Archive for the ‘Kultur’ Category

Robson vs. Odermatt

Wednesday, December 7th, 2011

Heute Abend repräsentiert der FCB die Schweiz. Darum drückt sie dem FCB die Daumen. Hat Heliane Canepa gesagt, gestern früh auf DRS4, als sie mit Thomas Held über Gott, die Welt, Politik und Sport plauderte. Bis heute repräsentiert die Single “Karli no ne Goal” den FCB in der Welt des Vinyls: “Druggt scho ab, s’isch passiert, d’Balle isch im Kaschte!” Das Lied von Peter Felix gehört seit den 70er Jahren zum Kulturgut der FCB-Fans, davon wurde ich neulich vor Ort auf eindrückliche Weise überzeugt. “Oh, wie tuet das wohl”, so eine Refrainzeile singt der Mensch aber auch einfach gerne.

Zum heutigen Knüller, oder soll ich sagen: Schlager? Oder, nach bislang drei CL-Begegnungen auch legitim: Klassiker? Oder grossartige Affiche? Jahrhundertspiel? Zur heutigen letzten Begegnung in der Gruppenphase tritt ”Karli no ne Goal” gegen eine Single des “Official Manchester United Fan Club” an, dem ich nicht angehöre, die ich mir aber immer wieder gerne anhöre. Bryan Robson ist da gerade Captain geworden und erklärt noch einmal, warum er West Brom in Richtung Manchester verlassen hat: “Because I felt I had more opportunities with Manchester United of playing at Wembley.” Leider sagt er nicht “… at Saint Jacob”. Aber vielleicht gibt es davon auch eine Single, vom Unofficial Manchester United Fan Club. Ich suche sie. Im Heuhaufen der ungefähr 37 Manchester-United-Vinylsingles auf dem 2nd-hand-Markt.

Spielt man nun diese beiden Platten gegeneinander aus, heisst es unentschieden. Das eine ist zwar ein schönes Lied, aber Karli selbst fehlt. Er habe damals nicht einmal gewusst, dass so eine Platte erscheint, heisst es. Und sei darob leicht empört gewesen. Gut, dass er selber mitgesungen hätte bei ”Karli no ne Goal”, wäre allerdings etwas läppisch gewesen, aber auf der B-Seite, so als Intro zu “Na na na na, hey hey FCB” hätten sich ein paar Grussworte gut gemacht. Auf der Manchesterplatte fehlt die Musik, dafür hat man Bryan Robsons abgelöschte Originalstimme und Frank Stapletons totale Gleichgültigkeit Mikrofonen gegenüber. Eins zu eins also, vinyltechnisch. Aber wir haben ja noch Frau Canepa, das Zünglein an der Waage.

Auf die Schnelle

Saturday, November 26th, 2011

Ein Rapid-Link: Hier lacht das Herz des Fussballmuseumsleiters:

Ingo macht sie nass

Monday, November 7th, 2011

Ein, zwei Sätzchen zum Thurgauer Derby vielleicht noch, ein, zwei Sprechblasen, bitte sehr. Es hat statt- und den richtigen Sieger gefunden, vor 850 Zuschauern. Zwei zu eins! Nach null-zu-eins-Rückstand! Und der Javier Belda kratzt einen Penalty. Ein sehr gutes Spiel an einem sehr guten Nachmittag. Der FCK eine Macht. Und Ingo Backert, die weissen Hosen knapp unter der Brust, entscheidet das Spiel vom Punkt aus. Und dann: Was für ein Jubel! Die Krönung aber nach Schlusspfiff: Die Spieler des FCF laufen aus, schön gemächlich, rund ums Feld. Sie kommen immer näher. Plötzlich merken auch sie: Sie kommen immer näher. Also drehen sie ab, auf Höhe Mittellinie. Die Nummer 8, L. M. aus F., dreht sich noch einmal zur Whiskykurve und zeigt zwei Mittelfinger (er hätte auch drei oder vier gezeigt, aber er hatte nur zwei dabei). Jubel und Getöse in der Kurve. Das stimuliert L. M. sehr. Im Auslaufen zieht er sich die Hose runter und hält uns den A…. entgegen (manchmal lesen hier Leute mit @admin.ch-Adressen mit, ich wills mir aber mit Bundesbern nicht verscherzen, deshalb anständige Sprache). Grenzenloser Jubel, L. M. wird belohnt für seinen Mut (von den Männern) und für seinen A…. (von den Frauen). Der FCF dreht eine zweite Auslaufrunde, wieder kommen sie näher, wieder drehen sie ab, wieder zeigt L. M. die Finger, wieder Hose runter. Brilliant fucking Amateurliga Purgatory! Jetzt ist Winterpause, der FCK 1905 Tabellenführer mit Polster, der Grillmeister hat ein paar Monate Zeit, seine Currywurstsauce aufzufüllen und ich verschenke ein von Badoux gestaltetes FCK-Matchprogramm – das schönste der Schweiz und brandneu – an die Erste oder den Ersten, die oder der behauptet es zu wollen: knappdaneben {at} gmail.com

