Archive for the ‘YB’ Category

Die YB

Friday, February 5th, 2010

Die Maskulinierung des Kürzels GC in der NZZ ist ja bekannt, und wir haben uns alle daran gewöhnt, dass dem GC das Geld fehlt. Neu ist jetzt aber die Einführung der pluralisierten verkürzten Young Boys mit dem heutigen Tag, im Interview mit Hansruedi Hasler:

Sie stehen aber auch national im Wettbewerb. Aus welchen Gründen soll ein Junger statt zu den YB, zum FC Basel oder zum FCZ eben zum GC gehen?

Wie ernst sie es meinen bei der alten Dame, ist aber offen. Denn gleich nebenan, im Artikel zu den Berner Meisterchancen, ist YB einfach YB:

Schiesst Doumbia vor seinem Wegzug YB zum Titel?

Verwöhnung in Dornach

Friday, January 15th, 2010

Heute habe ich gelernt: In Dornach wird den Schiedsrichtern nach dem Spiel – unabhängig vom Ergebnis – ein 5-Gang-Menü aufgetischt. Ich war schon viele Male in Dornach, auf der Burg, beim Goetheanum, all die rechtwinkellosen Häuser bestaunen, einmal sogar im Wölfli(sic!)-Lager. Aber das hätte ich jetzt nicht gedacht. 5 Gänge. Chapeau! Gelesen in einer sicher auch in Zukunft sehr gern gelesenen Kolumne unter gaeubschwarz.be

Meine kleine Konferenzschaltung

Thursday, March 5th, 2009

Vor dem kleinen Laden traf ich noch Peroni. Er hatte sich schon vorher zwei Bier gekauft für den Abend. Ich kaufte auch zwei, ein 01 und ein 02, beide von BierPaul. Für den Abend, das hiess für die zu erwartende Cuporgie am Fernsehen.

Ich stosse um neun dazu. YB-GC noch immer 0-0. Carlos Varela gibt ein Pauseninterview, das er dazu nutzt, Schiedsrichter Busacca ans Pein zu pinkeln. Ein bisschen zurecht, muss ich sagen. Vorsätzlicher und auffälliger als Vallori kann man eigentlich nicht foulen, Varela hätte den Penalty also verdient gehabt. Rüber auf Rai1. Pazzini hat soeben das 2-0 für Sampdoria gegen Inter geschossen. Es regnet dort sehr fest, in Genua unten. Der Schiri pfeift wieder an. Er trägt ein abgefahrenes, glänzend rotes Shirt von Diadora. Als würde im Marassi gerade ein neuer Mephisto gedreht. Auf den Werbebanden erscheinen gute Firmennamen: Technomax, Amica Chips, Thermomat.

Jetzt zur ARD, Bayer-Bayern. Im Gegensatz zu Bern und Genua hier die Hütte (Düsseldorf) rammelvoll. Er lebt, der DFB-Pokal. Barnetta schiesst das 1-0, sehr überzeugend, sehr wuchtig. Sein Torhüter Adler spielt ganz in Weiss. Wenn er eine Band hätte, würde sie “Guns ‘n Vice” heissen. Er hält aber gut, der weisse Adler. “Flieg, weisser Adler, flieg”, heisst ein Kinderbuch. Adlers Gegenüber Rensing trägt die selbe Kleidung wie der Schiedsrichter, oben gelb, Mitte schwarz, nur die Stulpen sind nicht gleich. So viel ich weiss, ist das verboten.

Oh, ich habe das 1-0 für YB verpasst. Sehe nur noch, wie sich Schütze Ghezal vom YB-Arzt mit Gummihandschuhen untersuchen lässt. Zurück zu Rai1. Cassano spielt unfassbar gut. “Cercha sempre la profondità”, sagt der Kommentator anerkennend. Und es stimmt. Jetzt wartet dort, in der Tiefe, Padalino. Toldo hält, aber Pazzini ist wieder zur Stelle, 3-0. Brutta Inter. Zurück ins Wankdorf. Ja nein! Zwei Tore verpasst, schon 3-0! Das ist dann ja gelaufen, also rüber zur ARD. Ja spinn ich denn? 3-2, vier Tore verpasst! Ich schaue meine Fernbedienung an. Sie kann nichts dafür. Bayer und Bayern sind mittlerweile auf 180. Alle gehen drauf wie die Gestörten, bei jedem Zweikampf bleibt einer liegen. Auf der Werbebande steht “AWD – mehr netto!”

