Archive for the ‘Österreich’ Category

Vorsicht fliegende Cervelats!

Wednesday, December 21st, 2011

Den österreichischen ballesterer fm empfehlen wir an dieser Stelle ja unter anderem deshalb immer so gern, weil er sich einen ungewöhnlichen, aber umso erhellenderen Blick auf den Gegenstand zu eigen gemacht hat. In der aktuellen Ausgabe (Titelthema Schneckerl) findet sich in der Rubrik Groundhopping denn auch eine besondere Perle: Ein Berichtelein zur Partie GC-Sion vom 6. November dieses Jahres. Der Besucher aus dem Nachbarland war sichtlich angetan von vielem, unter anderem von der Vorberichterstattung in den hiesigen Zeitungen (“Da kann sich die österreichische Medienlandschaft und auch gleich der ballesterer eine Scheibe abschneiden”), besonders aber von einem Gesang der GC-Anhänger, den der Besucher dem Vernehmen nach noch heute im Ohr trägt. Und um den Lesern zu verdeutlichen, wie hübsch das Intonierte war, findet sich am Ende des Beitrags die Abschrift des Liedtextes: “Oooh GC Züri! Gebore in de Stadt am See. Sälbscht wänd würscht im Himmel spile, würi stärbe zum dich seh!” Quasi als Dank für diese Aufmerksamkeit übersetzen wir dies nun für alle Interessierten zurück ins Deutsche: “Oooh GC Zürich! Geboren in der Stadt am See. Selbst wenn die Würste im Himmel spielten, würde ich sterben um dich zu See.”

Montag in Linz

Thursday, December 1st, 2011

Es war ein Versuch wert: Morgens um acht auf den Railjet, um Mitternacht zurück, morgens um acht wieder zuhause. 24 Stunden für das dritte Linzer Törtchen des Tags Derby der Saison. Diesmal wieder ein Heimspiel der Blau-Weissen. Oder des SKV. Man kommt ja als Aussenstehender nicht draus mit den Klubnamen in Österreich.

Im selben Zug sass Paul Breitner. Ich bin zumindest zu 93% sicher, dass er es war. Er ist mir aber erst kurz vor Linz aufgefallen, sodass ich ihn nicht mehr fragen konnte, was er in Österreich treibt, ob vielleicht eine nächste Schande von Gijòn ansteht oder was sonst so in Planung ist. Mir blieben nur noch 2-3 Minuten bis zum Aussteigen, während denen ich ihn anstarrte, bis er zurückstarrte und lächelte. Dies, neben der Tatsache, dass kaum zwei Leute auf dieser Welt eine solche Nase mit einer solchen Gesichtsbehaarung kombinieren, bringen mich zu diesen 93%.

In Linz fing sofort der Reigen der gesunden Verpflegung an: zuerst ein Leberkäs mit Pfeffer im Semmel und ein kleines Puntigamer beim Leberkäs-Pepi, neben dem Wurst-Hans offenbar DIE Verpflegungsinstitution in Linz. “I will koa Pizza oder Spaghetti, I will a Lebakäs vom Pepi”, heisst sein Slogan. Später im Stadion dann trotz eindringlichen Abratens seitens der Einheimischen irgendeine Scharfe mit Senf, die ihren Zweck erfüllte, und noch später am Bahnhof im Imbiss ein Käsekrainer. Das war dann die Fettration für 2011. Könnte man meinen. Müsste man denken. Kurz darauf fuhr ja dann der Nachtzug, im 6er Abteil wurden aber von den drei bereits Anwesenden zu meiner völligen Überraschung keine Freudentänze vollführt, als diese schwankend-dampfende Mischung aus Rauch, Hopfen und Wurstwaren sich an der Schiebetür zu schaffen machte.

