Armes Italien

August 13th, 2010 by peroni

Wer noch Sommerferien hat, oder sonstwie (viel) zu viel Zeit, kann sich mal von kritischer Seite auf den neusten Stand in Sachen italienische Fankultur bringen. Kai Tippmann, Autor des Blogs Altravita setzt sich intensiv mit einem längeren Bericht aus der Repubblica auseinander, der im Mai unter dem Titel “Die Hände der Ultràs im Geschäft mit dem Fussball” erschienen ist. Ausserdem begrüssenswert ist, dass Tippmann noch dieses Jahr eine Deutsche Übersetzung des Buchs Tifare Contro auf den Markt bringen will. Buch und Blog: Kategorie nicht mehr ganz neu, aber sehr lesenswert.

Fairness?

August 5th, 2010 by Rubi

Während der WM und dem Saisonstart in der Schweiz habe ich wieder mal gemerkt, dass es zwei unterschiedliche Interpretationen von Fairness gibt. Für die einen bedeutet Fairness, dass man lediglich gemeinsame Regeln und Sanktionen festlegen muss. Eine Angelegenheit ist dann fair, wenn derjenigen bestraft wird, der gegen die Regel verstossen hat. Rolf Fringer beispielsweise behauptete, dass die rote Karte gegen Suarez im WM Viertelfinal unfair gewesen sei, da es ja schon Elfmeter gegeben hätte. Die Idee dahinter ist, dass man jemanden nicht für das gleiche Vergehen zweimal bestrafen darf. Auf der anderen Seite steht die Ansicht, dass Fairness eine Einstellung ist. Der Spieler soll versuchen, sich an die Regeln zu halten – unabhängig von den möglichen Konsequenzen. Diese Ansicht gipfelt in der (zugegeben) naiven Vorstellung, Fabiano hätte zumindest nach seinem dritten Handspiel eigentlich zugeben müssen, dass sein Tor nicht regulär war. Selbstverständlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Fussball soll ja nicht päpstlicher sein als der Papst. Trotzdem hat mich in letzter Zeit das Gefühl beschlichen, Fairness im Fussball werde immer häufiger als “crime and punishemt” betrachtet. Für mich liegt darin auch der Grund für die unsäglichen Diskussionen über Schiedsrichterentscheidungen. Wenn die Bestrafung zu einem zentralen Element eines funktionierenden Spiels wird, dann bekommt die Rolle des Schiedsrichters mehr Gewicht und somit steigt auch die Fehleranfälligkeit. Ich aber denke, dass eigentlich die Spieler in der Kritik stehen müssten.

Es braucht ja nicht gleich Aktionen wie im Video. Ich hoffe aber einfach, dass wir nicht die ganze Super-League Saison lang über Schiedsrichterentscheide diskutieren müssen, sondern hin und wieder auch mal ein bisschen gelebte Fairness zu sehen bekommen.

Abschreiberlis

July 30th, 2010 by Blochin

War doch schon in der Schule so: Wenn man nix Gescheites zu schreiben wusste, kaute man betont nachdenklich auf dem Bleistift rum und schielte dabei mal kurz auf des Nachbars prächtig gefülltes Blatt. Der wird’s ja wohl wissen. Dumm nur, wenn derjenige einen völligen Habakuk zu Papier gebracht hat. Wer das noch kopiert, obwohl der Inhalt wahrlich schwer zu glauben ist, der steht freilich noch blöder da.

Die wenigsten Medien haben sich die Mühe gemacht, für den Europa-League-Kracher zwischen Randers und Lausanne einen Vertreter zu schicken. Anscheinend war es schon zuviel, die Meldung der Sportinformation (si) genauer anzuschauen oder vielleicht kurz zu hinterfragen. So meldet der Tagi: «Der dänische Klub Randers muss sich nach 17 Siegen in der Europa League gegen Lausanne-Sport geschlagen geben.». Und die NZZ meint: «Die Dänen waren zuvor während siebzehn Spielen ungeschlagen gewesen.»

Wie ist das denn zu verstehen? Randers feierte 17 Siege in Folge in der Europa League? Ansgesichts der Tatsache, dass Atlético Madrid letztes Jahr nur 9 Spiele bis zum Finalsieg brauchte, müsste man doch den Namen Randers FC irgendwo schon mal gehört haben. Oder bezieht sich die Siegesserie auf alle Spiele, also inklusive Meisterschaft? Auch da müsste man doch stutzig werden: Wer 17 Spiele in Serie gewinnt, der müsste sich doch anders für die Europa League qualifizieren denn als Tabellenzehnter (mit 40 Punkten) via Fairplay-Rangliste. Und tatsächlich: Zwar verlor Randers von den bisherigen 2 Spielen der neuen Meisterschaft keines, aber schon im Abschlussspiel der letzten Saison unterlag man Bröndby 1:3.

