachdem die ersten 22 Schützen allesamt verwandelt hatten….

  8. Jonas says:

    Das Eingeständnis spricht für Euch, Daumen hoch. Sagen wir gleich 2 thums up (der 2. ist für die angemessene Reaktion darauf).

  9. admin says:

    Noch einen Nachtrag von mir, zum Schluss: Ich kenne ja den Blochin tatsächlich gut, darum schreibt er ja hier auch mit. Und ich weiss, dass der rassistische Unterton dieser Statistik sicher nicht beabsichtigt war. Diesen Eindruck wollte ich nicht erwecken mit meinem ersten Kommentar.

  10. Jonas says:

    Mein letzter Kommentar galt demjenigen des admin vom 9. Juli, jetzt ist das Ganze etwas aus dem Kontext gerissen.

    @ Blochin: dass Du dieser Statistik ein kräftiges Augenzwinkern hast mitgeben wollen, ändert nichts an der Tatsache, dass er rassistisch war. Es ist nicht offensichtlicher Rassismus, wo Anders-Aussehende den Richtig-Aussehenden die Springerstiefelsohlen ablecken müssen, aber es war doch eine These, die (wenn auch “nur” zur Belustigung – schade, dass “Humor” auf dem Buckel des Aussehens ausgetragen wird) einen Unterschied zwischen Schwarz und Weiss macht. Eine Empfehlung an Arbeitgeber war dies sicher nicht, aber für einige Leser wird sich leider doch das bestätigt haben, was sie im Unterbewusstsein ja immer schon hatten. Das mit den Afrikareisen, ist ja schön und gut, aber die Gleichstellung von Afrika und Schwarz (was ist mit all den dunkelhäutigen Europäern und hellhäutigen Afrikanern?) muss auch nicht unbedingt sein.

    Das Thema ist extrem heikel, aber dass Ihr dieses mit genügend Sorgfalt entgegen behandelt, kann man bei Leuten erwarten, die ein gewisses “Vordenken” gegenüber dem Blick-Leser zu pflegen versuchen. Tut mir leid, der Artikel ist meiner Meinung nachwievor rassistisch. Einmal als Rassist (und ich meine auch nicht, “so” einen Rassisten) bezeichnet zu werden, ist schlimm, aber Dunkelhäutige müssen sich leider auch heute immer noch beweisen, dass sie keine Drogendealer oder Prostituierte sind, wenn sie sich in weisser Gesellschaft befinden – und diese Bezeichnungen, welche Individuen gegenüber total ungerechtfertigt sind, sind nicht minder schlimm.

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