Archive for the ‘Italien’ Category

Armes Italien

Friday, August 13th, 2010

Wer noch Sommerferien hat, oder sonstwie (viel) zu viel Zeit, kann sich mal von kritischer Seite auf den neusten Stand in Sachen italienische Fankultur bringen. Kai Tippmann, Autor des Blogs Altravita setzt sich intensiv mit einem längeren Bericht aus der Repubblica auseinander, der im Mai unter dem Titel “Die Hände der Ultràs im Geschäft mit dem Fussball” erschienen ist. Ausserdem begrüssenswert ist, dass Tippmann noch dieses Jahr eine Deutsche Übersetzung des Buchs Tifare Contro auf den Markt bringen will. Buch und Blog: Kategorie nicht mehr ganz neu, aber sehr lesenswert.

Un’estate italiana…nanana…

Sunday, July 18th, 2010

“Giorgio hat die Hymne für die Fussballweltmeisterschaft geschrieben, die in Italien stattfindet. Sie wollen mich unbedingt haben, weil ich eine ebenso fanatische Anhängerin meiner Contrada bin wie Fussballfans von ihren Clubs. Ich lasse mich also darauf ein, es zu probieren, ohne wirklich überzeugt zu sein, und ich schreibe den Text mit Edoardo Bennato. Dann singe ich das Lied spontan, aber dieses Arrangement und das ganze Drumherum widern mich an.

Das ist nicht meine Musik. Ich weigere mich mitzumachen, doch ich bin umzingelt. Edo ist weiterhin dafür, ich habe es ohnehin bereits gesungen, also was soll’s, immerhin muss ich es kein zweites Mal aufnehmen, sie haben schliesslich die Probe. Der Vertrag ist vom Manager unterzeichnet worden, also bleibe ich – mehr Edo zuliebe und weil ich keinen Ärger mit irgendwelchen Anwälten haben will – dabei.

Ausserdem hat die Sache einen Vorteil, der mich über meine persönliche Verärgerung hinwegsehen lässt: Dieses Lied kann nützlich sein, denn es wird um die ganze Welt gehen und internationalen Einfluss haben, es wäre also eine grosse Gelegenheit, etwas für einen guten Zweck zu tun, wenn wir mit dem Erlös aus den Autorenrechten Amnesty International unterstützen.

Ich überzeuge die Produzenten und alle Beteiligten, es ebenso zu halten. Sie stimmen zu, schade nur, dass es sich alle, als das Lied ein Erfolg wird, doch noch einmal anders überlegen und ich wie eine Idiotin als Einzige dastehe, die die Sache und das Engagement bis in die letzte Konsequenz weiterhin vorantreiben will.

Wie eine wütende Furie mache ich bei den Leuten Rabatz und renne ihnen durch das ganze Stadion hinterher, um sie zur Vernunft zu bringen. Nur Maradona, den ich mitten auf dem grünen Rasen treffe, kann mich in meinem Wutausbruch besänftigen. Für einen Moment vergeht mein Zorn und mitten im San-Siro-Stadion, nach der Schliessung der Pforten, verharre ich in dieser Umarmung.”

Schöne Geschichte aus der Autobiografie von Gianna Nannini. Si non è vero, è ben trovato. Nach der WM wurde sie dann von ihrem Manager noch gezwungen, das Lied auch an ihren Konzerten zu singen, wie man hier sieht. Gemein.

Murales all’italiana

Saturday, July 10th, 2010

wm_italiaZum WM-Abschluss noch eine schöne Wandmalerei.
Aufgenommen in Pontremoli.

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Tuesday, July 6th, 2010


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San Vincenzo, Toscana, Juli 2010.

Darf man hoffen?

Saturday, March 6th, 2010

Das fragt uns schriftlich Signore Pippo, der in Kongos Hauptstadt Kinshasa gerade nichts Besseres zu tun hat, als das Hausblatt der Lega Nord, “La Padania”, zu lesen. Online natürlich, er hat es nicht extra abonniert. Also in der “Padania” las er übersetzt:

Balotelli in die Nationalmannschaft! Von der Qualität her ist der Junge der Spieler unserer Zukunft. Die drei dunkelhäutigen Spieler Balotelli, Ogbonna und Okaka, die für Italiens U-21 gegen Ungarn ein exellentes Spiel absolviert haben, sind ein Hinweis darauf, dass sie in jeder Hinsicht Italiener sind. Sie sind in unserem Land geboren, hier haben sie studiert und die Grundlagen des Fussballs gelernt.

