Archive for the ‘Medien’ Category

“Erregungswillig und rudelbildend”

Friday, January 2nd, 2009

“Lärmige Laufställe für die erregungswillige und rudelbildende Fussballgemeinde, die unter den Namen ‘Fanzone’ und ‘Public Viewing’ die Städte verschandeln, ein rechtlich bedenkliches Regime der ‘Sicherheitsfirmen’ mit sich bringen, öffentlichen Raum unbegehbar und auch Privatwohnungen unbenutzbar machen - sie werden von der Euro 08 in Erinnerung bleiben.”

Schöner hätten wir es nicht sagen können. Gefunden (und diesmal unverändert übernommen!) im NZZ-Feuilleton-Jahresrückblick am 31.12.2008, Sparte “Philosophie und Gesellschaft”, Rubrik “Das Letzte”.

“Ich weiss, wir sollten mehr tun”

Wednesday, December 31st, 2008

Die Journalistin Helen Hürlimann und der Journalist Jürgmeier haben ein ausgesprochen interessantes, leider aber bisher ziemlich unbeachtetes Buch geschrieben: “Tatort, Fussball und andere Gendereien”. Dabei werden zwei der wichtigsten Dinge im Leben, der Sonntagabendkrimi in der ARD und, eben, der Fussball, auf Rollenbilder und Geschlechterfragen untersucht. Richard Reich hat dazu in der NZZ geschrieben: “Wie Tabu-vermint dieses Terrain ist, belegt die Tatsache, dass einerseits Spitzenfussballer vor einem TV-Millionenpublikum ohne weiteres eine latente Homosexualität ausleben können (Stichwort Jubelszenen), während andererseits schwule Sportler ausgegrenzt, Fussballerinnen generell als Lesben verdächtigt werden.”

Die deutsche Kulturanthropologin Tatjana Eggeling, die zum Thema Homophobie im Sport ihre Habilitation schreibt, sagt im Interview: “Als Fussballer kann man sich (…) nicht hinstellen und sagen ‘Ich bin schwul’, weil man sich nicht sicher sein kann, ob man danach weiterspielen kann.” Das ist, auch in dieser Deutlichkeit, sicher richtig. Für Josef Zindel, Medienchef des FC Basel, haben dennoch “andere Probleme Priorität”, wie er im Buch erklärt. “Ich weiss, wir sollten mehr tun (…); in einem späteren Zeitpunkt müssen wir die Homophobie auch wegkriegen, das ist klar.” 

Man (sic!) kann über diese Prioritätensetzung denken, wie man will: Das inhaltliche Niveau, auf dem sich das dreiseitige Interview mit Zindel bewegt, ist beachtlich und wäre so noch vor fünf Jahren undenkbar gewesen. Es ist ein Verdienst von ”Tatort, Fussball und andere Gendereien”, diesen Ansätzen von Progressivität Platz einzuräumen. Die Interviews sind für die rein Fussballinteressierten ohnehin der ergiebigste Teil des Buches. Neben Zindel und Eggeling werden Gespräche geführt mit Nati-Trainerin Béatrice von Siebenthal, FC-Winterthur-Geschäftsführer Andreas Mösli und FCZ-Südkurven-Aktivist Luca Salomon. Letzterer verneint die Existenz homophober oder sexistischer Gesänge in der Zürcher Südkurve und entgegnet rhetorisch: “Es fragt sich auch, was sexistisch ist; wenn man die Mutter eines andern als Nutte bezeichnet - ist das sexistisch oder nicht?”

“Tatort, Fussball und andere Gendereien” ist ein gescheites Buch, voll mit Verweisen, Zitaten und Querbezügen. Es ist die bis jetzt vermutlich kritischste Annäherung an den Fussball, die in der Schweiz je publiziert worden ist; daran ändert auch der sehr spezifische Ansatz nichts. Über die wenigen Ungenauigkeiten - Deutschland hat nicht, wie erwähnt wird, von Steh- auf reine Sitzplatzstadien umgestellt - lässt sich hinwegsehen, und die fussballfremden Seiten zu Gewalt, Gleichheit und Geschlecht lohnen die anstrengende Lektüre. Einzig die Kapitel zu den Tatort-Folgen setzen ein etwas gar spezielles Interesse voraus. Wenn ”Tatort, Fussball und andere Gendereien” auch die Ehre gebührt, den unsäglichen Hamburger Kommissar und overactenden Softie Casstorff (Robert Atzorn) entlarvt zu haben.

