Archive for the ‘Winterthur’ Category

Durchkochen!

Tuesday, June 30th, 2009

Und gleich nochmals Essen: Der Laufpass, herausgegeben von Fans des FC Winterthur und mit Sicherheit eines der interessantesten, kritischsten und selbstkritischsten Fanzines des Landes, besticht in seiner aktuellen bzw. letzten Nummer nicht nur mit grandiosen Reportagen (Herr Sauerland im wilden Locarno), sondern auch mit der wohl ambitioniertesten Petition, seit es Fussball, Politik und Fussballpolitik gibt: Die “Petition für einen besseren Kartoffelsalat an der GV des FCW”!

Leider läuft die Sammelfrist exakt mit dem heutigen Tag ab, aber wahrscheinlich sind die nötigen 34 Unterschriften ohnehin schon lange beisammen. Konkret wird übrigens gefordert (mit der Androhung rechtlicher Schritte), dass

- die Kartoffeln, die zu einem Kartoffelsalat an der Generalversammlung des FC Winterthur verarbeitet werden, genügend durchgekocht sind.

- der FCW-Vorstand den Kartoffelsalat probiert, bevor dieser an die Vereinsmitglieder ausgegeben wird.

Und so soll es also niemals wieder vorkommen, dass, wie an der letzten GV, hungrige Mitglieder sich mit trockenem Fleischkäse begnügen müssen, weil der Verzehr des Salats zum sofortigen Tod durch Ersticken geführt hätte (denn so viele Fans hat der FCW nun auch wieder nicht, dass er das verkraften könnte).

Knapp daneben beim FCW

Wednesday, May 6th, 2009

Die Reise geht weiter. Nach Zürich, St. Gallen und Luzern folgt nun der nächste Halt: Libero-Bar im Stadion Schützenwiese, FC Winterthur. Und zwar am nächsten Mittwoch, dem 13. Mai 2009.

Das Programm: ein Abend rund um das Buch “Knapp daneben – Aus den Randgebieten des Fussballs”. Die Texte aus dem Buch werden vertont durch passende Musikbeispiele aus der Welt der Fussballschallplatten und ausgeschmückt mit Anekdoten, Bekenntnissen und Halbwahrheiten aus dem Fundus von “Knapp daneben”. Beginn: 20.00 Uhr. Kühle Getränke aus grossen Gläsern an der Bar. Freundliches Servicepersonal. Sehr schöne Innenausstattung.

Herzlich willkommen!

“Ich weiss, wir sollten mehr tun”

Wednesday, December 31st, 2008

Die Journalistin Helen Hürlimann und der Journalist Jürgmeier haben ein ausgesprochen interessantes, leider aber bisher ziemlich unbeachtetes Buch geschrieben: “Tatort, Fussball und andere Gendereien”. Dabei werden zwei der wichtigsten Dinge im Leben, der Sonntagabendkrimi in der ARD und, eben, der Fussball, auf Rollenbilder und Geschlechterfragen untersucht. Richard Reich hat dazu in der NZZ geschrieben: “Wie Tabu-vermint dieses Terrain ist, belegt die Tatsache, dass einerseits Spitzenfussballer vor einem TV-Millionenpublikum ohne weiteres eine latente Homosexualität ausleben können (Stichwort Jubelszenen), während andererseits schwule Sportler ausgegrenzt, Fussballerinnen generell als Lesben verdächtigt werden.”

Die deutsche Kulturanthropologin Tatjana Eggeling, die zum Thema Homophobie im Sport ihre Habilitation schreibt, sagt im Interview: “Als Fussballer kann man sich (…) nicht hinstellen und sagen ‘Ich bin schwul’, weil man sich nicht sicher sein kann, ob man danach weiterspielen kann.” Das ist, auch in dieser Deutlichkeit, sicher richtig. Für Josef Zindel, Medienchef des FC Basel, haben dennoch “andere Probleme Priorität”, wie er im Buch erklärt. “Ich weiss, wir sollten mehr tun (…); in einem späteren Zeitpunkt müssen wir die Homophobie auch wegkriegen, das ist klar.” 

Man (sic!) kann über diese Prioritätensetzung denken, wie man will: Das inhaltliche Niveau, auf dem sich das dreiseitige Interview mit Zindel bewegt, ist beachtlich und wäre so noch vor fünf Jahren undenkbar gewesen. Es ist ein Verdienst von ”Tatort, Fussball und andere Gendereien”, diesen Ansätzen von Progressivität Platz einzuräumen. Die Interviews sind für die rein Fussballinteressierten ohnehin der ergiebigste Teil des Buches. Neben Zindel und Eggeling werden Gespräche geführt mit Nati-Trainerin Béatrice von Siebenthal, FC-Winterthur-Geschäftsführer Andreas Mösli und FCZ-Südkurven-Aktivist Luca Salomon. Letzterer verneint die Existenz homophober oder sexistischer Gesänge in der Zürcher Südkurve und entgegnet rhetorisch: “Es fragt sich auch, was sexistisch ist; wenn man die Mutter eines andern als Nutte bezeichnet – ist das sexistisch oder nicht?”