Das schreibt also “La Padania”, das Sprachrohr der Padanier und Legisten, während in den Stadien zwischen Turin und Catania Balotelli-Bashing betrieben wird, und zwar in einer Weise, dass selbst die “Weltwoche” unlängst die Frage in den Raum stellte, ob die Italiener Rassisten seien (wo doch Rassismus eine Erfindung von Georg Kreis ist, die Gleichstellung ein Irrtum und der Klimawandel ein warmer Furz). Nun also fragt Pippo: “Ein kleiner Lichtschimmer? Darf man hoffen?”

Keine Ahnung. Eher nein, sehr wahrscheinlich. Aber die besten Grüsse nach Kinshasa, so oder so.

fast, faster, Juventus

Wednesday, February 24th, 2010

NIK_40080_AWenn man so hört und liest, wie es rund um die italienische Swisscom-Tochter Fastweb zu und her geht, stellt sich einem die Frage, ob all das in die Juve gepumpte Geld des ehemaligen Hauptsponsors auch wirklich ganz, aber auch ganz sauber ist. Beziehungsweise war. Oder ob Del Piero and the Buffons ihre Rennschlitten am Ende mit Geld der ‘Ndrangheta gewaschen haben.

Groundhopping: Procida IT

Friday, October 30th, 2009

Insel Procida vor Neapel4Unser Leser und regelmässige wissenschaftliche Zulieferer Fabian weilte kürzlich vor Neapel auf der Insel Procida und sah sich dort das Spiel der Einheimischen gegen Real Suessola an. Ein schöner und gelassener Anlass, wie die Bilder nahe legen. Die Insulaner rufen also nicht nach Schnellgerichten und fordern Schadenersatz, wenn einer einen Rauchtopf zündet. Sie verwerfen einfach abschätzig die Hände und drehen sich ab. Bis sich der Rauch verzogen hat. Wenn sich bei uns der Rauch verzogen hat, finden wir uns im Fussball-Disneyland wieder. Nun denn, Herr Fabian schreibt:

Auf das Spiel wurde ich aufmerksam, als ich das Foto machen wollte, wo man das Matchplakat neben der Todesanzeige sieht. Es war alles sehr familiär. Die Polizei war nur da, um nach dem Match den Verkehr zu regeln, da die Gassen auf der Insel so eng sind, dass eigentlich nur Einbahnverkehr möglich ist. Nett war auch der Getränkestand in Form einer Plastikkugel. Es war etwas irritierend, als ich ein Bier bestellte, es aber keines im Angebot hatte, obwohl der Kühlschrank ein tipp topp Bier-gebrandeter war. Aber auch mit einem klasse Espresso war der Match angenehm zum schauen. Die Zuschauer waren zufrieden. Die Einheimischen lagen zur 2. Halbzeit 0:2 hinten, schafften dann aber noch den Ausgleich zum Endresultat von 2:2.

Insel Procida vor Neapel1

Caput Liberum

Friday, October 23rd, 2009

DSC01697Sie haben zwar einen Kunstrasen (in diesem Zusammenhang zur Meinungsbildung bitte das hier konsultieren), das Stadion gehört aber dennoch in die Top of the Pops: 180° Aus- und Meersicht und zum Trainieren einen Sonnenuntergang, der Brooke-Shields-Fantasien anregt: Die Spieler der USD Elba 2000 Capoliveri, wie der Verein heisst, sind zu beneiden. Ausser dass es bei so einem Namen wenig verwundert, dass keine Fangesänge zu hören sind: “Forza USD Elba 2000 Capoliveri alé”, das führt nirgends hin. Das kann man von keinem verlangen.

Auf Sonntag 11 Uhr ist das Juniorenspiel angesetzt, ich nehme den Weg unter die Sandalen. Gut 70 Väter, Mütter, Geschwister und Freundinnen haben sich auf derDSC01699 mit zum Trocknen aufgehängten Trikots des A-Teams geschmückten Tribüne eingefunden, um entweder die Jünglinge Capoliveris oder eben jene aus der Nähe von Pisa zu unterstützen. Pisa – eine schöne Auswärtsfahrt für 16-Jährige. Bei Anpfiff um 11 müssen die vermutlich um 6 losgefahren sein. Zu dieser Zeit wirft noch nicht einmal der Turm einen schiefen Schatten. Sie scheinen aber ausgeschlafen und dominieren die viel kleiner gewachsenen und schmächtigeren Insulaner von Beginn weg. Napoleon hat hier also eindrückliche Spuren hinterlassen, als er mal ein Jahr lang Inselkaiser sein durfte.