Heute 18.30 Uhr: Terkessidis im Helmhaus

Thursday, October 20th, 2011

Etwas für Kurzentschlossene im Grossraum Zürich: Heute um 18.30 spricht WOZ-Redaktor Kaspar Surber im Helmhaus mit Mark Terkessidis, Autor des vielbeachteten Werkes “Interkultur”, das die NZZ zur Pflichtlektüre für alle im Migrationsbereich Tätigen – und damit sind letztlich alle gemeint – erklärt hat. 18.30, das reicht gut, um pünktlich um 21.05 im Stadion zu sein. So viel schärfer als sonst werden die Eingangskontrollen auch heute nicht sein.

Veranstaltungshinweis

Thursday, September 22nd, 2011

Guten Tag und eine schöne Woche. Die unter anderem Folgendes bietet: Im ehemaligen Kino Razzia in jenem kleinen Teil des Zürcher Seefelds, der in den vergangenen Tagen NICHT von Horden entfesselter Krawallanten (oder: so genannten Partygängern) in Schutt und Asche gelegt wurde, im Razzia also findet am 22. September im Rahmen der Ausstellung “Das begehbare Buch” ein launiger Gesprächsabend zum FCZ statt, der nachher knapp noch mit ein paar danebenen Musikstücken aus der hiesigen Sammlung beschlossen wird. Es gibt bei weitem nicht nur FCZ-Lieder. Tönen könnte es am Donnerstag zum Beispiel auch so:

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

Mehr zur Veranstaltung finden Sie hier.

Lange Nacht im FCZ-Museum

Saturday, September 3rd, 2011

Wer heute noch nichts vorhat oder ein gutes Argument braucht, um bereits Eingeladene wieder auszuladen, dem sei folgender Anlass empfohlen, an dem u.a. altverdiente Mitarbeiter dieses Blogs mitwirken:

Das FCZ-Museum nimmt teil an der stadtweiten Museumsschau: 35 Zürcher Museen bieten am 3. September spannende Programme bis teils spät in die Nacht. Attraktion des FCZ-Museums ist eine fussballhistorische Stadtrundfahrt mit dem originalen FCZ-Teambus. Stündlich ab 19.30 Uhr fährt der Mannschaftsbus ab Bellevue hinaus zum FCZ-Museum am Hubertus. 
Dort finden von 20.00 Uhr – 23.00 Uhr zur vollen Stunde jeweils Kurzführungen statt: Zum Thema „Fussball ist (keine) Kultur!“ diskutiert Museumsleiter Saro Pepe mit Clubpräsident Ancillo Canepa, Prof. Thomas Sieber (Dozent ZhdK) und Mämä Sykora (Chefredaktion Fussballmagazin ZWÖLF).
Infos unter: www.langenacht.ch

Philipp Köster über das Buch “Flachpass”

Monday, August 29th, 2011

An dieser Stelle wie immer etwas Eigenwerbung. 11freunde-Chefredaktor Philipp Köster begründet als Jury-Mitglied der Akademie für Fussballkultur, warum er aus allen in den den letzten 12 Monaten erschienenen Fussballbüchern “Flachpass – Die Bar im Letzigrund” für den Deutschen Fussballbuchpreis 2011 vorschlägt:

Was suchen die Menschen beim Fußball? Eine Frage, die in den letzten zwanzig Jahren viel zu selten gestellt worden ist. Sonst gäbe es vielleicht nicht so viele Sitze aus Hartplastik in den Stadien, würden die Anhänger vor dem Anpfiff nicht mit Kirmestechno beschallt und kämen österreichische Getränkehersteller nicht auf die Idee, Fußballklubs zu kaufen.

