Archive for the ‘St. Gallen’ Category

Mit Vater zu Brühl

Monday, June 6th, 2011

1967 durfte ich zum ersten Mal mit meinem Vater hinaus aufs Krontal. Dass es zu Brühl ging und nicht aufs Espenmoos zum FC St.Gallen, hatte einen einfachen Grund: Brühl spielte immer am Sonntag-Nachmittag, der FCSG dagegen am Samstag-Abend. Sonntag war praktischer, deshalb also Brühl.
Damals hatten wir noch kein Auto, deshalb gingen wir zu Fuss hinaus ins Krontal, eine gute halbe Stunde Richtung Osten. Beim ersten Mal waren wir zu viert, Vater, ich, Fredi, mein Freund aus dem Kindergarten und Herr Hubler, Fredis Vater. Unsere Nachbarn, auch Pöstler. Vom Spiel weiss ich nichts mehr, es war Nati B – Urania, Moutier, Fribourg, in meiner Erinnerung war es ein welscher Klub. Nur etwas ist mir vom Match geblieben. Es war eigentlich ganz ruhig, hin und wieder ein Hopp Brühl, aber dann wurde es plötzlich laut. Torjubel und ich war nicht darauf vorbereitet, weil ich das Spiel nicht wirklich verfolgt hatte. Ich durfte noch ein paar Mal mit, ich malte mir ein Fähnchen mit einer Krone und schrieb darüber Hopp Brühl. Ich ging immer um den Platz herum, drehte Runde um Runde.
An die Stadtmatches zwischen Brühl und dem FC St.Gallen durfte ich nicht. Wohl zu viele Leute, zu eng. Schade, ich habe nie einen richtigen Stadtmatch miterlebt. Vater wusste von den Nachbarn, wer zu welchem Klub stand. Der Vater von Werner Bruderer war ein eingefleischter Brühler. Herr Manser über uns war ein Städtler. Auf der Post gab es dann immer Diskussionen wegen dem Fussball. Vater war in den fünfziger Jahren wegen der Arbeit aus dem Rheintal in die Stadt gezogen. Fussball war eine Möglichkeit für ihn, hier anzukommen. Heute schlägt sein Herz mehr für den FCSG.
Gestern waren wir zum ersten Mal wieder zusammen draussen bei Brühl. Vater hatte unter der Woche angerufen, ob ich an das Aufstiegsspiel gehe, er hätte auch Interesse. Er war nie mehr da gewesen seit 1973, als Brühl in die erste Liga abgestiegen ist. Ich ging zielstrebig unter die Bäume rechts von der Tribüne und sagte: Da warst du doch immer. Ich seh dich vor mir, wie du mit dem Feurer redest, deinem Chef auf der Post. Er korrigiert mich, er sei immer auf der Gegentribüne gestanden früher. Ein Bekannter bringt uns eine Wurst, Vater hat nur eine Hunderternote, aber der andere will kein Geld. Vater ist es nicht recht. Heute hat er mit mir telefoniert, auch wegen der Wurst, ob ich das noch habe in Ordnung bringen können mit meinem Bekannten. Es sei ihm nicht recht gewesen, dass er so zu einem Geschenk gekommen sei. Und er habe geschwitzt auf dem Heimweg, bachnass sei er zu Hause angekommen.

«Risikospiele ganz friedlich: St. Gallen als Vorbild»

Tuesday, May 24th, 2011

Die Morgensendung von Radio DRS berichtete gestern Montag über das Fanverhalten anlässlich des Gastspiels des FC Basel am Vortag (MP3, ab 09:19). Der 1. Staatsanwalt des Kantons St. Gallen Hansjakob macht das Sankt-Galler-Modell mit einem polizeilichen Beweisererkennungs- und Festnahmeelement sowie einem Schnellrichter für das friedliche Risikospiel verantwortlich.

Das System UBS in St. Gallen

Wednesday, September 1st, 2010

Dass man sich auch in Fussballkreisen nicht zu schade ist, die Folgen eigener Verfehlungen dem Staat in Rechnung zu stellen, wissen wir nicht erst seit heute. Rund um den FC St. Gallen ist dieses System UBS hingegen in einem Masse aktiv, das nur noch Abwinken zulässt. Aus dem Munde eines der Hauptverantwortlichen tönt das dann so:

«Aber ich möchte sehen, wer die Verantwortung übernimmt, wenn sich die Politik querstellt, wenn das Stadion plötzlich leer ist, zur Ruine wird, und der FC in der 1. Liga spielt – ich als Stadionbauer werde diese Verantwortung sicher nicht übernehmen.»

Den ganzen Schlamassel gibt es in der WOZ von morgen zu lesen, an Ihrem Kiosk. Oder dann halt hier.

