Das St. Galler Schnellgericht für Fussball-Übeltäter (oder laut SDA “gewalttätige Hooligans”) wurde eingeführt, um bei eindeutiger Beweislage für beide Seiten rasch Klarheit schaffen zu können. Gross und breit war die Zustimmung, als in dieser Saison den Ostschweizern die ersten Fische ins Netz gingen. Nach dem Spiel St. Gallen – FCB waren es sechs Basler Anhänger, die vor dem Stadioneingang wegen Mitführens pyrotechnischer Gegenstände herausgepflückt wurden. Was mit ihnen passiert ist? Sie wurden alle freigesprochen, wie das St. Galler Kreisgericht heute mitteilt.
Nachtrag 24. Juni: s. auch Artikel dazu in aktueller WOZ.
Man tötet den Fussball? Werden Sie nicht mehr zahlen können?
Es wäre schön, wenn wir hier im Konjunktiv redeten. Die Wahrheit ist: Wir können die Rechnungen der Stadt schon jetzt nicht mehr bezahlen.
Das ist zwar Futur I, nicht Konjunktiv, sonst aber legt sich der Präsident des FC St. Gallen im Interview mit der WOZ die Dinge rund um den Fussball zurecht wie vor ihm vielleicht höchstens Herr Heusler aus Basel. Wer nach dem Choreoverbot von Hüppi gegen den Espenblock seine Meinung über den Präsidenten gemacht hatte, sollte sich nun die Mühe machen, das Gespräch in voller Länge zu lesen.
Der Herr Kollege von nebenan beschenkt uns mit einer weiteren Folge der Serie “Interessante Bildwahl”. Diesmal geht es um den choreobefreiten St. Galler Anhang, der laut gestriger Sonntagsblick-Bildlegende “mit Fahnen und gefährlichen Feuerwerkskörpern in der AFG-Arena Stimmung” macht. Dass die AFG-Arena in Bern liegt, weiss nur die Sonntagsblick-Redaktion bzw. pardon, die Redaktion der Blick-Gruppe, wie das ja jetzt in den Modern-Newsroom-Times heisst. Die Welt steht Kopf!
Hundert vermummte Luzerner, die dem Extrazug entsteigen. Die St. Galler Polizei begrüsst sie und sagt durchs Megaphon, Vermummen koste in St. Gallen 800 Franken Busse. Worauf 90 der 100 die Masken fallen lassen.
Diese und andere Erfolgsmeldungen und Einschätzungen, z.B.
Diese vermummten, militärisch auftretenden Gruppen finde ich beängstigend. Dadurch werden Allmachtsfantasien ausgelebt: Man tritt in der Gruppe auf und fühlt sich unbesiegbar.
sind im aufschlussreichen Interview mit dem Ersten St. Galler Staatsanwalt Thomas Hansjakob nachzulesen, in der aktuellen Wochenzeitung.
Wer erfahren möchte, wie Fussballfans auch noch – nämlich ausführlich, differenziert, gewagt, bemüht, kontrovers, aber fair – über Gewalt, Repression, den Freiheitsbegriff und die Macht der Medien diskutieren können, versuche sich für eine Viertelstunde im FCZ-Forum (hier klicken und dann ab Ensis’ Beitrag die Posts von ihm (ihr?), Pedro und Sammy lesen), wo gegenwärtig mehr an Substanz zusammengetragen wird als an allen Runden Tischen zusammen.
Aus Basel schreibt uns der aufmerksame Leser Simon: “Neues aus der Rubrik FCB-Fans-all-over-the-world: Neuerdings werden sie auch für Pyro in Freiburg verantwortlich gemacht.” Und er legt uns dieses Bildschirmfoto ab der Homepage des Noch-Bundesligisten SC Freiburg bei:
Leser Paul weist uns freundlicherweise auf einen Artikel im österreichischen Kurier hin, der die Doppelzüngigkeit von Sportkommentatoren in Pyro-Fragen behandelt. Wir haben das Thema an dieser Stelle auch schon angeschnitten, die Deutlichkeit dieses Artikels lohnt aber gewiss die Lektüre.
Leser Etoile Carouge hat uns verdankenswerterweise auf folgenden fünfminütigen Videobeitrag hingewiesen, in dem der Schweizer Fussball in den seltenen Genuss einer unvoreingenommenen Aussensicht kommt. Vom zwischenzeitlich geäusserten und hier als Beitragstitel verwendeten Urteil “This is Bagdad, this is Central Bagdad!” sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Es ist im Gegenteil davon auszugehen, dass die amerikanischen Matchbesucher wieder kommen werden. Und Freunde mitbringen. Viele Freunde. In diesem Sinne: Here we go!
Unser Leser und regelmässige wissenschaftliche Zulieferer Fabian weilte kürzlich vor Neapel auf der Insel Procida und sah sich dort das Spiel der Einheimischen gegen Real Suessola an. Ein schöner und gelassener Anlass, wie die Bilder nahe legen. Die Insulaner rufen also nicht nach Schnellgerichten und fordern Schadenersatz, wenn einer einen Rauchtopf zündet. Sie verwerfen einfach abschätzig die Hände und drehen sich ab. Bis sich der Rauch verzogen hat. Wenn sich bei uns der Rauch verzogen hat, finden wir uns im Fussball-Disneyland wieder. Nun denn, Herr Fabian schreibt:
Auf das Spiel wurde ich aufmerksam, als ich das Foto machen wollte, wo man das Matchplakat neben der Todesanzeige sieht. Es war alles sehr familiär. Die Polizei war nur da, um nach dem Match den Verkehr zu regeln, da die Gassen auf der Insel so eng sind, dass eigentlich nur Einbahnverkehr möglich ist. Nett war auch der Getränkestand in Form einer Plastikkugel. Es war etwas irritierend, als ich ein Bier bestellte, es aber keines im Angebot hatte, obwohl der Kühlschrank ein tipp topp Bier-gebrandeter war. Aber auch mit einem klasse Espresso war der Match angenehm zum schauen. Die Zuschauer waren zufrieden. Die Einheimischen lagen zur 2. Halbzeit 0:2 hinten, schafften dann aber noch den Ausgleich zum Endresultat von 2:2.
Ein Gesellschaftsspiel für 3-8 Spielerinnen und Spieler: 336 Ereignisse aus der Fussballgeschichte warten auf ihre chronologische Einordnung. Einfach, spannend – also einfach spannend. Zu bestellen hier.