Archive for the ‘FCB’ Category

Effiziente Schnellgerichte

Friday, June 18th, 2010

Das St. Galler Schnellgericht für Fussball-Übeltäter (oder laut SDA “gewalttätige Hooligans”) wurde eingeführt, um bei eindeutiger Beweislage für beide Seiten rasch Klarheit schaffen zu können. Gross und breit war die Zustimmung, als in dieser Saison den Ostschweizern die ersten Fische ins Netz gingen. Nach dem Spiel St. Gallen – FCB waren es sechs Basler Anhänger, die vor dem Stadioneingang wegen Mitführens pyrotechnischer Gegenstände herausgepflückt wurden. Was mit ihnen passiert ist? Sie wurden alle freigesprochen, wie das St. Galler Kreisgericht heute mitteilt.

Nachtrag 24. Juni: s. auch Artikel dazu in aktueller WOZ.

Alex F. feat. Strahlenmeer

Sunday, May 2nd, 2010

Es hat uns heute eine Videolink-Zusendung aus dem Raume Basel erreicht mit Bemerkungen zu Herrn Alex Frei, die wir hier gerne unterschlagen, denn: Schauen Sie sich einfach mal das hier an:

Das Hochrisikospiel

Friday, April 9th, 2010

Am Sonntag um 16 Uhr spielt der FC Zürich im Letzigrund gegen den FC Basel. Die Partie wird als so genanntes Hochrisikospiel eingestuft. Völlig zurecht.

Am Ostermontag kesselte die Polizei nach dem Derby 250 GC-Fans ein und nahm ihre Personalien auf. Es war zuvor zu keinen Gewalttätigkeiten gekommen, es ging ums Sammeln von Daten eventueller Gewalttäter. Die GC-Anhänger sind erbost. Den Anhängern des FC Basel ist etwas Ähnliches seitens der Zürcher Polizei schon einmal widerfahren, nur etwas intensiver: Man nennt es den “Kesssel von Altstetten” – über 400 Verhaftungen, am Ende 5 Anzeigen. Die Fans des FC Basel haben seither Einkesselungen nicht mehr so gerne. Doch sie sollten mit allem rechnen, schliesslich wohnen sie einem Hochrisikospiel bei.

Vielleicht sind die Fans des FC Basel, wenn es dann zum Kessel kommt, ja sehr entspannt und nehmen es mit Humor. Vielleicht sind sie aber auch ein bisschen angesäuert. Sie werden während des Spiels im Letzigrund nämlich von einer Sicherheitsfirma bewacht, die Leute anstellt, die gerne auf Fussballfans oder Demonstranten eindreschen (bzw. diese “ficken”, um im O-Ton zu bleiben). Das letzte Mal war dies in St. Gallen der Fall, als der FC Basel zu Gast war. Die Sicherheitsleute haben dort so gründlich “gefickt”, dass mehrere Basler Verletzungen davon trugen. Die Staatsanwaltschaft hat reagiert – und zehn Basler dem Schnellrichter zugeführt. Am Verhalten der Sicherheitsleute konnte der Staatsanwalt nichts Falsches erkennen. Und so wird es mit Sicherheit ein freudiges Wiedersehen beim Eingang zum Gästesektor, wenn der Sicherheitsmann dem FCB-Fan mit der Autorität des integren Berufsmannes befiehlt: “Beine spreizen, Jacke öffnen, Taschen leeren.”

Wer Hochrisikospiele will, bekommt sie. Ob mit oder ohne Zutun der Fans.

“This is Bagdad!”

Tuesday, December 29th, 2009

Leser Etoile Carouge hat uns verdankenswerterweise auf folgenden fünfminütigen Videobeitrag hingewiesen, in dem der Schweizer Fussball in den seltenen Genuss einer unvoreingenommenen Aussensicht kommt. Vom zwischenzeitlich geäusserten und hier als Beitragstitel verwendeten Urteil “This is Bagdad, this is Central Bagdad!” sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Es ist im Gegenteil davon auszugehen, dass die amerikanischen Matchbesucher wieder kommen werden. Und Freunde mitbringen. Viele Freunde. In diesem Sinne: Here we go!

3 neue Stadionpostkarten

Wednesday, December 23rd, 2009

Kurz vor Festbeginn sind drei weitere Stadionpostkarten aus der Knapp-daneben-Serie fertig geworden: Hardturm (Kd 06), Cornaredo (Kd 07) und Joggeli (Kd 08), alle 50er Jahre s/w.

Karte kostet 1.50/Stk zzgl. Porto (bis 10 Karten 1.-, ab 11 Karten 1.30).

