Mein Ziel ist es, dass jedes Mitglied der Gesellschaft, auch ein Familienvater mit seinen Kindern, im Stadion sein kann und ohne Schaden wieder nach Hause kommt.
Das ist derzeit nicht möglich?
Nein, ich glaube nicht. Leider.
Wer hier interviewt wird, ist Thomas Grimm, Präsident der Swiss Football League. Keine Ahnung, ob Herr Grimm seine Aussagen gegengelesen hat. Aber: Ordnet man das, was er hier sagt, neu, heisst es: Es ist derzeit nicht möglich, ohne Schaden von einem Stadionbesuch nach Hause zu kommen. Man wird also garantiert zusammengeschlagen, von einer Petarde getroffen, von Tränengas eingenebelt, mit Steinen beworfen oder mit Gummischrot malträtiert. Sicher, so hat ers nicht gemeint. Aber wenn er nicht als Hardliner gelten will, wie er an einer andern Stelle sagt, sollte er sich vor derartiger Panikmache hüten. Ebenfalls von Interesse dieser Auszug:
Aber die Repression ist gescheitert, das zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre.
Welche Repression? Wo wurde einmal ein Pyro-zündender Fan aus der Kurve geholt und entsprechend hart bestraft? Solange es noch Leute gibt, die glauben, dass das zur Fankultur gehört – sei das in den Kurven, aber auch in den Klubs und bei den Spielern –, führen wir da allerdings einen schwierigen Kampf.
Es wurden sehr wohl schon etliche “aus der Kurve geholt”. Die Sicherheitskräfte warten damit aber in der
Regel bis zur Pause oder zum Schlusspfiff und fangen die Leute dann, nach Sichtung der Videobilder, ab, an strategisch günstigeren Orten als mitten im Pulk. Und hart bestraft werden die Erwischten ebenfalls: Stadionverbot, Busse, Anzeige wegen Verstosses gegen das Sprengstoffgesetz, Rayonverbot, Hoogan-Eintrag – so lautet das gängige Programm für einen überführten Pyromanen. Was Grimm hier nun fordert, ist eine Situation wie in Deutschland, wo Polizisten in Vollmontur die Kurven stürmen, wenns brennt (s. Bild von joggeli.ch, Schalke-FCB Saison 04/05). Dafür, also für den Nahkampf, müssten Polizisten aber ausgebildet sein. In Deutschland sind sie das, weshalb es auch deutsche Beamte waren, die während der Euro08 in Zürich die Schweizer verstärkten, genau in Erwartung solcher Situationen.