Andrea Fischer, Christine Steffen, Pascal Claude und Saro Pepe fanden im Jahre 2002, dass die Menschen noch etwas anderes suchen als Videowürfel und Bier aus der Spritzpistole. Sie machten im Zürcher Letzigrund eine Stadionbeiz mit Blick aufs Trainingsgelände auf. Fortan wurde die »Flachpassbar« zum Treffpunkt für Spieler, ihre Familien, Funktionäre und Fans. Vor, nach, während und zwischen den Spielen drängelte man sich am Tresen, unter den Wimpeln und Pokalen, mit denen die Wirte in liebevoller Kleinarbeit die Kneipe dekoriert hatten. Und über die Jahre füllten nicht nur die Menschen, sondern auch die Geschichten die Räume.

Unvergessen, wie die »Flachpassbar« als einzige Kneipe mit polnischem Decoder das Züricher Auswärtsspiel in Warschau übertrug und siebenhundert, achthundert Menschen ein Bierfass nach dem anderen leerten. Wie Gästespieler Marc Zellweger die Aufforderung eines Zürcher Anhängers mit Gebissfehlstellung, doch mal zum Friseur zu gehen, mit dem Hinweis auf einen Besuch beim Zahnarzt konterte. Wie Christian Gross bei der Querung des Lokals in den Hintern getreten wurde. Und wie die Gäste der Fachpassbar den Siegern des Cup-Viertelfinales in Basel einen rauschenden Empfang bereiteten.

Unzählige Geschichten können die Gäste dieser Bar erzählen. Und eben darum erzählen nun die Wirte, Gäste und Freunde der Bar ihre Geschichte. In »Flachpass« setzen sie einer ungewöhnlichen, Herz erwärmenden und mittlerweile mit dem alten Stadion abgerissenen Gaststätte ein Denkmal, literarisch, fotografisch, zeichnerisch .»Es soll zur Frage führen, was die Menschen zum Fußball zieht, heute und in Zukunft. Und wo sie das, was sie suchen, dereinst finden werden«, schreiben Andrea Fischer, Christine Steffen, Pascal Claude und Saro Pepe. Und geben in diesem Buch, so charmant und unaufgeregt, wie es wohl nur Schweizer können, ihre Antwort darauf.

Das Buch gibt es weiterhin über flachpassbuch@gmail.com, Einblicke und Kritiken auf www.flachpass.ch

Moral, Heuchelei, Lohn, Kunst, Architektur

Monday, May 2nd, 2011

Im neuen NZZ-Folio, das heute im Briefkasten lag, sagt Benjamin Huggel:

Ich halte die Diskussion für heuchlerisch, ob 15 oder 20 Millionen Franken Jahreslohn für Ronaldo oder Messi pervers sind. Könnte man ethische oder moralische Massstäbe anlegen, wäre etwa die Arbeit einer Pflegerin viel mehr wert. Aber der Massstab ist der Markt.

So. Haben wir wieder etwas gelernt. Wäre vielleicht auch schwierig, als Spieler, der Woche für Woche ein Novartis-Trikot trägt, zu sagen:

Jahreslöhne von 15 oder 20 Millionen Franken werfen schon ethische oder moralische Fragen auf. Soll der Markt allein entscheiden, wie eine Pflegerin für ihre Arbeit entlöhnt wird und wie ein Fussballer oder ein Manager?

Einen anderen interessanten Satz las ich am Samstag im “Magazin”. Max Küng fragt sich dort in seiner Kolumne, wo eigentlich Ai Weiwei steckt und ob die Geschichte um den verschleppten chinesischen Künstler auch mitgemeint ist, wenn China als spannende Tourismusdestination angepriesen wird. Küngs Kolumnenkollege Thomas Held, der circa wöchentlich den Schweizer Fortschrittskritischen die Innovationskraft Chinas um die Ohren haut, würde sagen: Ja! Die Länder stehen im internationalen Wettbewerb! Es mag ja schön und gut sein, wenn Künstler ihre Heimat kritisch hinterfragen, aber wer weiter kommen will, kann sich diese Art von Zersetzung nicht mehr leisten. Schauen Sie nach China! Für jeden Verschleppten wird dort ein Wolkenkratzer hochgezogen, für jeden Dissidenten ein Dorf umgesiedelt. So geht’s in die Zukunft! Und weg wären die Künstler (ausser Andreas Thiel).