Ebenfalls weiterhin erhältlich: Maladière 2002 (Kd 01), Hardturm 2008 (Kd 04), Charmilles 1951 (Kd 05). Ausverkauft: Letzigrund by night (Kd 02), Letzigrund by day (Kd 03).

Bestellungen an knappdaneben ( at ) gmail.com

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Witz komm raus

Friday, December 11th, 2009

… beide Nati-Stürmer (gesprochen: Nazi-Stürmer) …

Es musste wieder mal sein, es waren schon zu viele Wochen vergangen seit dem letzten Mal. Im aktuellen 11freunde-Magazin hat sich Christoph Ruf, Autor des Fussballbuchs des Jahres 2008, den FC Basel vorgenommen – und eine im Grunde lesenswerte Aussensicht abgeliefert. Diese auf Teufel komm raus lustige Pointe wäre allerdings nicht nötig gewesen. Im Artikel geht es u.a. um das Verhältnis der 125712_hugeBasler zu ihren deutschen Nachbarn, und eigentlich auf gutem Niveau. Der Nazi-Nati-Witz aber, herrgott. Bruno Ziauddin hat in seinem Buch beschrieben, dass sich viele Schweizer v.a. über die Verniedlichung alles Schweizerischen durch einige Deutsche ärgern. Dass sie alles Schweizerische so putzig finden, so süss. Genau das spielt beim Nazi-Nati-Witz: Die Schweizer sind so herzig-unbedarft, dass sie sogar, ohne es zu merken, aus ihren Nationalspielern Nazis machen. Dass aber eben niemand Schweizer Naaazi sagt, sondern Natzi mit kurzem a, fällt leider dem Humor zum Opfer. Vor diesem Hintergrund nervt es dann grad auch ein bisschen mehr, ein paar Zeilen später zu lesen:

Tranquillo Barnetta, Diego Benaglio, Ivan Rakitic, Mladen Petric oder Eren Derdiyok heissen die Spieler, die derzeit in der Bundesliga spielen. Sie wurden samt und sonders beim FC Basel ausgebildet.

Thesen, Thesen, putzige Thesen. Nun denn.

(Ernsthaft putzig dagegen: das Augsburg-Stadionposter in der selben 11freunde-Ausgabe. Spiegelverkehrt. U.a. mit dem Effekt, dass auf der Anzeigetafel der FCA zum Gästeverein degradiert wird.)

Die andere Sicht auf FCB-FCZ

Friday, November 27th, 2009

60% aller redaktionellen Inhalte von Tageszeitungen beruhen laut einer Studie auf Pressekonferenzen, Medieninformationen oder PR-Veranstaltungen. Darunter fallen auch Polizei-Communiqués. Ein beträchtlicher Teil dieser einseitigen Information wird mittlerweile ungeprüft übernommen, ohne dass dabei die Informationsquelle jeweils offen gelegt würde. Nach dem Cupspiel FCB-FCZ vom vergangenen Freitag spielte derselbe Mechanismus: Die Polizei diktierte, was in die Spalten kam, und das hiess dann: 200 Zürcher haben mit noch nie dagewesener Brutalität den Eingang zum Gästesektor gestürmt, drinnen alles verwüstet und, indem sie diverse Gegenstände aus den Stadionfenstern geschmissen hätten, 25 Fankollegen verletzt. Ein Basler (!) hat sich nun die Mühe gemacht, die andere, nicht-polizeiliche Sicht der Dinge ans Licht zu bringen. Er kommt zu folgendem Schluss, was die Chronologie der Ereignisse und die Ursache der Verletzungen angeht:

Kommuniziert wurde, dass nach Ankunft des Extrazugs gegen 18:30 Uhr sofort der Gästesektor gestürmt und zu Kleinholz verarbeitet worden sei, wobei 25 Zürcher durch eigene Leute verletzt worden seien.

Die Sanität ist im Joggeli immer mit mehreren Fahrzeugen vor Ort, aber bei mehr als 15 verletzten Personen wird ein Erste-Hilfe-Zelt angefordert, welches durch die Bezirksfeuerwehr innert Minuten aufgestellt wird, nachdem sie einmal am Einsatzort eingetroffen ist.

Wenn die offizielle Randalemeldung stimmen würde, hätte die Bezirksfeuerwehr um etwa 19:15 Uhr alarmiert werden müssen, sie wurde aber erst um 21:15 Uhr aufgeboten.

Aufgrund von Zeugenaussagen wurde folgender Ablauf rekonstruiert:

Etwa 18:30 Uhr: Nach Eintreffen des zweiten Extrazugs Pyros auf der Treppe der Bahnstation und auf der Strasse, anschliessend Blocksturm.

