Posts Tagged ‘Datenbank Gamma’

Endlich Ruhe “um die Stadions”?

Monday, September 28th, 2009

Da braucht man sich nichts vorzumachen: Über 70% Ja zur städtischen Datenbank Gamma, 60% Ja in den traditionell linken, polizeikritischen Stadtkreisen 4 und 5, das lässt sich nicht allein mit Belgrad-Bildern, Hooligan-Panikmache und SP-Stimmfreigabe begründen. Hier hat der Zeitgeist ein Machtwort gesprochen. Und sonst? 

„Die Zürcherinnen und Zürcher haben offensichtlich genug von Ausschreitungen rund um die Stadions.“

Das ist laut der heutigen Printausgabe des Tages-Anzeigers der Kommentar von Zürichs Polizeivorsteherin Esther Maurer zur haushoch angenommenen Gamma-Vorlage. Aber hat sie das wirklich gesagt? Hat sie wirklich „die Stadions“ gesagt? Dann hätte ihr der Tagi das aber ruhig zurechtredigieren dürfen. Wo man doch ein so kollegiales Verhältnis pflegt. Denn wie lautet der erste Satz des Tagi-Kommentars zur Gamma-Abstimmung, gleich rechts neben Esther Maurers Zitat:

„Die Zürcherinnen und Zürcher haben genug von den Krawallen in und um Sportstadien.“

Da erstaunt es auch nicht mehr, dass der Tagi im Vorfeld die Ja-Parole herausgegeben hat, wenn er sich seine Kommentare direkt vom Stadtrat diktieren lässt. Aber ab morgen wird ja alles besser. Dann macht der Tagi mit halb so vielen Leuten eine doppelt so gute Zeitung. Und wenn nicht, ist es auch nicht so hundsmiserabelgrottenschlimm. Das Bild zum Text übrigens zeigt (wieder einmal) den FCZ in Basel und Fackeln als Symbol für Gewalt. Wie viel das mit Gamma zu tun hat, weiss die Tagi-Bildredaktion sicher besser als ich. Ich dachte bis jetzt, Fackeln seien ein Fall für Hoogan. Weil das Abbrennen von Feuerwerk ja gewalttätiges Verhalten ist gemäss Bundesgesetz zur Wahrung der INNEREN SICHERHEIT, Gamma aber keine Datenbank für Gewalttäter ist sondern für solche, die es werden wollen.

Stellungnahme des FCZ

Monday, September 14th, 2009

Nun hat sich also auch noch der FC Zürich mit seinem Präsidenten von der Art und Weise distanziert, wie mit seinem Logo für die Gamma-Vorlage politisiert  wird:

In den letzten Tagen ist ein Inserat erschienen, in dem mit dem Logo des FC Zürich, für die Hooligans-Datenbank „Gamma“ geworben wird. Der FC Zürich distanziert sich von der Art und Weise, wie für die Datenbank Werbung gemacht wird.

Diese Klarstellung, wahrscheinlich angeregt durch die bereits zuvor erfolgte öffentliche Erklärung eines Vorstandsmitglieds, ist zwar löblich. Sie ist aber genau so irritierend. So hiesse es nicht Hooligans-Datenbank, sondern Hooligan-Datenbank, wenn es denn eine wäre. Es ist aber eben KEINE Hooligan-Datenbank, das sagen Gegner genau so wie Befürworter. Es ist eine, in der polizeilichen Diktion, präventive Datenbank: Die Polizei erhält die Befugnis, Leute, in denen sie zukünftige “Täter” sieht, zu registrieren. 

Der FCZ stellt also sein Logo für eine Kampagne zur Verfügung, ohne zu wissen, wie diese Kampagne daherkommen wird und, noch gravierender, worum es dabei überhaupt geht. Das zeigt: Wir stehen noch ganz am Anfang. Pressekonferenzen mit dem FCB in Olten und Breitseiten gegen Odilo Bürgy wirken reichlich seltsam, wenn das Basiswissen über eine die eigenen Fans dermassen konkret betreffende Vorlage fehlt. Es ist eines der grossen Übel in der hiesigen Krawalldebatte: dass die meisten Involvierten nicht recht wissen oder wissen wollen, worum es geht, dass ihr Vokabular beschränkt und unpräzis ist, dass aus Furcht, die eigenen Leute vor den Kopf zu stossen, der Populismus den Vorzug erhält gegenüber der Sachlichkeit. 

