Archive for the ‘Wirtschaft’ Category

Das System UBS in St. Gallen

Wednesday, September 1st, 2010

Dass man sich auch in Fussballkreisen nicht zu schade ist, die Folgen eigener Verfehlungen dem Staat in Rechnung zu stellen, wissen wir nicht erst seit heute. Rund um den FC St. Gallen ist dieses System UBS hingegen in einem Masse aktiv, das nur noch Abwinken zulässt. Aus dem Munde eines der Hauptverantwortlichen tönt das dann so:

«Aber ich möchte sehen, wer die Verantwortung übernimmt, wenn sich die Politik querstellt, wenn das Stadion plötzlich leer ist, zur Ruine wird, und der FC in der 1. Liga spielt – ich als Stadionbauer werde diese Verantwortung sicher nicht übernehmen.»

Den ganzen Schlamassel gibt es in der WOZ von morgen zu lesen, an Ihrem Kiosk. Oder dann halt hier.

Da kommt Freude auf

Monday, August 31st, 2009

Im Wirtschaftsteil der aktuellen NZZamSonntag geht es um die stets steigende Attraktivität des europäischen Spitzenfussballs. Unter anderem wird dabei das Hamburgische Weltwirtschafts-Institut HWWI erwähnt, das im (deutschen) Fussball noch viel mehr Vermarktungspotenzial sieht:

Mit der Aufspaltung der Spieltage und veränderten Anstosszeiten, Austragungen von Bundesliga-Spielen im Ausland, einer Play-off-Runde um die Meisterschaft oder der Nutzung neuer Medien lässt sich der ökonomische Ertrag verbessern. Und sobald sich künftig Schiedsrichterteams zur Entscheidungsfindung dank Videoaufzeichnungen kurz zurückziehen werden, dürften dies Werber sofort nutzen und der Industrie eine erkleckliche zusätzliche Geldquelle offenbaren.

Yeah! It’s just great! I’m loving it! Just do it! For the good of the game! For the beautiful game! The world is not enough! That’s the way I like it baby!

Fanzufriedenheit

Monday, August 24th, 2009

An der Maximilians-Universität in München wurde eine Analyse der Fanzufriedenheit im Profifussball durchgeführt. Die Idee dahinter ist, dass betriebswirtschaftliche Aspekte im Fussball wichtiger werden und damit auch die Fanzufriedenheit an Bedeutung gewinnt. Wenn nämlich keine Zufriedenheit, dann keine Zuschauer, dann keine Einnahmen und dann adieu Betriebswirtschaft. Die Autoren des Beitrags stellen ein Instrument vor, mit dem man die Fanzufriedenheit messen kann und wenden das entwickelte Instrument bei einem namhaften deutschen Bundesligisten an. Die Resultate sind sehr aufschlussreich: den grössten Einfluss auf die Fanzufriedenheit übt der Faktor STADION aus (Ausprägung 0.245). Anschliessend folgen weniger wichtige Einflüsse wie z.B. die Zufriedenheit mit der MANNSCHAFT (0.162) der FANBETREUUNG (0.143) oder der VEREINSFÜHRUNG (0.141). Noch unwichtiger (aber immer noch signifikant) sind das atmosphärische ERLEBNIS im Stadion und die INTERNETSEITE des Vereins. Einen negativen Einfluss auf die Fanzufriedenheit hat die BEGLEITENDE UNTERHALTUNG (-0.102). Die Autoren bezeichnen letzteres zwar als unplausibles Ergebnis; persönlich finde ich das aber sehr plausibel. Ich besuche aber auch nicht die Spiele eines namhaften Bundesligisten. Interessant sind auch die nicht signifikanten Einflussfaktoren. So hat z.B. die TRADITION und IDENTITÄT des Vereins einen positiven Einfluss auf die Fanzufriedenheit – leider könnte dieser Zusammenhang aber auch rein zufällig sein. Witzigerweise hat der Faktor SICHERHEIT im Stadion eine negative Ausprägung. In der Tendenz hiesse das: je mehr Pyro desto besser. Auch der Faktor ERREICHBARKEIT mit dem ÖV oder dem Auto haben einen negativen Einfluss auf die Fanzufriedenheit.