Was ist ein “Ex-Schweizer”?

Thursday, December 18th, 2008

Eben berichtete in den Nachrichten auf DRS1 der Sportredaktor von den laufenden Uefacup-Partien. Er erwähnte die beiden zum Einsatz kommenden Schweizer Benaglio und Senderos bei Milan-Wolfsburg, bevor er auf die Partie HSV-Aston Villa zu sprechen kam. “Auch bei diesem Spiel ist ein (kurzes Stocken) halber Schweizer im Einsatz, Mladen Petric. Der (wieder kurzes Stocken) Ex-Schweizer erzielte den 1:0-Führungstreffer für die Hamburger.”

Was genau soll das denn werden? Nach den halben Bundesräten jetzt die halben Schweizer? Ist das jetzt Neudeutsch für Verräter? Petric hat einen Schweizer Pass. Er hat ihn immer noch. Er hat ihn mit nach Deutschland genommen, liebe DRS-Sportredaktion: Er ist kein Ex-Schweizer! Und was für eine chauvinistische Arithmetik ist es, aus Leuten mit zwei Staatsbürgerschaften “halbe Schweizer” zu machen?Petric hat sich entschieden, für Kroatien zu spielen. Das war sein gutes Recht. Wenn ihm jemand deswegen seinen Schweizer Pass missgönnt, soll er das bitte offen sagen. Oder kurz das Licht anmachen, bevor es auf Sendung geht.

Si-nnentleert

Monday, December 8th, 2008

“Hohe Haftstrafe für Marseille-Hooligan”, überschreibt die Agentur Sportinformation (Si) eine Kurzmeldung vom Samstag. Inhalt:

“Ein Madrider Gericht verurteilte einen französischen Hooligan (34) im Schnellverfahren wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, Körperverletzung und Anstiftung zur Gewalt zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Das Gastspiel von Atlético Madrid in der Champions League am kommenden Dienstag bei Olympique Marseille hat dadurch weiteren neuen Zündstoff erhalten.”

Genau, das Gastspiel von Atlético. Was war da noch im Hinspiel? Richtig. Atlético-Anhänger, die ja auch mittels Transparent dem abgelebten Jörg Haider den ewigen Frieden wünschten, hatten Marseille-Spieler rassistisch beleidigt, was deren Fans in Wallung brachte. Zudem - wie zynisch - wollte ausgerechnet Atleticos Sicherheitschef in der OM-Zaunfahne “Comando Ultra 84″ eine rassistische und gewaltverherrlichende Botschaft entdeckt haben. Ordner wurden beauftragt, die Fahne zu entfernen, was sie nicht schafften (klingt etwas an?). Darauf schritt die Polizei ein. Und zwar so heftig, dass die nicht unbedingt für Fan-Freundlichkeit bekannte Uefa Atlético mit zwei Geisterspielen (später reduziert auf eines) für den Rassismus, die unnötig provozierten Ausschreitungen und alle anderen Unzulänglichkeiten bestrafte. Über all dies hatte ja auch die Si berichtet. Der vermeintliche Hooligan, der nun eiligst zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde, war einer jener Fans, die sich erst über die rassistischen Beleidigungen aufgeregt und danach gegen Polizei und Ordner zur Wehr gesetzt hatten. Wer mag, kann sich hier selbst ein Urteil bilden in der Frage, von wem die Gewalt ausging. Der Verurteilte ist, mit geringem Recherche-Aufwand, darauf zu erkennen. Wenn mich nicht ganz alles täuscht, sucht er vergeblich den Dialog mit der Polizei.

