Archive for the ‘Wurst’ Category

Montag in Linz

Thursday, December 1st, 2011

Es war ein Versuch wert: Morgens um acht auf den Railjet, um Mitternacht zurück, morgens um acht wieder zuhause. 24 Stunden für das dritte Linzer Törtchen des Tags Derby der Saison. Diesmal wieder ein Heimspiel der Blau-Weissen. Oder des SKV. Man kommt ja als Aussenstehender nicht draus mit den Klubnamen in Österreich.

Im selben Zug sass Paul Breitner. Ich bin zumindest zu 93% sicher, dass er es war. Er ist mir aber erst kurz vor Linz aufgefallen, sodass ich ihn nicht mehr fragen konnte, was er in Österreich treibt, ob vielleicht eine nächste Schande von Gijòn ansteht oder was sonst so in Planung ist. Mir blieben nur noch 2-3 Minuten bis zum Aussteigen, während denen ich ihn anstarrte, bis er zurückstarrte und lächelte. Dies, neben der Tatsache, dass kaum zwei Leute auf dieser Welt eine solche Nase mit einer solchen Gesichtsbehaarung kombinieren, bringen mich zu diesen 93%.

In Linz fing sofort der Reigen der gesunden Verpflegung an: zuerst ein Leberkäs mit Pfeffer im Semmel und ein kleines Puntigamer beim Leberkäs-Pepi, neben dem Wurst-Hans offenbar DIE Verpflegungsinstitution in Linz. “I will koa Pizza oder Spaghetti, I will a Lebakäs vom Pepi”, heisst sein Slogan. Später im Stadion dann trotz eindringlichen Abratens seitens der Einheimischen irgendeine Scharfe mit Senf, die ihren Zweck erfüllte, und noch später am Bahnhof im Imbiss ein Käsekrainer. Das war dann die Fettration für 2011. Könnte man meinen. Müsste man denken. Kurz darauf fuhr ja dann der Nachtzug, im 6er Abteil wurden aber von den drei bereits Anwesenden zu meiner völligen Überraschung keine Freudentänze vollführt, als diese schwankend-dampfende Mischung aus Rauch, Hopfen und Wurstwaren sich an der Schiebetür zu schaffen machte.

Rauch! “Wie ist denn das in Österreich mit dem Rauchverbot in Wirtshäusern?” “Na na”, wird man aufgeklärt. Im Prinzip, so erfahre ich, ist es wie bei uns: Raucher müssen von Nichtrauchern getrennt werden, zu deren Schutz. Umgesetzt wird das aber so, dass im Wirtshaus grundsätzlich geraucht wird, was die Schlote hergeben, und für die andern gibts irgendwo ein verstecktes Kämmerchen zum Durchatmen. Ein Anti-Fumoir sozusagen. So war das zumindest in der “Eisernen Hand”. Von dort gings per Taxi den Hügel hoch. Der Taxifahrer war ein vorsichtiger Mann. Auf die Frage, ob er Schwarz- oder Blau-Weisser sei, meinte er, weder noch, sondern immer für den Underdog. Das ging um einen Tabellenplatz gerade noch mal gut. Dann musste ich noch sagen, ob Österreich mit Marcel Koller eine Zukunft hat oder nicht, und ich sagte “schlimmer wird es wahrscheinlich nicht mit ihm”, dann stiegen wir aus.

Das Stadion, das sich die beiden Vereine seit dem Auf- bzw. Abstieg teilen, lässt sich sehen, denn sowas hat man noch nie gesehen. Oval, mit Laufbahn, aber hinter einem Tor offen. Die eine Seite wird komplett renoviert und bleibt deshalb leer. Nur an den Enden stehen ein paar blaue VIP-Schalen. Der ganze Rest des für einen kalten 2.-Liga-Montagabend Ende November doch zahlreichen Publikums (6’500) steht auf der gegenüberliegenden Seite, mit einem beträchtlichen Sicherheitsabstand zwischen den Fanlagern. Vor Spielbeginn läuft laut Attwenger. Die sind zwar von dort, aber dass ich sie mal in einem Stadion hören würde, hätte ich nun doch nicht für möglich gehalten. Dann kommen die Mannschaften, zwei sind es an diesem Abend. Es wird viel gesungen, und was mir gefällt, ist, dass es zwar Capos gibt, aber trotzdem jeder und jede Gesänge anstimmen kann. Was auch passiert. Und die Capos sind nicht einmal beleidigt. Leider kann ich mich an keinen einzigen Liedtext lückenlos erinnern. Irgendwas mit “in die Goschn’ mecht is haun” kam aber wohl vor. Wie dem auch sei: Es reichte sehr knapp nicht für den ersten Derbysieg in einem Meisterschaftsspiel seit sehr vielen Jahren. Einen nett gegebenen Elfmeter 10′ vor Schluss konnte Blau-Weiss nicht gebührend würdigen, man musste dem Gegner verteidigenderweise noch eine Steilvorlage ergrätschen, die er dann dankend verwertete. Zwei zu zwei. Sauer schien niemand wirklich zu sein. Ab in die Winterpause.

