Archive for the ‘Medien’ Category

Das System UBS in St. Gallen

Wednesday, September 1st, 2010

Dass man sich auch in Fussballkreisen nicht zu schade ist, die Folgen eigener Verfehlungen dem Staat in Rechnung zu stellen, wissen wir nicht erst seit heute. Rund um den FC St. Gallen ist dieses System UBS hingegen in einem Masse aktiv, das nur noch Abwinken zulässt. Aus dem Munde eines der Hauptverantwortlichen tönt das dann so:

«Aber ich möchte sehen, wer die Verantwortung übernimmt, wenn sich die Politik querstellt, wenn das Stadion plötzlich leer ist, zur Ruine wird, und der FC in der 1. Liga spielt – ich als Stadionbauer werde diese Verantwortung sicher nicht übernehmen.»

Den ganzen Schlamassel gibt es in der WOZ von morgen zu lesen, an Ihrem Kiosk. Oder dann halt hier.

Eingebetteter Journalismus

Monday, August 30th, 2010

Eine nette Episode aus der schönen neuen Medienwelt lieferte gerade eben ein bekanntes Wochenmagazin einer bekannten Tageszeitung. In der Ausgabe vom 21. August stellte ein redaktioneller Mitarbeiter in einer Art Laudatio ein Bett und andere Möbel des Schweizers Jörg Boner vor. Boner ist einer der Designer des “Atelier Pfister”, der jungen, knackigen Linie des gelifteten Möbelhauses. Wie alle Artikel des Magazins ist auch dieser online zu lesen und zu kommentieren, was ein Leser für einen speziellen Hinweis nutzte: Er lieferte einen Link zur Facebook-Seite von Pfister, wo derselbe redaktionelle Magazin-Mitarbeiter Jörg Boner im Auftrag von Atelier Pfister interviewt. “War das Magazin nicht mal journalistischer?”, fragte der Leser lakonisch.

Dann, drei Tage später, waren Kommentar und Link verschwunden. Gelöscht. Und die Kommentarfunktion deaktiviert. Sowas aber auch. Dafür, zur grossen Freude aller, als dicke Werbebeilage im folgenden Magazin: der Prospekt des – erraten Sie’s? – genau: Atelier Pfister! Mit dem Bett von Herrn Boner! So ein Zufall aber auch! Wie man sich einbettet, so liegt man. Gute Nacht.

Nachtrag vom 3.9.10, betrifft: nächster löschgefährdeter Tamedia-Leserkommentar. Diesmal von einem Richard Marti, zum heutigen Artikel über die neue FREITAG-Kollektion:

Toll – nachdem in “Das Magazin” die halbe Belegschaft mit den neuen Taschen posierte, nun auch noch gratis Werbung hier – haben eigentlich alle TA-Mitarbeiter Freitag-Taschen?

Eine gute Frage. Vielleicht ist es ja tatsächlich so, dass das Bewusstsein bzgl. der in diesem Beitrag diskutierten “Übertretung” (Kommentar F. Canonica) abnimmt in einem Umfeld, wo Redaktionsmitglieder sich als Models für Mode-Accessoires in Szene setzen.

Aus dem Archiv

Saturday, August 21st, 2010

Es gibt in der YB-Gemeinde ja beileibe nicht nur Freundinnen und Freunde der 3. Phase, der Einwechslung Kaenzigs anstelle von Niedermaier. Im Gegenteil. Es soll Leute geben, die seither mit “Ilja des problèmes”-Shirts an die Spiele gehen. Ohne hier in Berner Machtspiele eingreifen zu wollen, möchte ich doch ein – im Fall authentisches – Dokument präsentieren, das ein bisschen beweist, wie vorausschauend Herr Kaenzig schon vor 13 Jahren war, als “Transfer-Koordinator” von GC. Er war Abonnent Nummer 3 des Fanzines und damit Entdecker erster Stunde von “Knapp daneben”, einem BRAND, dem in der Zwischenzeit immerhin dieser hochprofessionelle Blog entsprungen ist, den zu lesen SIE sich ja offenbar nicht zu schade sind. Also geben Sie Herrn Kaenzig die Chance, die er verdient. Auch wenn er, ich muss es in dieser Deutlichkeit sagen, sein Abo damals nie bezahlt hat. Es wären fünfzehn Franken gewesen.

Und à propos Fanzines: Einige wenige der 14 erschienenen Knapp-daneben-Ausgaben sind noch erhältlich (für Herrn Kaenzig aber nur gegen Vorauskasse). Details hier nebenan bei den SEITEN unter “Knapp daneben Fanzines“.

Abschreiberlis

Friday, July 30th, 2010

War doch schon in der Schule so: Wenn man nix Gescheites zu schreiben wusste, kaute man betont nachdenklich auf dem Bleistift rum und schielte dabei mal kurz auf des Nachbars prächtig gefülltes Blatt. Der wird’s ja wohl wissen. Dumm nur, wenn derjenige einen völligen Habakuk zu Papier gebracht hat. Wer das noch kopiert, obwohl der Inhalt wahrlich schwer zu glauben ist, der steht freilich noch blöder da.

Die wenigsten Medien haben sich die Mühe gemacht, für den Europa-League-Kracher zwischen Randers und Lausanne einen Vertreter zu schicken. Anscheinend war es schon zuviel, die Meldung der Sportinformation (si) genauer anzuschauen oder vielleicht kurz zu hinterfragen. So meldet der Tagi: «Der dänische Klub Randers muss sich nach 17 Siegen in der Europa League gegen Lausanne-Sport geschlagen geben.». Und die NZZ meint: «Die Dänen waren zuvor während siebzehn Spielen ungeschlagen gewesen.»

