Archive for the ‘Italien’ Category
Bundesverwaltungsgericht: Milanello gibt es nicht . . .
Thursday, March 24th, 2011
. . . aber es ist trotzdem eher ein Ort als eine Marke. In einem Urteil vom 15. März 2011 gibt das Bundesverwaltungsgericht dem Eidgenössischen Institut für geistiges Eigentum Recht, das die Forderung der AC Milan, den Namen ihres Trainingszentrums in der Schweiz zu schützen, abgewiesen hat. Milanello erhalte keinen Markenschutz, weil es sich aufgrund unserer Assoziationen um eine geografische Herkunftsangabe handle. Leider komme ich hinten und vorne nicht draus, wo das Problem liegt, lese in der heutigen NZZ aber mit grossem Interesse:
Dennoch werde der Schweizer Konsument Milanello eher mit Mailand in Verbindung bringen als mit einer Vogelfamilie oder dem gleichlautenden männlichen Vornamen Milan.
Dieser Verhandlung hätte ich gerne beigewohnt. Oder heisst es “wäre beigewohnt”? Zum Trost verwende ich hier nun ungeschützt das streitbare Logo.
Italienische Wahrheiten aus Wien
Friday, March 18th, 2011“Dabei haben sie vergessen, dass die Schuld bei demjenigen liegt, der spuckt – nicht bei demjenigen, der das Spucken aufzeichnet.”
Dies sagt Matteo Patrono, Gastkolumnist des ballesterer-Magazins, in der neuesten Ausgabe. Er münzt seine Aussage auf den Römer Rosi und den Neapolitaner Lavezzi, die sich gegenseitig feucht annäherten. Natürlich aber handelt es sich bei Patronos Aussage um eine allgemeingültige Wahrheit, die durchaus auch rückwirkend auf historische Ereignisse anwendbar ist.
Die neueste Ausgabe des ballesterer übrigens sei an dieser Stelle warm empfohlen. Das Titelthema “Der verstaubte Cup” über das schottische Schicksal hinter Celtic und den Rangers ist so aufbereitet, dass man ins leer Schlucken kommt. Das Heft wird am besten abonniert. So entsteht eine Win-Win-Situation: Sie unterstützen ein prächtiges, unabhängiges Printerzeugnis und werden dafür jeden Monat ganz schön bedient. What are you more wanting?
Foul in Foggia
Tuesday, March 1st, 2011Das ungeschriebene Gesetz besagt: Wird ein Ball absichtlich ins Out gespielt, um mit einem Spielunterbruch die Pflege eines verletzten Gegenspielers zu ermöglichen, spielt die begünstigte Mannschaft den Ball anschliessend wieder dem Gegner zurück. Was kompliziert tönt, heisst Fairplay und darf als eines der letzten Überbleibsel jener Ureigenschaft des Fussballsports betrachtet werden, auf die sich so viele immer wieder zu berufen versuchen.
Was nun aber, wenn dieses letzte heilige Gesetz des Anstands gebrochen wird? Dann, so zeigt uns ein Ausschnitt aus der Partie Foggia-Gela (3. Italienische Liga), bricht alles Fairplay innert Sekunden in sich zusammen und kehrt sich ins Gegenteil. Und dabei hatte sich Herr Zeman doch nur daran gemacht, das Wunder von Foggia nach zwei Jahrzehnten zu wiederholen. So wird das vermutlich aber nichts in absehbarer Zeit.
Calcio-Doping: Schleichender Tod
Friday, October 1st, 2010Gestern brachte die NZZ (“Dottore, kann ich noch ruhig schlafen?”) eine Seite darüber, letzte Woche die Berliner Zeitung (“Der Fluch der Lilien“): Alle Anzeichen sprechen dafür, dass im Calcio ab den 50er Jahren massiv und rücksichtslos gedopt wurde, dass Spielern Substanzen verabreicht wurden, ohne sie über deren Zusammensetzung und mögliche Folgen zu informieren. Heute weisen Staatsanwälte eine Häufung von Erkrankungen und Todesfällen nach, die den reinen Zufall ausschliesst.
Das österreichische Magazin Datum hat vor sechs Jahren ein Portrait von Raffaele Guariniello veröffentlicht. Der Turiner Staatsanwalt gilt als erster Dopingjäger Italiens und deshalb, wenig überraschend, in den Häusern der Agnellis und Berlusconis als persona non grata. Der Artikel ist lang und lesenswert. Ein Auszug:
„Wir brauchten fast vier Jahre, um die Spuren dieser Fußballspieler zu finden, zu überprüfen, ob sie verstorben waren und, wenn ja, wann. Und bei all dem haben wir bei null angefangen, weil es noch keine Studie dieser Art gab. Weder in Italien noch anderswo. Um diese Grundgesamtheit zu rekonstruieren, mussten wir uns mit den Sammelalben von Panini behelfen. Der italienische Fußballverband hatte sehr wenige Aufzeichnungen.“
Sich die NZZ von gestern zu beschaffen lohnt sich übrigens auch. So traurig die Geschichte um die wegsterbende grosse Viola-Squadra, so schön deren Bebilderung.