Rauch! “Wie ist denn das in Österreich mit dem Rauchverbot in Wirtshäusern?” “Na na”, wird man aufgeklärt. Im Prinzip, so erfahre ich, ist es wie bei uns: Raucher müssen von Nichtrauchern getrennt werden, zu deren Schutz. Umgesetzt wird das aber so, dass im Wirtshaus grundsätzlich geraucht wird, was die Schlote hergeben, und für die andern gibts irgendwo ein verstecktes Kämmerchen zum Durchatmen. Ein Anti-Fumoir sozusagen. So war das zumindest in der “Eisernen Hand”. Von dort gings per Taxi den Hügel hoch. Der Taxifahrer war ein vorsichtiger Mann. Auf die Frage, ob er Schwarz- oder Blau-Weisser sei, meinte er, weder noch, sondern immer für den Underdog. Das ging um einen Tabellenplatz gerade noch mal gut. Dann musste ich noch sagen, ob Österreich mit Marcel Koller eine Zukunft hat oder nicht, und ich sagte “schlimmer wird es wahrscheinlich nicht mit ihm”, dann stiegen wir aus.

Das Stadion, das sich die beiden Vereine seit dem Auf- bzw. Abstieg teilen, lässt sich sehen, denn sowas hat man noch nie gesehen. Oval, mit Laufbahn, aber hinter einem Tor offen. Die eine Seite wird komplett renoviert und bleibt deshalb leer. Nur an den Enden stehen ein paar blaue VIP-Schalen. Der ganze Rest des für einen kalten 2.-Liga-Montagabend Ende November doch zahlreichen Publikums (6’500) steht auf der gegenüberliegenden Seite, mit einem beträchtlichen Sicherheitsabstand zwischen den Fanlagern. Vor Spielbeginn läuft laut Attwenger. Die sind zwar von dort, aber dass ich sie mal in einem Stadion hören würde, hätte ich nun doch nicht für möglich gehalten. Dann kommen die Mannschaften, zwei sind es an diesem Abend. Es wird viel gesungen, und was mir gefällt, ist, dass es zwar Capos gibt, aber trotzdem jeder und jede Gesänge anstimmen kann. Was auch passiert. Und die Capos sind nicht einmal beleidigt. Leider kann ich mich an keinen einzigen Liedtext lückenlos erinnern. Irgendwas mit “in die Goschn’ mecht is haun” kam aber wohl vor. Wie dem auch sei: Es reichte sehr knapp nicht für den ersten Derbysieg in einem Meisterschaftsspiel seit sehr vielen Jahren. Einen nett gegebenen Elfmeter 10′ vor Schluss konnte Blau-Weiss nicht gebührend würdigen, man musste dem Gegner verteidigenderweise noch eine Steilvorlage ergrätschen, die er dann dankend verwertete. Zwei zu zwei. Sauer schien niemand wirklich zu sein. Ab in die Winterpause.

In der Bar, in der das verlinkte Attwenger-Video gedreht worden war, hörte ich mir dann noch an, wie ein zuvorkommender Zeitgenosse von seinem Besuch eines DJ-Bobo-Konzerts erzählte. “Du warst bei DJ Bobo?”, fragte ich ungläubig. “Ja, in Ulan Bator.” Auf einer Reise mit der Transsibirischen sei er dort gelandet, und die ganze Stadt sei zugepflastert gewesen mit Bobo-Plakaten, das Ereignis des Jahres, also habe er eine Karte gekauft für fünf Dollar und sei rein. Danke, Fussball. Hätte ich ohne dich davon erfahren? Nein! Wobei ich ja vom selben Erzähler vom letzten Besuch noch die Geschichte mit dem Andi-Goldberger-Express in Erinnerung habe, den er als Jugendlicher bestiegen hatte, inmitten lauter laut saufender erwachsener Landsleute, um den Skispringer in Oberstdorf oder Oberhof zu unterstützen. Vor dem Aufbrechen dann noch ein kurzer Schwatz mit einem Herren aus Wales, der noch einmal ganz genau, als Zeitzeuge, schilderte, wie das jetzt war damals, als Half Man Half Biscuit den Auftritt in einer TV-Pop-Show absagten, weil ihre Tranmere Rovers zuhause spielten. Caramba!

Auf die Schnelle

Saturday, November 26th, 2011

Ein Rapid-Link: Hier lacht das Herz des Fussballmuseumsleiters:

Samma schwoaz?

