Archive for the ‘Schiedsrichter’ Category

Die neue Hand-aufs-Herz-Regel

Monday, March 8th, 2010

Jetzt wo Fifa bzw. Board endgültig und für den Rest des Technologischen Zeitalters NEIN gesagt haben zur Störung des Fussballbetriebs durch Torkameras und Ballchips, habe ich einen Vorschlag: Die Hand-aufs-Herz-Regel. Sie geht so:

Jede Mannschaft hat pro Spiel ein- oder zweimal (das müsste dann das Board entscheiden, von mir aus zweimal) die Möglichkeit, beim Schiedsrichter einen Ehrlichkeits-Check eines Gegenspielers zu verlangen. Das kann eine Schwalbe, ein Hands, ein Phantomtor oder eine vermeintliche Tätlichkeit betreffen. Der Captain der sich benachteiligt fühlenden Mannschaft sagt dem Unparteiischen, welchem Gegenspieler welche Frage gestellt werden soll. Als Beispiel: “Fragen Sie Herrn GEPA-2808071858Henry, ob er den Ball mit der Hand geführt hat.” Herr Henry stünde dann vor der Wahl: zugeben, und in der Kabine von seinen Mitspielern brutal abgeschlachtet werden (Variante ehrlich, selbstlos), oder: abstreiten, und von der durch TV-Beweise medial eventuell extrem aufgeheizten Öffentlichkeit in  Stücke gerissen werden (Variante Eigennutz, dumm). “Eventuell” für den Fall, dass das Abstreiten zurecht erfolgte, weil tatsächlich eine Berührung da war oder wie das sonst so im Jargon heisst.

Jetzt kommen Sie natürlich und sagen: Geht nie und nimmer, gibt sofort Rudelbildung um den Befragten, um ihn zu beeinflussen. Daran habe ich aber bereits gedacht. Das Prozedere fände nämlich im Anstosskreis statt, zugegen wären nur die drei Involvierten. Wer den Abstand nicht einhält, direkt Rot.

Ich finde das ehrlich gesagt einen guten Vorschlag: Kostet nichts, braucht keine zusätzliche Technik, garantiert dafür ein paar zusätzliche Emotionen. Ich meine, stellen Sie sich die Frage vor: “Herr Rivaldo, hat er Sie am Kopf getroffen?” Da überlegt sich der doch zweimal, ob er sagt “Ja, mein Herr, mitten ins Gesicht.” Oder? Habe ich etwas vergessen? Nicht, oder? Sepp, ruf einfach an. Ich komm sonst auch nach Visp. Essen wir eine Randenwurst und machen alles klar.

Verwöhnung in Dornach

Friday, January 15th, 2010

Heute habe ich gelernt: In Dornach wird den Schiedsrichtern nach dem Spiel – unabhängig vom Ergebnis – ein 5-Gang-Menü aufgetischt. Ich war schon viele Male in Dornach, auf der Burg, beim Goetheanum, all die rechtwinkellosen Häuser bestaunen, einmal sogar im Wölfli(sic!)-Lager. Aber das hätte ich jetzt nicht gedacht. 5 Gänge. Chapeau! Gelesen in einer sicher auch in Zukunft sehr gern gelesenen Kolumne unter gaeubschwarz.be

Heute Dok: Les arbitres

Wednesday, December 16th, 2009

Heute um 21.10 auf SF2, nach Basel-Fulham. Lohnt sich ziemlich. V.a. die Szenen, wo die Angehörigen auf dem Sofa vor dem Fernseher sitzen und jubeln. Aber nicht für ein Team, sondern wenn ihr Ehemann, Vater, Bruder als Schiedsrichter eine strittige Szene richtig beurteilt hat. Übrigens: Kurt Röthlisberger kommt in diesem Dok nicht vor.

Was macht eigentlich …

Tuesday, December 15th, 2009

… Kurt Röthlisberger? Ist Kurt Kellner im Kafé King? Nein! Er macht im Aargau aus Blaufahrern Engel. Keine schlechte Idee. Findet auch Fredi, der im “Schweiz aktuell”-Beitrag erzählt, wie sie sich damals mit 18 im FC Rennen geliefert hätten, wenns an die Spiele ging.

Gutes zu Busacca

Tuesday, September 22nd, 2009

Von all dem, was über Busaccas Mittelfinger zu sehen, hören und lesen war, fand ich bis jetzt den heutigen Kommentar in der NZZ am besten. Als beinahe einziger verweist er auf eine grassierende Unkultur der Unhöflichkeit in den Stadien, OHNE die Vergangenheit zu verklären. So ist zum Vorfall u.a. zu lesen, er sei

Ausdruck einer Verrohung, die das Sportmilieu hinnimmt, weil es die Emotionen braucht und letztlich nur dank ihnen lebt. Diese Ausbrüche sind systemimmanent, ohne sie funktioniert der Fussball nicht, und nicht immer sind die Gefühlsausbrüche positiv und freudvoll. Das Überdruckventil unterscheidet nicht, ob es guten oder schlechten Emotionen freien Lauf lässt.

