Archive for the ‘St. Gallen’ Category

Das System UBS in St. Gallen

Wednesday, September 1st, 2010

Dass man sich auch in Fussballkreisen nicht zu schade ist, die Folgen eigener Verfehlungen dem Staat in Rechnung zu stellen, wissen wir nicht erst seit heute. Rund um den FC St. Gallen ist dieses System UBS hingegen in einem Masse aktiv, das nur noch Abwinken zulässt. Aus dem Munde eines der Hauptverantwortlichen tönt das dann so:

«Aber ich möchte sehen, wer die Verantwortung übernimmt, wenn sich die Politik querstellt, wenn das Stadion plötzlich leer ist, zur Ruine wird, und der FC in der 1. Liga spielt – ich als Stadionbauer werde diese Verantwortung sicher nicht übernehmen.»

Den ganzen Schlamassel gibt es in der WOZ von morgen zu lesen, an Ihrem Kiosk. Oder dann halt hier.

Traumduo am Weiher

Saturday, July 24th, 2010

Es war eine kurze Email-Nachricht an Freunde unter dem Titel „geilesommerlochgeschichte“. Einige löschten sie wegen Spamverdacht sofort, andere schmunzelten über den 63-jährigen Verfasser, der von höchster Stelle bestätigt bekam, wie gut er fussballerisch immer noch im Schuss ist. Mich erinnerte der Bericht dagegen an eine eigene Enttäuschung: Ende der 60er-Jahre lockte mich mein Vater an einem Sonntagmorgen aus der Stadt hinauf auf Dreiweihern. „Lausanne mit Dürr und Chapuisat trainieren heute dort oben.“ Keine Ahnung, wo Vater das Gerücht aufgeschnappt hatte. Es gab an jenem Wochenende ein Trainingsspiel in der Stadt zwischen LS und dem FCSG. Von den Spielern war allerdings an jenem Sonntag auf Dreiweihern nichts zu sehen. Der rebellische und abwesende Chapuisat wurde dennoch zu meinem Vorbild und vielleicht habe ich mich gerade deshalb so über das Mail gefreut, weil mein Vater nachträglich doch irgendwie recht bekam: Manchmal tauchen sie wirklich an unscheinbaren Orten auf und spielen ein ganz gewöhnliches Mätschli mit alten Freunden, die grossen Stars. Aber man weiss eben nie im Voraus, wann und wo und geniesst es  umso mehr, wenn man mit dabei ist. Also hier jetzt die Email-Nachricht von meinem Freund:

„Gestern hatte ich das Vergnügen mit tranquillo barnetta einen match auf drei weihern 5 gegen 5 zu spielen. Ich und quillo harmonierten ausgezeichnet zusammen. wir gewannen das spiel 5 zu 4, und schossen je 2 tore, jeweils auf pass vom andern. das letzte tor erzielte barnetta auf eine massflanke von mir mit einem wuchtigen kopfstoss in das 120cm tor. auf dass ich zu ihm meinte, so sollte es in der nati laufen. seine antwort  darauf, leider fehlt es mir da an solchen mitspielern.“ 

Hüppis Grammatik

Wednesday, April 14th, 2010

Man tötet den Fussball? Werden Sie nicht mehr zahlen können?

Es wäre schön, wenn wir hier im Konjunktiv redeten. Die Wahrheit ist: Wir können die Rechnungen der Stadt schon jetzt nicht mehr bezahlen.

Das ist zwar Futur I, nicht Konjunktiv, sonst aber legt sich der Präsident des FC St. Gallen im Interview mit der WOZ die Dinge rund um den Fussball zurecht wie vor ihm vielleicht höchstens Herr Heusler aus Basel. Wer nach dem Choreoverbot von Hüppi gegen den Espenblock seine Meinung über den Präsidenten gemacht hatte, sollte sich nun die Mühe machen, das Gespräch in voller Länge zu lesen.