Ich ziehe aus dieser Studie zwei Folgerungen: a) der namhafte Verein, bei dem das Stadion der wichtigste Faktor ist und die Vereinsführung als fast genau so wichtig für die Fanzufriedenheit angesehen wird wie die Mannschaft, kann nur der FC Bayern sein. b) der Versuch, den Fussball in betriebswirtschaftliche Konzepte einzubinden, endet damit, dass alle Vereine so aussehen werden wie Hoffenheim. Da bin ich richtig froh, dass der Schweizer Fussball in absehbarer Zeit so oder so defizitär bleiben wird.

(Quelle: Analyse der Fanzufriedenheit im Profifussball – Entwicklung und Validierung eines Messinstruments. Wirtschaftswissenschaftliches Studium (WiSt), Zeitschrift für Ausbildung und Hochschulkontakt, Heft 7, 38. Jahrgang, S. 334-339).

Yöng Böys, Schulden und Hippydress

Friday, July 10th, 2009

Wir verabschieden uns in die Ferien mit einer Perle aus dem SF-Archiv (grazie Peroni). Dauert etwas länger (18′), aber lohnt sich. Es geht um zeitlos aktuelle Themen wie Transfers und Schulden, englische Klubnamen werden schön ausgesprochen und es ist der famose FC Luzern in seinem einzigartigen Blumen-Trikot (wurde damals spöttisch “Hippydress” genannt) zu sehen. Viel Vergnügen!

Stimmung ist gut für die Stimmung

Friday, April 10th, 2009

Der FC Bayern ist ein interessanter Verein. Er ist kaum zu mögen, doch will sich echte Verachtung auch nicht einstellen. Zu vernünftig, zu nachvollziehbar wird in München gearbeitet, zu klar sind die Prinzipien, nach denen gelebt und vor allem gewirtschaftet wird. In einem längeren, lesenswerten Interview lässt die NZZ diese Woche den scheidenden Manager Uli Hoeness zu Wort kommen. Honess sagt unter anderem:

Fans sind wichtig für das Ambiente

Es ist dieser zum Zynismus neigende Realitätssinn, der Honess’ Bayern so bewunderns- wie hassenswert macht. Das ganze Gespräch, in dem auch die legendäre Jahreshauptversammlung diskutiert wird, gibts hier.

Fussballer gegen Hunger

Tuesday, March 24th, 2009

Dieses Wochenende waren verschiedene Fussballspiele in Europa dem Kampf gegen Hunger gewidmet. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) versuchte dabei in Zusammenarbeit mit dem Verband Europäischer Fussballligen (EPFL) auf die 963 Millionen Hungernden auf dieser Welt aufmerksam zu machen. Die Aktion lief unter dem Titel ″Match Day against Hunger″. Hunderte von aktuellen und ehemaligen Fussballern zeigten, dass sie sich zumindest der Problematik bewusst sind. Mit dieser Aktion verbunden ist ein Mikro-Finanzierungsprojekt der FAO mit dem Namen TeleFood, welches armen Familien erlauben soll, Lebensmittel selber produzieren zu können. In der Schweiz hat man davon, trotz Mitgliedschaft im EPFL, offensichtlich nichts wissen wollen. Schade.