In der Bar, in der das verlinkte Attwenger-Video gedreht worden war, hörte ich mir dann noch an, wie ein zuvorkommender Zeitgenosse von seinem Besuch eines DJ-Bobo-Konzerts erzählte. “Du warst bei DJ Bobo?”, fragte ich ungläubig. “Ja, in Ulan Bator.” Auf einer Reise mit der Transsibirischen sei er dort gelandet, und die ganze Stadt sei zugepflastert gewesen mit Bobo-Plakaten, das Ereignis des Jahres, also habe er eine Karte gekauft für fünf Dollar und sei rein. Danke, Fussball. Hätte ich ohne dich davon erfahren? Nein! Wobei ich ja vom selben Erzähler vom letzten Besuch noch die Geschichte mit dem Andi-Goldberger-Express in Erinnerung habe, den er als Jugendlicher bestiegen hatte, inmitten lauter laut saufender erwachsener Landsleute, um den Skispringer in Oberstdorf oder Oberhof zu unterstützen. Vor dem Aufbrechen dann noch ein kurzer Schwatz mit einem Herren aus Wales, der noch einmal ganz genau, als Zeitzeuge, schilderte, wie das jetzt war damals, als Half Man Half Biscuit den Auftritt in einer TV-Pop-Show absagten, weil ihre Tranmere Rovers zuhause spielten. Caramba!

Nulltoleranziges

Thursday, November 10th, 2011

Noch letzten Samstag forderte Peter Bühler im Tages-Anzeiger in grossen Lettern «Nulltoleranz – aber sofort!». Heute dann quasi das Dementi seiner Redaktionskollegen Thomas Schifferle und Fredy Wettstein in ihrem lesenswerten Artikel: «Nulltoleranz ist radikal.» Ja was nun? Wenigstens dies: «Ab sofort gelte Nulltoleranz, es werde kein Fleisch mehr ausgepackt.» So zu lesen ebenfalls im Tagi von heute auf der Frontseite in einem Bericht zu Frischfleischproblemen im Coop.

Kaktus der Woche – nei aber au!

Tuesday, November 8th, 2011

Will man aber das Geschehen in dem Oberliga-Spiel in seiner Gesamtheit erfassen, gehört auch die unappetitliche Information dazu, dass auf den Stehrängen des Gästeblocks nach dem Derby zahlreiche Häufen menschlicher Hinterlassenschaften gezählt wurden, die Rede war von 30 bis 40. Augenzeugen der Fäkalien-Sauerei sprachen von Abgründen der Zivilisation.

Das “wohlfeile Ansinnen” des DFB nach mehr Fairplay fand laut Autor “bei einem Teil der sogenannten Fußballfans keinen Anklang”. Ganz offensichtlich nicht, ja. Dem Gegner ins Stadion machen – neu ist das nicht. Erinnere mich zum Beispiel an eine Szene in Tognazzis “Ultra”, als die AS Roma bei der Juve zu Gast war. Aber 30 bis 40 Haufen, in der Oberliga – das ist Deutschlands 5. Liga – das ist schon eine neue Qualität. Wobei 30 bis 40 in der Bundesliga auch nicht viel weniger kaputt wären. Ich sags diesmal ungern, aber trotzdem: mehr dazu hier. (Und nein, über die Beteiligung irgendwelcher fanfreundschaftlich verbundener Schweizer wird an dieser Stelle explizit nicht spekuliert).