Es ist anzunehmen, die Geschichte rund um die Gamma-Ja-Kampagne (das Belgrad-Bild wurde übrigens bereits vor einigen Tagen von der betreffenden Homepage entfernt…) habe FCZ-intern eine Diskussion ausgelöst. Davon ist in der Stellungnahme aber nichts zu spüren. Im Gegenteil. Wer sie liest, erhält den Eindruck, dem Verein fehle jedes Interesse und jede Sensibilität in dieser Angelegenheit. Und das trotz neuem Medienchef.

Nachtrag: Wie aus einem Eintrag im FCZ-Forum hervorgeht, hat Pro Sportstadt Zürich das FCZ-Logo ohne Wissen des Vereins für die Kampagne verwendet (Erklärung anlässlich einer Gesprächsrunde im FCZ-Fanlokal). Es wäre seitens des FCZ evt. sinnvoll gewesen, dies in der Stellungnahme zu erwähnen. Und es wird interessant sein zu erfahren, ob der FCZ unter diesen Umständen weiterhin Vereinsmitglied von Pro Sportstadt Zürich bleiben wird.

Nachtrag 2: Wie sieht es eigentlich bei GC aus? Finden die das gut? 



Ein P.S. zu Gamma

Thursday, September 3rd, 2009

Nach einem Briefwechsel mit dem Domain-Holder der Gamma-Ja-Seite noch diese Anmerkung: Als die Seite Ende letzter Woche aufgeschaltet wurde, war nirgends angegeben, wer für die Kampagne verantwortlich ist und wer als Administrator fungiert. Die Seite war also anonym (daran ändert auch nichts, dass der Domain-Holder relativ leicht ausfindig zu machen war). Wie der Verantwortliche nun versichert, geschah dies aber nicht aus Kalkül, sondern weil der offizielle Kampagnenstart von Sportstadt Zürich erst Anfang dieser Woche war (siehe Plakate in den Strassen und Zeitungsinserate). 

Als er u.a. durch einen Eintrag auf diesem Blog darauf hingewiesen wurde, dass sich eine anonyme Seite zu einer Deanonymisierungs-Datei ein bisschen schlecht macht, ergänzte der Verantwortliche die Seite sofort um die entsprechenden persönlichen Angaben. Kurz darauf wurden diese jedoch auch im FCZ-Fanforum veröffentlicht, worauf er, wie er sagt, bedroht und belästigt wurde. Deshalb entfernte er seinen Namen wieder und ersetzte ihn durch “Administrator”. Inzwischen war die Kampagne aber offizielle lanciert und Sportstadt Zürich (FCZ, GC, ZSC u.a.) auch als Initiantin hinter der Kampagne genannt.

Es handelt sich hier also tatsächlich eher um eine reichlich naive Vorgehensweise in einem (elektronischen) Abstimmungskampf als um bewusste anonyme Propaganda. Das ändert jedoch nichts daran, dass diese Art von Kampagne mit dieser Bildwahl, den führenden Sportvereinen als Träger und einem SP-Mitglied als Administrator heftiges Kopfschütteln auslöst. Etwa so heftig wie das Bild in der Abstimmungszeitung, die gestern im Briefkasten lag: Fahnen und etwas Rauch in der Südkurve, darunter: “Gegen Gewalt an Sportveranstaltungen: Datenbank Gamma”. Das ist es also, was bekämpft werden soll: Fahnen und Rauch und die Zürcher Südkurve! Und wir dachten, Gamma habe es auf serbische Gewalttäter abgesehen.

Unlauteres zu Gamma

Wednesday, September 2nd, 2009

Heute berichten Tagi und NZZ über die Polizeiaktion vom Montagabend vor dem Spiel GC-Xamax, als Beamte Nein-Flyer zur Abstimmung über die Gamma-Datenbank beschlagnahmten und von den unbescholtenen Fans, die sie verteilten, die Personalien aufnahmen. Die Polizei spricht von einem “bedauerlichen Fehler” der Beamten. Sie hätten gedacht, dass das Verteilen von politischer Propaganda auf öffentlichem Grund bewilligungspflichtig sei.

Bereits im Gamma-Frühstadium hatten Befürworter der Präventiv-Datenbank die Gegner und Skeptiker mit dem Argument zu beschwichtigen versucht, nur sehr wenige und ausgewählte Polizisten, nämlich jene der Hooliganabteilung der Stapo, hätten schliesslich Zugriff auf die Daten. Wie beruhigend das ist, fragt sich seit Montag mehr denn je, waren es doch genau jene Polizisten der Hooliganabteilung, die die Flyer in Unkenntnis der Rechtslage beschlagnahmten und dabei gleich noch ein bisschen präventiv persönliche Daten aktiver Fans sammelten (für Gamma?). Es ist nach diesem Vorfall nun wenigstens klar, welchen Leuten die Polizeidirektorin künftig die Verwaltung der neuen Datenbank anvertrauen möchte. Das erleichtert vielleicht die Entscheidung beim Ausfüllen des Stimmzettels.