Wo ist eigentlich Ai Weiwei? Was ich mich frage: ob sich Herzog & de Meuron das auch fragen. Ai Weiwei hat ihnen ja recht geholfen auf dem Weg zum Olympiastadion, dem Vogelnest, das “eine radikale Freiheit ausdrückt” (Jacques Herzog, NZZ, 7. Juni 2008). Ja, mit dem lustigen Ai Weiwei haben Herzog & de Meuron unter anderem lustige Türme aus Weingläsern gebaut. Man kann es nachsehen in einem Film über ihre Arbeit am Stadion (Herzog: “Es ist eine begehbare Skulptur in der Art des Eiffelturms.”). Wo ist Ai Weiwei? Darf man in einem Land bauen, das seine Künstler, nachdem sie europäische Architekten nützlich beraten haben, verschwinden lässt unter Nennung dubioser Gründe? Man darf. Sagt Herzog:

“Man kann sagen, in einem Land, das nicht unsere gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder moralischen Standards hat, engagiere ich mich nicht. Dann könnte man aber an vielen Orten nicht bauen, im Grunde nicht einmal im Amerika der Bush-Administration.”

Und noch etwas gelernt – sagenhaft! Das ist eigentlich fast noch besser als “Wenn wir es nicht gemacht hätten, hätte es ein anderer gemacht.” Herzogs Vergleich ist ohnehin gut, denn im Amerika der Bush-Administration haben Herzog & de Meuron ja auch gebaut. Aber eben: Wo ist Ai Weiwei? Das würde ich auch gerne fragen, aber leider kann man keine ethischen oder moralischen Massstäbe anlegen. Leider, leider, leider.

Kampf des Chores

Friday, March 11th, 2011

Hier sehen Sie ein Bild aus dem Jahr 1967. Es zeigt die französische Beat-Band “Les Menestrels de l’an 2000″, assistiert von einem gemischten Chor. Das ist schon an und für sich schön zu sehen: junge Menschen, die Alt und Neu ungezwungen verbinden, ein Duett des links-urbanen mit dem rechts-ruralen Milieu sozusagen, freudige kulturelle Zweisamkeit.

Und was hat das mit Fussball zu tun? Was hat das tami nomal mit Fussball zu tun? Bin ich hier im Kulturplatz-Blog oder was? Selbstverständlich nein. Wobei: nichts gegen den Kulturplatz. Ein interessantes Gefäss. Haben Sie die Jahresrückblickssendung gesehen mit Hanspeter Müller-Drossaart und Pedro Lenz als Studiogäste? Hätten ihre Kulturfavoriten 2010 – Musik, Film, Theater und so weiter – nennen müssen und sprachen dann doch immer nur über die Ausschaffungsinitiative. Die Moderation machte dabei nicht unbedingt einen links-unterwanderten, eher einen apolitisch-überforderten Eindruck. Wobei: War sicher alles inszeniert. Vom Kameramann mit RAF-Vergangenheit clever kadriert, von der ETA-nahen Cutterin revolutionär zurechtgeschnitten.

Aber zurück zum Bild, zurück und hin zum Fussball: Wer hier singt, begleitet von den “Menestrels de l’an 2000″ (quel nom!), ist der Fanchor des Racing Club de Lens. Es macht sich ja auch auf den hiesigen Stehplätzen eine gewisse Betonung der äusseren Erscheinung bemerkbar. Wenns um Stilfragen geht, sollte man sich aber als singender Fan künftig an diese Damen und Herren halten. Allez Lenz! Bzw. Lens!

Beim GC nachgefragt

Saturday, February 19th, 2011

Sapperlott, es wird ein rechter Haufen zusammengeschrieben und gemeint im Zusammenhang mit der bevorstehenden Verabschiedung des Grasshopper Club aus Zürich. Da empfiehlt sich Enthaltsamkeit in Kommentarfragen. Trotzdem hier nun ein Wörtchen zum Interview mit GC-Zentralpräsident Andres Iten in der NZZ von heute Freitag. Denn da wird u. a. vom Journalisten festgehalten:

Dennoch ist es GC, der bei der Stadt um Unterstützung nachfragen musste.

Jetzt wissen wir ja aber und ergötzen uns im Stillen auch ein bisschen daran, dass die NZZ vom GC zu schreiben pflegt, der GC sagt, den GC meint. Normalerweisezumindest (sofern in diesem Zusammenhang von irgendeiner Norm überhaupt zu sprechen ist). Heute aber kommt sie mit etwas ganz Neuem daher: Sie würgt den Artikel ab, um ihn kurz darauf als Relativpronomen nachzuliefern. Was schauerlich schön tönt. Es ist GC, der nachfragt. So ein Satz muss den Korrektoratsbildschirm erst einmal ungeschoren verlassen. Chapeau!