Wieder nach Genua. Inter versucht jetzt ein bisschen besser auszusehen. Balotelli verpasst eine Hereingabe und hechtet mit voller Wucht gegen den Pfosten. Er rettet sich aber elegant, lächelt, scheint gesund. Samp startet den Gegenangriff, da sackt Balotelli mutterseelenallein auf Höhe Mittellinie plötzlich zusammen. Ich werde nervös. Ist der jetzt gestorben? Das gibt es ja immer wieder, dass welche sterben, einfach so. Nein, er bewegt sich. Aber komisch. Er wird abtransportiert. Was hat er bloss? Gute Besserung von hier aus! Dann wird Pazzini ausgewechselt, der Kommentator sagt “stending ovéschoon”. 

Bayer Keverlusen (alter Witz von Fredy Lienhard) kontert die letzte Bayern Offensive, Charisteas seelenruhig auf Kiessling, 4-2, und ich bin live dabei! Ende gut, alles gut. Der Cup ist das halbe Leben. La copa della vida. Coupe à deux.

Ennetbürger Wandmalereien

Friday, December 5th, 2008

Der treue Leser und Sportsmann Fabian C. hat bei einem Besuch des altehrwürdigen, ehemaligen und  vielleicht dereinst wieder zum Leben erweckten Hotels Honegg oberhalb Ennetbürgen NW ganz erstaunliche Wandmalereien entdeckt und diese für die interessierte Nachwelt festgehalten. Es handelt sich um kurze Aufzeichnungen eines Fussballfreundes aus den 20er Jahren. Der anonyme Chronist hat anhand der Spieltage vom 9. und 16. Juni 1929 den Punktestand der Grasshoppers, der Young Boys und von Urania Genf ausgerechnet. Was sich aufgrund der Kritzeleien noch nicht hatte erahnen lassen: Die Berner wurden 1929 Meister, nachdem sie den Cupfinal im selben Jahr gegen Urania 0:1 verloren hatten.

Rund um die “Tabelle” sind die Namen M. Bettex (Lausanne), Jean Füllemann (Romanshorn) und Hans Peter Odermatt zu lesen. Es handelt sich bei ihnen vermutlich um Teilnehmer von militärischen Weiterbildungskursen oder Klassenlagern, die ihre Spuren hinterlassen wollten. Hans Peter Odermatt kommt – anders als Bettex und Füllemann – als Urheber der Aufzeichnungen nicht in Frage. Er hat an anderer Stelle – und versehen mit der Jahreszahl 1967 – in einer Art Cluster-Diagramm von seinem Leben erzählt. Rund um einen Kasten mit seiner Adresse und über den Satz “Für das alles intressiere ich mich” schreibt er unter anderem “Essen, Fischen, Naturkunde, Kriminalistik, Beat Music, Skilager, Fussball, Abfahren, Abmachen, Zirkus, Sprachen, Fernsehen”. Bei diesem Reichtum an Interessen dürfte es im Folgenden nur so gepoltert haben in Hans Peter Odermatts Briefkasten.

Beim wiederholten Studium der Tabelle ist mir nun mit reichlicher Verspätung aufgefallen, dass es sich dabei wohl um die ersten beiden Spieltage der neuen Saison, also 1929/30, handeln muss und nicht etwa um die letzten der Saison 1928/29. Das würde dann aber heissen, dass nicht YB, sondern Servette den späteren Meister stellte, natürlich sehr zum Ärger von Urania und wohl auch zum Leidwesen des Kritzlers, dem die Grenats damals keine Spalte wert waren.