 

Link: European leagues and football stars against hunger

A G ARENA

Wednesday, February 18th, 2009

St.Gallen versinkt im Schnee- und Finanzchaos, was uns erhellende Erkenntnisse über den lokalen Fussball verschafft. Auf dem Dach des St.Galler Stadions steht neu der Schriftzug “A G Arena”. Pfeift der Klub aus dem allerletzten Loch und kann nicht einmal mehr die Stromrechnung bezahlen? Oder richtet der Hauptsponsor, der nicht länger alleine Geldlöcher stopfen will, auf diesem Weg eine deutliche Botschaft an die fussballverrückte Ostschweiz? Indem er einzig ein kleines F im Stadionnamen verschwinden lässt, erklärt er den Menschen zwischen Bodensee und Säntis, was der eigentliche Zweck des St.Galler Stadions ist: Liebe Fans, hier in dieser Arena hockt die St.Galler Fussball AG. Sie vernichtet euer Aktienkapital und wartet auf Unterstützung durch Stadt und Kanton.

Schmieren gehört(e) dazu

Friday, January 23rd, 2009

Wieder einmal sei die aktuelle Woz empfohlen:

Inwieweit war auch der oberste Fifa-Funktionär Joseph Blatter involviert? In Zug erklärte ein Rechtsanwalt der Angeklagten, Blatter habe die ISL Ende der neunziger Jahre dazu aufgefordert, den Geldkofferträger Jean-Marie Weber im Amt zu belassen, sonst «sei es um die ISL schlecht bestellt». Weshalb hat das Joseph Blatter getan? Die Fifa verweigert bis heute jede Stellungnahme.

Wer die ganze schöne Geschichte lesen möchte: hier. Wer findet, eine Zeitung, die solche Geschichten bringt, verdient es gekauft zu werden: ab an den Kiosk.

US-Notenbank hilft Manchester United

Wednesday, September 17th, 2008

Es steht heute auf allen Newsplattformen, das Radio sendet die Nachricht stündlich: Die US-Notenbank greift dem Versicherungsgiganten AIG mit 85 Milliarden Dollar (fünfundachtzigfuckingmilliardendollar) unter die Arme. Staatshilfe für eines der vielen Unternehmen, die mit hohem Einsatz gespielt haben und denen die weltweite Finanzkrise nun eine Breitseite verpasst. So viel zumindest habe ich verstanden, und ich verstehe davon wenig.

Was aber sicher ist: AIG ist Trikotsponsor von Manchester United. Über vier Jahre schüttet das Unternehmen insgesamt 100 Millionen Dollar an den Verein aus. Nun hat sich der US-Gigant AIG aber offenbar verspekuliert, über Jahre und systematisch, und dazu gehören vielleicht auch seltsame Investitionen in überseeische Fussball-Ligen. Die Frage nun: Ist es in Ordnung, wenn ein Verein von einem Unternehmen mitfinanziert wird, das seine Investitionen so fahrlässig tätigt, dass am Ende der Staat eingreifen muss, und zwar mit einem Betrag, dessen Dimensionen sich die meisten von uns nicht einmal halbwegs vorstellen können? Kurz: Ist es ok, wenn die US-Notenbank Manchester United unterstützt?

Über staatliche Beteiligungen an Fussballvereinen wurde in der Bundesliga auch schon debattiert. Als die Deutsche Bahn (DB) bei Hertha Berlin als Hauptsponsor einstieg, war von verschiedenen Bundesligakonkurrenten ein leises Grollen zu vernehmen: sich mit Steuergeldern im sportlichen Wettbewerb positionieren, das gehe nicht. Die Diskussion verlief im Sand. Genau wie jene über staatliche Beteiligungen an Fussballstadien: Ist es gerecht, wenn einige Vereine ihr Stadion selber finanzieren, andere es sich von der Kommune bauen lassen und sich dann zu einem günstigen Zins einmieten? Darüber lässt sich streiten. Über die 85 Milliarden für AIG nicht. Das muss ich zuerst verstehen, bevor ich darüber streiten kann.

Nachtrag vom 18.9.: Heute greift auch die Süddeutsche Zeitung das Thema auf, indem sie die Verstaatlichung von Newcastles Sponsor “Northern Rock” mit einbezieht.