Archive for the ‘Frankreich’ Category

Le Ballbesitz n’existe pas

Friday, February 26th, 2010

Ein Sportwissenschafter in Diensten des OSC Lille hat mithilfe technischer Geräte errechnet, dass ein durchschnittlicher Profi seines Teams heute gerade mal eine knappe Minute lang in Ballbesitz ist. Pro Spiel. Die restlichen 89 Minuten rennt er dann eigentlich mehr oder weniger orientierungslos übers Feld. So ist das. Und erfurlan-sparwasser-540x304 rennt ja viel, das weiss man mittlerweile ja, zehn Kilometer oder mehr. Was aber an der Studie auch noch interessant ist: Auf welcher Position hat man wohl überdurchschnittlich viel Ballbesitz? Und rennt dabei überdurchschnittlich schnell? Nein, nicht im Tor. Aussen Mitte.

Aber lesen Sie doch selbst. Danke Deutschlandfunk. Und danke, Massimo Furlan. Der auf dem Bild zu sehende Künstler hat die Forschungsergebnisse nämlich bereits vor einer Weile erahnt, als er anfing, grosse Spiele allein und ohne Ball nachzustellen. Hier ist er gerade Jürgen Sparwasser.

Youri, ähem, Djorkaeff

Thursday, February 26th, 2009

Ich habe diesen Spieler immer gemocht. Als Spieler. Grossartig, und es fehlte diese letzte, unsympathische Entschlossenheit. Deshalb sehr sympathisch. Jetzt singt er. Du meine, meine Güte. Mon dieu. Das Lied -- ok. Es wird niemand gezwungen, es zu Ende zu hören. Die Bekleidung -- ok. Irgendjemand muss das ja tragen. Sonst landet es von der Beate Uhse direkt im Texaid-Sack. Und jetzt alle zusammen: Leben in deinem Licht!

“Oh la la!”

Thursday, January 15th, 2009

Die Wechselwirkung zwischen Playstation und realem Fussball wird seit längerem diskutiert. Das Tor des Girondins Gourcuff zum 3:0 gegen PSG trägt dazu bei, dass der Gesprächsstoff nicht ausgeht. “Oh la la” sagt der Kommentator:

Si-nnentleert

Monday, December 8th, 2008

“Hohe Haftstrafe für Marseille-Hooligan”, überschreibt die Agentur Sportinformation (Si) eine Kurzmeldung vom Samstag. Inhalt:

“Ein Madrider Gericht verurteilte einen französischen Hooligan (34) im Schnellverfahren wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, Körperverletzung und Anstiftung zur Gewalt zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Das Gastspiel von Atlético Madrid in der Champions League am kommenden Dienstag bei Olympique Marseille hat dadurch weiteren neuen Zündstoff erhalten.”

Genau, das Gastspiel von Atlético. Was war da noch im Hinspiel? Richtig. Atlético-Anhänger, die ja auch mittels Transparent dem abgelebten Jörg Haider den ewigen Frieden wünschten, hatten Marseille-Spieler rassistisch beleidigt, was deren Fans in Wallung brachte. Zudem – wie zynisch – wollte ausgerechnet Atleticos Sicherheitschef in der OM-Zaunfahne “Comando Ultra 84″ eine rassistische und gewaltverherrlichende Botschaft entdeckt haben. Ordner wurden beauftragt, die Fahne zu entfernen, was sie nicht schafften (klingt etwas an?). Darauf schritt die Polizei ein. Und zwar so heftig, dass die nicht unbedingt für Fan-Freundlichkeit bekannte Uefa Atlético mit zwei Geisterspielen (später reduziert auf eines) für den Rassismus, die unnötig provozierten Ausschreitungen und alle anderen Unzulänglichkeiten bestrafte. Über all dies hatte ja auch die Si berichtet. Der vermeintliche Hooligan, der nun eiligst zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde, war einer jener Fans, die sich erst über die rassistischen Beleidigungen aufgeregt und danach gegen Polizei und Ordner zur Wehr gesetzt hatten. Wer mag, kann sich hier selbst ein Urteil bilden in der Frage, von wem die Gewalt ausging. Der Verurteilte ist, mit geringem Recherche-Aufwand, darauf zu erkennen. Wenn mich nicht ganz alles täuscht, sucht er vergeblich den Dialog mit der Polizei.