Die Si ist leider bekannt sowohl für die sinnentleerte Verwendung des Hooligan-Begriffs als auch für die Verbreitung falscher Nachrichten, wenn es um Ausschreitungen oder Übergriffe geht. Das ist deshalb fatal, weil sämtliche Tages- und Sonntagszeitungen die Dienste der Agentur in Anspruch nehmen. Ungern erinnern wir uns an die “Schläger aus Graz”, die in Budapest beim Spiel gegen Honved gewütet haben sollen. In Wirklichkeit - und wie z.B. die Si-Kundin NZZ Tage später richtig stellen musste - schlugen als Ordner getarnte Honved-Hooligans und Polizei blind auf die Gästefans ein. Was sich die Si nun aber im Fall des OM-Supporters Santos erlaubt, geht auf keine Kuhhaut. Sind bei denen wirklich alle zu faul, um mal 1-2 Beiträge aus internationalen Medien zu lesen, bevor sie so eine Meldung schreiben und verschicken? Und Zeitungen wie die NZZ, sollten die bei Hooligan- und Fan-Nachrichten aus dem Hause Sportinformation nicht endlich mal ein wenig vorsichtiger werden?

Dreieinhalb Jahre für Widerstand gegen die Staatsgewalt, Körperverletzung und Anstiftung zur Gewalt - allein das Strafmass zeigt, dass hier etwas nicht stimmen kann. Liberté pour Santos.

Fussball mit dem Kopf

Monday, December 8th, 2008

Am 22. Januar 1958 startete das Schweizer Fernsehen ein kurzlebiges Quizformat unter dem Titel „Fussball mit dem Kopf“. Im Pressetext zur Sendung hiess es damals: „Fussballklubs der Nationalliga A und B beordern Dreier-Equipen ins Fernsehstudio, wo das Los darüber entscheidet, welche Klubs gegeneinander anzutreten haben. Bereits die Auslosung wird ausgestrahlt. Ihre Spiele tragen die Kontrahenten auf geistigem Felde aus, die aktiven Fussballspieler werden sozusagen zu intellektuellen Spielern.“ Wie sich die Fussballer 1958 durch die Fragen mogelten,  lässt sich heute leider nicht mehr überprüfen. Es finden sich keine Bilder dazu im SF-Archiv (und auch nicht auf Youtube).

In der gestrigen Ausgabe der NZZ am Sonntag entlarvten sich einige ehemalige Exponenten der hiesigen Fussballszene mit haarsträubenden Zitaten zur abgetretenen Schiedsrichterin Nicole Petignat (Kubilay Türkyilmaz: «Frauen sind nicht in der Lage, das Spiel so zu lesen und zu verstehen, wie das Männer tun.», Rolf Fringer: «Man soll Natur auch einmal Natur sein lassen»).

Eines scheint klar: Heute würde niemand mehr auf die Idee kommen, eine Quizrunde nur mit Fussballern zu besetzen und das ist auch besser so.

Bravo Herr Birrer

Friday, December 5th, 2008

Die NZZ hat eine kleine Rubrik, sie heisst “Apropos”. Heute ist sie besonders gut. Kompliment an den Verfasser, Herrn Birrer. Unter dem Titel “Gross muss weg” (in Anführungszeichen) kommentiert er, wie verschiedene Medien die vermeintlichen oder tatsächlichen Unruhen beim FC Basel begleiten:

Neuerdings fliessen kuriose und anonyme Online-Umfragen ungefiltert in die Berichterstattung ein, sind Teil der journalistischen Datenbasis. Überhaupt wird in Zeiten der Online-Portale und Gratiszeitungen jedes Hüsteln innert Sekunden tausendfach vervielfältigt und mündet flugs in eine Lungenentzündung. Quelle? Spielt keine Rolle.

Birrer schreibt aber noch andere gute Sachen in diesem kurzen Text. Lesen Sie ihn hier.

Hymnen-Hypochonder

Tuesday, December 2nd, 2008

Es ist jetzt auch schon wieder ein paar Wochen her, aber das Thema ist von einer beinahe zeitlosen Brisanz: Am 14. Oktober haben Leute (es wird vermutet: junge, mit nordafrikanischen Wurzeln) in Paris die “Marseillaise” ausgepfiffen. Vor dem Spiel Frankreich-Tunesien. Und es war nicht das erste Mal. Gegen Marokko und gegen Algerien war es auch schon passiert. Jetzt hat es Sarkozy und seinen Ministern den Deckel gelupft: Alles was recht ist, mais pas la Marseillaise! Spiele, vor denen die Hymnen ausgepfiffen werden, sollen gar nicht erst angepfiffen werden - so die Idee. Und die ist offenbar ernster als vermutet. Grosse schwarz-weisse Zeitungen haben ironiefrei darüber berichtet.

