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Der GC-Artikel

Saturday, August 15th, 2009

Konsequent verwirrt die NZZ den Leser seit jeher mit der korrekten Artikel-Verwendung für den Grasshopper Club. Eine neue Dimension erreicht die Online-Schlagzeile von heute, in der Jeff Strassers Wechsel in der GC verkündet wird.

Auch der Untertitel erstaunt. Jeff Strasser auf Torejagd? Wir haben ihn jedenfalls eher als Meister der wirklich hinterhältigen Fouls in Erinnerung, der sich gut in der Kamerun-Defensive von 1990 gemacht hätte. 12 Tore in 17 Profijahren sind jedenfalls nicht besonders eindrücklich. Da wünscht man sich fast schon Mark Strudal zurück.

Antwort der NZZ

Tuesday, December 2nd, 2008

Wie Herr Noz im Browserdienst zum Runden Leder korrekt erwähnte, stellte ich der NZZ kürzlich eine wichtige Frage zur Nichterwähnung des Themas Weinreich/DFB. Heute kam nun eine Antwort, was ja auch nicht selbstverständlich ist. Sie lautet, sehr kurz zusammengefasst: Die Geschichte ist für den Sportteil zu wenig sportlich und für den Medienbund zu deutsch.

Das muss ich als Abonnent jetzt nun so akzeptieren und tue es auch mit der dafür nötigen Gelassenheit. Einen Wunsch an die NZZ hab ich aber schon: Dass sie, falls der Herr Zwanziger mit seiner Klage entgegen allen Erwartungen irgendwann durchkommt und der Herr Weinreich dann vorbestraft ist wegen Ehrverletzung und dazu ein paar Monate seines Berufslebens für seine Verteidigung verschwendet hat, sie ihn dann nicht fallen lässt. Also die NZZ den Herrn Weinreich als ihren freien Mitarbeiter in Sportkorruptionsfragen.

Das wünsch ich mir von meiner Zeitung. Und dass sie nicht so viele Leute entlässt wie angekündigt. 

Allen einen schönen Advent.

Frage an die NZZ

Friday, November 28th, 2008

Liebe NZZ

Schon sehr lange habe ich Sie abonniert. Auch Ihre Sonntagsausgabe. Das Folio lese ich gerne und einige seiner Redaktoren spielen wirklich schönen Hallenfussball. Jetzt nimmt mich aber einmal etwas wunder.

Diese Woche haben Sie wieder einmal einen Artikel des angesehenen deutschen Sport-Enthüllungsjournalisten Jens Weinreich publiziert, zur ISL-Pleite, zum Fifa-Gemauschel, zu korrupten Funktionären. Es war Weinreichs x-ter Beitrag in Ihrer Zeitung. Offenbar halten Sie ihn also für seriös und glaubwürdig genug (bzw. in dieser Sache mindestens so glaubwürdig und kompetent wie Ihre eigenen Leute), für Sie über ein derart delikates Thema wie die ISL-Geschichte zu berichten. Jens Weinreich ist in seiner Heimat nun aber seit vielen Wochen Zielscheibe einer beinahe grotesken Kampagne des Deutschen Fussball Bundes (DFB). Ist Ihnen das keine Zeile wert? Heute habe ich im Freitagsdossier den hoch geschätzten Medienbund durchgeblättert. Auch nichts, trotz der jüngsten Entwicklung in diesem Fall.

Wie ist das möglich? Haben Sie das verschlafen oder finden Sie das unwichtig? Oder habe ich da etwas übersehen, eine Kurzmeldung vielleicht?

Hochachtungsvoll

Ihr Leser P. Claude

Den Zeitungen fehlen Hooliganbilder

Thursday, November 20th, 2008

Es ist offensichtlich: Die Presse hat zu wenig Hooligan-Bilder. Genauer gesagt: Sie hat nur eines. Es stammt aus der Partie Schaffhausen-FCZ, zeigt eine richtige Prügelszene und wird von der Agentur Keystone angeboten. Dieses Bild findet sich circa alle drei Wochen in irgendeinem Blatt. Weil es häufiger einfach nicht mehr geht, greifen die Fotoredaktionen zur Bebilderung von Hooliganismus auf andere Fan-Bilder zurück. Ein journalistisches Unding.