Wie ist das denn zu verstehen? Randers feierte 17 Siege in Folge in der Europa League? Ansgesichts der Tatsache, dass Atlético Madrid letztes Jahr nur 9 Spiele bis zum Finalsieg brauchte, müsste man doch den Namen Randers FC irgendwo schon mal gehört haben. Oder bezieht sich die Siegesserie auf alle Spiele, also inklusive Meisterschaft? Auch da müsste man doch stutzig werden: Wer 17 Spiele in Serie gewinnt, der müsste sich doch anders für die Europa League qualifizieren denn als Tabellenzehnter (mit 40 Punkten) via Fairplay-Rangliste. Und tatsächlich: Zwar verlor Randers von den bisherigen 2 Spielen der neuen Meisterschaft keines, aber schon im Abschlussspiel der letzten Saison unterlag man Bröndby 1:3.

Was bleiben noch für Möglichkeiten? 17 Heimspiele in Folge? Irrtum: Die Bröndy-Niederlage war zuhause. 17 Europa-League-Heimspiele? HSV gewann letzte Saison gleich 4:0 auswärts. Und bis jetzt noch ganz ausser Acht gelassen: In der 2. Qualifikationsrunde – also kurz vor dem Lausanne-Spiel – unterlag Randers beim luxemburgischen Vertreter F91 Düdelingen mit 1:2.

Aber irgendwoher muss dieses Gerücht doch kommen… Verzweifelt durchstöbere ich das Matcharchiv der Nordländern und endlich finde ich Erleuchtung: Randers FC blieb zwischen dem 29. November 2009 und dem 9. Mai 2010 16 Spiele lang ohne Niederlage (10 Siege, 6 Niederlagen). Damit konnte der Abstieg knapp verhindert werden, denn vor dieser Serie konnte der Verein in der Meisterschaft keinen einzigen Sieg verbuchen.

Erstaunlich, dass so ein erstaunlicher Fakt es mühelos und ohne angezweifelt zu werden locker in die meisten Zeitungen schafft. Nur der Blick kümmerte sich einen Deut um diese Statistik und titelte: «Lausanne zeigt es Dänen».

Dissen bei Blick-online

Monday, July 19th, 2010

Das, lieber Blick-Newsroom, ist doch mal eine lustige Bildlegende! Man könnte als Leser glatt meinen, der Verfasser sei irgendwie emotional in die Sache verwickelt. Sei zum Beispiel Fan eines rivalisierenden Vereins oder etwas in der Art. Wobei das ja sicher nur ein falscher Eindruck ist.

Blick_FCZ

Qualitätszeitung

Friday, July 9th, 2010

Wie man sich online einen guten Print-Ruf versaut, beweist der Tages-Anzeiger Tag für Tag. Nicht nur in den Kommentar-Spalten, aber auch. Zum Beispiel heute. Der erste und bisher einzige Eintrag zum doch hochspannenden Thema “Geile Sport-TV-Katzen” spricht hier für sich. Scheisse schreiben auf www.tagi.ch: ich darf, du darfst, wir alle dürfen. Und bleiben dran.

tagi-susi

Pleonas- und Hooliganismus

Friday, June 18th, 2010

Die seit dem Ableben der Schweizer AP als Agentur-Monopolistin ihr Unwesen treibende SDA macht heute mit einer verblüffenden Verdoppelung auf die Gewalt im Fussball aufmerksam:

Trotz intensiven Ermittlungen sei es noch nicht gelungen, mehrere Dutzend weitere gewalttätige Hooligans zu identifizieren,

wird sie von BaZ bis NZZ zitiert. Na, wenigstens haben sie die friedfertigen schon erwischt.

Müde. Ja, er ist müde. Müde ist er.

Friday, June 11th, 2010

Aus der Rubrik “Wie wir unsere WM-Extra-Seiten” füllen, heute: die Neue Zürcher Zeitung, S. 26:

Lionel Messi ist müde. Das sagt Argentiniens Fitness-Coach Fernando Signorini. Messi sei nach einer langen, harten Saison mit dem FC Barcelona müde.

The beautiful game – auch in Honduras?

Friday, June 11th, 2010

EdwinFajardoHeute wird Sepp Blatters Karneval der Völkerverbindung angepfiffen, und alle dürfen dabei sein. Während vier Wochen symbolisieren Nationalflaggen nur noch Fussballmannschaften, die gesellschaftlichen und politischen Realitäten in den Teilnehmerländern werden als Spassbremsen verdrängt. Gerade in Honduras aber, wo einer der Schweizer Gruppengegner herkommt, beschäftigt die Leute anderes als eine mögliche Achtelfinalqualifikation im fernen Südafrika.

Vor einem Jahr wurde der demokratisch gewählte Präsident von Honduras, Manuel Zelaya, vom MilCLAUDIA_BRIZUELAitär entführt und ausser Landes gebracht. Seither herrscht in Honduras ein Klima der Repression und der Angst, mehrere Regime-kritische Medienleute wurden ermordet. Mit Panini-Bildchen der Ermordeten und Verschleppten wird deshalb rund um die Partie Schweiz-Honduras vom 25. Juni in mehreren Schweizer Städten auf die Zustände im zentralamerikanischen Land aufmerksam gemacht. Damit vor lauter Fussball das Leben nicht in Vergessenheit gerät.

Weiterführende Informationen bietet der Blog des Zentralamerika-Sekretariates ZAS.

panini titel

“Kanntest du etwa diesen Xam Abegglen?”

Sunday, June 6th, 2010

Unsere Helden. Mein Fernsehen.

Hart, hart, hart. Mann oh Mann.

Immerhin: ein schöner Lachkrampf einer der drei Heinz-Hermann-Töchter, im Bildhintergrund während des Chappi-Interviews.