Der Latte-macchiato-Hooligan

Es stimmt: Es haben sich, gerade in den letzten Jahren, noch nicht so viele Leute dem Versuch hingegeben, den Hooliganismus und speziell den Hooligan an sich zu durchleuchten. Es ist im Gegenteil eine eigentliche Zurückhaltung zu beobachten in der Analyse, der Einordnung. Vorsichtige Sachlichkeit überwiegt. Auf diesem löblichen Pfad bewegt sich auch eine Autorin/ein Autor namens “Das Magazin” mit der folgenden, absolut schlüssigen Typologie. Fussballrabauken sind ihr/ihm zufolge

Idioten, die unter der Woche im Kreis vier Latte Macchiato trinken, Parisienne Mild rauchen und stolz sind auf ihre Vintage-Tätowierungen.

Gefunden in einer Blog-Rubrik mit dem Titel “Der Urbanist“. Ich hol mir jetzt schnell eine helle Schale, im Tassli. Sonst meinen die Nachbarn noch …

P.S.: Blogs zeichnen sich laut “Das Magazin” vom Frühling 2009 dadurch aus, dass dort “ja immer nur Zukurzgekommene diejenigen verbal missbrauchen, die sie gerne sein würden”. Q. E. D.

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Felder (29)

Leser Manu war in Panama, genauer in Santa Fe de Veraguas, und schreibt uns zu diesem bezaubernden Feld: “Grümpelturnier an einem Sonntag Nachmittag. Ein schönes Detail dieses Platzes ist im Hintergrund vor der Kirche erkennbar: die Seitenlinie befindet sich, um das Verhältnis von Breite und Länge des Platzes zu wahren, nicht mehr auf der ebenen Fläche, sondern ca. 1m auf dem kleinen Hang zur Kirche hinauf.”

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Sport und Geografie

Osasuna, bedeutet auf Baskisch Gesundheit oder Kraft. Und es scheint ein guter Ort zu sein, auch für das Wohlbefinden des weissen Ballets aus Madrid. Dumm nur für all jene, die da auch mal hin wollen, dass sie den wunderbaren Ort nie finden werden. Osasuna ist ein unbekanntes Traumland und auf keiner Landkarte der Iberischen Halbinsel vermerkt. – Es soll in den Gassen wimmeln von wildgewordenen Stieren und Pilgern auf dem Weg nach Santiago. Paulo Coelho war auch schon da. Und vor ihm Stürmer und Schlitzohr Ionel Gane.

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Kunstkartenkritik

1957 wurde in Rom das Stadion Flaminio erbaut, nach Plänen des Architekten Pier Luigi Nervi (s. auch Stadio Artemio Franchi in Florenz) und seines Sohnes Antonio. 1959 offiziell eröffnet mit einem Spiel von Italiens Amateur-Nati gegen jene von Holland, besticht das Flaminio durch eine schlichte, moderne Eleganz. Das habe ich geklaut. Die Beschreibung stammt aus dem Buch “Stadi d’Italia” von Tummers und D’Eletto. Aber ich finde, sie haben recht. Von den 4 Sporthallen und dem Schwimmbad, die die Nervis noch unter die Haupttribüne gepackt haben, merkt man zum Beispiel nichts.

Das Flaminio hat vor allem eine Geschichte als Rugby-Nationalstadion und als Heimat der SS Lazio zu Serie-B-Zeiten. Es gilt in der Fülle architektonisch hochwertiger italienischer Sportbauten aber als Aushängeschild, zumal ohne den Makel faschistischer Sportförderung im Betonfundament. Das können ja nicht alle italienischen Stadien von sich sagen. Auch Livornos Oval zum Beispiel war ursprünglich nach Mussolinis Tochter benannt. Aber darum soll es heute nicht gehen. Sondern um zwei der zahlreichen Postkarten, die vom Flaminio existieren.

Neulich kam ich in den Besitz einer farbigen, die exakt aus derselben Position aufgenommen ist wie die schwarz-weisse, die ich schon länger im Ordner habe. Während auf der älteren, farblosen Karte Nervis Werk unbefleckt zur Geltung kommt – vom sanften Schwung der Gegentribüne über die eleganten, feinen Träger darunter zum fast papieren wirkenden Dach der Haupttribüne – zieht bei der farbigen Version augenblicklich die Feldmarkierung die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Es ist davon auszugehen, dass der Rasen des Flaminio zum Zeitpunkt der Aufnahme unmarkiert und sommerlich trocken, also braungrün war. Das erschien den “Edizioni OTO Roma” aber offenbar zu unschön, weshalb sie eine Kartenkoloriererin oder einen Kartenkolorierer beauftragten, aus dem tristen Rechteck ein sattes, an Fussball gemahnendes Grün zu machen. Viel Berufsethos hat die oder der Betreffende dann aber nicht an den Tag gelegt, wie insbesondere die völlig aus dem Winkel geratene und auch nur zur Hälfte gezogene Grundlinie auf der rechten Feldseite beweist. Aber auch der angedeutete Strafraum linkerseits verdient Beachtung, genau wie die Tatsache, dass die Ausführenden einerseits eine beispiellose Nachlässigkeit an den Tag gelegt haben, sich dann aber doch nicht zu schade waren, die Torumrandung links ebenfalls gelb nachzuzeichnen. Ende.

