Archive for the ‘GC’ Category

Aus dem Archiv

Saturday, August 21st, 2010

Es gibt in der YB-Gemeinde ja beileibe nicht nur Freundinnen und Freunde der 3. Phase, der Einwechslung Kaenzigs anstelle von Niedermaier. Im Gegenteil. Es soll Leute geben, die seither mit “Ilja des problèmes”-Shirts an die Spiele gehen. Ohne hier in Berner Machtspiele eingreifen zu wollen, möchte ich doch ein – im Fall authentisches – Dokument präsentieren, das ein bisschen beweist, wie vorausschauend Herr Kaenzig schon vor 13 Jahren war, als “Transfer-Koordinator” von GC. Er war Abonnent Nummer 3 des Fanzines und damit Entdecker erster Stunde von “Knapp daneben”, einem BRAND, dem in der Zwischenzeit immerhin dieser hochprofessionelle Blog entsprungen ist, den zu lesen SIE sich ja offenbar nicht zu schade sind. Also geben Sie Herrn Kaenzig die Chance, die er verdient. Auch wenn er, ich muss es in dieser Deutlichkeit sagen, sein Abo damals nie bezahlt hat. Es wären fünfzehn Franken gewesen.

Und à propos Fanzines: Einige wenige der 14 erschienenen Knapp-daneben-Ausgaben sind noch erhältlich (für Herrn Kaenzig aber nur gegen Vorauskasse). Details hier nebenan bei den SEITEN unter “Knapp daneben Fanzines“.

Schnelle Hoppers

Wednesday, April 14th, 2010

Das Klischee des langsamen Berners kennen wir alle. Und das des hektischen Zürchers auch. Schön, wenn beide gepflegt werden wie im Spielbericht des gestrigen Spiels der Young Boys bei den Grasshoppers.

Und auch Marc Schneider, der fast ein Eigentor erzielt hätte stellte klar: „Die Grasshoppers waren immer einen Schritt schnelle

Und schon waren sie wieder weg. Das R schaffte es nicht mal bis zum Mikrofon.

Das Hochrisikospiel

Friday, April 9th, 2010

Am Sonntag um 16 Uhr spielt der FC Zürich im Letzigrund gegen den FC Basel. Die Partie wird als so genanntes Hochrisikospiel eingestuft. Völlig zurecht.

Am Ostermontag kesselte die Polizei nach dem Derby 250 GC-Fans ein und nahm ihre Personalien auf. Es war zuvor zu keinen Gewalttätigkeiten gekommen, es ging ums Sammeln von Daten eventueller Gewalttäter. Die GC-Anhänger sind erbost. Den Anhängern des FC Basel ist etwas Ähnliches seitens der Zürcher Polizei schon einmal widerfahren, nur etwas intensiver: Man nennt es den “Kesssel von Altstetten” – über 400 Verhaftungen, am Ende 5 Anzeigen. Die Fans des FC Basel haben seither Einkesselungen nicht mehr so gerne. Doch sie sollten mit allem rechnen, schliesslich wohnen sie einem Hochrisikospiel bei.

Vielleicht sind die Fans des FC Basel, wenn es dann zum Kessel kommt, ja sehr entspannt und nehmen es mit Humor. Vielleicht sind sie aber auch ein bisschen angesäuert. Sie werden während des Spiels im Letzigrund nämlich von einer Sicherheitsfirma bewacht, die Leute anstellt, die gerne auf Fussballfans oder Demonstranten eindreschen (bzw. diese “ficken”, um im O-Ton zu bleiben). Das letzte Mal war dies in St. Gallen der Fall, als der FC Basel zu Gast war. Die Sicherheitsleute haben dort so gründlich “gefickt”, dass mehrere Basler Verletzungen davon trugen. Die Staatsanwaltschaft hat reagiert – und zehn Basler dem Schnellrichter zugeführt. Am Verhalten der Sicherheitsleute konnte der Staatsanwalt nichts Falsches erkennen. Und so wird es mit Sicherheit ein freudiges Wiedersehen beim Eingang zum Gästesektor, wenn der Sicherheitsmann dem FCB-Fan mit der Autorität des integren Berufsmannes befiehlt: “Beine spreizen, Jacke öffnen, Taschen leeren.”

Wer Hochrisikospiele will, bekommt sie. Ob mit oder ohne Zutun der Fans.

250 Chaoten oder polizeiliche Zufallsfunde?

Wednesday, April 7th, 2010

Polizei stoppt 250 Chaoten

So titelt der Tages-Anzeiger online nach dem Derby FCZ-GC vom Ostermontag. Seine Informationen hat er ausschliesslich von der Medienstelle der Stadtpolizei Zürich.