Was bleiben noch für Möglichkeiten? 17 Heimspiele in Folge? Irrtum: Die Bröndy-Niederlage war zuhause. 17 Europa-League-Heimspiele? HSV gewann letzte Saison gleich 4:0 auswärts. Und bis jetzt noch ganz ausser Acht gelassen: In der 2. Qualifikationsrunde – also kurz vor dem Lausanne-Spiel – unterlag Randers beim luxemburgischen Vertreter F91 Düdelingen mit 1:2.

Aber irgendwoher muss dieses Gerücht doch kommen… Verzweifelt durchstöbere ich das Matcharchiv der Nordländern und endlich finde ich Erleuchtung: Randers FC blieb zwischen dem 29. November 2009 und dem 9. Mai 2010 16 Spiele lang ohne Niederlage (10 Siege, 6 Niederlagen). Damit konnte der Abstieg knapp verhindert werden, denn vor dieser Serie konnte der Verein in der Meisterschaft keinen einzigen Sieg verbuchen.

Erstaunlich, dass so ein erstaunlicher Fakt es mühelos und ohne angezweifelt zu werden locker in die meisten Zeitungen schafft. Nur der Blick kümmerte sich einen Deut um diese Statistik und titelte: «Lausanne zeigt es Dänen».

Traumduo am Weiher

July 24th, 2010 by stadtbuehl

Es war eine kurze Email-Nachricht an Freunde unter dem Titel „geilesommerlochgeschichte“. Einige löschten sie wegen Spamverdacht sofort, andere schmunzelten über den 63-jährigen Verfasser, der von höchster Stelle bestätigt bekam, wie gut er fussballerisch immer noch im Schuss ist. Mich erinnerte der Bericht dagegen an eine eigene Enttäuschung: Ende der 60er-Jahre lockte mich mein Vater an einem Sonntagmorgen aus der Stadt hinauf auf Dreiweihern. „Lausanne mit Dürr und Chapuisat trainieren heute dort oben.“ Keine Ahnung, wo Vater das Gerücht aufgeschnappt hatte. Es gab an jenem Wochenende ein Trainingsspiel in der Stadt zwischen LS und dem FCSG. Von den Spielern war allerdings an jenem Sonntag auf Dreiweihern nichts zu sehen. Der rebellische und abwesende Chapuisat wurde dennoch zu meinem Vorbild und vielleicht habe ich mich gerade deshalb so über das Mail gefreut, weil mein Vater nachträglich doch irgendwie recht bekam: Manchmal tauchen sie wirklich an unscheinbaren Orten auf und spielen ein ganz gewöhnliches Mätschli mit alten Freunden, die grossen Stars. Aber man weiss eben nie im Voraus, wann und wo und geniesst es  umso mehr, wenn man mit dabei ist. Also hier jetzt die Email-Nachricht von meinem Freund:

„Gestern hatte ich das Vergnügen mit tranquillo barnetta einen match auf drei weihern 5 gegen 5 zu spielen. Ich und quillo harmonierten ausgezeichnet zusammen. wir gewannen das spiel 5 zu 4, und schossen je 2 tore, jeweils auf pass vom andern. das letzte tor erzielte barnetta auf eine massflanke von mir mit einem wuchtigen kopfstoss in das 120cm tor. auf dass ich zu ihm meinte, so sollte es in der nati laufen. seine antwort  darauf, leider fehlt es mir da an solchen mitspielern.“ 

Elfmeter selber basteln

July 23rd, 2010 by admin

Elfer-selber“Riesenspass: Elfmeter schiessen” – das findet nicht Asamoah Gyan, sondern “Selber machen – Die praktische Zeitschrift für praktische Leute”. Leser und Blogseelsorger Rafael hat uns die Ausgabe Nr. 10 vom Februar 1975 zukommen lassen, wo über vier volle Seiten ausgeführt wird, wie man sich seinen Kicker und seinen Torwart zurechtschustern kann. Alles sehr raffiniert. Nur: Wer soll das alles basteln? Wer bitteschön soll “die Körperrundungen mit Feile und Schleifpapier herausarbeiten und alles nach Lust und Laune bemalen”?

Da heulen die Wöfle!

