Archive for the ‘GC’ Category

Nicht ganz verdichtet?

Friday, March 5th, 2010

Im noch genau bis heute Nacht aktuellen “Magazin” wird Zürich beklagt, unter anderem so:

«Verdichtung bedingt eine andere Wertstruktur in den Köpfen», sagt Architekt Marcel Meili. «Verdichtung heisst, einen Neubau zu akzeptieren, auch wenn er dir die Sicht auf den Uetliberg wegnimmt.»
Meili weiss, wovon er redet. Vor sechs Jahren stand sein neues Hardturmstadium vor der Realisierung. Dann zog die Credit Suisse nicht mit, eine spiessige Anwohnerschaft blockte aus egoistischen Gründen. Meili hat das Projekt begraben. Er wird sich nicht am Wettbewerb für die bescheidene Variante eines neuen Hardturmstadions beteiligen.

Jetzt stellen sich natürlich sehr viele Fragen. Zum Beispiel zur Spiessigkeit. Ich kann mich an das kollektive Aufatmen (u.a. in Kommentaren in Tagi und NZZ) erinnern, als das 5-Eck von Meili/Peter letztes Jahr endgültig begraben wurde. Der Tenor war: Diese doofen Anwohner, aber eigentlich hatten sie recht. Eigentlich müssen wir froh sein. Ich weiss nicht, was spiessiger ist für eine, schon rein topografisch, ewige Kleinstadt wie Zürich: dass ein paar keine Lust haben auf ein Monument vor der Haustür oder dass ein paar Lust haben auf zwei leere Stadien statt nur einem.

Erinnert sich noch jemand an die Demo gegen die Verhinderer-Spiesser auf dem Turbinenplatz (auch der müsste vielleicht beizeiten mal einer Spiessigkeitswertung unterzogen werden)? Die FDP machte den Max und Hotz gab auf der Bühne den Empörten und ein paar verwirrte Freunde der dritten Halbzeit freuten sich, endlich einmal in aller Öffentlichkeit kund tun zu dürfen, was sie von Linken halten. Wie verdichtet war denn dieser Anlass? Sieht so der Kampf für das Zürich von morgen aus? Frau Fiala für fünf Ecken?

Und jetzt müssen wir also vernehmen, dass sich Meili/Peter nicht mehr beteiligen, wenn es um den Entwurf eines neuen, kleineren Hardturmstadions geht. Es wollen mir einfach nicht recht die Tränen kommen. Genau so wenig wie es mir gelingt, ein tiefes Leiden zu entwickeln angesichts Zürichs Durchschnittlichkeit. Die Nicht-Spiesser haben ja Easy-Jet. Können shoppen in NY, wenn Apple Europa später bedient mit dem neusten i-Wank. Oder Ferien machen in Dubai. Das ist so verdichtet, da herrscht die reine Progressivität. Fragen Sie Roger Federer.

Blick: interessante Bildwahl

Friday, February 26th, 2010

Am Mittwochabend hatten ein paar Fans im schönen Niederhasli ja die gute Idee, den Repressionsbefürwortern noch ein paar Argumente zu liefern. Sie haben ja sonst zu wenige. Der Tagi war dabei. Und auch der Blick. Das heisst: Der tut zumindest so. Schreibt ein bisschen was und hängt ein Bild dazu. Von den vermummten FCZ-Fans in Niederhasli. Aber ist es wirklich Niederhasli? Steht das Joggeli jetzt im Wehntal? Und sind es wirklich FCZ-Fans? Und ist es im Februar am Abend hell? Nun, das ist ja eigentlich auch völlig egal. Es ist ja online-Journalismus. Da kann man auch mal Hundefleisch ins Sandwich tun.

Blick

David Bowie als Vorbild

Monday, February 8th, 2010

GC-Fans haben es in der Tat nicht leicht dieser Tage. Das eigene Stadion gibt’s nur noch als Buch, die sportlichen Leistungen sind ebenso bescheiden wie der Zuschaueraufmarsch an Heimspielen, und die finanzielle Situation ist so prekär, dass man ohne grosses Nachfragen eckelhaften Betrügern auf den Leim kriecht.