In Tat und Wahrheit war dies jedoch eine Ansammlung von normalen Stadionbesuchern, die einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

Das schreibt die IG GC Züri in ihrem Communiqué von heute Mittwoch. Sie, liebe Leserin, lieber Leser, haben damit die seltene Gelegenheit, ein Ereignis, das in den Mediendatenbanken unter “Fussballgewalt” abgelegt werden wird, aus zwei Perspektiven nachzulesen. Und dann zu urteilen. Oder sich zu entscheiden, dass ein Urteil aufgrund der vorliegenden Informationen nicht möglich ist.

Eine Bemerkung noch: Ende September 2009 hat das Zürcher Stimmvolk überdeutlich Ja gesagt zur polizeilichen Datenbank GAMMA, in der präventiv so genannt Gewalt suchende Sportfans registriert werden. Kritiker der Vorlage gaben damals zu bedenken, “Gewalt suchend” sei ein Gummibegriff, der der Polizei einen inakzeptablen Spielraum lasse.

Nachtrag 9. April: Hier erklärt  Stadtpolizei-Sprecher Marco Cortesi (gegen Ende des Beitrags) mehr oder weniger transparent, welche Strategie die Polizei bei solchen Aktionen verfolgt. Aufhorchen lässt hier u.a. die Aussage, man sammle Daten von Gewaltbereiten “für Gamma oder für Hoogan”. Das Hooligangesetz BWIS II sieht nicht vor, irgendwelche Leute von der Strasse zu registrieren. Die Unschuldsvermutung gilt zwar bei Hoogan genauso wenig wie bei Gamma, doch Grundlage für einen Hoogan-Eintrag ist immer noch eine Massnahme gemäss BWIS, d.h. ein Rayon- oder Stadionverbot, Meldepflicht oder Ausreisebeschränkung. Es ist immer ein bisschen unangenehm zu erfahren, dass die Polizei zum Teil selber nicht genau weiss, was die Polizei soll und darf.

“Unschöne Lärm- und Pfeifkonzerte”

Tuesday, March 23rd, 2010

Leser Michael v. L. erfreut uns mit der Zusendung eines wissenschaftlichen Kommentars zum aktuellsten Kapitel Zürcher Stadiongeschichte. Hier ist, was er schreibt:

Das Aufbegehren der Altstettner Kleingärtner gegen ein geplantes Eishockey- und dereinst vielleicht auch Fussballstadion in Zürich ist die jüngste Episode eines jahrzehntelangen Ringens. Das zeigt ein Blick in das Archiv des Vereins für Familiengärten Zürich. 1936 beklagt sich der Verein im Jahresbericht, die Bevölkerung wisse alles über sämtliche Fussball- und Athleten-Klubs, während der Verein unbekannt sei. Deshalb müsse man hinten anstehen, wenn es um die Landvergabe gehe. Dabei sei doch da «Resultat» «im Wert ein rein Theoretisches». «Und wir? F ü r u n s sollte doch das p r a k t i s c h e Resultat sprechen: Über eine Million Produktionswert, praktische Landesverteidigung, Gesundheitsförderung, Zusammenarbeit in der Familie, beste Ausnützung der Freizeit, Erziehung zur Bodenständigkeit, Entvölkerung der Strasse von Kindern, Arbeitslosen, Bummlern. Bei uns über 5000 M i t w i r k e n d e, ohne Zuschauer, dort eine kleine Gruppe Tätiger mit einer Masse Bewunderer und Kritiker. Sicher kommt die Zeit, da auch unsere Arbeit die richtige Würdigung findet. Lassen wir uns nicht entmutigen.»

SchrebergartenDie Kleingärten sind aus einer Bewegung um die Wende zum 20. Jahrhundert hervorgegangen – zu einer Zeit, als das Schlagwort „zurück zur Natur“ ein erstes Mal geprägt wurde, gut 70 Jahre vor der Öko-Bewegung. Die Gärten wurden von wohlmeinenden Bürgern für die Arbeiterschaft eingerichtet. Diese sollte, nicht zuletzt durch ein strenges Regelwerk, dem bürgerlichen Ideal entsprechend geformt werden. Der Garten sollte ein Gegengewicht sein gegen allerlei Auswüchse der modernen Stadt – von der „ungesunden“ Wohnung bis zum „ungesunden“ Freizeitverhalten. Der Fussball wurde Letzerem zugerechnet. Noch in den 50er-Jahren hebt der Verein die «die volkshygienische und ethische Bedeutung unserer Kleingärten» hervor und schreibt: «Der Familiengarten ist in erster Linie der Gesundbrunnen für die in Fabriken, Bureaus und Werkstätten tätige und in Mietskasernen wohnhafte Bevölkerung. (…) So wagen wir denn die kühne Behauptung aufzustellen, die Erstellung von Kleingärten sei für die Volksgesundheit und die vernünftige Ausfüllung der Freizeit ebenso notwendig und wichtig wie die Schaffung von Sport- und Spielanlagen.» Das Lamento schliesst mit dem schönen Satz, die Gärten fügten sich mindestens so gut ins Stadtbild ein wie «eine Fussballtribüne oder mannshohe Bretterwände, hinter denen junge und alte Sportfanatiker ihre unschönen Lärm- und Pfeifkonzerte abzuhalten pflegen!» Damals gabs halt den Südkurven-Chor noch nicht.