Noch eine Bemerkung zum Tagi-Artikel: Der SP-Mann, der die an dieser Stelle zitierte Gamma-Ja-Seite betreibt, gibt im Text an, er habe seinen Namen von der Seite entfernt, weil er anonym belästigt und bedroht worden sei. Diese Kausalität ist zumindest fraglich, denn die Seite war schon anonym, bevor im FCZ-Forum darüber diskutiert wurde und ein User die persönlichen Daten des SP-Mannes veröffentlichte. Und dass die Seite und das jenseitige Bild zum Inserat schon vorher irgendwo diskutiert worden wären, ist mir nicht bekannt. Ich habe in diesem Blog das Thema aufgegriffen, weil ich a) die Bildwahl seltsam finde, b) die Seite anonym betrieben wird wurde und c) das politische Lager des Urhebers in einem Abstimmungskampf aber von Interesse ist. Ich bin entschieden dagegen, dass im Internet gegen Personen gehetzt wird und Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden (die betreffenden User sollten ihre Energie, ihre Zeit und ihren grenzenlosen Mut besser in den Abstimmungskampf investieren). Die Geschichte nun vollständig umzudrehen, wie es der Seiten-Betreiber versucht, ist aber ein bisschen frech.

Anonyme Bizarrpropaganda

Saturday, August 29th, 2009

Eine irre Internetseite wirbt mit einem Bild aus dem Belgrader Marakana-Stadion für eine Zürcher Präventiv-Datenbank (Gamma). Dahinter steht eine “Überparteiliche Kampagne”, wie es heisst. Namen oder Gruppen sind aber keine zu finden. Das ist ziemlich dreist: Sich anonym für eine De-Anonymisierungsdatenbank einzusetzen; dafür, dass Leute fichiert werden, ohne eine Straftat begangen zu haben.

Noch dreister wird es, wenn man sich auf eine kleine Spurensuche begibt. Dann wird nämlich ersichtlich, dass der Domain-Holder dieser Seite ein Zürcher SP-Mann ist. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle!

Nachtrag heute, 30. August: Der SP-Domain-Holder hat über die Gamma-Nein-Homepage erfahren, dass hier über seine Bildwahl geschrieben wird. Da hat er jetzt natürlich sofort und immer noch anonym reagiert:

Die GegnerInnen behaupten auf ihrer Internetseite, uns würden die Argumente ausgehen. Als Grund für diese Behauptung nehmen sie das Krawallplakat, welches wir auf dieser Website gepostet haben, obwohl GAMMA ja gar keine Hooligandatebank sei.
Würden die GegnerInnen etwas mehr als das Bild auf dieser Website anschauen, sähen sie, dass wir genug Argumente für die GAMMA Datenbank haben.

Ja, würden die Gegner etwas mehr als das Bild auf der Website anschauen. Es ist halt leider so, dass es einem grad auf Anhieb ablöscht, wenn einer im Zusammenhang mit Gamma so ein Bild verwendet. Und zwar so ablöscht, dass man leider grad gar nicht mehr viel anderes auf dieser Website lesen oder anschauen möchte. Ausser zum Beispiel ein paar Namen hinter der Kampagne, aber die sucht man ja dann wie gesagt vergeblich.

Nachtrag 2, 31.8.09: Im heutigen Tagi (letzte Seite unten links) ist das oben abgebildete Inserat mit dem berüchtigten Bild (Roter-Stern-Ultra versengt serbischen Zivilpolizisten) UND unterstützenden Institutionen abgedruckt: FCZ, GC, ZSC, Weltklasse Zürich u.a.

Hier spricht die Polizei!

Wednesday, August 19th, 2009

“Nötig sei Gamma, weil die Gewalt in Stadien ständig zunehme.” Das sagt Robert Soos, Sprecher von Esther Maurers (SP) Polizeidepartement, heute im Tages-Anzeiger.

“Die Aufmerksamkeit der Medien führt dazu, dass man das Gefühl hat, die Gewalt steige. Tatsächlich nimmt sie nicht zu.” Das sagt Christoph Vögeli, Leiter der Zentralstelle Hooliganismus, am 14. Mai dieses Jahres im Tages-Anzeiger.

Wer am 27. September in Zürich seine Stimme zur geplanten Präventiv-Datenbank Gamma abgeben will, tut angesichts dieser “Faktenlage” gut daran, sich unabhängig zu informieren. Denn wenn die Polizei spricht, kommt man oft nicht draus.