Archive for the ‘Spielfeld’ Category

Wann war das schon wieder? 1994?

Monday, May 31st, 2010

UnknownBlog Brain Blochin hat für die bekannte Spielserie ANNO DOMINI von Urs Hostettler ein FUSSBALL-ANNO-DOMINI produziert, das seit heute zu haben ist, und zwar hier. Es handelt sich um ein wirklich simples und deshalb auch wirklich unterhaltsames Gesellschaftsspiel für 3-8 Nasen, die den Auftrag haben, jeweils eine Auswahl von insgesamt 336 Ereignissen aus der Fussball-Geschichte chronologisch richtig einzuordnen. Habe ich mich verständlich ausgedrückt?

Fans und ihre Archive

Wednesday, April 15th, 2009

Ein Arbeitskollege aus Luzern wetterte am Mittagstisch “Wegen diesen Idioten, die auf den Platz stürmten, können wir normalen Fans nun ein paar Spiele nicht ins Stadion!” Müsste nicht so sein, wie folgender Matchbericht vom Spiel Wil – GC aus der Auf-/Abstiegsrunde 1993 zeigt:

Vor dem Stadion war schon ein rechter Auflauf als wir eine Stunde vorher eintrafen. Wir standen hinter dem Tor auf Naturstehrampen die mit Kieselsteinen aufgefüllt waren. 5000 Zuschauer drängten in den Bescheidenen Ground. GC saustark, wir saubesoffen. Eine gelungene Kombination. Nach mehrmaligen Platzsturm bekamen einige Leute Ärger. Aber im grossen und ganzen blieb alles sehr friedlich und lustig. Nach dem problemlosen Sieg rannten wir alle miteinander ins Tor und suhlten uns im Netz. Mit leeren Büchsen wurde noch Penaltyschiessen geübt , wobei der Goalie mit der Zeit wirklich wie eine Sau aussah. Irgendwann schleppten wir uns dann zu den Autos.

Diese und andere köstliche Anektoten finden sich im Internet-Archiv der Fangruppe Grassmokers. Besonders empfehlenswert ist der Abschnitt zur Geschichte der GC-Fanszene, wo wir erfahren, dass die ersten Fanclubs im Hardturm so abenteuerliche Namen wie “Schweizer Elite” oder “Danger” hatten. Wiedermal ein Beispiel dafür, dass man die wirklich guten Momente aus der Geschichte der Schweizer Fussballs nicht bei den offiziellen Clubs suchen sollte (Vergleiche: FCZ-History...), sondern in den Archiven von Fans. Und das gilt nicht nur für Zuschauer-, sondern manchmal auch für Clubgeschichte, siehe www.super-servette.ch.

Split – Ancona 1:1

Friday, October 24th, 2008

Während der Überfahrt  mit der Fähre von Italien Richtung Kroatien fällt mir im Reiseführer eine Passage über Split auf: „ Besuchen Sie unbedingt ein Heimspiel von Hajduk.“  Nicht gerade üblich, dass kulturell und historisch ausgerichtete Reisebücher Fussballspiele empfehlen. Spätestens nach der Ankunft in der kroatischen Hafenstadt wird klar, dass Hajduk weit mehr ist als ein Fussballklub.  Jeder Souvenirstand verkauft Klubtrikots und -andenken. An Hauswänden haben sich die Fanklubs verewigt: Torcida nennen sich die einzelnen Fraktionen, denn egal wohin wir auch fahren, überall an der Küste tauchen weitere Hajduk-Fanklubs auf, selbst im kleinen Küstendorf auf Korcula  hat jemand mit schwarzem Klebband „Torcida Lumbarda“ auf ein Fenster geschrieben. Auf einem Schulhof ist in der Mitte des Spielfelds  das Hajduk-Emblem aufgemalt, ein rotweisses Schachbrettmuster in blauem Kreis. Ich lese in  Miljenko Jergovics „Walnusshaus“, aber auch dort  komme ich nicht an Hajduk vorbei, denn der Autor skizziert mit wenigen Sätzen eine ganze jugoslawische Fussballtradition: „Statt das Radio einzuschalten, wirbelten in seinem Kopf alle Begegnungen zwischen Hajduk und Roter Stern durcheinander, die er in er in einer langen Reihe von dreissig Jahren bewusst erlebt hatte, Jahre, in denen sich Fussballergenerationen abgelöst hatten.  Talente wurden geboren, die mit dem ersten Rausch in sich zusammenfielen, die grössten Spieler trugen die Neun oder Zehn auf dem Rücken, bei Hajduk Split Jurica Jerkovic, beim Roten Stern Jovan Acimovic….“ – Jerkovic? Spricht Autor Jergovic in seinem Roman etwa vom  ehemaligen FCZ-Star Jure Jerkovic, dem unvergesslich herausragenden Fussballer? – Nach einer Woche Strandfussball  geht’s zurück Richtung Italien. In Ancona stärken wir uns am Montag Morgen in einer Bar mit Kaffee und lesen die Schlagzeilen. Ancona hat in Treviso vor 1368 Zuschauern nur 1:1 gespielt. Aber die Zeitung berichtet vor allem von den Zwischenfällen vor dem Anpfiff, drei der fünfzig Ancona-Ultras wurden festgenommen. Ziemlich trostlos, der Fussball scheint in der bedeutendsten Hafenstadt an der italienischen Adria weit weniger zu beschäftigen als auf der anderen Seite des Meers. Dann fällt mir in der Bar per Zufall ein kleines Heftchen der „Associazione Clubs Forza Ancona“  in die Hände, das mein Interesse weckt. Mittendrin in der Werbung verbirgt sich ein Juwel: Auf der einen Seite ist Johannes der 23. abgebildet, gegenüber Franz von Assisi. Offenbar liegt dem freiwilligen Kulturverein „Quadro Di Giovanni XXIII“, der sich der Aufwertung der Stadt Ancona und der Unterstützung von Personen in Schwierigkeiten verschrieben hat, gerade auch der Fussball am Herzen. Einzigartig und Split ebenbürtig ist zumindest der Einfallsreichtum Anconas:  Politiker, Showstars und  Wirtschaftsgrössen sonnen sich überall auf der Welt gerne im Erfolg der Fussballklubs.  Päpste und Heilige habe ich aber ausser in Ancona noch in keiner Klubzeitschrift angetroffen.