Nicht ganz verdichtet?

Friday, March 5th, 2010

Im noch genau bis heute Nacht aktuellen “Magazin” wird Zürich beklagt, unter anderem so:

«Verdichtung bedingt eine andere Wertstruktur in den Köpfen», sagt Architekt Marcel Meili. «Verdichtung heisst, einen Neubau zu akzeptieren, auch wenn er dir die Sicht auf den Uetliberg wegnimmt.»
Meili weiss, wovon er redet. Vor sechs Jahren stand sein neues Hardturmstadium vor der Realisierung. Dann zog die Credit Suisse nicht mit, eine spiessige Anwohnerschaft blockte aus egoistischen Gründen. Meili hat das Projekt begraben. Er wird sich nicht am Wettbewerb für die bescheidene Variante eines neuen Hardturmstadions beteiligen.

Jetzt stellen sich natürlich sehr viele Fragen. Zum Beispiel zur Spiessigkeit. Ich kann mich an das kollektive Aufatmen (u.a. in Kommentaren in Tagi und NZZ) erinnern, als das 5-Eck von Meili/Peter letztes Jahr endgültig begraben wurde. Der Tenor war: Diese doofen Anwohner, aber eigentlich hatten sie recht. Eigentlich müssen wir froh sein. Ich weiss nicht, was spiessiger ist für eine, schon rein topografisch, ewige Kleinstadt wie Zürich: dass ein paar keine Lust haben auf ein Monument vor der Haustür oder dass ein paar Lust haben auf zwei leere Stadien statt nur einem.

Erinnert sich noch jemand an die Demo gegen die Verhinderer-Spiesser auf dem Turbinenplatz (auch der müsste vielleicht beizeiten mal einer Spiessigkeitswertung unterzogen werden)? Die FDP machte den Max und Hotz gab auf der Bühne den Empörten und ein paar verwirrte Freunde der dritten Halbzeit freuten sich, endlich einmal in aller Öffentlichkeit kund tun zu dürfen, was sie von Linken halten. Wie verdichtet war denn dieser Anlass? Sieht so der Kampf für das Zürich von morgen aus? Frau Fiala für fünf Ecken?

Und jetzt müssen wir also vernehmen, dass sich Meili/Peter nicht mehr beteiligen, wenn es um den Entwurf eines neuen, kleineren Hardturmstadions geht. Es wollen mir einfach nicht recht die Tränen kommen. Genau so wenig wie es mir gelingt, ein tiefes Leiden zu entwickeln angesichts Zürichs Durchschnittlichkeit. Die Nicht-Spiesser haben ja Easy-Jet. Können shoppen in NY, wenn Apple Europa später bedient mit dem neusten i-Wank. Oder Ferien machen in Dubai. Das ist so verdichtet, da herrscht die reine Progressivität. Fragen Sie Roger Federer.

Blick: interessante Bildwahl

Friday, February 26th, 2010

Am Mittwochabend hatten ein paar Fans im schönen Niederhasli ja die gute Idee, den Repressionsbefürwortern noch ein paar Argumente zu liefern. Sie haben ja sonst zu wenige. Der Tagi war dabei. Und auch der Blick. Das heisst: Der tut zumindest so. Schreibt ein bisschen was und hängt ein Bild dazu. Von den vermummten FCZ-Fans in Niederhasli. Aber ist es wirklich Niederhasli? Steht das Joggeli jetzt im Wehntal? Und sind es wirklich FCZ-Fans? Und ist es im Februar am Abend hell? Nun, das ist ja eigentlich auch völlig egal. Es ist ja online-Journalismus. Da kann man auch mal Hundefleisch ins Sandwich tun.