Traumduo am Weiher

Saturday, July 24th, 2010

Es war eine kurze Email-Nachricht an Freunde unter dem Titel „geilesommerlochgeschichte“. Einige löschten sie wegen Spamverdacht sofort, andere schmunzelten über den 63-jährigen Verfasser, der von höchster Stelle bestätigt bekam, wie gut er fussballerisch immer noch im Schuss ist. Mich erinnerte der Bericht dagegen an eine eigene Enttäuschung: Ende der 60er-Jahre lockte mich mein Vater an einem Sonntagmorgen aus der Stadt hinauf auf Dreiweihern. „Lausanne mit Dürr und Chapuisat trainieren heute dort oben.“ Keine Ahnung, wo Vater das Gerücht aufgeschnappt hatte. Es gab an jenem Wochenende ein Trainingsspiel in der Stadt zwischen LS und dem FCSG. Von den Spielern war allerdings an jenem Sonntag auf Dreiweihern nichts zu sehen. Der rebellische und abwesende Chapuisat wurde dennoch zu meinem Vorbild und vielleicht habe ich mich gerade deshalb so über das Mail gefreut, weil mein Vater nachträglich doch irgendwie recht bekam: Manchmal tauchen sie wirklich an unscheinbaren Orten auf und spielen ein ganz gewöhnliches Mätschli mit alten Freunden, die grossen Stars. Aber man weiss eben nie im Voraus, wann und wo und geniesst es  umso mehr, wenn man mit dabei ist. Also hier jetzt die Email-Nachricht von meinem Freund:

„Gestern hatte ich das Vergnügen mit tranquillo barnetta einen match auf drei weihern 5 gegen 5 zu spielen. Ich und quillo harmonierten ausgezeichnet zusammen. wir gewannen das spiel 5 zu 4, und schossen je 2 tore, jeweils auf pass vom andern. das letzte tor erzielte barnetta auf eine massflanke von mir mit einem wuchtigen kopfstoss in das 120cm tor. auf dass ich zu ihm meinte, so sollte es in der nati laufen. seine antwort  darauf, leider fehlt es mir da an solchen mitspielern.“ 

Hüppis Grammatik

Wednesday, April 14th, 2010

Man tötet den Fussball? Werden Sie nicht mehr zahlen können?

Es wäre schön, wenn wir hier im Konjunktiv redeten. Die Wahrheit ist: Wir können die Rechnungen der Stadt schon jetzt nicht mehr bezahlen.

Das ist zwar Futur I, nicht Konjunktiv, sonst aber legt sich der Präsident des FC St. Gallen im Interview mit der WOZ die Dinge rund um den Fussball zurecht wie vor ihm vielleicht höchstens Herr Heusler aus Basel. Wer nach dem Choreoverbot von Hüppi gegen den Espenblock seine Meinung über den Präsidenten gemacht hatte, sollte sich nun die Mühe machen, das Gespräch in voller Länge zu lesen.

Interessante Bildwahl V

Monday, April 12th, 2010

Bild070Der Herr Kollege von nebenan beschenkt uns mit einer weiteren Folge der Serie “Interessante Bildwahl”. Diesmal geht es um den choreobefreiten St. Galler Anhang, der laut gestriger Sonntagsblick-Bildlegende “mit Fahnen und gefährlichen Feuerwerkskörpern in der AFG-Arena Stimmung” macht. Dass die AFG-Arena in Bern liegt, weiss nur die Sonntagsblick-Redaktion bzw. pardon, die Redaktion der Blick-Gruppe, wie das ja jetzt in den Modern-Newsroom-Times heisst. Die Welt steht Kopf!

Der Preis der Vermummung

Thursday, March 25th, 2010

Hundert vermummte Luzerner, die dem Extrazug entsteigen. Die St. Galler Polizei begrüsst sie und sagt durchs Megaphon, Vermummen koste in St. Gallen 800 Franken Busse. Worauf 90 der 100 die Masken fallen lassen.

Diese und andere Erfolgsmeldungen und Einschätzungen, z.B.

Diese vermummten, militärisch auftretenden Gruppen finde ich beängstigend. Dadurch werden Allmachtsfantasien ausgelebt: Man tritt in der Gruppe auf und fühlt sich unbesiegbar.

sind im aufschlussreichen Interview mit dem Ersten St. Galler Staatsanwalt Thomas Hansjakob nachzulesen, in der aktuellen Wochenzeitung.

Karlsson vom Dach

Tuesday, November 10th, 2009

Leser Fabian hat eine Kollegin, und die hat einen Helikopter, und mit dem ist sie neulich über die Ostschweiz geflogen und hat abgedrückt. Danke, Frau C!

AFG-Arena2

Gut zum Druck

Friday, November 6th, 2009

DSC01727

Veranstaltungshinweis St. Gallen

Monday, November 2nd, 2009

Die vorzügliche Veranstaltungsreihe “Stadion trifft Stadt” des St. Galler Fan-Dachverbandes DV1879 startet in die kalte Jahreszeit mit einem heissen Thema (billiger adjektivischer Sauna-Effekt): Fans, Sicherheit, Repression. Das Podium ist gut besetzt und dürfte weit über die St. Galler Stadtgrenzen hinaus interessieren. Wer also grad in der Gegend ist: Mittwoch, 4.11.09, 19.30, Grabenhalle St. Gallen.