Es ist zwar bedauerlich, es so sagen zu müssen, aber wenn nun auch selbst ernannte Horte des Liberalismus zum heiteren Grundrechte-Kegeln aufrufen, fängt es an zu stinken. Aus dem gestrigen Kommentar der NZZ zur Verschärfung des Hooligan-Konkordats:
Dies ist zwar bedauerlich, aber leider unausweichlich. In der Vergangenheit sind alle freiwilligen Bemühungen gescheitert, die auf Eigenverantwortung der Fans, der Klubs und der Verbände gesetzt haben.
Woher weiss die Autorin, wer sich wann wie worum bemüht hat und mit welchem Resultat? Welche Studie lieg ihr vor, die das vollumfängliche Scheitern jedes Versuchs der Selbstkontrolle belegt? Auf welche empirischen Grundlagen stützt die NZZ ihren Angriff auf die Grundrechte?
Am besten, man bleibt immer schön gelassen. Die tägliche Ladung an Bruch, die sich über uns ergiesst im Zusammenhang mit der totalen Fussballgewalt, lässt keine andere Möglichkeit zu. Wenn sich nun aber auch noch die Falkenstrasse in solche Niederungen abseilt, fängt es an zu nerven:
Karin Keller-Sutter hat nicht umsonst den Swiss Award für ihre Verdienste bei der Bekämpfung des Hooliganismus in der Schweiz verliehen bekommen.
Wtf? Was habe ich für eine Zeitung abonniert? Die Glückspost für Kleinanleger?
Der Fussballverband will die Bewilligungspflicht nur bei Hochrisikospielen zulassen. Doch davon ist abzusehen. Bei welchem Spiel die Situation eskaliert, weiss niemand im Voraus. Eine Bewilligungspflicht ist nur sinnvoll, wenn sie für jedes Spiel in einer gemeinsamen interkantonalen Praxis angewandt wird.
Echt? Wirklich wahr? Und hat irgendjemand bei der NZZ die Sache mit der Bewilligungspflicht einmal zu Ende gedacht? Was macht man mit 1200 Fussballfans, die gerade am Bahnhof ankommen und dort erfahren, dass dem Spiel soeben die Bewilligung entzogen worden ist? Wer trägt die Verantwortung, wenn die Behörden die Bewilligung erteilt haben und trotzdem etwas passiert?
Selbst die «Pyros» waren, trotz ausdrücklichem Verbot, in den Stadien bis zum Derby zwischen den beiden Zürcher Fussballklubs von den Sportveranstaltern irgendwie geduldet.
Wo hat sie das denn gelesen? Wer hat wann was “irgendwie geduldet”? Woher stammen denn all die Stadionverbote wegen Feuerwerk, die zweijährigen, dreijährigen, und die daraus resultierenden Anzeigen wegen Verstosses gegen das Sprengstoffgesetz, die zwingend ausgesprochenen Rayonverbote und die Eintragungen in die Hooligandatenbank, weil das Zünden von Feuerwerk laut BWIS ja gewalttätiges Verhalten ist? Vom Samichlaus? Von Konrad Hummler, dem Banker Banquier, als Samichlaus verkleidet? Wie uninformiert darf man sein, um so einen grossen Quatsch zu erzählen?
Fertig lustig
heisst der Titel des Kommentars. Wie glatt! So schweizerisch! Was das uns wohl sagen will? Dass wir freien Eidgenossinnen und Eidgenossen, angeführt von Frau Keller-Sutter, es schaffen gegen diese Hooligans, wenn wir denn nur zusammenstehen? Was wird hier für ein Land beschworen, was für eine Gesellschaft?
Wer sich verantwortungsvoll verhält, braucht keine Zäune, Drehkreuze, Videokameras, Polizisten und Identitätskontrollen, um einen Match zu verfolgen.
Ja, und? Ist das der vom “Wer sich nichts zu Schulden kommen lässt, hat nichts zu befürchten?” Möchten Sie das sagen? Portiert die NZZ jetzt neben Ständerat Blocher auch den Überwachungsstaat?
Eine freiheitliche Gesellschaft funktioniert nur, wenn sich alle der Konsequenzen ihrer Handlungen bewusst sind.
Applaus! Geht eine Kopie an die Bank Wegelin?