Tränen, Hoffnung und ein Lacher

Friday, September 12th, 2008

Der Cup lebt davon, dass die grossen Klubs bei den kleinen zu Besuch sind. Und wirklich lustig und spannend sind solche Matches nur für die Anhänger des kleinen Klubs. Die grossen Vereine können dabei nur verlieren: Alle erwarten einen diskussionslosen Sieg und mit jeder Minute, in der das Tor für den grossen Klub nicht fällt steigt bei den Fans des unterklassigen Vereins die Anspannung und die Hoffnung auf eine Sensation .  So einfach funktioniert der Cup und deshalb schätzen Fussball-Liebhaber den vernachlässigten Wettbewerb. Neun von zehn Cup-Spielen laufen nach gleichem Drehbuch ab und sind schnell vergessen.  Man könnte sie auch in der Pause abpfeifen. Aber jener Match, der der Logik nicht gehorcht und die Verhältnisse auf den Kopf stellt, bleibt unvergesslich.  Besonders wunderbar sind siegreiche Cup-Matches für die Anhänger von Klubs, die schon bessere Zeiten erlebt haben. Es ist die Gelegenheit, sich der Fussball-Schweiz in Erinnerung zu rufen. Mir geht nicht aus dem Kopf, wie ein Reporter nach einem Cupmatch  in La Chaux-de-Fonds  vor ein paar Jahren die Tränen der alten Männer auf der Tribüne beschrieb, die nach dem Sieg gegen das damals noch übermächtige Servette einfach überwältigt und überfordert  waren. Das Leiden  und die Enttäuschung über den schmerzhaften Niedergang des einstigen Schweizer Meisters aus dem Jura war für einen Abend aus der sonst  so trostlos leeren Charrière vertrieben.

Cup-Auftritte der Grasshoppers in der Fussball-Provinz sind besonders gut geeignet für Träume. Vor allem, wenn der Rekordmeister nicht unüberwindlich erscheint. Als GC 1992 im Cup nach Rorschach fuhr, wartete ein ganzes Städtchen gespannt auf die Stars in Blauweiss, die im Europacup Sporting Lissabon ausgebootet hatten: Giovane Elber im Sturm, Alain Sutter, Johann Vogel  und Ciriaco Sforza im Mittelfeld und Marcel Koller, Murat Yakin und Ramon Vega in der Verteidigung hätten auch als Jahrhundert-Elf auf dem Wankdorf statt auf dem Pestalozzi-Platz auflaufen können.  Aber die lokalen Fans wussten auch, dass GC in der Meisterschaft zur Überraschung aller kein Bein vors andere brachte.  Das Spiel endete 1:8 und war schnell entschieden gewesen.  Es war gerade das eingetreten, was die kleinen Klubs im Cup so sehr fürchten: Die jungen und hungrigen Stars aus Zürich revanchierten sich  mit jedem Tor für die Kritik, die sie zu Hause wegen durchzogener Auftritte in der Meisterschaft eingesteckt hatten. Denkwürdig blieb der Abend dennoch:  Nach dem  Cupmatch drängten hunderte von Fans ins Festzelt, um den berühmten GC-Trainer Leo Beenhakker  bei der öffentlichen Pressekonferenz  aus nächster Nähe zu erleben.  Der stolze Medienchef des FC Rorschach begrüsste den Star-Trainer der Grasshoppers  in breitem Ostschweizer-Dialekt und fragte schliesslich: „Wiä hätene dLeischtig vo ehrem Team gfalle?“.  – Darauf der weitgereiste Weltenbummler Beenhakker mit einem  Schmunzeln: „Ich verstehe zwar kein Wort, von dem was sie sagen,  aber es war ein sehr gutes Spiel von beiden Mannschaften.“  

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Wednesday, September 10th, 2008

Titel: Platzwart ohne Arbeitsethos.

Aufgenommen von Hannes im Gailtal, Kärnten, Österreich.