Tuesday, October 18th, 2011

Und du brauchst koa Schwoaza zu sein um das da noch grossartiga zu finden:

Was darf der Fan?

Saturday, August 6th, 2011

Drei verschiedene Medien befassten sich in den letzten Tagen auf unterschiedliche Weise mit der Frage, wie viel Einfluss den Fans in einem Fussballverein zugestanden werden soll. Im Steilplass-Blog des Tages-Anzeigers lobt Annette Fetscherin den FC Luzern für seinen integrativen Umgang mit der Anhängerschaft im Zusammenhang mit der Eröffnung des neuen Stadions und fragt, unter Beizug des Beispiels HSV mit seinem mächtigen Supporters Club, wie viel Fan-Mitsprache ein Verein verträgt. Zwar kratzt Fetscherin noch an der Oberfläche, und die Blumen für Walter Stierli dürften manchen aus der Luzerner Fangemeinde in Erstaunen versetzen, doch dass der Steilpass sich überhaupt des Themas annimmt, ist erfreulich. Und nicht jeder Kommentar zu Fetscherins Beitrag dumm.

In der NZZ schreibt Stefan Osterhaus halb belustigt, halb empört über die “Benimmregeln”, die die Ultras der “Schickeria München” ihrem neuen und alles andere als erwünschten Torhüter Neuer unterbreitet haben. Das Verhalten der Fans wird dabei als anmassend empfunden, was ein (unglücklicher) Vergleich mit der Chefetage eines Autokonzerns illustrieren soll. Tatsächlich ist ein Schmunzeln kaum zu unterdrücken, wenn wir erfahren, dass die Schickeria Manuel Neuer u.a. das Anstimmen des berüchtigten “Humba-Tätärä” (im Original übrigens von Ernst Neger, das aber nur nebenbei) verbietet, laut Osterhaus “eines der gehaltvollsten musikalischen Kleinode der deutschen Fan-Szene”. Der Tenor in der NZZ ist klar: Solches Gebaren ist kaum zu fassen, doch im Fussball ist eben alles möglich. Interessant vielleicht, was Dietrich Schulze-Marmeling, Autor des Werks “Der FC Bayern und seine Juden“, zu Münchens Ultras zu sagen hat: “Ich habe meine Probleme mit der Ultra-Kultur, aber dass sich der FC Bayern heute wieder zu seiner jüdischen Geschichte (…) bekennt, ist auch das Verdienst der Schickeria.” (in: ballesterer Nr. 63)

Der ballesterer wiederum fächert wie immer am breitesten. Jakob Rosenbergs mehrseitige Aufarbeitung des Platzsturms beim letzten Wiener Derby der Saison 10/11 ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie ein Sportmedium mit Fan-Themen umgehen kann, wenn es den Protagonisten auf Augenhöhe, unvoreingenommen und informiert begegnet. Der Text “Das gibt’s nur bei Rapid” versammelt alles, was heute die Fan-, Ultra- und Gewaltdiskussion prägt, Erhellendes und Widersprüchliches von allen Seiten. So wird ein Exponent der Ultras Rapid zitiert (namentlich!), der den Platzsturm zu erklären versucht: “Wir haben ja schon länger Protestspruchbänder gemacht, 15 Minuten nicht gesungen und so weiter, aber das hat anscheinend niemanden interessiert.” Hier kommt ein Weltbild zur Geltung, das sich auf den Rängen einer zunehmenden Verbreitung zu erfreuen scheint: Der Glaube, sportlicher Erfolg lasse sich durch Dauergesang herbei schreien, und die Idee, bei Nicht-Gelingen sei Strafe angebracht. Wer solches liest, kommt wie Osterhaus in der NZZ zum Schluss, hier habe sich das Selbstverständnis der organisierten Fans in eine ungute, unangenehme Richtung verschoben.

Unter dem Strich bleibt die erfreuliche Erkenntnis, dass Fan-Themen heute nicht nur den Weg in die Blätter finden, sondern auch zunehmend differenziert behandelt werden. Davon dürften am Ende alle profitieren. Auch wenn die Schickeria ihr Humba-Tätärä vielleicht für eine Weile einstellen muss.