Nach der Gemeinderatsdebatte zur Stadtzürcher Präventiv-Datenbank HOOLDAT (neu: GAMMA) bebildern sowohl NZZ als auch Tages-Anzeiger ihre Artikel mit Kurvenszenen. Die NZZ zeigt den Gästesektor im Hardturm bei einem Gastspiel des FC Basel und zwei Fans, die auf den Zaun geklettert sind und Leuchtfackeln in der Hand halten. Der besser erkennbare Fan ist vermummt. Die Bildlegende der NZZ: “Gewaltbereitschaft an Sportanlässen genügt, um in einer Datenbank registriert zu werden.” Den Abgebildeten wird also unterstellt, gewaltbereit zu sein. Dies schliesst die NZZ vermutlich aus der Vermummung und dem Hantieren mit Feuerwerk. Richtig ist: Feuerwerk in Sportstadien wird laut Verordnung zum Hooligangesetz (BWIS II) als “gewalttätiges Verhalten” taxiert. Diese Definition unterläuft aber die gängigen Vorstellungen von Gewalt und Gewalttätigkeit. So ist aufgrund dieses NZZ-Bildes nicht auszumachen, welchen körperlichen Schaden die Abgebildeten Dritten zugefügt haben oder bald zuzufügen gedenken.

Der Tages-Anzeiger zeigt ebenfalls einen Gästesektor (wohl in Basel) und Fans des FC Zürich. Zwei Fans haben den Zaun erklommen, einer der beiden ist vermummt und hält eine Leuchtfackel in der Hand. Im Hintergrund brennen weitere Fackeln. Die Bildlegende: “Im Visier der Politik: Zürcher Hooliganismus an einem Super-League-Fussballspiel.” Der Tagi geht also noch einen Schritt weiter als die NZZ und identifiziert die abgebildeten Personen als Hooligans im Sinne von Gewalttätern. Erneut ist aber nicht zu erkennen, welche Gewalttätigkeiten im gebräuchlichen Sinne von den beiden ausgegangen sind oder ausgehen werden. Beim nicht vermummten Fan handelt es sich im Gegenteil um einen Aktivisten der Zürcher Südkurve, der sich eher durch Besonnenheit und integrative Stärken als durch körperliche Rohheit einen Namen gemacht hat.

Bilder vermummter Fans, die Fackeln zünden, eignen sich als Blickfänge unzweifelhaft gut und bedienen die gewünschte Assoziation zu Gewalt. Nur – und das wissen mit Sicherheit sämtliche zuständigen Redaktorinnen und Redaktoren – vermummen sich diese Leute nicht, weil sie im nächsten Moment auf andere loszugehen gedenken, sondern weil sie mit dem Zünden einer Fackel gegen das Sprengstoffgesetz, die Stadionordnung und die Richtlinien der Fussballliga verstossen und unvermummt eine ordentliche Ladung Sanktionen und Bussen zu befürchten hätten.

Fackeln gehören nach Auffassung dieser Fans zu einer Fankurve wie Transparente, Fahnen und Gesänge. Dass die Fackelträger mit dieser Haltung gegen Gesetze und Reglemente verstossen, ist Fakt. Folgerichtig ist Feuerwerk in Stadien seit langem Gegenstand intensiver Diskussionen. Man kann (auch als NZZ oder Tagi) noch so berechtigterweise gegen diese Art von Fankultur sein: sie in die Nähe von Hooliganismus zu rücken, ist unzulässig. Sie aus Mangel an Bildern echter Hooligans in die Nähe von Hooligansmus zu rücken, ein Skandal. Oder zeigt eine Zeitung, die grad kein gutes Raserbild findet, zur Not auch mal ein falsch parkiertes Auto?