Archive for the ‘FCZ’ Category

Philipp Köster über das Buch “Flachpass”

Monday, August 29th, 2011

An dieser Stelle wie immer etwas Eigenwerbung. 11freunde-Chefredaktor Philipp Köster begründet als Jury-Mitglied der Akademie für Fussballkultur, warum er aus allen in den den letzten 12 Monaten erschienenen Fussballbüchern “Flachpass – Die Bar im Letzigrund” für den Deutschen Fussballbuchpreis 2011 vorschlägt:

Was suchen die Menschen beim Fußball? Eine Frage, die in den letzten zwanzig Jahren viel zu selten gestellt worden ist. Sonst gäbe es vielleicht nicht so viele Sitze aus Hartplastik in den Stadien, würden die Anhänger vor dem Anpfiff nicht mit Kirmestechno beschallt und kämen österreichische Getränkehersteller nicht auf die Idee, Fußballklubs zu kaufen.

Andrea Fischer, Christine Steffen, Pascal Claude und Saro Pepe fanden im Jahre 2002, dass die Menschen noch etwas anderes suchen als Videowürfel und Bier aus der Spritzpistole. Sie machten im Zürcher Letzigrund eine Stadionbeiz mit Blick aufs Trainingsgelände auf. Fortan wurde die »Flachpassbar« zum Treffpunkt für Spieler, ihre Familien, Funktionäre und Fans. Vor, nach, während und zwischen den Spielen drängelte man sich am Tresen, unter den Wimpeln und Pokalen, mit denen die Wirte in liebevoller Kleinarbeit die Kneipe dekoriert hatten. Und über die Jahre füllten nicht nur die Menschen, sondern auch die Geschichten die Räume.

Unvergessen, wie die »Flachpassbar« als einzige Kneipe mit polnischem Decoder das Züricher Auswärtsspiel in Warschau übertrug und siebenhundert, achthundert Menschen ein Bierfass nach dem anderen leerten. Wie Gästespieler Marc Zellweger die Aufforderung eines Zürcher Anhängers mit Gebissfehlstellung, doch mal zum Friseur zu gehen, mit dem Hinweis auf einen Besuch beim Zahnarzt konterte. Wie Christian Gross bei der Querung des Lokals in den Hintern getreten wurde. Und wie die Gäste der Fachpassbar den Siegern des Cup-Viertelfinales in Basel einen rauschenden Empfang bereiteten.

Unzählige Geschichten können die Gäste dieser Bar erzählen. Und eben darum erzählen nun die Wirte, Gäste und Freunde der Bar ihre Geschichte. In »Flachpass« setzen sie einer ungewöhnlichen, Herz erwärmenden und mittlerweile mit dem alten Stadion abgerissenen Gaststätte ein Denkmal, literarisch, fotografisch, zeichnerisch .»Es soll zur Frage führen, was die Menschen zum Fußball zieht, heute und in Zukunft. Und wo sie das, was sie suchen, dereinst finden werden«, schreiben Andrea Fischer, Christine Steffen, Pascal Claude und Saro Pepe. Und geben in diesem Buch, so charmant und unaufgeregt, wie es wohl nur Schweizer können, ihre Antwort darauf.

Das Buch gibt es weiterhin über flachpassbuch@gmail.com, Einblicke und Kritiken auf www.flachpass.ch

“Hauptsache schwarz” … (reloaded)

Monday, August 29th, 2011

(Aufgrund einer ausführlichen Klarstellung von Schützi TV und einer Antwort meinerseits kommt dieser Beitrag heute noch einmal zuoberst hin)

… schreibt Leser Markus, und zeigt sich erstaunt über die Arbeit der SRF-Bildredeaktion. Die hat in ihrem gestrigen Sportpanorama-Beitrag über Studiogast Emeghara ein Bild verwendet, das die schnellen Karriereschritte des Stürmers illustrieren soll – Emeghara im FCZ-Dress. “Nur ist auf der Foto nicht der Nigerianer Emeghara zu sehen, sondern der Dominikaner Javier Santana. Ist das nicht herzig?”, fragt Markus. Und wer sich nun wiederum fragt, wie sich unser Leser da so sicher sein kann: Markus hat das besagte Bild selbst geschossen. Damals, für den fcz.watchblog. Ob SRF bei ihm wegen der Rechte nachgefragt hat? Nicht doch. Kann man nicht auch noch erwarten, bei so viel Dunkelheit.