Langer Senf

Friday, July 22nd, 2011

“Longo ohne Fussball ist wie Bratwurst ohne Senf”, sagt Urs Schönenberger, Trainer des FC Wohlen, heute im Tages-Anzeiger, im Rückblick auf seine lange Abwesenheit im Profifussball. Dann doch lieber Fussball ohne Longo.

Mit Vater zu Brühl

Monday, June 6th, 2011

1967 durfte ich zum ersten Mal mit meinem Vater hinaus aufs Krontal. Dass es zu Brühl ging und nicht aufs Espenmoos zum FC St.Gallen, hatte einen einfachen Grund: Brühl spielte immer am Sonntag-Nachmittag, der FCSG dagegen am Samstag-Abend. Sonntag war praktischer, deshalb also Brühl.
Damals hatten wir noch kein Auto, deshalb gingen wir zu Fuss hinaus ins Krontal, eine gute halbe Stunde Richtung Osten. Beim ersten Mal waren wir zu viert, Vater, ich, Fredi, mein Freund aus dem Kindergarten und Herr Hubler, Fredis Vater. Unsere Nachbarn, auch Pöstler. Vom Spiel weiss ich nichts mehr, es war Nati B – Urania, Moutier, Fribourg, in meiner Erinnerung war es ein welscher Klub. Nur etwas ist mir vom Match geblieben. Es war eigentlich ganz ruhig, hin und wieder ein Hopp Brühl, aber dann wurde es plötzlich laut. Torjubel und ich war nicht darauf vorbereitet, weil ich das Spiel nicht wirklich verfolgt hatte. Ich durfte noch ein paar Mal mit, ich malte mir ein Fähnchen mit einer Krone und schrieb darüber Hopp Brühl. Ich ging immer um den Platz herum, drehte Runde um Runde.
An die Stadtmatches zwischen Brühl und dem FC St.Gallen durfte ich nicht. Wohl zu viele Leute, zu eng. Schade, ich habe nie einen richtigen Stadtmatch miterlebt. Vater wusste von den Nachbarn, wer zu welchem Klub stand. Der Vater von Werner Bruderer war ein eingefleischter Brühler. Herr Manser über uns war ein Städtler. Auf der Post gab es dann immer Diskussionen wegen dem Fussball. Vater war in den fünfziger Jahren wegen der Arbeit aus dem Rheintal in die Stadt gezogen. Fussball war eine Möglichkeit für ihn, hier anzukommen. Heute schlägt sein Herz mehr für den FCSG.
Gestern waren wir zum ersten Mal wieder zusammen draussen bei Brühl. Vater hatte unter der Woche angerufen, ob ich an das Aufstiegsspiel gehe, er hätte auch Interesse. Er war nie mehr da gewesen seit 1973, als Brühl in die erste Liga abgestiegen ist. Ich ging zielstrebig unter die Bäume rechts von der Tribüne und sagte: Da warst du doch immer. Ich seh dich vor mir, wie du mit dem Feurer redest, deinem Chef auf der Post. Er korrigiert mich, er sei immer auf der Gegentribüne gestanden früher. Ein Bekannter bringt uns eine Wurst, Vater hat nur eine Hunderternote, aber der andere will kein Geld. Vater ist es nicht recht. Heute hat er mit mir telefoniert, auch wegen der Wurst, ob ich das noch habe in Ordnung bringen können mit meinem Bekannten. Es sei ihm nicht recht gewesen, dass er so zu einem Geschenk gekommen sei. Und er habe geschwitzt auf dem Heimweg, bachnass sei er zu Hause angekommen.