Interessante Bildwahl V

Monday, April 12th, 2010

Bild070Der Herr Kollege von nebenan beschenkt uns mit einer weiteren Folge der Serie “Interessante Bildwahl”. Diesmal geht es um den choreobefreiten St. Galler Anhang, der laut gestriger Sonntagsblick-Bildlegende “mit Fahnen und gefährlichen Feuerwerkskörpern in der AFG-Arena Stimmung” macht. Dass die AFG-Arena in Bern liegt, weiss nur die Sonntagsblick-Redaktion bzw. pardon, die Redaktion der Blick-Gruppe, wie das ja jetzt in den Modern-Newsroom-Times heisst. Die Welt steht Kopf!

Der Preis der Vermummung

Thursday, March 25th, 2010

Hundert vermummte Luzerner, die dem Extrazug entsteigen. Die St. Galler Polizei begrüsst sie und sagt durchs Megaphon, Vermummen koste in St. Gallen 800 Franken Busse. Worauf 90 der 100 die Masken fallen lassen.

Diese und andere Erfolgsmeldungen und Einschätzungen, z.B.

Diese vermummten, militärisch auftretenden Gruppen finde ich beängstigend. Dadurch werden Allmachtsfantasien ausgelebt: Man tritt in der Gruppe auf und fühlt sich unbesiegbar.

sind im aufschlussreichen Interview mit dem Ersten St. Galler Staatsanwalt Thomas Hansjakob nachzulesen, in der aktuellen Wochenzeitung.

Karlsson vom Dach

Tuesday, November 10th, 2009

Leser Fabian hat eine Kollegin, und die hat einen Helikopter, und mit dem ist sie neulich über die Ostschweiz geflogen und hat abgedrückt. Danke, Frau C!

AFG-Arena2

Gut zum Druck

Friday, November 6th, 2009

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Veranstaltungshinweis St. Gallen

Monday, November 2nd, 2009

Die vorzügliche Veranstaltungsreihe “Stadion trifft Stadt” des St. Galler Fan-Dachverbandes DV1879 startet in die kalte Jahreszeit mit einem heissen Thema (billiger adjektivischer Sauna-Effekt): Fans, Sicherheit, Repression. Das Podium ist gut besetzt und dürfte weit über die St. Galler Stadtgrenzen hinaus interessieren. Wer also grad in der Gegend ist: Mittwoch, 4.11.09, 19.30, Grabenhalle St. Gallen.

Doppelleben

Monday, September 14th, 2009

Am Sonntag nahm ich den Bus. Er war rammelvoll mit Leuten, die an die Knabenschiessen-Chilbi wollten. Nach zwei Stationen stieg eine Familie in FCZ-Vollmontur zu, noch beflügelt vom Derby-Sieg vom Vorabend. “Sind ihr FCZ-Fans?”, will ein Junge wissen. “Klar”, sagt der Sohnemann im Meistertrikot, “du öppe nöd?” “Doch, scho. Aso FCZ und FCB.” 

Im allgemeinen Raunen über dieses unschuldig vorgetragene Bekenntnis kam mir ein Text in den Sinn, den Daniel Kehl für die Match-Zeitung des SC Brühl anlässlich des Freundschaftsspiels gegen den FC St. Gallen von vergangener Woche geschrieben hat. Wir dürfen ihn freundlicherweise verwenden. Viel Vergnügen.

Doppelleben

Stadtmatches zwischen dem SC Brühl und dem FCSG sorgen bei fast allen St.Galler Fussballfans für Vorfreude und gute Stimmung. Bei mir nicht. Ich werde unruhig, je näher der Anpfiff rückt und am liebsten würde ich mich verdrücken -  irgendwohin weit weg auf einen einsamen Berggipfel. Was nur bringt mich als Fussball-Supporter mit vierzig Jahren Erfahrung vor einem Stadt-Derby jedes Mal in seelische Not? Ganz einfach: Ich habe mich nie für eine einzige Fussball-Liebe in der Stadt St.Gallen entschieden, ich fiebere zugleich mit Brühl und der „Stadt“.