Die Tore zum Gästesektor werden geschlossen. Von der St. Jakob-Strasse her gelangen Polizisten in Vollmontur via den angrenzenden Sektor A in den Gästesektor. Die Blockstürmer (nach Angaben der Polizei 200, nach Zeugenaussagen höchstens 50) werden mit Gummischrot in den Balkon des Gästesektors gedrängt. Die Polizei bleibt vorerst im Gang (Cateringbereich) des Gästesektors.

Dann passiert etwa eineinhalb Stunden lang nicht viel.

Vor Spielbeginn: Die Polizei und die Clubs entscheiden, die noch wartenden Zürcher nach Hause zu schicken und das Spiel anpfeiffen zu lassen.

ab 20 Uhr: Inhaber von Tickets für den Gästesektor stehen immer noch vor dem Stadion und werden mit Gummischrot, Tränengas und mobilen Absperrgittern zum Extrazug gedrängt.

Die im Balkon Eingeschlossenen riechen den Braten, brechen aus dem Balkon aus, öffnen die Eingänge und beginnen, den Gästesektor in seine Einzelteile zu zerlegen.

Vor dem Stadion werden zwischen 20:00 Uhr und 20:45 Uhr rund 25 Personen durch Gummischrot der Polizei aus naher Distanz auf Kopfhöhe verletzt.

20:45 Uhr: Die letzten Inhaber von Gästesktortickets werden ins Stadion gelassen.

21:15 Uhr: Die Bezirksfeuerwehr wird aufgeboten, um das Erste-Hilfe-Zelt aufzubauen.

Erst am 25. November 2009 gelangten entsprechende Meldungen durch die online-Ausgabe von 20 Minuten an die Öffentlichkeit: Die Lage vor dem Eingang spitzte sich zu. Augenzeugin Melina D: «Kurz vor Spielbeginn kletterten einige an den Gittern beim Eingang hoch.» Dann ging offenbar alles ganz schnell: Die Polizei fuhr mit Gitterwagen auf, drängte die Fans zusammen und setzte schliesslich Tränengas und Gummischrot ein. «Ich musste fassungslos zusehen, wie Tränengas und Gummischrot aus nächster Nähe in die Menge gefeuert wurden», beschreibt 20 Minuten Online-Leser Markus S. die Situation.

Fangesänge – auf DRS2!

Monday, September 21st, 2009

Von einer mir nahestehenden, an E-Kultur interessierten, bald 70-jährigen Verwandten erhielt ich gestern den Hinweis auf eine kurze Sendung auf DRS2 zu Fangesängen. Die These: Fussballfans sind musikalischer als der Durchschnittsbürger. Mal erfrischend anders, sowas. Sonst heisst es eher: besoffener, brutaler, primitiver. Jetzt also mal musikalischer. Gast im Studio ist der Journalist Walter Aeschimann (ehem. Timeout SFDRS), der das Thema für das Buch Musikszene Schweiz (Cronos Verlag) aufgearbeitet hat. Der Beitrag geht nicht gross in die Tiefe und hört natürlich mit You’ll never walk alone auf, aber, he, es ist nicht Radio Gäubschwarz, es ist DRS2! Schade einfach, dass sie sich nicht die Mühe genommen haben, mit einem guten Richtmikrofon ins Stadion zu gehen. So haben sie die Gesänge der Muttenzer Kurve bei FCB-Roma ab TV-Aufzeichnung geschnitten, was einen dumpfen Soundbrei ergab. Langer Rede kurzer Sinn: Hören! Und, falls Baslerin oder Basler, nachher den Eltern sagen: “Ich kam im Fall auf DRS2!” (Übrigens: Link gleich darunter, Knigge für Fans, kann man sich sparen)

Max über Alex

Saturday, August 29th, 2009

Das ist jetzt ein schöner Zufall, dass sich im heutigen Magazin Kolumnist Max Küng (alias MK, sic!) mit Alex Frei befasst. Und zwar so, unter anderem:

Ich schämte mich, und es stimmte mich traurig, denn: Ein jeder Spieler — auch ein noch so beschränkter, doofer — ist in seinem Inneren doch auch ein Mensch. Irgendwo. Ein bisschen. Sogar Alex Frei.

Es geht um ein wüstes Lied, das die Basler Fans 2001 gegen Herrn Frei angestimmt haben. Es ist die bekannte Verhöhnung frecher Abtrünniger, wie sie zur Melodie von “Nice one Cyril” gesungen wird und wie sie oft auch Mario Cantaluppi erfahren hat. 

Eine kleine Klugscheisserei noch: Frei wechselte nicht von Thun nach Genf, sondern zuerst nach Luzern, wo er, eben, die Gelegenheit wahrnahm, sich beim FCB-Anhang sehr unbeliebt zu machen. Das ist eine nicht unwichtige Episode im Zusammenhang mit dem von Küng beschriebenen Lied. Leider ging sie im Magazin, ehm, vergessen.