Drei Franken

Tuesday, September 28th, 2010

“Was ist Ihnen ein Tor des FC Aarau wert?” Mein Bekannter Ernst hat sich das nicht gefragt, als er sich gestern aufs Brügglifeld begab. Er wollte einfach wieder einmal wissen, warum er Fussball mag. Und er wurde nicht enttäuscht. Obwohl sein Kumpel und nicht er die “Scharfe Kurve” ass, die Wurst mit hot Chili drin. “Was ist Ihnen ein Tor des FC Aarau wert?”, das wird man gefragt, wenn man das Matchprogramm auf Seite 12 aufschlägt. Hinter der Frage steckt eine Art Gönner-Trophy: Wer sich bereit erklärt, einen beliebigen Betrag (ab 2.-) pro Tor zu zahlen, das der FCA in dieser Saison erzielt, unterstützt den Verein und nimmt an einem Wettbewerb teil, wo es vom unterschriebenen Fussball bis zum iPad so ziemlich alles zu gewinnen gibt, was der Markt hergibt. Und wie Ernst so die Namen der bisherigen Spender durchging, stolperte er in der Abteilung “Fr. 3.- pro Tor” plötzlich auf ein prominentes Stirnband: Petar Alexandrov, Kölliken. Drei Franken! Drei Franken vom “Patriot, der mit den Bulgaren an der Weltmeisterschaft sogar die Bronzemedaille” gewonnen hat. Brügglifeld olé!

Feuer frei!

Sunday, April 11th, 2010

DSC01839

Buchtipp mit Fleisch II

Monday, March 22nd, 2010

Wie sang einst Helge Schneider: “Mein Zuhaaaaause ist die Metzgerei”. Leser Sporting macht uns im Zusammenhang mit Fleischfussball noch auf eine sehr schöne, natürlich wie immer über ihn zu beziehende Publikation aufmerksam mit dem Titel “Colores en la piel – Costumbres del Futbol Argentino“. Sporting schreibt, es sei

ein toller Bildband aus Argentinien über Rituale der Fussballfans, da hats geschlagene 20 Seiten Grossaufnahmen von Grillwürsten und denen, die sie essen.

Als kleinen – der Ausdruck ist an dieser Stelle wohl zu rechtfertigen – Appetizer hängt er freundlicherweise eine Kostprobe an. El Chorizo fanatico!

HPIM1146

Buchtipp mit Fleisch

Sunday, March 21st, 2010

Freundinnen und Freunden des tadellosen Geschmacks sei das neue Büchlein des Zeichners und Schreibers Ruedi Widmer ans Herz gelegt. Es heisst “Die Wirklichkeit, mit Fleisch nachempfunden” und enthält keine Texte, sondern nur Bildpaare im Stile von “bei der Geburt getrennt”, die meisten davon waren zuvor in der Titanic erschienen. Das handliche Werk eignet sich auch sehr als Geschenk, wenn man z.B. zu einer Berner Platte eingeladen ist. Oder zum Grillplausch. Das folgende Bildpaar stammt nicht aus dem Buch, dafür ist es zu wenig professionell. Ich habe das nur zur Illustration der Buchempfehlung erstellt.

gaalleberkaes

Mit Tony Renis im Flachland

Monday, March 15th, 2010

SchneemannJetzt, wo sich der Winter bitte langsam dem Ende zu neige, was ich für einen sehr gelungenen Einstiegssatz halte, weil neige = Schnee, jetzt also ist der richtige Moment für eine Liegefahrt im Wiener Walzer, unter dem Arm ein Buch über eine Frau, die im Wiener Walzer fährt (und noch in ganz vielen anderen Nachtzügen). Wie immer ein tolles Erlebnis. Vor allem auch die stets zurückhaltende Art des Liegewagenpersonals, wenn es darum geht, den schon in Linz Aussteigenden das Frühstück zu bringen. Tür aufreissen mit 134 Dezibel, alle verfügbaren Lichter an und dann laut schreien: “Wea hot Tee, wea Kaffee?” Danke, ich nicht, ich habe nur Zeit, noch zwei Stunden um genau zu sein, die ich eigentlich schlafend verbringen könnte, bis Wien, so Sie mich denn lassen.