Da mag es nicht verwundern, dass sich immer weniger Leute zu diesem Verein bekennen mögen. Prominente schon gar nicht, die gerade in dieser Situation doch als Vorbilder von immenser Bedeutung wären. Einmal mehr lernen wir: Früher war alles besser. Zeigt zumindest das Beispiel von David Bowie.

Es ist das Jahr 1969. Auch damals steht es um die Grasshoppers nicht gut. Der letzte Meistertitel ist 13 Jahre her, die laufende Saison schliesst GC auf dem erbärmlichen 9. Platz ab, drei Punkte vor einem Abstiegsplatz. Im Cup kommt das Aus gegen B-Ligist Chiasso. Und doch scheut sich der junge David Bowie nicht, im Video zu seinem Welthit “Space Oddity” seine Liebe zum Zürcher Verein offen zu zeigen.

And the stars look very different today (Hier der Link zum Video)

bowie

FWW-Buchhinweis

Friday, January 29th, 2010

Hier wieder einmal ein Buchtipp: Am 8. Februar erscheint (nicht ganz in Echtzeit) “Feld-Wald-Wiese” von Daniel Ryser, ein dünnes Buch, das zu dicken Diskussionen Anlass geben wird und übrigens nichts mit Geografie, Forst- oder Landwirtschaft zu tun hat, sondern mit der Zürcher Hooliganszene. Und nein, es ist nicht so, wie Sie denken. Es ist NICHT in der Tradition englischer oder neuerdings auch deutscher Hooligan-Literatur (hust, hust, hust) gehalten, weil zwar von innen betrachtet, aber immer von aussen beschrieben wird. Davon konnte ich mich an der Lesung im Dezember überzeugen. Mit freundlicher Bestellempfehlung.

Zürcher Südkurve

Friday, January 8th, 2010

“Im Schatten der Westtribüne liegt die Südkurve, in welcher das Fanklubvolk die Stellung hält, den Herren der Haupttribüne schräg gegenüber. “Das ist schon recht, dass die das Geld geben, aber fisi Sieche sind sie trotzdem.” So hat einer aus dem Fahnenwald, dessen Jeansmontur mit Klubabzeichen überdeckt ist, während einer der stillen, trüben Meisterschaftspartien es einmal gesagt. Die Sangeskunst, halb Selbstdarstellung, halb Beschwörungsformel, ist dumpfer, martialischer geworden. “Hardturmleute siegen heute”, hallt es im Sprechchor unnachgiebig aus der Südkurve, auch wenn der Alltag den Hardturm ernüchternd wieder hat und ein paar tausend Unentwegte Nachmittagsruhe zu halten scheinen. “Sieg! Sieg!” wird dazu aus einem Tross gefordert, die Fäuste reihenweise erhoben. Auf den Hardturm kommt die Jugend im Klubtrikot, aber wie es aussieht, ist sie nicht gänzlich abgeneigt, nach eigenem Gesetz inskünftig bandenmässig aufzutreten. Der Taumel der Begeisterung, wenigstens im Fussball soll er sein! Zur Hochstimmung gehören nicht nur am Stadtmatch die Raketen, die knatternd in der Nacht verglühen, die Bierdeckel, die zuhauf über das Gitter geflogen kommen, die Klosettrollen, die als Papierschlangen auf den Rasen niedergehen.”

Vorliegender Auszug stammt aus einem wunderbar anmütigen Zeitungsartikel von Fritz Hirzel vom 9. Oktober 1982, erschienen unter dem seltsamen Titel “Ein Tatort, der Geschichte hat, Planken mit Patina” im Tages-Anzeiger. Ungeachtet dessen, dass es eine Schande ist, nicht den gesamten Text zur Verfügung zu stellen (zu spät, um alles abzutippen, sorry, steigt selber ins Archiv), kommen bei der Lektüre dieser Zeilen ein paar brennende Fragen auf den Tisch: Standen die hartgesottenen GC-Fans früher im Süden ihres Stadions, also in der späteren Auswärtskurve? Benannten sie ihren Standort auch nach der Himmelsrichtung, in der er sich befand, oder tat dies nur der Journalist? Wer hat’s erfunden? Und nicht zuletzt: Warum holt niemand Fritz Hirzel zurück zum Tagi?