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Recycling

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Felder (28)

Leser Ernst weilt an der Sandy Bay in Roatan, Honduras. Und schreibt uns zu diesem Feld: “Ab und zu soll nach den Spielen auch mal geschossen werden.” Wir hoffen: Auf die Tore. Ist ja Fussball. Findet sicher auch der Töff vom Polizist der Polizist auf dem Töff.

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“Ich fand das normal”

Das neue und grösstenteils sehr zu empfehlende 11freunde-Spezialheft zur “Geschichte der Fussballfans” beinhaltet die wohl treffendste, lustigste und differenzierteste Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Verklärung, auch unter dem Slogan “Gegen den modernen Fussball” bekannt, die bis jetzt zu lesen war. Christoph Biermann wandert darin von Herne bis Hornby. Aber lesen Sie bitte unbedingt selbst.

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Neuchâtel, pre-Bulat

Aus der Schachtel “Stadien” beim Postkartenmann

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Mittwoch in Winterthur

Ich wollte das neue Buch von Karl-Markus Gauss kaufen. Auf dem Weg in die Buchhandlung kam ich an der Zoohandlung vorbei. Im Schaufenster eine Laufschrift: “Jetzt FCZ-Leinen, lang oder kurz”. Für die im Verwaltungsrat würde ich die kurze nehmen.

Wenn man nie zur Stosszeit Zug fährt, ist man schon überrascht über die Zustände in Zügen zur Stosszeit. Wir fanden aber noch ein Plätzchen und ein Tischchen für die zwei Flaschen Schützengarten Festbier. Winterthur ist schnell erreicht. Das ist nun einmal so. Und es ist auch der Grund für sein rasantes Wachstum: von null auf 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner in weniger als 1500 Jahren, das soll ihnen mal eine Stadt nachmachen. Aber eben: die Anbindung! Sie ist so sagenhaft, das zieht einfach die Leute an. Ob aus Weinfelden, Wald oder Wallisellen, in Winterthur ist man schnell.

Ich habe mich auf dieses Spiel gefreut wie ein Wahnsinniger. Wir waren dann auch sehr gut postiert, Höhe Mittellinie. Andere standen da noch immer am Grill. Der mit seinen Spiesschen war dem Ansturm nicht ganz gewachsen: eine Schlange von etwa 25 Karnivoren und über der Holzkohle 30 Spiesse mit leider noch sehr roh aussehendem Fleisch. Es besteht dann immer die akute Gefahr, dass sich der Grillmeister vom Fressmob einschüchtern lässt und die Spiesse zu früh für durch erklärt. Das kann einem den Magen kehren, wenn man Pech hat.

Am Bierstand war es auch nicht anders, aber das war vielleicht auch gut so. Wo hätte es sonst hingeführt. Dann 0:2 nach gerade 20 Minuten, Vorfreude weggeschmolzen wie ein Vampirglacé in der Wüste Gobi. Oder doch nicht? “Das heisst noch nichts. Das heisst noch gar nichts”, sagt mein Nachbar aus St. Gallen, “zu viel habe ich schon erlebt.” Er wird recht behalten, seinen Erfolg aber bescheiden und still geniessen. So gut das eben geht in der Niederlage.

Ich wundere mich über diesen FCW. Plötzlich so stark und mutig. Und ich bewundere die St. Galler in der Gästekurve nach Regazzonis Penalty. Einfach bewegungslose Stille. Keinen Pfiff hab ich gehört. Die totale Stille, eine tausendfache Konsternation. Sehr sportlich, sehr angenehm. Dann Fahnen zusammenrollen, Doppelhalter bündeln, adieu mitenand. Auf der andern Seite: Hurra! Beim 2:2 hatte sich die Bierkurve etwas Besonderes einfallen lassen: die perfekte Welle. Beim Torjubel schön nach vorne drücken, bis Werbebande samt Stahlrohrgeländer wegklappt. Ich habe den “Blick” nicht gelesen am Folgetag. Hat er vom “Banden-Trottel” geschrieben? Oder hat ers sein lassen, aus Angst vor dem Fisch?

Auf jeden Fall Feier. Bis plötzlich vor dem Libero ein Rosenverkäufer auftaucht. Ein Rosenverkäufer! Eine kauf ich und geb sie dem Leite. Der ist ein bisschen irritiert, aber nimmt sie an. Hat ja auch gehalten wie ein Gott, vor allem im Penaltyschiessen. Also damals gegen YB. Hinter der Theke ruft mir der Rockstarkellner zu: “Basel!” “Wo?” “Hier!” Und aus Basel ein SMS: “Hier freut man sich auch.”

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Volli Schützi

Zum ersten Mal seit schätzungsweise der Erfindung des Rads ist morgen Mittwoch die Winterthurer Schützenwiese wieder ausverkauft. “Ein Kanton, ein Fussballstadion“, wirbt der FCW auf seinem neuen, schicken T-Shirt für sein Stadion, und morgen werden in diesem kantonalzürcherischen Unikat 8500 Leute das Cupspiel gegen den FC St. Gallen verfolgen. Das Wetter ist gut, die Zeit ist reif. Die Blogs nationofswine.ch und knappdaneben.ch werden ihre Aktivitäten zwischen 17 Uhr und ungefähr 03.30 Uhr einstellen. Freiheit für den Fussball!

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