In der Pause möchte ich im Stadionkiosk etwas konsumieren, aber das Angebot ist nicht gut und die Schlange zu lange. So spaziere ich schnell ins Städtchen hoch. DSC01695Ein vermutlich in den Ferien weilender Sienese hat es mit Graffiti verziert, und er hat es allen gezeigt, die im Verdacht stehen, nicht rechts zu sein: Viola Merda auf dem Container, Cosenza Boia auf dem Trafohäuschen und Livornesi Fischverkäufer ebenfalls. Ich finde es gut, wenn man die Ferien nicht nur zum Abschalten nutzt sondern sich auch einbringt am Gastort, mit seinem ganzen Wesen und seinen ganzen schöpferischen Möglichkeiten. Also: Bravo Siena Ultrà, das hast du gut gemacht. Sogar die korrekte Typo kommt zum Zug mit dem lustigen L. L wie Lappi. Beim  Tabacchi gibts ein Pacchi MS DSC01696(Marlboro Siciliani) und den Corriere dello Sport mit den Länderspielergebnissen vom Vorabend. Die studiere ich zur zweiten Halbzeit. Sie bringt ausser einer roten Karte für einen Elbaner – so heissen sie gemäss Fremdenführer – nicht mehr viel, es bleibt bei einem traurigen 0:3. Caput Liberum nannten die Römer die Bewohner der Siedlung auf dem Hügel, weil sie störrisch waren und unabhängig. Von Freien Köpfen konnte die USD Elba diesmal aber nur träumen: Kam mal eine hohe Flanke, stand da immer ein baumlanger Festländler.

Applaus gabs trotzdem für alle, von allen. Sie haben tapfer gekämpft. DSC01707Auch die technisch weniger Beschenkten. Für sie ist der Kunstrasen ein Graus: springende, schnelle Bälle die ganze verdammte Zeit und gegnerische Schönspieler, die sich durch die Reihen doppelpassen, bevor man weiss, wo Norden und Süden ist. Da nützt auch der Delfin im Klubwappen nichts. Da bräuchte es die Beine eines Kraken. Bzw. die Arme. Oder gleich die von dreien.

Es bröckelt in Italiens Stadien

Wednesday, September 30th, 2009

Herr Meier bestärkt uns aufmerksamerweise im Versuch, DRS2 zum neuen Spartensender SPORT-HINTERGRUND umzudeuten: Hier sein Link zu einem kurzen (3:28), aber guten Beitrag zum Zustand des italienischen Fussballs anhand seiner Infrastruktur. Es ist zu hören, dass heute einzig Bari, Rom und Mailand den Uefa-Normen  entsprechen. Wie aber durfte dann gestern die Fiorentina zuhause auf so wunderbare Weise beeindrucken? Heimlich? Haben die Florentiner alle Ortsschilder ersetzt und die Uefa-Offiziellen glauben lassen, sie seien in Apulien? Man wird es, wie so oft, nie erfahren.

Rein mit der Polizei!

Monday, September 28th, 2009

Blick_RomDas möchte jetzt auch der neue SFV-Präsident Peter Gilliéron: dass die Polizei rein geht in die Schweizer Stadien. Weil die Sicherheitsdienste allein der Lage nicht Herr werden. Der BLICK schreibt dazu online ein Textlein, und um die Sache auch artgerecht zu präsentieren, liefert er Bilder. Und ein Video. Aus Rom. Roma-ManUnited, CL, April 2007. Sollte vermutlich Gilliéron in seinem Vorhaben bestärken, lautet doch die Bildlegende: “Solche Bilder sollten bald der Vergangenheit angehören.” Das ist aber doppelt komisch: Erstens wären Polizisten im Stadion ja dann unsere Zukunft und nicht die Vergangenheit. Und zweitens sorgte die (italienische) Polizei genau in diesem Spiel statt für Ruhe für erhebliche Unruhe. So erheblich, dass sich Manchester United zu einer Protestnote veranlasst sah, die Uefa eine Untersuchung einleitete, sich das britische Home Office zu Wort meldete und Francesco Totti sich öffentlich bei einer United-Anhängerin entschuldigte, die erwiesenermassen völlig grundlos zusammengeknüppelt wurde. Es muss halt schnell gehen online, vor allem auch beim Blick. Klar. Trotzdem: Wenn es das ist, was sich der neue Fussballpräsident wünscht, dann herzlichen Glückwunsch.