Vorsicht, Freiheit!

Im Mai letzten Jahres hielt ich ein A4-Informationsblatt in den Händen, auf dem zu lesen war: “Wir dulden an unserer Schule keine Gewalt beim Sammeln von Panini-Bildchen.” Das Blatt war doppelseitig bedruckt. Am Ende hatte man sehr, sehr genau begriffen, dass man es hier mit einem sehr, sehr grossen Problem zu tun hatte.

hausenIm August war ich an einem Cupspiel in Hausen am Albis. Ein schöner Ausflug. Ein grossartiger Tag für den jungen Dorfklub, der FC St. Gallen war zu Gast. Um die Auflagen des SFV zu erfüllen, hatte Hausen keinen Aufwand gescheut. Völlig zurecht, muss man sagen, war doch das Publikum durchsetzt mit Sicherheitsinspizienten des Verbandes, die mit Knopf im Ohr sehr genau darauf achteten, dass alles seine Richtigkeit hatte.

Die paar hundert St. Galler verhielten sich bestens, am Ende applaudierten sie dem Unterklassigen. Hätten sie sich nicht bestens verhalten wollen, hätte ein leichtes Hüsteln genügt, und das sogenannte Sicherheitsdispositiv wäre umgekippt wie eine Kartonwand (s. Bild). Selbst die Handvoll St. Galler mit Stadion- und Rayonverbot durften wieder einmal ein richtiges Spiel besuchen: ausserhalb des Zauns zwar, doch das war in diesem Fall auch mitten drin. Hausen kennt kein Rayon, und so hatten die Ausgesperrten sogar mehr oder weniger direkten Zugang zum Getränkeservice. Und gab es deshalb Tote? Erstaunlicherweise nein. Haben sich Familien mit Kindern trotz der immensen Bedrohung an den Match getraut? Erstaunlicherweise ja, haufenweise.

In der nächsten Cuprunde wurde YF Juventus der FCB zugelost. Inzwischen ist man im Schweizer Cup soweit, dass gar keiner mehr auf die Idee käme, so ein Spiel könnte tatsächlich auf dem Utogrund stattfinden. Man spielte in Basel. Aber muss man unter solchen Umständen überhaupt noch antreten?

“Wir alle”, schreibt Peer Teuwsen, “haben eine Maschinerie in Gang gesetzt, die uns längst über den Kopf gewachsen ist; sie bestimmt unser Denken und unser Handeln.” Sein Essay über die “Freiheit, dieses kleine Wort” in der NZZ von gestern Mittwoch passt in Zeiten, wo harmlose Freundschaftsspiele aus Sicherheitsgründen bewilligungspflichtig werden, auf den Fussball wie die Faust aufs Auge.

Posted in Allgemein | Leave a comment

GC – Sion, 23.09.2015

Schiedsrichter: Bieri, Pozzi, Köbeli

Posted in Schiedsrichter | Leave a comment

Sogenannter Schotter verursacht 3 Millionen Sachschaden

“Der Bahnhof Luzern war voller Polizisten und Absperrgitter. Ich habe dann einen Polizisten gefragt, was das soll, und der sagte: Ist wegen Fussballfans.”

Das erzählte mir letzten Sonntag eine sehr glaubwürdige Quelle. Wie ich nun dank des Blogs 1901 erfahre, hat der Polizist aber nicht die Wahrheit gesagt. Und er war wohl auch kein richtiger Polizist, sondern nur ein Eisenbahnpolizist. Wie die SBB noch am Sonntag auf die Frage eines irritierten Passagiers klar stellten, galt das ganze Aufgebot nicht Menschen, sondern Material. Was das wieder gekostet haben mag! Ungedeckt ist nur der Vorname.

Posted in FCL | Leave a comment

Le petit suisse

Lucien FavreAus aktuellem Anlass: 21 Minuten Lucien Favre und Daniel Jeandupeux, 1983 zusammen neu bei Toulouse: http://www.rts.ch/archives/tv/sports/sous-la-loupe/4809155-jeandupeux-et-favre.html


(Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich) / Com_LC1432-007-002-35)

Posted in Frankreich | Leave a comment

Postkarte zum Wochenende

valenciennes

Posted in Stadien | Leave a comment

Blick, Bild, billig

“BLICK lügt” – mit dieser Parole sind wir aufgewachsen. Heute Freitag könnte man zumindest sagen: “BLICK erzählt nicht die Wahrheit”.

“Wir haben diesen BLICK gemacht”, titelt das Boulevardblatt heute und präsentiert angeblich eine Ausgabe, für die Flüchtlinge als Reporter, Redaktorinnen und Fotografen verantwortlich sind. Das stimmt nicht, respektive: nur zur Hälfte. Der zweite Bund des BLICK, der Sportteil, ist wie immer von der Sportredaktion gemacht. Dabei hätte gerade die ein bisschen Durchzug nötig.

