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Zweiklassengesellschaft

Thursday, June 10th, 2010

Die Medien übertreffen sich im Vorfeld der WM jeweils gerne selber in Bezug auf “total heisse News”, die wirklich niemand wissen will. Jedem Schritt der Spieler in einer Hotellobby, jedem Stolperer auf dem Trainingsplatz und jedem Furz, den einer aus dem Nati-Umfeld von sich gibt, wird ein Artikel gewidmet. Online sowieso.

So findet sich bei Blick-Online der packende Bericht mit dem Titel “Wer sitzt neben wem: So fliegt die Nati nach Südafrika“. Im Gegensatz zu vielen anderen Berichten, lässt sich daraus allerdings Schockierendes herauslesen. Da fliegt die Nati in ein Land, das bis vor Kurzem noch schrecklich unter der Apartheid, einer besonders schlimmen Form der Zweiklassengesellschaft, zu leiden hatte, und macht nix anderes, als genau da weiterzumachen, wo die Südafrikaner selber Anfang der 90er aufgehört hatten!

Man schaue sich doch mal die Sitzordnung genauer an: Dass niemand neben Magnin sitzen will, kann man ja noch verstehen, wenn man weiss, wie er sich auf dem Feld manchmal gebärdet. Dass Herr Hitzfeld in der Business-Class thront, umgeben von seinen Vasallen – klar. 8 Spieler haben es ebenfalls in die Business Class geschafft, 15 flogen Economy – darunter mit Ausnahme vom Goldfüsschen Yakin, der zurecht eine Sonderstellung hat, sämtliche Secondos! Und beide Schwarzen.

Die Zweiklassengesellschaft innerhalb der Nati? Werden wir während der WM Streitereien auf dem Feld erleben wie einst bei den Holländern zwischen der Boeren-Fraktion und den Seedorf-Surinamern? Wir sind gespannt. Hauptsache Yakin geht dabei nicht kaputt.

Samstag in der Grüze

Sunday, September 7th, 2008

Am Samstag hatte ich in Winterthur Grüze zu tun. Franz Garage, Drive-In, Athleticum. Und ein Coop Supercenter mit grossem Restaurant. Der Tageshit: Emmentaler Schnitzel für 9.90. Darunter, kleingedruckt und in Klammern: “Schnitzel aus zerteiltem und wieder zusammengesetztem Schweinefleisch”. Ich habe als Jugendlicher einmal in der Sendung mit der Maus gesehen, wie sie Fischstäbchen machen. Fischmasse weichkochen, in quadratische Formen giessen, tiefgefrieren, aus der Form nehmen, Fischblock auf Fischstäbchengrösse zersägen, Stäbchen in eine Art Lebensmittelleim tauchen, panieren, vorfrittieren, verpacken, wieder einfrieren. Das fand ich bemerkenswert. Dass sie im Emmental die Schweinsschnitzel auf ähnliche Art herstellen, war mir aber neu.

Am Nebentisch machte eine Angestellte Pause bei Zigarette und Crèmeschnitte. Ihr Freund war extra  gekommen, um mit ihr Pause zu machen. Er trug ein T-Shirt mit der Aufschrift “Ich höre Stimmen – und sie mögen Dich nicht”. Schnell schaute ich weg. Leider hatte ich danach bis nach neun zu tun. Um zwanzig nach neun rannte ich raus ins nächste Restaurant. Es gehört zu einem Tenniscenter und heisst “Ass”. Das Restaurant war leer, auf dem grossen Flachbildschirm lief das Spiel. “Ich habe eigentlich schon zu”, sagte die Frau, “aber meinetwegen, bis das Spiel fertig ist.” Ich sagte danke und sie gab mir ein Bier. Haldengut. Seit es nicht mehr in Winterthur gebraut wird und Heineken gehört, tun sie immer mehr so, als sei es ein extrem einheimisches Bier. Nur weil sie pro Hektoliter etwa ein Gramm lokale Gerste beifügen. Das feiern sie auf der Etikette aber gross mit Schweizerfahne und stilisierter Ähre. Wer das peinlich findet, kann ja das hier trinken. Ich nippe, dann sagt die Frau: “Ich muss leider staubsaugen. Aber das muss man ja nicht hören, was die sagen, oder?” “Nicht unbedingt”, antworte ich. Wobei ich das, was ich von Alain Sutter in den kurzen Saugpausen höre, nicht so schlecht finde. Zumindest hat er mit seinem Entsetzen bei Inlers Ballverlust bewiesen, dass er das Spiel sieht. Dass er es liest, wollte ich jetzt aus Gründen der Abgedroschenheit nicht schreiben, aber “das Spiel sehen” ist nun auch nicht wahnsinnig überzeugend.

Ich rege mich auf. Schon wieder so ein Resultat in Israel. Die Frau, inzwischen ebenfalls an der Bar, bei Zigarette und Wasser: “Deshalb bin ich nie für die Nati. Die können es einfach nicht.” Den schönen Flachbildschirm hätten sie auf die Euro hin gekauft. Das sei super gewesen, jedes Spiel in Topqualität von der Bar aus geschaut. “Aber jetzt, wo sie wissen, dass wir so einen Fernseher haben, kommen sie jeden Sonntag und wollen Formel 1 schauen. Das scheisst mich an. Noch ein Bier?” “Gerne.”

Hopp Schwiitz Rehabilitation!

Tuesday, September 2nd, 2008

Rechtzeitig zum Start der WM-Kampagne schickt uns der stets aufmerksame Leser R. dieses Bild einer, man muss schon fast sagen: visionären Euro-08-Schaufensterdekoration. Und am Samstag alle rufen: Hopp Schwiitz Rehabilitation!