Archive for the ‘Nati’ Category

Kuhn, uno di noi

Thursday, March 26th, 2009

Heute öffnet eine kleine, feine Ausstellung über Jakob Kuhn im Ortsmuseum Wiedikon ihre Pforten.  Zu sehen sind unter anderem ein paar wunderbare Original-Leibchen: Eines vom FC Liverpool vom Meistercup-Halbfinal 1977, ein zeitloses FCZ-Shirt der Marke Le Coq sportif und das erste Nati-Shirt von Kuhn von 1962. Dazu jede Menge Fotos aus seinen privaten Alben. Nicht nur für Leibchen-Fanatiker interessant also.

Die Auswirkungen der Personenfreizügigkeit

Monday, February 9th, 2009

Wie fest Sport und Politik manchmal verbunden sind, wurde dieses Wochenende einmal mehr klar. Die SVP hat davor gewarnt, dass bei einem Ja zur Ausweitung der Personenfreizügigkeit auf die neuen EU-Länder in Kürze Hundertschaften von gierigen Osteuropäern unsere Grenzen überschreiten würden. Und tatsächlich: Gestern Sonntag erst war die Abstimmung, nun werden wie von der Rechtspartei vorausgesagt anscheinend schon am Mittwoch die ersten Bulgaren in Genf erwartet.

“Erregungswillig und rudelbildend”

Friday, January 2nd, 2009

“Lärmige Laufställe für die erregungswillige und rudelbildende Fussballgemeinde, die unter den Namen ‘Fanzone’ und ‘Public Viewing’ die Städte verschandeln, ein rechtlich bedenkliches Regime der ‘Sicherheitsfirmen’ mit sich bringen, öffentlichen Raum unbegehbar und auch Privatwohnungen unbenutzbar machen – sie werden von der Euro 08 in Erinnerung bleiben.”

Schöner hätten wir es nicht sagen können. Gefunden (und diesmal unverändert übernommen!) im NZZ-Feuilleton-Jahresrückblick am 31.12.2008, Sparte “Philosophie und Gesellschaft”, Rubrik “Das Letzte”.

Hymnen-Hypochonder

Tuesday, December 2nd, 2008

Es ist jetzt auch schon wieder ein paar Wochen her, aber das Thema ist von einer beinahe zeitlosen Brisanz: Am 14. Oktober haben Leute (es wird vermutet: junge, mit nordafrikanischen Wurzeln) in Paris die “Marseillaise” ausgepfiffen. Vor dem Spiel Frankreich-Tunesien. Und es war nicht das erste Mal. Gegen Marokko und gegen Algerien war es auch schon passiert. Jetzt hat es Sarkozy und seinen Ministern den Deckel gelupft: Alles was recht ist, mais pas la Marseillaise! Spiele, vor denen die Hymnen ausgepfiffen werden, sollen gar nicht erst angepfiffen werden -- so die Idee. Und die ist offenbar ernster als vermutet. Grosse schwarz-weisse Zeitungen haben ironiefrei darüber berichtet.

Und jetzt? Über die Umsetzbarkeit eines solchen Vorhabens kann Carla Bruni ja mal ein Lied schreiben. “Quelqu’un a dit” wäre ein guter Titel, aber den hat sie leider schon früher verbraten. In ihrer pre-Sarkozy-Phase. Aber gut. “Die Landeshymnen sind ein alter Zopf, der abgeschnitten gehört”, hat mal jemand zum musikalischen Vorspiel bei Länderspielen gesagt, und das stimmt wohl auch, gerade nach Meldungen wie der erwähnten. Als Schweizer unterschreib ich das sofort. Ich bin in meinem Leben noch nie im Morgenrot dahergetreten. Kann gut ohne. Aber dann kommen halt doch Zweifel. Wenn ich an die bulgarische denke zum Beispiel. Oder die russische natürlich. Oder -- God save the queen.

1996 durften wir ja das Eröffnungsspiel bestreiten im Wembley. Und davor gabs natürlich Hymnen. Und die hab ich jetzt per Zufall gefunden. Also eine von beiden:

Ja, wie soll man nach sowas noch für die Abschaffung sein? Schauen Sie sich Tony Adams an! Der macht den hohlen Rücken, damit er noch lauter wird! Oder Stuart Pearce! Der Kerl war ja am Vorabend beim Reunion-Konzert der Sex Pistols -- merkt man davon etwas? Nicht im geringsten! Und wäre Gary Neville damals nicht totenbleich dagestanden und hätte als einziger den Mund nicht aufgemacht, die Geschichte mit dem Konzert wäre wahrscheinlich gar nie ausgekommen. Pearce, der alte Punk, hat Neville nämlich mitgenommen damals, damit der mal richtige Musik hört. Und Steve McManaman war glaub ich auch dabei. Aber der scheints besser vertragen zu haben. 

Würde dieser Blog über eine Voting-Funktion verfügen, die Frage würde nun lauten:

- Hymnen: Ja oder Nein?

Sie können froh sein, gibt es diese Funktion nicht, denn die Entscheidung ist sehr schwer.