31.8.09, Nachtrag: Wer die Kolumne von Max Küng online kommentieren will, muss sich registrieren lassen. Das soll wohl eine Schutzmassnahme sein gegen zu viel Unflätiges in den Kommentarspalten (wie wir es z.B. von tagi-online kennen). Wie viel sie bringt, ist allerdings offen, wie ein Kommentar zu einem Guggenbühl-Text im selben Magazin beweist:

LAIILA LADEN
Dieser Artikel ist Dreck, grosser Dreck.
Ich bin 22 Jahre alt und kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich seit langer Zeit keine so grosse Scheisse mehr betreffend dieser “Thematik” gelesen habe. Dieser Artikel ist eine Beleidigung für denkende junge Menschen und alle Menschen überhaupt.

Versuch über Alex Frei

Monday, August 17th, 2009

(Gefragt war ein “schöner Verriss”. Here it is.)

2002 spielte Alex Frei bei Servette und war ein netter Mensch. Zwar war da schon dieses Ehrgeizige, aber es gab auch Offenheit und einen Anstand, der in Fussballerkreisen unüblich ist. Ein Heftli hatte geschrieben, Frei sei ein Herzensbrecher und der Traum aller Schwiegermütter. Der damals 23-Jährige kokettierte mit dem Etikett, es schmeichelte ihm. Alex Frei, das wurde deutlich, spiegelte sich gern. Er wollte, dass man ihn mochte und gut fand. Das ist nichts Verwerfliches. Aber es wurde zu seinem persönlichen Knackpunkt, als er 2004 an der EM in Portugal Steven Gerrard anspuckte und dies leugnete, bis ihn Fernsehbilder entlarvten. Frei kam gehörig an die Kasse, er war jetzt nicht mehr der Sunnyboy, sondern ein schäbiger Lügner. Nicht schön war, dass der Fussball-Verband, der eine dubiose Rolle spielte, ihn im Regen stehen liess. Erstaunlich ist aber trotzdem, dass Frei es geschafft hat, heute praktisch als Opfer der Affäre dazustehen, das sich jedes Wort über das Vorgefallene verbietet. Ganz so, als wäre er der Verletzte. Dabei hat Frei in Portugal vorgeführt, was bezeichnend ist für ihn: Seine Worte sind oft so gross, dass seine Taten nicht nachkommen. Eines von Freis Lieblingsworten ist “korrekt”, er selber scheitert daran, sei es in Portugal, sei es vor der gegnerischen Fankurve oder im Verhalten seinem Nati-Kollegen Vonlanthen gegenüber im Match gegen den FCZ. Auch das wäre nicht verwerflich, würde sich der Basler nicht dauernd grossspurig als Chef und Anführer präsentieren. Man muss annehmen, dass Alex Frei nie ein besonders lustiger Typ war, dazu fehlt ihm die Fähigkeit, von sich selber Distanz zu nehmen. Sein Fehltritt in Portugal und der Fall vom Darling zum gewöhnlichen Schurken hat aber zur totalen Absenz von Humor und zu einer permanenten Griesgrämigkeit geführt, die er selbstgerecht vor sich her trägt. Das Selbstgerechte gepaart mit dem überdimensionierten Ehrgeiz hat seinen Reifeprozess behindert. Freis Sätze sind häufig pathetisch überhöht und dadurch nichts als leere Hüllen. Als er im letzten Sommer nach seiner Verletzung im ersten EM-Spiel gegen Tschechien der Welt trotzig den Satz entgegen schleuderte “Champions stehen immer wieder auf”, wirkte er wie ein mieser Schauspieler in einem B-Movie. Das Motiv, das er für seinen Wechsel zum FCB nannte, er habe sich geschworen, es in Basel allen zu zeigen, nachdem man ihn vor zehn Jahren weggeschickt habe, gehört ins Repertoire eines Jugendlichen. Vielleicht hat Alex Frei nach Basel gewechselt, weil er sich nicht mehr jeden Tag dem Konkurrenzkampf aussetzen mochte. Vielleicht wollte er es mit 30 einfach ein bisschen gemütlicher haben. Das wäre verständlich und man würde ihn dafür mögen. Er würde es nie sagen. Immer muss es um Stolz und Ehre gehen. Das entlarvt Frei. Jetzt wo er nicht mehr nett ist, ist er nur noch gewöhnlich. Ein in der Adoleszenz stecken gebliebener Bünzli mit einem beschränkten Weltbild, der sich auf moralische Werte aus einem Spaghetti-Western bezieht und sich für John Wayne hält.