Einsam gemeinsam

Monday, November 3rd, 2008

Gestern im Stade de Suisse war es. Vor dem Spiel trugen die Spieler brav ein Banner mit der Aufschrift “Gemeinsam gegen Rassismus” auf den grünen Plastik. Und als das Spiel bereits lief – fast wäre es übrigens zwischen den Bombardements von Werbebotschaften untergegangen – wurde über den VIP-Boxen eine übergrosse Ausführung eben jenes Transparents aufgehängt.

Dem Novemberwind gefiel es, dann und wann unter die Ecken des Banners zu schlüpfen und diese herumzuwirbeln. Die linke Ecke konnte ihre Stellung nicht lange halten und wurde über den Zaum geworfen, wodurch in grossen Lettern unter der Decke zu lesen war: “EINSAM GEGEN RASSISMUS”.

Wie man sich dann fühlt wurde mir bewusst, als ein sowohl vom Umfang wie auch vom Stimmvolumen stark an Endo Ananconda erinnernder YB-Fan anfing, über “Kameltreiber”, “Dromedarsöhne” und “Voodoo-Affen” zu schimpfen.

Sieg dank Fackeln?

Tuesday, September 30th, 2008

Kausalitäten der eher ungewohnten Art suggeriert die NZZ heute in ihrem hoch geschätzten Auslandfussballteil: “Erst nachdem Leuchtraketen in den Espanyol-Block geflogen waren und die Partie acht Minuten unterbrochen gewesen war, löste sich die Ladehemmung in Wohlgefallen auf”, schreibt Georg Bucher über das Derby in Barcelona.

Mit etwas bösem Willen liesse sich anfügen: Darauf hätte auch der NZZ-Berichterstatter bei Basel-YB kommen können.

Die neue Deeskalations-Strategie?

Friday, September 19th, 2008

Beim gestrigen Uefacup-Spiel gelangten Hooligans des FC Brügge quer durch den Familiensektor an den Zaun des YB-Fansektors. Wie das möglich war, schildern die Verantwortlichen des Stade de Suisse in einer doch eher irritierenden Stellungnahme:

YB bedauert die Vorkommnisse im Zusammenhang mit gewalttätigen Fans beim UEFA-Cup-Spiel gegen den FC Brügge 

Beim gestrigen UEFA-Cup-Spiel YB – Brügge kam es zu einer gezielten Aktion einer stattlichen Gruppe gewaltbereiter belgischer Hooligans, die kurz vor Anpfiff der Partie die Konfrontation mit Berner Fussballfans suchten. Der BSC Young Boys und die STADE DE SUISSE Wankdorf Nationalstadion AG bedauern die Vorfälle. 
Die ohne Ticket angereisten Hooligans wurden von den Verantwortlichen des FC Brügge in der belgischen Fanzone nicht akzeptiert; auf Anraten der Polizei, der UEFA und des FC Brügge wurden die rund 150 Personen mit Tickets nahe des Brügge-Fanblocks ausgestattet, um vor dem Spiel gewalttätige Konfrontationen vor dem Stadion und in der Innenstadt zu vermeiden. Bedauerlicherweise kam es trotzdem zu einer Rangelei, die ohne Folgen blieb, da die Ordnungskräfte die belgischen Randalierer innert Minuten neutralisieren konnten. 

Zu den Vorfällen nach dem Spiel auf dem Quartierplatz verweisen wir auf das Communiqué der Kantonspolizei. 

Der BSCYB und die STADE DE SUISSE Wankdorf Nationalstadion AG entschuldigen sich ausdrücklich bei den Besuchern des gestrigen Spiels für die entstandenen Unannehmlichkeiten.

Fassen wir zusammen: Auswärtsfans, die der Gastklub nicht bei seinen Fans haben will, erhalten auf Anraten der Polizei (!), der Uefa (!!) und des Gastklubs (!!!) Tickets, damit sie sich ruhig verhalten? Es kann sich dabei nur um eine neue, bislang unbekannte Deeskalations-Strategie handeln. Oder haben wir da im Detailkonzept Sicherheit etwas überlesen?

Ach, ja: Und einen Lorbeerkranz für den Pleonasmus des Tages, “gewaltbereite Hooligans”. Was auch hitverdächtig wäre: “überforderte Sicherheitsverantwortliche”.