Das ist eine Analyse, die in erster Linie Fragen stellt (wenn auch implizit), statt verkrampfte Antworten zu liefern. Für Busacca habe ich übrigens plötzliche Sympathien. Der gläubige Tessiner, gutaussehend, stets gefasst, erfolgreich, integer, kurz: die Teflonpfanne des Schiedsrichterwesens, und dann bricht im Stadion Esp zu Baden einfach so der Sanguiniker durch. Ich hoffe, es hat ihm gut getan. Es wäre ihm zu gönnen.

Moratti lesen

Monday, April 20th, 2009

Überraschend und erfreulich deutlich die Worte von Inter-Boss Moratti, auch gegen verharmlosende TV-Kommentatoren, nachdem sein 18-jähriger Stürmer Bolatelli beim Spiel gegen die Juve in Turin Opfer von massiven rassistischen Beleidigungen geworden war. Weniger überraschend einmal mehr Herr Buffon, die Nr. 1 der Juve und der Nationalmannschaft: alles nicht so gemeint. In Italien können Schiedsrichter Spiele unter- oder abbrechen, wenn es zu rassistischen Gesängen kommt. Können. Müssen aber natürlich nicht, sagt der Verband, und bescheinigt seinem Unparteiischen korrektes Verhalten. Juventus spielt nun ein Spiel vor leeren Rängen. Immerhin. Als Bolatelli zuvor im Olimpico Ähnliches hatte einstecken müssen, büsste man die AS Roma noch mit 8000 Euro.

Dreifaches Abseits?

Friday, March 20th, 2009

Der Schiedsrichterassistent habe im Cupspiel FCZ-FCB “gleich eine dreifache Basler Offside-Position” übersehen, trompetet der “Blick” in seiner heutigen Ausgabe und bläst zum Sturm gegen Unparteiische und für den Videobeweis. Sicher: Es gehört zum Boulevard, dass er zuspitzt, polemisiert und übertreibt. Wenn es um Fussballregeln geht, empfiehlt es sich trotzdem, einigermassen bei den Fakten zu bleiben.

Die weisse Offsidelinie, die der Blick in sein SF-Standbild montiert hat, mag zwar schön parallel zum 16er verlaufen und zeigt tatsächlich, dass drei Basler jenseits dieser Linie stehen. Nur: bei zweien, Carlitos und Safari, spielt das überhaupt keine Rolle. Sie hätten auch auf der Grundlinie stehen können. Solange sie nicht aktiv ins Spiel eingreifen, d.h. weder an den Ball kommen noch einen Gegenspieler oder den gegnerischen Torhüter behindern oder bedrängen, können sie stehen, wo sie wollen. Es geht also nur um Streller. Im Moment der Ballagbabe wird er von Stahel noch halb verdeckt, und zwei Spieler im Vordergrund versperren zusätzlich die klare Sicht aufs Geschehen. Zudem ist seit langem bekannt: Das menschliche Auge (also auch jenes des Assistenten) kann bereits ab einem geringen Winkel nicht zwei Situationen zeitgleich erfassen. Für den Schwenk von Ballabgabe zu vermeintlich im Abseits positioniertem Spieler vergeht ein Sekundenbruchteil – genug, um eine Abseitsposition erst nach Ballabgabe entstehen zu lassen. Häufige Fehler sind hier nicht erstaunlich, sondern logisch, zumal modernes Verteidigungsspiel auf der Linie genau mit diesem Sekundenbruchteil operiert (der bekannte koordinierte Schritt nach vorn).

Sicher, Streller stand im Abseits. Aber äusserst knapp. Es gab schon eine Vielzahl klarerer Fehlentscheide, die zu weniger Aufruhr führten. Zudem: Wer am Mittwoch im Stadion war, muss zugeben: von Abseits war nie die Rede. Die Fragen, die sich die Leute nach dem Penaltypfiff stellten, waren: Foul oder nicht? Drinnen oder draussen? Abseits – sowas sehen wenn überhaupt sowieso nur jene paar Dutzend, die genau auf Höhe des hintersten Mannes sitzen, also exakt die Position des Assistenten innehaben. 

Bleiben wir also locker. Denn was für ein Lamento zu hören wäre, wenn wir erst einmal den Videobeweis eingeführt haben, will ich mir gar nicht vorstellen.

Schiri mit Zweihänder

Tuesday, November 25th, 2008

Schön choreografiert und wahrscheinlich wochenlang geprobt: die Doppelgelbe von Mainz. Was im Anschluss daran alles über den armen Manne ausgeschüttet wurde, ist an anderer Stelle zu erfahren.