Keine Militanz

Monday, August 22nd, 2011

Einen gewagten, auf jeden Fall aber höchst aussergewöhnlichen Beitrag über einen gefühlten Schweizer Spitzenklub liefert uns heute die NZZ:

Es ist ein hässliches Wort: Aber wenn es etwas gibt, was diesem Team wesensfremd ist, dann ist es der sogenannte Killerinstinkt, die Militanz, eiskalt zu sein. Aber so sind nicht nur die meisten Spieler, so ist der ganze FC Zürich. Und so möchte er auch sein.

Lesen Sie diesen wunderbaren Beitrag Text in voller Länge hier.

Interessante Bildwahl VIII und mehr

Friday, August 19th, 2011

Es wurde ja wieder viel fotografiert, geschrieben und online gestellt in den letzten Tagen. Es ist eine Freude. So kommt man gern aus den Ferien heim, wo ein altertümlicher Glaskasten am Verkehrskreisel die einzige, schöne Fussballreminiszenz war. Irgendwo lag noch die NZZamSonntag von vorvorletzter Woche: ein grosses Gruppenfoto glücklicher Genfer Gesellen, und mitten drin ein fast zugbereiter Joint. What a Schnappschuss! Der junge Mann im schwarzen Tanktop wird sich gefreut haben. Man erkennt ihn sozusagen überhaupt nicht. Seine einzige Hoffnung: dass in seinem Umfeld niemand die NZZamSonntag liest. Immerhin eine begründete, diese Hoffnung.

Joints wurden ja vom Hörensagen und -lesen auch in München ein paar gedreht – und fotografiert. Aber mit weniger schmeichelhaft prominenter Wirkung als in Genf. 20minuten macht aus den Kiffern unter den 49 in München Verhafteten Gewalttäter, indem das Blatt – oder was ist es eigentlich? Ein Blatt? Ein Medium? Eine Blattform? Eine Plattform? Eine Strafe Gottes? – den Beitrag zu den Zürchern im Freistaat Bayern unter “Münchner Polizei verhaftet 49 FCZ-Hooligans” verlinkt. Im Beitragstitel selber werden aus den Hooligans dann Fans, aber hey: geschenkt! Wer macht da online heute noch einen Unterschied?

Auch wie immer fantastisch viel Recherche-Aufwand betreibend: Walders Kinder vom Newsroom an der Dufourstrasse. Nicht, dass es reichte, die München-Geschichte mit irgendeinem, wirklich einfach irgendeinem Bild maxender Hooligan-Ultra-Fans zu bestücken, nein, es muss dann ja auch grad eines sein, das mehrfach verwendet wird. Hier bei knappdaneben.net diente es vor 16 Monaten immerhin der Lancierung der Serie “Interessante Bildwahl”, wofür wir natürlich danke sagen. Was hätte man sonst zu tun, in all der freien Zeit? Man käme noch auf den Gedanken, ein Buch zu lesen. Oder die NZZ.

Aber eben, die NZZ. Noch nie wahnsinnig viel in neue Medien investiert. Ausser an der VR-Sitzung. Die werde, so heisst es, hinter iPads abgehalten. Für die Sache mit den 49 Zürchern in München hat man sich beim SI-Sportticker bedient. Immer ganz gefährlich, die SI. Brandgefährlich. Immer für abenteuerliche Ausflüge in die Welt der Fan-Gewalt berüchtigt. Diesmal haben sie der NZZ ein ganz besonderes Bild untergejubelt: eines aus der Bundesliga, irgendeine Rauferei bei Tageslicht zwischen irgendwelchen so genannten Ultrahooligans und der Polente. Die SI macht daraus im Handumdrehen Bayern-FCZ – und NZZ-online frisst’s. Immerhin, wenn auch nur einen Steinwurf entfernt: Die Falken- ist nicht die Dufourstrasse. Ofenbar darauf hingewiesen, hat die Online-Redaktion das Bild heute entfernt. Jetzt steht dort im Titel nur noch:

49 Zürcher Ultras vorübergehend festgenommen

Und im Lead, gleich anschliessend:

Die Münchner Polizei nimmt Hooligans fest

Aber eben: In Deckung vor der SI – wenn sie schiesst, dann mit scharf!