Die Si ist leider bekannt sowohl für die sinnentleerte Verwendung des Hooligan-Begriffs als auch für die Verbreitung falscher Nachrichten, wenn es um Ausschreitungen oder Übergriffe geht. Das ist deshalb fatal, weil sämtliche Tages- und Sonntagszeitungen die Dienste der Agentur in Anspruch nehmen. Ungern erinnern wir uns an die “Schläger aus Graz”, die in Budapest beim Spiel gegen Honved gewütet haben sollen. In Wirklichkeit – und wie z.B. die Si-Kundin NZZ Tage später richtig stellen musste – schlugen als Ordner getarnte Honved-Hooligans und Polizei blind auf die Gästefans ein. Was sich die Si nun aber im Fall des OM-Supporters Santos erlaubt, geht auf keine Kuhhaut. Sind bei denen wirklich alle zu faul, um mal 1-2 Beiträge aus internationalen Medien zu lesen, bevor sie so eine Meldung schreiben und verschicken? Und Zeitungen wie die NZZ, sollten die bei Hooligan- und Fan-Nachrichten aus dem Hause Sportinformation nicht endlich mal ein wenig vorsichtiger werden?

Dreieinhalb Jahre für Widerstand gegen die Staatsgewalt, Körperverletzung und Anstiftung zur Gewalt – allein das Strafmass zeigt, dass hier etwas nicht stimmen kann. Liberté pour Santos.

Hymnen-Hypochonder

Tuesday, December 2nd, 2008

Es ist jetzt auch schon wieder ein paar Wochen her, aber das Thema ist von einer beinahe zeitlosen Brisanz: Am 14. Oktober haben Leute (es wird vermutet: junge, mit nordafrikanischen Wurzeln) in Paris die “Marseillaise” ausgepfiffen. Vor dem Spiel Frankreich-Tunesien. Und es war nicht das erste Mal. Gegen Marokko und gegen Algerien war es auch schon passiert. Jetzt hat es Sarkozy und seinen Ministern den Deckel gelupft: Alles was recht ist, mais pas la Marseillaise! Spiele, vor denen die Hymnen ausgepfiffen werden, sollen gar nicht erst angepfiffen werden -- so die Idee. Und die ist offenbar ernster als vermutet. Grosse schwarz-weisse Zeitungen haben ironiefrei darüber berichtet.

Und jetzt? Über die Umsetzbarkeit eines solchen Vorhabens kann Carla Bruni ja mal ein Lied schreiben. “Quelqu’un a dit” wäre ein guter Titel, aber den hat sie leider schon früher verbraten. In ihrer pre-Sarkozy-Phase. Aber gut. “Die Landeshymnen sind ein alter Zopf, der abgeschnitten gehört”, hat mal jemand zum musikalischen Vorspiel bei Länderspielen gesagt, und das stimmt wohl auch, gerade nach Meldungen wie der erwähnten. Als Schweizer unterschreib ich das sofort. Ich bin in meinem Leben noch nie im Morgenrot dahergetreten. Kann gut ohne. Aber dann kommen halt doch Zweifel. Wenn ich an die bulgarische denke zum Beispiel. Oder die russische natürlich. Oder -- God save the queen.

1996 durften wir ja das Eröffnungsspiel bestreiten im Wembley. Und davor gabs natürlich Hymnen. Und die hab ich jetzt per Zufall gefunden. Also eine von beiden:

Ja, wie soll man nach sowas noch für die Abschaffung sein? Schauen Sie sich Tony Adams an! Der macht den hohlen Rücken, damit er noch lauter wird! Oder Stuart Pearce! Der Kerl war ja am Vorabend beim Reunion-Konzert der Sex Pistols -- merkt man davon etwas? Nicht im geringsten! Und wäre Gary Neville damals nicht totenbleich dagestanden und hätte als einziger den Mund nicht aufgemacht, die Geschichte mit dem Konzert wäre wahrscheinlich gar nie ausgekommen. Pearce, der alte Punk, hat Neville nämlich mitgenommen damals, damit der mal richtige Musik hört. Und Steve McManaman war glaub ich auch dabei. Aber der scheints besser vertragen zu haben. 

Würde dieser Blog über eine Voting-Funktion verfügen, die Frage würde nun lauten:

- Hymnen: Ja oder Nein?

Sie können froh sein, gibt es diese Funktion nicht, denn die Entscheidung ist sehr schwer.