3 neue Stadionpostkarten

Wednesday, December 23rd, 2009

Kurz vor Festbeginn sind drei weitere Stadionpostkarten aus der Knapp-daneben-Serie fertig geworden: Hardturm (Kd 06), Cornaredo (Kd 07) und Joggeli (Kd 08), alle 50er Jahre s/w.

Karte kostet 1.50/Stk zzgl. Porto (bis 10 Karten 1.-, ab 11 Karten 1.30).

Ebenfalls weiterhin erhältlich: Maladière 2002 (Kd 01), Hardturm 2008 (Kd 04), Charmilles 1951 (Kd 05). Ausverkauft: Letzigrund by night (Kd 02), Letzigrund by day (Kd 03).

Bestellungen an knappdaneben ( at ) gmail.com

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Der GC-Goethe

Saturday, December 5th, 2009

Jetzt lesen Sie einmal diesen Satz:

Wer aber mit nebligem Visier ins Rennen geht, schlägt in einer Mauer auf.

Dann überlegen Sie, was er bedeuten könnte. Wenn Sie es wissen, raten Sie, von wem er stammt.

Richtig! Von Boris Smiljanic. Er hat ihn in einem Interview mit der NZZ gesagt. Also er wurde gefragt: “Ist es naiv, von Dreijahresplänen auszugehen, die Kontinuität versprechen?” Worauf er geantwortet hat:

Es ist nicht naiv. Aber man muss sich im Klaren sein, was man dazu investieren muss. Wer aber mit nebligem Visier ins Rennen geht, schlägt in einer Mauer auf. Und das ist passiert.

Schon erstaunlich, diese Anpassungsfähigkeit. Ich habe ja schon ein gutes Dutzend Interviews mit Boris Smiljanic gelesen, gehört und gesehen, und sie waren alle irgendwie, naja. Und dann spricht er mit der NZZ, und es kommt ihm nur so über die Lippen. Erstaunlich. Dass er das wirklich gesagt hat. Das neblige Visier. Ganz erstaunlich.

(Übrigens: der Torhüter des VfL Osnabrück heisst Berbig.)

Ein Stück Stadtkultur

Friday, November 13th, 2009

Die Kulanz des Hier+Jetzt-Verlages macht es möglich, dem blossen Hinweis auf das eben erschienene Hardturm-Buch nun auch eine kurze inhaltliche Würdigung folgen zu lassen. Man hält mit den “Erinnerungen an ein aussergewöhnliches Stadion”, wie es im Untertitel heisst, ein schönes Werk in den Händen. Die Fotosammlung des GC-Fans Jens Fischer bildet die Grundlage der Publikation, und es wird an vielen Stellen deutlich, dass hier weniger der Profi mit dem Sinn für Kompositionen und als Moment erfassten Geschichten als eben der Anhänger mit dem Auge fürs Detail an der Arbeit war. Seine Heimat waren zweifelsohne die Stehplätze im Heimsektor, Aufnahmen der Haupt- oder Gästetribüne während eines Spiels fehlen. Das ist zwar bedauerlich, aber verständlich bei einer Publikation, die weniger auf einem Konzept als auf dem Fundus eines “Archivars” basiert.

155_0_umschlag_gross“Der Hardturm” ist ein unverzichtbares Erinnerungsstück für alle, die in diesem Stadion eine Heimat gefunden hatten. Er versetzt aber mit Sicherheit auch jene in Rührseligkeit, die jahrelang skandierend drohten, das Stadion dereinst anzuzünden. Denn so sehr der Hardturm bei Gästefans als verhasste und schwer einzunehmende Festung galt, so deutlich wurde nach seiner Schliessung, welch grosse Lücke in der Stadionlandschaft er hinterlässt. In einem der 20 kurzen Textbeiträge schildert der Autor denn auch prägnant, welche Chance mit dem Abriss vertan wurde. Die alte Haupttribüne zeitgemäss ersetzen, und viele Diskussionen um Euro, Quartierverträglichkeit und Urbanität wären hinfällig geworden.