Und jetzt? Über die Umsetzbarkeit eines solchen Vorhabens kann Carla Bruni ja mal ein Lied schreiben. “Quelqu’un a dit” wäre ein guter Titel, aber den hat sie leider schon früher verbraten. In ihrer pre-Sarkozy-Phase. Aber gut. “Die Landeshymnen sind ein alter Zopf, der abgeschnitten gehört”, hat mal jemand zum musikalischen Vorspiel bei Länderspielen gesagt, und das stimmt wohl auch, gerade nach Meldungen wie der erwähnten. Als Schweizer unterschreib ich das sofort. Ich bin in meinem Leben noch nie im Morgenrot dahergetreten. Kann gut ohne. Aber dann kommen halt doch Zweifel. Wenn ich an die bulgarische denke zum Beispiel. Oder die russische natürlich. Oder - God save the queen.

1996 durften wir ja das Eröffnungsspiel bestreiten im Wembley. Und davor gabs natürlich Hymnen. Und die hab ich jetzt per Zufall gefunden. Also eine von beiden:

Ja, wie soll man nach sowas noch für die Abschaffung sein? Schauen Sie sich Tony Adams an! Der macht den hohlen Rücken, damit er noch lauter wird! Oder Stuart Pearce! Der Kerl war ja am Vorabend beim Reunion-Konzert der Sex Pistols - merkt man davon etwas? Nicht im geringsten! Und wäre Gary Neville damals nicht totenbleich dagestanden und hätte als einziger den Mund nicht aufgemacht, die Geschichte mit dem Konzert wäre wahrscheinlich gar nie ausgekommen. Pearce, der alte Punk, hat Neville nämlich mitgenommen damals, damit der mal richtige Musik hört. Und Steve McManaman war glaub ich auch dabei. Aber der scheints besser vertragen zu haben. 

Würde dieser Blog über eine Voting-Funktion verfügen, die Frage würde nun lauten:

- Hymnen: Ja oder Nein?

Sie können froh sein, gibt es diese Funktion nicht, denn die Entscheidung ist sehr schwer.

Antwort der NZZ

Tuesday, December 2nd, 2008

Wie Herr Noz im Browserdienst zum Runden Leder korrekt erwähnte, stellte ich der NZZ kürzlich eine wichtige Frage zur Nichterwähnung des Themas Weinreich/DFB. Heute kam nun eine Antwort, was ja auch nicht selbstverständlich ist. Sie lautet, sehr kurz zusammengefasst: Die Geschichte ist für den Sportteil zu wenig sportlich und für den Medienbund zu deutsch.

Das muss ich als Abonnent jetzt nun so akzeptieren und tue es auch mit der dafür nötigen Gelassenheit. Einen Wunsch an die NZZ hab ich aber schon: Dass sie, falls der Herr Zwanziger mit seiner Klage entgegen allen Erwartungen irgendwann durchkommt und der Herr Weinreich dann vorbestraft ist wegen Ehrverletzung und dazu ein paar Monate seines Berufslebens für seine Verteidigung verschwendet hat, sie ihn dann nicht fallen lässt. Also die NZZ den Herrn Weinreich als ihren freien Mitarbeiter in Sportkorruptionsfragen.

Das wünsch ich mir von meiner Zeitung. Und dass sie nicht so viele Leute entlässt wie angekündigt. 

Allen einen schönen Advent.

Dribbeln, passen, schiessen

Sunday, November 30th, 2008

Wegen der Titelgeschichte - “Ruhe bitte! Wie Ultras die Stimmung in den deutschen Fankurven kaputt machen” - hab ich mir die aktuelle Ausgabe des 11freunde-Magazins gekauft (dazu aber vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt mehr). Der Rest des Heftes bot auch so einiges, vorausgesetzt, man kennt die 11freunde und hat seine Erwartungen an das Heft im Laufe der Jahre entsprechend justiert. Wie dem auch sei, ich freute mich sehr, auf S. 56 ein ganzseitiges Foto eines meiner grossen All-Time-Idole zu sehen, Matthew Le Tissier.