Hitzfeld raus, Computer rein!

Thursday, November 13th, 2008

Immer mehr Arbeitsstellen werden durch Computer oder Roboter ersetzt, nur der Job des Nationaltrainers war bis jetzt immun gegen technische Neuerungen. Spielt man den Karrieremodus des Playstation 3-Spiels «Pro Evolution Soccer 2009», in dem man seinen Spieler zu Ruhm, Ehre und Titel führen soll, übernimmt die Konsole selbst die Funktion der Nationaltrainer.

Wagen wir doch mal einen Blick auf die Aufstellung des PS3-Hitzfelds für das Qualifikationsspiel für die WM 2014 gegen Israel: Benaglio hat sich gut gehalten und anscheinend dürfen wir von den FCB-Reservisten Morganella und überraschenderweise auch von Rumpelfuss Ronny Hodel einen Quantensprung erwarten. Vogel trötzelt nicht mehr und spielt somit auch wieder. Gewagt allerdings die Nomination von Kim Jaggy, dem der PS3-Coach wohl angemerkt hat, dass er auf seiner angestammten Position als linker Aussenverteidiger nichts taugt und ihn deshalb ins zentrale Mittelfeld beordert hat. Auf den Aussenbahnen Barnetta und der aus dem Nichts aufgetauchte Sykora, um den nach tollen Leistungen im Verein kein Herumkommen war. In der Offensive sollen es die Alteisen Cabanas und Frei richten.

Schöne Aussichten.

Das Spiel ging übrigens 1:2 verloren trotz einem wunderbaren 28 Meter-Kracher von Sykora. Jaggy erhielt sehr schlechte Kritiken und fürs entscheidende Spiel gegen Portugal kam Inler wieder ins Team (der nach 5 Minuten Grischdianu Chonaudu so übel von den Beinen holte, dass der Schweizer Rot sah und der Portugiese vom Platz getragen werden musste). Der benötigte Punkte wurde dank einer tollen Leistung von Sykora dennoch geholt, er wartet nun auf einen Anruf vom richtigen Hitzfeld. Das Handy ist an.

Auf dem Weg …

Wednesday, November 5th, 2008

Auf NZZ Online findet sich seit einiger Zeit folgender Teaser für eine Bildstrecke:

Teaser NZZ Online

Auf dem Weg nach … Das kommt den Leserinnen und Lesern dieses Blogs sicherlich bekannt vor. Ja, genau. Da gab es doch schon mal was in einem sehr ähnlichen Kontext mit praktisch dem selben Titel…:

Ein schlechtes Omen?

Imagegewinn – was ist das?

Sunday, October 19th, 2008

Unter dem Titel “Ein Imagegewinn für die Stadt Bern” fasst die NZZ am 17. Oktober den Schlussbericht der Stadtberner Exekutive zur Euro08 zusammen. Im Artikel kommen Sätze vor wie “Aus ökonomischer Sicht ist man überzeugt, der Imagegewinn durch die erfolgreiche Ausrichtung der Euro werde sich kurz- und mittelfristig positiv auswirken.” Dass das Unfug ist, weiss die NZZ, denn sie hat es selber geschrieben. Bereits im Januar dieses Jahres erschien im Wirtschaftsteil ein Text mit der Überschrift “Keine nachhaltigen Standorteffekte der Euro 08″. Darin ist zu lesen, “dass die Euro 08 in der Schweiz und in Österreich kaum nachhaltige, messbare Auswirkungen auf volkswirtschaftliche Kenngrössen wie Wirtschaftswachstum, Beschäftigung oder Direktinvestitionen haben wird.”

Das alles ist im Grunde längst bekannt. Es gibt keine Studie, die die ökonomischen Auswirkungen von Fussball-Grossturnieren auf die Austragungsländer ernsthaft und umfassend geprüft hätte, und erst recht keine, die dabei zu positiven Resultaten gekommen wäre. Die ewige Leier vom Imagegewinn ist deshalb nichts anderes als ein peinlicher Versuch, angesichts fehlender Fakten die umstrittenen Steuermillionen doch noch halbwegs zu rechtfertigen. Image als Return on Investment – was für eine Rechnung, gerade in diesen Tagen! Die subventionierte Kunst wäre froh, sich für einmal auch nur halb so leicht aus der Affäre ziehen zu können wie der subventionierte Eventfussball.

Infografik und Wertezerfall

Sunday, October 12th, 2008

Wenn die Pflege der Form tatsächlich etwas über den Gehalt des Inhalts aussagt, sieht es beim Tages-Anzeiger aber düster aus. In der Infografik zum Länderspiel Schweiz-Lettland (TA vom 11. Oktober) spielte Behrami für Leverkusen, war “Inter Baku” doppelt eingeklammert, stürmt Verpakovskis für “Celtic Vigo” und zieht Stepanovs das “Vereinslos” (vermutlich eine Niete). Viermal eingefädelt auf 35 Quadratzentimetern, das ist, man kann es nicht anders sagen, hundsmiserabelgrottenschlimm.