Nicht immer reicht die Kürze der Texte für so viel Klarheit. So wird die temporäre Besetzung des Hardturm im Sommer 2008 auf irritierende Weise verurteilt und implizit für den späteren Abriss verantwortlich gemacht. Hier hat man offiziellen Verlautbarungen zu sehr Glauben geschenkt: Ob mit oder ohne “Brotäktschen”, wie die Besetzung damals hiess, eine Sanierung des alten Stadions stand nie ernsthaft zur Debatte. Man müsste sich vielmehr glücklich schätzen, atmete der Hardturm vor seinem Ende noch einmal etwas Leben.

Spieltage in Zürich-West waren immer etwas Besonderes, die Erinnerungen an Fantrauben vor dem Restaurant “Stadion” und nach dessen Abbruch vor dem “Hobo”, an die Ansammlungen der Gästefans vor dem “Herdern”, das kurz nach der Stadionschliessung aus lauter Wehmut explodierte – sie sind wach und schmerzen zuweilen. Dass die Grundmauern heute einer reichen Stadtflora Boden bieten, ist ein kleiner Trost. Genau wie das Buch selber. Ein kleiner Trost, der seinen Preis allemal wert ist.

Jens Fischer: Der Hardturm. Erinnerungen an ein aussergewöhnliches Stadion. Hier+Jetzt, Baden 2009. 38 Sfr

Nächste Station: Hier und Jetzt

Monday, November 9th, 2009

155_0_umschlag_grossAngesichts eines Defizits von 10 Millionen Franken und der Aussicht, sich noch bis 2019 mit Boris Smiljanic herumschlagen zu müssen, wird es Anhängerinnen und Anhänger des Grasshopper Club sicherlich freuen, dass auch gute Nachrichten möglich sind in diesen durch und durch trüben Zeiten: Beim Hier+Jetzt-Verlag ist soeben ein Buch über den Hardturm erschienen, das zu kaufen sich sicherlich lohnt. Es ist schon lobenswert genug, dass jemand ein Buch zu einem dahingeschiedenen Stadion macht (wir erinnern uns sehr gern ans Espenmoos-Buch und, Achtung: Ende November kommt ein dicker Ziegel zur Luzerner Allmend). Dass es gerade hier und jetzt erscheint, zeugt zusätzlich von grossem Mut, haben viele GC-Fans ihren letzten Groschen doch dem Verein gespendet. Aber vielleicht kauft ja der Boris mit einem Bruchteilchen seiner zehn noch ausstehenden Jahresgehälter die ganze Auflage (2500) auf und verschenkt sie dem Volk. Das wäre einmal eine Geste.

Übrigens: Beim googeln von “hier jetzt hardturm” stiess ich auf einen Tagi-online-Artikel vom 4. September 2009, der das Kunststück fertig bringt, dem “Stadion” dreimal orthographisch zu huldigen, und zwar auf zwei verschiedene Arten. Bonne nuit.

Tagi-Hardturm

Tagi_Hardturm2

Der Neues-Stadion-Blog

Monday, October 19th, 2009

Diesmal soll alles gut werden und viereckig. Zu diesem Zweck hat die Stadt Zürich einen Neubau-Stadion-Zürich-Blog eingerichtet, auf dem Fussball- und andere Interessierte ihre Wünsche und Vorstellungen platzieren können. Leser Pauletta hat uns freundlicherweise darauf hingewiesen. Wie schwierig auch der zweite Anlauf werden könnte, zeigen die Meinungen, die bisher geäussert wurden. So soll das Stadion wahlweise 20′000 (maximal), 22′000, 25′000 oder gar 30′000 Zuschauer fassen. Aber sehet selbst.