Im Winter 1996 habe ich die Reise per Zug und Fähre von Stretford-upon-Avon nach Zürich für fünf Stunden unterbrochen, nur um ihn wenigstens einmal im Leben gesehen zu haben. Le Tissiers Southampton war bei Tottenham zu Gast. Es war ein schrecklich langweiliges Spiel zweier gegen oben und unten ambitionsloser Mannschaften, aber irgendwann in der zweiten Halbzeit nahm Le Tissier im Mittelfeld einen hohen Ball volley mit dem Absatz und lancierte so mit einem 40-Meter-Steilpass einen Mitspieler, und dann war mir der Rest egal. Ich hatte es gesehen, ich hatte ihn gesehen.

Jetzt widmen sie ihm in 11freunde also zwei Seiten, eine Bild, eine Text. Aber es ist nicht die Art Andenken, die ich mir gewünscht hätte. “Je nach Situation entschied Le Tissier, ob er eines seiner furiosen Dribblings startete, mit einem Pass das Spiel verlagerte oder direkt den Abschluss suchte”, wird sein Spiel umschrieben. Na gut. Gilt das nicht - “furios” mal ausgeklammert - für so ziemlich jede Spielerin und jeden Spieler auf Erden, einschliesslich meiner Wenigkeit? Seit ich mich erinnern kann, stelle ich mir bei Ballbesitz die Frage: Dribbling, Pass oder Schuss? Deswegen hat aber noch niemand über mich geschrieben. Und auch völlig zurecht nicht.

Es ist diese bekannte, leidige Geschichte mit den Herzensangelegenheiten: Liest man über etwas, das man gut kennt und gerne hat, macht es irgendwie traurig, wenns dann, wie soll ich sagen, nicht so schön ist. Oder nicht ganz richtig. Es gibt dann den Reflex des Leserbriefes, in dem man sein Leiden an der richtigen Adresse deponieren kann, aber wirkliche Linderung verspricht das ja in den seltensten Fällen. Ach herrje. Ich will auch den 11freunden nicht zu nahe treten, immerhin haben sie uns im Oktober zum Blog des Monats gekürt, aber vielleicht einfach mit der Bitte schliessen, beim nächsten Mal, wenn dann vielleicht Bruno Conti dran ist oder Alain Giresse, daran zu denken, dass es da draussen welche gibt, die ihr halbes Leben, oder zumindest ihre halbe Jugend… Aber eben. Es ist nur Fussball.

Frage an die NZZ

Friday, November 28th, 2008

Liebe NZZ

Schon sehr lange habe ich Sie abonniert. Auch Ihre Sonntagsausgabe. Das Folio lese ich gerne und einige seiner Redaktoren spielen wirklich schönen Hallenfussball. Jetzt nimmt mich aber einmal etwas wunder.

Diese Woche haben Sie wieder einmal einen Artikel des angesehenen deutschen Sport-Enthüllungsjournalisten Jens Weinreich publiziert, zur ISL-Pleite, zum Fifa-Gemauschel, zu korrupten Funktionären. Es war Weinreichs x-ter Beitrag in Ihrer Zeitung. Offenbar halten Sie ihn also für seriös und glaubwürdig genug (bzw. in dieser Sache mindestens so glaubwürdig und kompetent wie Ihre eigenen Leute), für Sie über ein derart delikates Thema wie die ISL-Geschichte zu berichten. Jens Weinreich ist in seiner Heimat nun aber seit vielen Wochen Zielscheibe einer beinahe grotesken Kampagne des Deutschen Fussball Bundes (DFB). Ist Ihnen das keine Zeile wert? Heute habe ich im Freitagsdossier den hoch geschätzten Medienbund durchgeblättert. Auch nichts, trotz der jüngsten Entwicklung in diesem Fall.

Wie ist das möglich? Haben Sie das verschlafen oder finden Sie das unwichtig? Oder habe ich da etwas übersehen, eine Kurzmeldung vielleicht?

Hochachtungsvoll

Ihr Leser P. Claude