 

In ausländischen Fussballnäpfchen

Tuesday, July 26th, 2011

“Auf ausländischen Fussballplätzen” hiess während vieler Jahre eine Seite im Sportteil der NZZ-Dienstagsausgabe. Der ausländische Fussball kommt dienstags nach wie vor ausführlich zum Zuge, doch den Übertitel hat man gekippt, warum auch immer. In ausländische Fussballnäpfe zu treten ist aber immer noch möglich, wie die gestrige Ausgabe zeigt. Da hat die NZZ, vermutlich unter dem Eindruck der schweren Ausschreitungen beim letzten, echten Duell, das Wiener Derby kurzerhand aus der Hauptstadt ausgelagert, in die eine gute Stunde entfernte, gänzlich harmlose Wiener Neustadt. Neben der Jupiler League, die im Tagi vom 16.7. laut Leser Lukas zur Jupiter League mutierte, gehört die Neue Zürcher Neudefinition österreichischer Spannungsverhältnisse zu den Höhepunkten der sommerlichen Fussballlektüre.

Aus dem neuen ballesterer:

Friday, May 27th, 2011

Jeder hat heute seinen “iPadPod” oder wie die Dinger heissen. Das kannten wir früher nicht, da wollten wir einfach Fussball spielen. Ich kann einen Laptop bestenfalls ein- und ausschalten.

Mario Basler, Wacker Burghausen, im aktuellen ballesterer-Fussballmagazin. Das man kaufen sollte, wenn es nicht schon längst im Abonnement ins Haus flattert. Neben Basler hat es auch Zürcher drin: die Grasshoppers, und ihr Kampf für ein Stadion. Dazu und aber auch lesenswert: ein Besuch in Ivan Osims Sarajevo. Und das alles hinter dem Titelthema “Frauenfussball vor der WM in Deutschland”.

Gemma Gemma Gemma Gemma

Thursday, May 26th, 2011

Hat mich gefreut, irgendwie. Gemma Gemma Gemma Gemma. Meine Eltern haben mir vor zehn Jahren mal von dort unten ein Frottee-Tuch mitgebracht. Unter dem Logo steht: “Der Club mit Qualität”. Damit trockne ich mich morgen ab. Damit trocknet man alles ab.

Interessante Bildwahl VI

Friday, March 25th, 2011

Leser Damian zeigt sich beeindruckt von der Arbeit der tagi.ch-Bildredaktion, die fand, zu Rapid Wiens Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit passe am besten eine Aufnahme der heutigen Rapid-Ultras. Ich stelle mir jetzt vor, ich wäre einer jener sieben mehr oder weniger deutlich erkennbaren jungen Männer auf dem Bild. Für meine Zukunft hat sich tagi.ch mit diesem Geniestreich gerade etwas Schönes ausgedacht: Wer Rapid und Nazi googelt, findet ab sofort mein Konterfei. Passt scho, oder?

Italienische Wahrheiten aus Wien

Friday, March 18th, 2011

“Dabei haben sie vergessen, dass die Schuld bei demjenigen liegt, der spuckt – nicht bei demjenigen, der das Spucken aufzeichnet.”

Dies sagt Matteo Patrono, Gastkolumnist des ballesterer-Magazins, in der neuesten Ausgabe. Er münzt seine Aussage auf den Römer Rosi und den Neapolitaner Lavezzi, die sich gegenseitig feucht annäherten. Natürlich aber handelt es sich bei Patronos Aussage um eine allgemeingültige Wahrheit, die durchaus auch rückwirkend auf historische Ereignisse anwendbar ist.

Die neueste Ausgabe des ballesterer übrigens sei an dieser Stelle warm empfohlen. Das Titelthema “Der verstaubte Cup” über das schottische Schicksal hinter Celtic und den Rangers ist so aufbereitet, dass man ins leer Schlucken kommt. Das Heft wird am besten abonniert. So entsteht eine Win-Win-Situation: Sie unterstützen ein prächtiges, unabhängiges Printerzeugnis und werden dafür jeden Monat ganz schön bedient. What are you more wanting?