July 23rd, 2010 by admin

woefliLive vom Uhrencup in Grenchen berichtet unser Leser Urs. Als Buchstabenexperte weist er uns auf die Titelgeschichte des Matchprogramms von Spieltag 1 hin, wo es darum geht, dass ein blondierter Jüngling nach ausgedehnten Südafrikaferien an seine Heimstatt zurückkehrt. Ein weiterer kleiner Fehler hat sich ausserdem unten links auf der Titelseite eingeschlichen. Der kleine Kasten ist mit “Fussballfan” betitelt, das Bild zeigt aber gar keinen Fan, sondern eine Frau mit einem grossen, sauglatten Coca-Cola-Hut, die eine Art Plastikrohr in der Hand hält und damit vor einem Gebüsch posiert. Der Fussballfan ist aber doch einer, der sich ein paar Biere genehmigt und bei einer Niederlage seines Teams jemandem ein paar an den Kopf haut. Und das nicht vor einem Gebüsch, sondern im Stadion. Oder liege ich da völlig falsch?

Dissen bei Blick-online

July 19th, 2010 by admin

Das, lieber Blick-Newsroom, ist doch mal eine lustige Bildlegende! Man könnte als Leser glatt meinen, der Verfasser sei irgendwie emotional in die Sache verwickelt. Sei zum Beispiel Fan eines rivalisierenden Vereins oder etwas in der Art. Wobei das ja sicher nur ein falscher Eindruck ist.

Blick_FCZ

Un’estate italiana…nanana…

July 18th, 2010 by peroni

“Giorgio hat die Hymne für die Fussballweltmeisterschaft geschrieben, die in Italien stattfindet. Sie wollen mich unbedingt haben, weil ich eine ebenso fanatische Anhängerin meiner Contrada bin wie Fussballfans von ihren Clubs. Ich lasse mich also darauf ein, es zu probieren, ohne wirklich überzeugt zu sein, und ich schreibe den Text mit Edoardo Bennato. Dann singe ich das Lied spontan, aber dieses Arrangement und das ganze Drumherum widern mich an.

Das ist nicht meine Musik. Ich weigere mich mitzumachen, doch ich bin umzingelt. Edo ist weiterhin dafür, ich habe es ohnehin bereits gesungen, also was soll’s, immerhin muss ich es kein zweites Mal aufnehmen, sie haben schliesslich die Probe. Der Vertrag ist vom Manager unterzeichnet worden, also bleibe ich – mehr Edo zuliebe und weil ich keinen Ärger mit irgendwelchen Anwälten haben will – dabei.

Ausserdem hat die Sache einen Vorteil, der mich über meine persönliche Verärgerung hinwegsehen lässt: Dieses Lied kann nützlich sein, denn es wird um die ganze Welt gehen und internationalen Einfluss haben, es wäre also eine grosse Gelegenheit, etwas für einen guten Zweck zu tun, wenn wir mit dem Erlös aus den Autorenrechten Amnesty International unterstützen.

Ich überzeuge die Produzenten und alle Beteiligten, es ebenso zu halten. Sie stimmen zu, schade nur, dass es sich alle, als das Lied ein Erfolg wird, doch noch einmal anders überlegen und ich wie eine Idiotin als Einzige dastehe, die die Sache und das Engagement bis in die letzte Konsequenz weiterhin vorantreiben will.

Wie eine wütende Furie mache ich bei den Leuten Rabatz und renne ihnen durch das ganze Stadion hinterher, um sie zur Vernunft zu bringen. Nur Maradona, den ich mitten auf dem grünen Rasen treffe, kann mich in meinem Wutausbruch besänftigen. Für einen Moment vergeht mein Zorn und mitten im San-Siro-Stadion, nach der Schliessung der Pforten, verharre ich in dieser Umarmung.”

Schöne Geschichte aus der Autobiografie von Gianna Nannini. Si non è vero, è ben trovato. Nach der WM wurde sie dann von ihrem Manager noch gezwungen, das Lied auch an ihren Konzerten zu singen, wie man hier sieht. Gemein.

Felder (15)

July 10th, 2010 by admin

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Fotograf und Leser Philip schreibt dazu: “Der Ort der Aufnahme ist das Städtchen Khuzhir auf der Olkhon-Insel, umgeben vom Baikalsee, in Russland, an einem kühlen Aprilabend. Stattgefunden hat ein Spiel zwischen einer Gruppe Reisender und einer Gruppe lokaler Kinder.”

Murales all’italiana

July 10th, 2010 by peroni

wm_italiaZum WM-Abschluss noch eine schöne Wandmalerei.
Aufgenommen in Pontremoli.