Blick

David Bowie als Vorbild

Monday, February 8th, 2010

GC-Fans haben es in der Tat nicht leicht dieser Tage. Das eigene Stadion gibt’s nur noch als Buch, die sportlichen Leistungen sind ebenso bescheiden wie der Zuschaueraufmarsch an Heimspielen, und die finanzielle Situation ist so prekär, dass man ohne grosses Nachfragen eckelhaften Betrügern auf den Leim kriecht.

Da mag es nicht verwundern, dass sich immer weniger Leute zu diesem Verein bekennen mögen. Prominente schon gar nicht, die gerade in dieser Situation doch als Vorbilder von immenser Bedeutung wären. Einmal mehr lernen wir: Früher war alles besser. Zeigt zumindest das Beispiel von David Bowie.

Es ist das Jahr 1969. Auch damals steht es um die Grasshoppers nicht gut. Der letzte Meistertitel ist 13 Jahre her, die laufende Saison schliesst GC auf dem erbärmlichen 9. Platz ab, drei Punkte vor einem Abstiegsplatz. Im Cup kommt das Aus gegen B-Ligist Chiasso. Und doch scheut sich der junge David Bowie nicht, im Video zu seinem Welthit “Space Oddity” seine Liebe zum Zürcher Verein offen zu zeigen.

And the stars look very different today (Hier der Link zum Video)

bowie

FWW-Buchhinweis

Friday, January 29th, 2010

Hier wieder einmal ein Buchtipp: Am 8. Februar erscheint (nicht ganz in Echtzeit) “Feld-Wald-Wiese” von Daniel Ryser, ein dünnes Buch, das zu dicken Diskussionen Anlass geben wird und übrigens nichts mit Geografie, Forst- oder Landwirtschaft zu tun hat, sondern mit der Zürcher Hooliganszene. Und nein, es ist nicht so, wie Sie denken. Es ist NICHT in der Tradition englischer oder neuerdings auch deutscher Hooligan-Literatur (hust, hust, hust) gehalten, weil zwar von innen betrachtet, aber immer von aussen beschrieben wird. Davon konnte ich mich an der Lesung im Dezember überzeugen. Mit freundlicher Bestellempfehlung.

Zürcher Südkurve

Friday, January 8th, 2010

“Im Schatten der Westtribüne liegt die Südkurve, in welcher das Fanklubvolk die Stellung hält, den Herren der Haupttribüne schräg gegenüber. “Das ist schon recht, dass die das Geld geben, aber fisi Sieche sind sie trotzdem.” So hat einer aus dem Fahnenwald, dessen Jeansmontur mit Klubabzeichen überdeckt ist, während einer der stillen, trüben Meisterschaftspartien es einmal gesagt. Die Sangeskunst, halb Selbstdarstellung, halb Beschwörungsformel, ist dumpfer, martialischer geworden. “Hardturmleute siegen heute”, hallt es im Sprechchor unnachgiebig aus der Südkurve, auch wenn der Alltag den Hardturm ernüchternd wieder hat und ein paar tausend Unentwegte Nachmittagsruhe zu halten scheinen. “Sieg! Sieg!” wird dazu aus einem Tross gefordert, die Fäuste reihenweise erhoben. Auf den Hardturm kommt die Jugend im Klubtrikot, aber wie es aussieht, ist sie nicht gänzlich abgeneigt, nach eigenem Gesetz inskünftig bandenmässig aufzutreten. Der Taumel der Begeisterung, wenigstens im Fussball soll er sein! Zur Hochstimmung gehören nicht nur am Stadtmatch die Raketen, die knatternd in der Nacht verglühen, die Bierdeckel, die zuhauf über das Gitter geflogen kommen, die Klosettrollen, die als Papierschlangen auf den Rasen niedergehen.”

Vorliegender Auszug stammt aus einem wunderbar anmütigen Zeitungsartikel von Fritz Hirzel vom 9. Oktober 1982, erschienen unter dem seltsamen Titel “Ein Tatort, der Geschichte hat, Planken mit Patina” im Tages-Anzeiger. Ungeachtet dessen, dass es eine Schande ist, nicht den gesamten Text zur Verfügung zu stellen (zu spät, um alles abzutippen, sorry, steigt selber ins Archiv), kommen bei der Lektüre dieser Zeilen ein paar brennende Fragen auf den Tisch: Standen die hartgesottenen GC-Fans früher im Süden ihres Stadions, also in der späteren Auswärtskurve? Benannten sie ihren Standort auch nach der Himmelsrichtung, in der er sich befand, oder tat dies nur der Journalist? Wer hat’s erfunden? Und nicht zuletzt: Warum holt niemand Fritz Hirzel zurück zum Tagi?