“Tatort, Fussball und andere Gendereien” ist ein gescheites Buch, voll mit Verweisen, Zitaten und Querbezügen. Es ist die bis jetzt vermutlich kritischste Annäherung an den Fussball, die in der Schweiz je publiziert worden ist; daran ändert auch der sehr spezifische Ansatz nichts. Über die wenigen Ungenauigkeiten – Deutschland hat nicht, wie erwähnt wird, von Steh- auf reine Sitzplatzstadien umgestellt – lässt sich hinwegsehen, und die fussballfremden Seiten zu Gewalt, Gleichheit und Geschlecht lohnen die anstrengende Lektüre. Einzig die Kapitel zu den Tatort-Folgen setzen ein etwas gar spezielles Interesse voraus. Wenn ”Tatort, Fussball und andere Gendereien” auch die Ehre gebührt, den unsäglichen Hamburger Kommissar und overactenden Softie Casstorff (Robert Atzorn) entlarvt zu haben.

Sonntag auf der Schützenwiese

Sunday, November 2nd, 2008

Zum Aufwärmen Reggae, zum Einlaufen AC/DC, in der Halbzeit ein Live-Konzert vor dem Bierstand – das gibt es nur beim FC Winterthur. 

Gleich beide, NZZ und Tagi, hatten den Salon Erika diese Woche im Blatt. Mit Foto gar, farbig, als “Trouvaille” betitelt. Der Salon Erika ist eine kleine, thrashige Prosecco-Kunstgalerie in der Heimkurve der Winterthurer Schützenwiese. Klar, sie allein lohnt den Besuch eines Spiels. Aber auch ohne Erika ist es herrlich da.

1800 haben sich eingefunden in diesem schönen Stadion an diesem gar nicht mal so kalten Sonntag, darunter auch ein paar Bengel aus Wohlen, wo der heutige Gegner herkommt. Sie haben sich vis-à-vis (Frank A. Meyer) hinters Tor gepflanzt und werden später noch zu reden geben. Aber nur ein bisschen. Die meisten sind Einheimische, und was sie sehen, gefällt ihnen nur am Rande. Recht zerfahren, würde ich es mal nennen, was die Rotweissen hier hinlegen, und entsprechend wenig schaut dabei heraus. Null zu null zur Pause, denn auch bei Wohlen ist nicht mehr zu holen. Wir drehen uns ab Richtung Bierstand, und: Zack, sind wir mitten in einem Platzkonzert. Eine Ad-Hoc-Formation aus Dos Hermanos und den famosen Mama Rosin hat sich hinter der Bierkurve breit gemacht und stimmt mit ein paar Takten ein auf das grosse Konzert nach Schlusspfiff: Akkordeon, Banjo, Gitarre, Schlagwerk, Megaphon, tip top.

Nach der Musik schiessen Ruedas Freiämter zwei Tore, die ich beide verpasse, weil ich grad in die falsche Richtung geschaut habe. Winterthur gelingt nur eines, und das heisst nach Bjarne Riise und Tony Adams: verloren! Winterthurs Geldgeber und eiserne Lady Hannes W. Keller findet das nicht gut. Er findet überhaupt gar nichts davon gut, was die letzten Wochen so los war. Und das sagt er dem Trainer noch auf dem Rasen, im Beisein des Lokaljournalisten; ein bisher nicht gekanntes Vorgehen, erklären mir die eingeweihten Anhänger, und dass es für den Trainer wahrscheinlich nichts Gutes bedeutet.

Wir gönnen uns noch zwei Takte Konzert vor der unschlagbaren Libero-Bar und dann heisst es ab an den schönen Bahnhof Winterthur. Bis dorthin haben es mittlerweile auch die rund 13 Wohlemer Ultras und Ultrinen geschafft. Einer von ihnen, für einen Sonntagnachmittag und sein jugendliches Alter mit einer ordentlich gefüllten Lampe unterwegs, ist vor dem Bahnhofskiosk gerade am Ausrasten: “Chum do use, chum do use wennt wottsch”, schreit er in den Verkaufsraum, und “ech figg dini Mueter”, worauf seine Begleitband einstimmt “Mer figged dini Mue-ter, mer figged dini Mue-ter”. Das ist an und für sich schon sehr unanständig. Es ist aber auch unangebracht, denn Adressatin des Wohlemer Unmuts ist meiner Beobachtung zufolge die grob geschätzt 58-jährige Kioskfrau. Wie soll so jemand reagieren, wenn sie a) zu einem ungepflegten 1:1 gegen einen minderjährigen Auswärtsfan aufgefordert wird und b) minderjährige Auswärtsfans ihr drohen, sich unsittlich an ihrer vermutlich in irgendeinem Alters- und Pflegeheim wohnhaften Mutter zu schaffen zu machen? Die Kioskfrau reagiert mit Altersmilde und lässt die Horde wortlos ziehen.

Auf dem Perron dann, vor der Einfahrt des Zuges, man muss es der Fairness halber auch erwähnen, holen die Jungen dann zu den drei Auswärtspunkten noch ein paar dazu: willkürlich Passanten zum Tanz auffordern und Kinder grüssen mit “Hoi, ech be de Roger”, das zieht immer. Auch in Winterthur, sonntags um fünf.

Schweizer Cup 1. Hauptrunde

Sunday, September 21st, 2008

FC Seefeld Zürich – FC Winterthur 0:0 nach Verlängerung, 3:2 nach Penaltyschiessen. Eintritt 20 Franken, Stück Kuchen 4 Franken. Wetter: gut.