Die Feier zur 50. Ausgabe des besten Fussballmagazins im erweiterten Alpenraum hält, was sie verspricht, nur dass die grossen Flaschen Newcastle Brown Ale bald ausgehen. Erinnert sich jemand an Alex Rubli? Er war einmal der Beifahrer vom Meteo-Bucheli, in der Frühphase. Alex Rubli hat einmal in der Schweizer Illustrierten gesagt auf die Frage, was ihn glücklich mache: Newcastle Brown Ale. Das Schöne an diesem Bier ist auch die weisse Flasche. Mit jedem Schluck leert sie sich sichtbar, und wenn nichts mehr drin ist, wirkt sie leicht und zart. Und der GCZTrinker ist glücklich, wie Alex Rubli. Ich habe aber zu früh die Segel gestrichen. Es ist das Alter. Beim Rausgehen zeigt mir der Herr Direktor persönlich noch einen Aufkleber eines Schweizer Fussballvereins, den ich so dort nicht erwartet hätte. Mit Sack und Pack schleppe ich mich zum hölzernen Würstlstand und bestelle wie angewiesen eine “Bosna”: Zwei Bratwürste in einer langen Semmel mit allerlei Gewürzen und Saucen, ein veritables Menu, das sich zu einer langen Schifffahrt in einem Meer aus Brown Ale aufmacht.

HSVEs gibt aber auch Tageslicht in Wien. Dabei ist zu erfahren, dass ein bekannter Hamburger Sportverein in Österreich umsonst Mobiltelefone verteilt. Ich hab aber schon eines, und das reicht mir vollkommen. Auf dem Flohmarkt überlege ich mir den Kauf einer  Postkarte mit einer Giraffe vorne drauf, ein Relikt aus den 80er Jahren, Safari-Park irgendwas. Die Frau möchte einen Euro dafür. Das ist sehr teuer, wenn man bedenkt, dass nebenan nagelneue Handys verschenkt werden. Ich lege die Karte zurück in die Kiste und schäme mich auf einem ausgedehnten Spaziergang entlang der Donau ob meiner Knausrigkeit. Dort sehe ich, wie sich ein Heer von Bibern von Osten her allmählich die StadtDSmampf einverleibt. Also: Wer noch nie in Wien war, sofort hingehen. In ca. drei Jahren ist da alles weggefressen.

Dann fährt der Zug hinaus in die Neustadt, Sturm Graz ist zu Gast bei Magna, dem neuen Spielzeug von Herrn Stronach. Eine interessante, sehr flache Gegend. Und Gäste-Anhänger mit einem für mich nur noch schwer zu entziffernden Idiom. A goa da guegg da goan da guaag. Der junge Herr vor mit im Block trägt eine Jacke mit einer Ausbuchtung am Rücken, auf der steht: “Avalanche Rescue System”. Sehr beruhigend. Es sind zwar keine Erhebungen auszumachen rund um Wiener Neustadt, aber angenommen es wären, angenommen die Tektonik hätte plötzlich einen Anfall und Berge würden sich erheben und Schnee zu Tale stürzen, dieser Mann vor mir wäre auf der sicheren Seite, und ich würde mich an seine Kapuze hängen und wäre mitgerettet. Solche Sachen können einem schon in den Sinn kommen bei einem Spiel, in dessen Verlauf es genau eine Torchance gibt, die zudem vergeben wird. “Gemma Gemma Gemma” singen unterdessen und mit Ausdauer die “Schwoazn” aus Graz, eine schöne Reminiszenz an Tony Renis‘ “Quando Quando Quando”.

Dann überstürzen sich die Ereignisse und auf der Rückfahrt auch die Dose Zywiec des mitgereisten Direktors, der sich dafür in einem Anflug beispiellosen Anstandes cat_1125660977bei den übrigen Abteilinsassen für die nasse Sauerei inklusive Geruchsemissionen entschuldigt. Höflichkeit kennt keine Grenzen innerhalb von Österreich. Um ein Haar verpasse ich den Nachtzug nach Hause, schuld war ein explosionsartig aufkommendes Hungergefühl. Ich schnappe mir eine Lange Scharfe Ungarische, das ist die Paradewurst der Westbahnhof-Bude, und sie wird, als wäre sie ein Wienerli, in ein Brot gesteckt, obwohl sie grösser ist als ein ausgewachsener Schüblig – ein gigantischer Hotdog. Mein Abteil, das ich dank einer glücklichen Fügung (für alle andern) mit niemandem teilen muss, erlebt einen Brosamenregen sondergleichen, so knusprig ist der Brotschlafsack der Langen Scharfen Ungarischen. Am Morgen bleibe ich aus Protest liegen, bis links das Perron vom Zürcher Hauptbahnhof erscheint. Es ist 7.19 Uhr. Der Schaffner wird ranzig: “Jetzt sind Sie aber wach ja!” Jetzt bin ich wach, ja.