Ecco el torro
Wednesday, September 15th, 2010
In einem über alle Zweifel erhabenen Tauschgeschäft kam ich vor rund vier Monaten zu dieser Hose von Inter Mailand, die ich aber aus verschiedenen Gründen erst gestern am konspirativ vereinbarten Übergabeort abgeholt habe. Der Tauschpartner sagt, die Hose sei secondhand, das heisst: zuvor getragen von Christian Vieri himself. Was ich nach dem ersten Testtragen sagen kann: Sie fühlt sich original an. Und: In dem Spiel, in dem er die Hose getragen hat, ging Vieri nicht ans Limit. Kampfspuren sind keine auszumachen. Vielleicht aber ist dieses Material heutzutags auch einfach unsterblich.
Auf jeden Fall löst das natürlich sehr viel aus, so ein Tauschgeschäft. Zwischen mir und meinem Stuhl befindet sich nun also eine Hose, die Christian Vieri gehört hat. Er war ja doch einmal so etwas wie eine grosse Nummer, bevor er die 120-kg-Marke überschritten hatte. El Torro haben sie ihn in Spanien genannt, und den Namen hat er mit zurück nach Italien genommen. Darum haben die Fernsehkommentatoren dann auch immer “Ecco el torro” gerufen, wenn er an den
Ball kam. Behauptete zumindest ein Bekannter von mir. El Torro. An ein Tor für Atlético erinnere ich mich: El Torro hatte an der Strafraumgrenze, auf Höhe Grundlinie, dem gegnerischen Torwart den Ball abgeluchst, und noch ehe der auf dem Rückweg in seinen Kasten war, hatte el Torro den Ball in die hohe weite Ecke gedreht. Ja, er war nämlich auch filigran, der Christian!
Was hat er wohl sonst noch alles gemacht in dieser Hose? So nach dem Spiel? Ich möchte nicht zu weit denken. Nur eines möchte ich wissen: Wie es kommt, dass auf der Hose eine 13 steht, wo doch Vieri bei Inter die 32 hatte? Hat er sich in der Kabine vergriffen?
Armes Italien
Friday, August 13th, 2010Wer noch Sommerferien hat, oder sonstwie (viel) zu viel Zeit, kann sich mal von kritischer Seite auf den neusten Stand in Sachen italienische Fankultur bringen. Kai Tippmann, Autor des Blogs Altravita setzt sich intensiv mit einem längeren Bericht aus der Repubblica auseinander, der im Mai unter dem Titel “Die Hände der Ultràs im Geschäft mit dem Fussball” erschienen ist. Ausserdem begrüssenswert ist, dass Tippmann noch dieses Jahr eine Deutsche Übersetzung des Buchs Tifare Contro auf den Markt bringen will. Buch und Blog: Kategorie nicht mehr ganz neu, aber sehr lesenswert.
Un’estate italiana…nanana…
Sunday, July 18th, 2010“Giorgio hat die Hymne für die Fussballweltmeisterschaft geschrieben, die in Italien stattfindet. Sie wollen mich unbedingt haben, weil ich eine ebenso fanatische Anhängerin meiner Contrada bin wie Fussballfans von ihren Clubs. Ich lasse mich also darauf ein, es zu probieren, ohne wirklich überzeugt zu sein, und ich schreibe den Text mit Edoardo Bennato. Dann singe ich das Lied spontan, aber dieses Arrangement und das ganze Drumherum widern mich an.
Das ist nicht meine Musik. Ich weigere mich mitzumachen, doch ich bin umzingelt. Edo ist weiterhin dafür, ich habe es ohnehin bereits gesungen, also was soll’s, immerhin muss ich es kein zweites Mal aufnehmen, sie haben schliesslich die Probe. Der Vertrag ist vom Manager unterzeichnet worden, also bleibe ich – mehr Edo zuliebe und weil ich keinen Ärger mit irgendwelchen Anwälten haben will – dabei.
Ausserdem hat die Sache einen Vorteil, der mich über meine persönliche Verärgerung hinwegsehen lässt: Dieses Lied kann nützlich sein, denn es wird um die ganze Welt gehen und internationalen Einfluss haben, es wäre also eine grosse Gelegenheit, etwas für einen guten Zweck zu tun, wenn wir mit dem Erlös aus den Autorenrechten Amnesty International unterstützen.
Ich überzeuge die Produzenten und alle Beteiligten, es ebenso zu halten. Sie stimmen zu, schade nur, dass es sich alle, als das Lied ein Erfolg wird, doch noch einmal anders überlegen und ich wie eine Idiotin als Einzige dastehe, die die Sache und das Engagement bis in die letzte Konsequenz weiterhin vorantreiben will.
Wie eine wütende Furie mache ich bei den Leuten Rabatz und renne ihnen durch das ganze Stadion hinterher, um sie zur Vernunft zu bringen. Nur Maradona, den ich mitten auf dem grünen Rasen treffe, kann mich in meinem Wutausbruch besänftigen. Für einen Moment vergeht mein Zorn und mitten im San-Siro-Stadion, nach der Schliessung der Pforten, verharre ich in dieser Umarmung.”
Schöne Geschichte aus der Autobiografie von Gianna Nannini. Si non è vero, è ben trovato. Nach der WM wurde sie dann von ihrem Manager noch gezwungen, das Lied auch an ihren Konzerten zu singen, wie man hier sieht. Gemein.