Soll es das schon gewesen sein? Nein, meine Damen und Herren! Noch ist die Welt nicht verloren. Noch schafft es ein letzter Sonnenstrahl über den Horizont. Er heisst diesmal Beobachter. Und interviewt Rechtsanwältin Manuela Schiller zur präventiven Verhaftung 32 wie es heisst gewaltbereiter Zürcher vor dem Rückspiel gegen Lüttich. Erinnert sich noch jemand? Läuft unter ferner liefen. Lief früher unter rechtsstaatlich bedenklich. Läuft heute im Betriebssystem KKS 2.0

Ich kann mit Gewalt und Zerstörung nichts anfangen. So wenig wie mit der Welt­anschauung vieler meiner Klienten. Aber es gibt rechtsstaatliche Grundsätze wie die Unschuldsvermutung. Die kann man nicht über Bord werfen, nur weil uns gewisse Leute nicht passen. Zudem ­hätte es andere Möglichkeiten gegeben, drohende Ausschreitungen zu verhindern.

Das unter anderem sagt Frau Schiller. Und noch mehr.

Falsche Rayonverbote, richtige Kosten

Friday, July 8th, 2011

Wie Polizei und Haftrichter mitdrehen an der Kostenspirale im Zusammenhang mit Fussballspielen, ist auf der Homepage der Zürcher Südkurve ausführlich nachzulesen.

Erachten sich die Fans als unschuldig, müssen sie die bereits ausgesprochenen Rayonverbote innert Frist anfechten. Es kommt zu kostspieligen Verfahren vor dem Bezirks- in manchen Fällen gar vor dem Verwaltungsgericht in zweiter Instanz. (…) Obsiegen die Fans im Verfahren jedoch, ist es die öffentliche Hand, die für die Kosten aufzukommen hat. Die Gleichung ist dabei einfach: Je länger und komplizierter das Verfahren, desto teurer wird’s.

Was ist ein “FCZ-Schläger”?

Tuesday, July 5th, 2011

In seiner heutigen Ausgabe titelte der Tages-Anzeiger: “FCZ-Schläger muss ins Gefängnis”. Die Geschichte dahinter ist bekannt, sie erreichte traurige Berühmtheit. Durch welche semantischen Irrgärten aber torkelt der Tages-Anzeiger mit diesem Titel? Was ist ein “FCZ-Schläger”? Ein Schläger in Diensten des FCZ? Einer, der auf den FCZ einschlägt? Ein vom FCZ angeheuerter Gewalttäter? Ein Schläger, der sich für die Anliegen des FCZ schlägt? Und wenn es den “FCZ-Schläger” gibt, gibt es auch den GC-Schläger, den FCB-Schläger, den YB-Schläger?

So hat bis vor kurzem nur der Blick getitelt, und auch nur im Aushang. Aber heute sind wir ja alle ein bisschen Ringier.

Interessante Bildwahl VII

Monday, June 27th, 2011

Leser Philipp sendet uns ein nächstes schönes Beispiel aus dem Arbeitsalltag von Online-Bildredaktionen. Darauf gestossen ist er über das FCZ-Forum. Er schreibt dazu: “Da die abgebildeten Leibchen exklusiv am 5-Jahre-13. Mai-Fest der Südkurve verkauft wurden und im Letzigrund bekanntlich Carlsberg verkauft wird, muss das Bild eigentlich vom Spiel Luzern-FCZ im Gersag vom 22. Mai stammen.” Wir danken für den Hinweis.