Zwei-HerzenAls mein Vater vor fünfzig Jahren aus dem Rheintal in die Stadt kam, so sah er sich jeden Match an: Am Samstagabend ging er aufs Espenmoos und am Sonntagnachmittag aufs Krontal. Ich weiss bis heute nicht, welchem der beiden erbitterten Rivalen er sich damals näher fühlte. Tatsache ist, dass die Mütter später mit den Kinderwagen auf dem Parkplatz nur vor dem Krontal auf die fussballvernarrten Väter warteten. In einem der Wagen lag ich und hörte so wohl zum ersten Mal Brühler Torjubel. Keine Ahnung, welcher Brühler Klubverantwortliche den Kickoff  jeweils auf den Sonntag angesetzt hat. Ich bin ihm dankbar, denn seinetwegen wurde ich ein Brühler. Später spazierte mein Vater manche Sonntage mit mir hinaus ins Krontal und es war für mich völlig klar, dass ich dort dazugehöre.  Zu erklären, weshalb mir auch der andere Stadtverein plötzlich ans Herz wuchs, ist einfach: Als sich Anfang der Siebzigerjahre die Wege der beiden Klubs trennten, reagierten wir als Jugendliche ganz pragmatisch: Wir schlugen uns auf die Seite des Stärkeren, mit einem schlechten Gewissen, aber jedes Jahr eindeutiger. Zwar sahen wir uns noch Brühler Erstligaspiele an – vor dürftiger Kulisse  gegen Red Star, aber Fahnen malten wir nun für den FCSG und fieberten dem Cupfinal FCSG gegen YB entgegen.

Jahrelang trug ich mein düsteres Geheimnis allein mit mir herum, heute weiss ich, dass es Dutzenden aus meiner Generation genau gleich geht. Wir haben uns darin eingerichtet, mit zwei Lieblingsklubs zu leben, die beide eine einzigartige Geschichte haben. Dem SC Brühl wird von wahren Fussballkennern in der Schweiz trotz Viertklassigkeit noch immer mit Respekt begegnet. Wenn der SC Brühl wie letztes Jahr wegen seines originellen Matchplakats beim Cupspiel gegen GC („Duell der Meister!“) in fast allen Zeitungen der Schweiz positiv erwähnt wird, so erfüllt mich das mit tiefem Stolz auf „meinen“ Klub. Daneben hoffte ich mit „meinem“ FCSG ein Jahr lang auf den Wiederaufstieg und feierte mit zweitausend anderen Grünweissen auf dem Basler Rankhof, als es endlich geschafft war. Im Moment komme ich mit diesem Doppelleben als Fussballfan ganz gut zurecht – zumindest solange sich die beiden Traditionsklubs nur freundschaftlich begegnen wie heute Abend. Schwierig wird es nur, sollten meine beiden Klubs wieder in der gleichen Liga landen. Vielleicht muss ich dann in eine andere Stadt umziehen.

Stadionpostkarten FC St. Gallen (!)

Friday, June 19th, 2009

Gar nicht gewusst: Der deutsche Stadionpostkartensammler und -hersteller Burkhard Schulz (BS Postkarten) hat jetzt auch zwei Postkarten der AFG-Arena des neuen Stadions des FC St. Gallen 1879 herstellen lassen. Schön geworden, ausser dem farbigen Rahmen. Zu den Luftaufnahmen ist er offenbar über die Bauherrin gekommen, auf alle Fälle stehen deren Koordinaten hinten drauf. Interessierte melden sich deshalb hier. Oder bei uns, per Mail, dann gibts die Adresse von Burkhard.

Die Fotos sind übrigens schon scharf, nur meines hier ist es nicht, aus welchen Gründen auch immer (Schützengarten war es nicht).