Im Sportteil leistet sich der BLICK Hetztiraden wie jene gegen Doppelbürger-Fussballer, in der einer wie der ehemalige FCZ-Verteidiger Heinz Barmettler als “Verräter” betitelt wird, weil er für die Nationalmannschaft der Dominikanischen Republik spielte und zur Schweiz nicht genügend Vaterlandsliebe aufbrachte, um dreissig Jahre lang vergeblich auf ein Nati-Aufgebot zu einem Qualifikationsspiel zu hoffen.

Um Bigotterie ist auch in Deutschland ein Streit entbrannt: Die BILD darf, eingeladen von der DFL, gratis und ohne ersichtliche Gegenleistung einen Spieltag lang auf den Trikots der Bundesligisten zu einer Imagekorrektur ansetzen und für eine Willkommenskultur werben: “Wir helfen – refugeeswelcome” heisst der Slogan, der auf den Ärmel soll. Das finden einige nicht so passend. Als erster Verein erteilte der FC St. Pauli der Aktion eine Absage, um vom BILD-Chef via Twitter postwendend gerügt zu werden: “Darüber wird sich die AFD freuen, beim FC St. Pauli sind refugeesnotwelcome.” Dumm nur: Laut Faszination-Fankurve sind es inzwischen sechs acht Vereine, die sich von einem notorischen Hetzblatt nicht vor den Karren spannen lassen wollen. Mehr dazu in einem lesenwerten Kommentar von Nicole Selmer, oder auch hier.

Posted in Medien, Politik | Leave a comment

Der Topspielzuschlag – eine grandiose Idee

Sion_leer2Es hätten noch ein paar Platz gehabt im Tourbillon gestern. Gut, Rubin Kasan ist nicht Johnny Hallyday, aber das dürfte nicht der einzige Grund gewesen sein für die penible Leere: 200 Franken muss mindestens zahlen, wer sich die drei Heimspiele des FC Sion in der Europa League vor Ort anschauen möchte. Das sind pro Spiel 66.60 Franken für den schlechtesten Platz im Stadion. Gegen Gegner, deren vermeintliche Attraktivität vor allem in ihrer Geschichte liegt – bei Liverpool spielte einst Kevin Keegan, bei Bordeaux Alain Giresse. War das der Grund für den Topspielzuschlag?

Die Leute zu schröpfen, wenn grosse Namen kommen: Das hat im Fussball von heute System. In seiner aktuellen Ausgabe berichtet der ballesterer über die Unsitte am Beispiel Bundesliga. Ein anreisender Fan des BVB müsste am kommenden Mittwoch in Hoffenheim 55 Euro für den billigsten Platz hinblättern – schlappe 30 Euro mehr, als ein Augsburg-Fan zahlen muss. Nun rufen die Dortmunder zum Boykott der Sinsheimer Arena auf. Ob damit die Rechnung der Hoffenheimer aufgeht, wird sich zeigen.

Für das schamlose Ausweiden des Prinzips von Angebot und Nachfrage kann man als kapitalismusaffiner Mensch im Fall der Bundesliga noch ein gewisses Verständnis aufbringen: Es hat da ja auch tatsächlich einen Haufen Leute, die zum Fussball wollen. In der Schweiz aber wirken solche Turnübungen eher unbeholfen – und man muss sich als verantwortlicher Präsident am Tag nach dem Spiel von den Zeitungen eine “triste Ambiance” um die Ohren hauen lassen.

Am 10. Dezember übrigens – es wird dann recht kalt sein im Wallis – kommt zum letzten Gruppenspiel endlich das grosse Liverpool ins Tourbillon. Gut möglich, dass es bis dann für mindestens einen der beiden Vereine um nichts mehr geht. Dann darf man sich als Zuschauer immerhin für 66.60 Franken den Arsch abfrieren.

(Bild: Still von srf.ch)

Posted in Fans, Sion, Wirtschaft | 1 Comment

Weil aus Ungarn …

… schon lange nichts Schönes mehr zu hören war, singt heute Herr Puskàs für Sie:

Sing, Ferenc, Sing!

Posted in Musik | Leave a comment

Josip kriegt den Segen

Wir erinnern uns: Aus überschwänglicher Freude über die WM-Qualifikation schrie der schlaue kroatische Verteidiger Josip Simunic nach dem entscheidenden Spiel gegen Island den Gruss der Ustascha ins Mikrofon. Das brachte ihm eine Sperre von 10 Spielen ein – inklusive WM. Dumm gelaufen.

Nun ist zu lesen, dass sich Simunic mit seiner lauthals geäusserten Gesinnung in klerikaler Gesellschaft weiss: Der kroatische Bischof Pulic regt an, den Faschistengruss zum offiziellen Ruf der kroatischen Armee zu machen. Dazu die NZZ:

In seinem Anliegen wird er offenbar unterstützt von zwei Amtsbrüdern, den Bischöfen von Zagreb und Sisak. Der klerikale Probeballon soll zeigen, wie steif der Wind von rechts weht in Kroatien.

Posted in Kroatien, Medien, Politik | 2 Comments

Felder (59)

portdelaselva

Leserin Regina besuchte El Port de la Selva in Katalonien

Posted in Allgemein, Felder | Leave a comment