 

Hans was Heiri

Wednesday, May 25th, 2011

Dank an Leser Philipp für den Hinweis.

Und allen einen heissen Abend.

“Fein gestaltete Erlebnis-Gastronomie”

Monday, May 16th, 2011

Für alle Freundinnen und Freunde des FC Zürich, die seit heute keine Tabelle mehr lesen mögen, bietet sich eine hervorragende Alternative. Und auch an alle andern “mit einer Schwäche für schöne Printprodukte mit Fussballbezug ergeht eine klare Kaufempfehlung”, wie die praktisch unbestechlichen Kollegen vom Runden Leder schreiben. Die Rede ist von einem “fein gestalteten Werk”, das “im Idealfall zur Blaupause eines neuen Fanlokals” im zu bauenden Stadion Zürich werden wird (Tages-Anzeiger):

Flachpass – Die Bar im Letzigrund (von Fischer, Pepe, Steffen, Claude)

Das recht dicke und trotzdem nicht teure Buch (“ein Göttibatzen”, laut FCZ-Forum) mit aufschlussreichen langen Texten (zur Stadionlandschaft Schweiz, zur Fussball-Gastronomie, zur Sicherheitsdebatte) und haufenweise kurzen (zum Intimleben des FCZ in den Jahren 2002 bis 2006) gibt es über diese Homepage (wo auch drin geblättert werden kann) oder direkt bei flachpassbuch (at) gmail.com

Das Buch, das laut Zürich-West “der Hochblüte der Letzigrund-Erlebnis-Gastronomie würdig huldigt”, eignet sich als Bett- ebenso wie als WC-Lektüre und auch sehr gut als Geschenk. Wo sich doch sogar ausgewiesene YB-Fans darin wiedererkennen.

 

Fischer Basher

Wednesday, May 11th, 2011

Im letzten Sommer rief mich ein Journalist von der NZZ an, weil er ein Portrait über Urs Fischer schrieb und wissen wollte, wie er denn als Spieler so gewesen sei. Ein bisschen geschmeichelt ob der Tatsache, dass mich jemand von der NZZ nach meiner Meinung fragte, gab ich bereitwillig über meine persönlichen (positiven und negativen) Erfahrungen Auskunft. Aus dem ca. 30 Minuten dauernden Telefongespräch erschienen zwei kritische Zitate im NZZ Artikel vom 16. Juli 2010. Ich sagte, dass Urs Fischer nur die Peitsche als Führungsinstrument gekannt hätte und dass ich Angst vor ihm gehabt hätte.

Meine Aussagen wurden implizit im NZZ Interview mit Urs Fischer vom 30. Januar 2011 wiederholt. Die Zeitung Der Sonntag sprach in ihrer Ausgabe vom 7. Mai Urs Fischer explizit auf meine Zitate an und in der heutigen Ausgabe des Tages Anzeigers werde ich wiederum zitiert (Ausgabe vom 11. Mai 2011).

Um meinen Ruf besorgt, möchte ich folgendes klarstellen: Ich habe seit 11 Jahren nicht mehr mit Urs Fischer gesprochen. Ich habe niemals ein Training von ihm besucht. In unserer gemeinsamen Zeit beim FCZ (1995-99) sass ich in 50% der Spiele auf der Ersatzbank. Ich habe nie einen Trainerkurs besucht (nicht mal J+S). Ich bin ein miserabler Menschenkenner (man könnte mich sogar als Gutmensch bezeichnen) und ich stelle ich mir ernsthaft die Frage, ob die Tatsache, dass ich Angst vor Fischer hatte (und jetzt wieder habe) mehr über mich oder über ihn aussagt.

Ich weiss, dass die leidige Angelegenheit auf meiner eigenen Dummheit aufbaut, weil ich nicht darauf bestanden habe, den ursprünglichen Artikel gegenzulesen. Ich hoffe aber, dass die Journalisten im Normalfall ein bisschen kritischer mit den Quellen umgehen, als dies in meinem Fall getan wird. Denn (fast) nichts ist irrelevanter als meine Meinung über Urs Fischer.

Bildquelle: www.fczarchiv.ch