Samstag im Eichli

Sunday, October 12th, 2008

Am Samstag war ich in Stans an einem Fest. Genauer im Ortsteil Eichli, das ist der Streifen zwischen der A2 und dem Bürgenstock. Dort liegt das Schützenhaus, wo das Fest stattfand, und dort liegt auch der Sportplatz des FC Stans. Im Klublokal steht ein Fernseher, und so nützen wir die Zeit vor dem Fest mit dem Konsum einiger Fussballspiele, einiger Eichhofbiere und, als es kühler wird, einem Kafe Zwetschgen. Es kostet 4.20 und ist genau so, wie ein Zwetschgen sein muss, wie ein Zwetschgen nicht anders sein darf. Auf der Schaffhauser Breite war es ja neulich so, dass ich selber sagen durfte, was ich drin haben will. Das ist schon auch gut. Besser ist es aber, wenn, wie jetzt in Stans, die Bedienung stumm einer jahrhundertealten Tradition folgend die richtige Mischung bereits vorbereitet hat und nur noch heisses Wasser darübergiessen muss.

Schweiz-Lettland. Wir setzen uns zur zweiten Halbzeit dazu. Es sieht aus, als würden sie mit einem Medizinball auf meterdickem Moos spielen. Sehr schwerfällig, angestrengt, zäh. Schweiz-Spanien U21. Das sind ja alles auch schon gestandene Profis, aber bei den meisten wirken die Leibchen zu gross. Bei Lustenberger zum Beispiel.

Ein Vater kommt mit seinem Sohn ins Lokal. Nach langem Überlegen erkenne ich im Vater den Dorfkonditor. Vom Nebentisch ruft jemand dem Sohn zu: «Was habt ihr gemacht?» «Verloren, acht sieben gegen Alpnach», antwortet er, nicht sonderlich betrübt. Klingt ja auch nach einem lustvollen Spiel. Dann kriegt er vom Vater einen Hamburger mit Pommes Frites für sieben fünfzig.

Draussen spielen die A-Junioren im Flutlicht gegen einen schwächeren Gegner. Ich staune über die Vernunft und Fairness, die sich in heiklen Momenten offenbart. Der dicke Schiedsrichter könnte sich glatt verdünnisieren. Nach einem Goaliefehler fällt kurz vor der Pause endlich das erste Tor. Wir gehen wieder rein, wo Podolski und Ballack gegen die Russen getroffen haben. Dann beginnt das Fest.

Von 1979 bis 1984 war ich oft im Klublokal des FC Stans. Ich hab damals meist Orangenmost getrunken, dieses nur in Nidwalden erhältliche, unvergleichliche Mischgetränk aus Orangina und Süssmost, produziert von der Mosterei Käslin in Beckenried. Sie verkaufen ihn im Klublokal auch heute noch, den «roten Most», wie er im Volksmund heisst. Auch am Lokal selbst hat sich äusserlich wenig verändert, eine Baracke, braun gestrichen. Innen haben sie aber renoviert, die tiefe Decke rausgerissen, den Raum höher und heller werden lassen. Am Fest treffe ich Martin. Er ist immer noch im Verein, bei den Senioren. Ob ich gemerkt hätte, dass die Decke neu sei, will er wissen. Dafür sei er verantwortlich gewesen. Wir reden über die Faszination der Klublokale von Amateurvereinen. «Klar», sagt er, «unseres ist eine alte Baracke. Aber oft sind die neuen einfach lieblos. Es darf nichts kosten, und darum stellen sie halt so ein Betonhäuschen hin ohne Atmosphäre. Unser Klublokal hat etwas, finde ich.» Und dann erzählt er von Horw, wo er am frühen Abend war, um das Spiel der zweiten Mannschaft des FC Stans zu sehen. «Die haben auch ein neues Klubhaus. Aber das ist sehr gelungen. Geh dir das mal anschauen, wenn du dort bist.»

Am nächsten Morgen lese ich zum ersten Mal die Sonntagsausgabe der «Neuen Luzerner Zeitung». Im Sportteil ist eine Seite dem Regionalfussball gewidmet. Stans hat gegen Brunnen II auswärts zwei zu null gewonnen. Von den Spielernamen sagt mir keiner mehr etwas. Aber einer fällt mir auf: Atac. In der 80. Minute eingewechselt. Als Stürmer.

 

“Sie Wichser!”

Sunday, September 14th, 2008

“Lieber Herr De Gregorio, Sie Wichser!”, überschreibt der Blick-Sportchef seinen Kommentar im Sonntagsblick von heute. Er zitiert dabei aus einem Lesermail und verteidigt sich mit der Bemerkung, es sei “strafrechtlich nicht wirklich relevant, sich selber im Fleische zu erkennen”. Natürlich nicht, aber: Was hat das denn noch mit Sport zu tun? (Wobei, vielleicht mehr als wir denken.) Aufrichtigkeit und Spritzigkeit in Ehren, liebes Haus Ringier, aber das ist einfach nicht mehr schöner Sportjournalismus. Das ist nur noch hundsmiserabelgrottenschlimm.