The Hatters matter
Wednesday, October 6th, 2010Die NZZ am Dienstag, das heisst seit vielen Jahren eine glückselig machende Zeitungsseite: Der Fussball im Ausland. Reportagen wie die ganzseitige über
Fussball in Tschetschenien vor ca. fünf Jahren sind sehr viel seltener geworden, der Dienstag aber hält nach wie vor, was er verspricht. Nämlich den etwas andern Blick auf das Geschehen in Europas Ligen.
Es ist dieser schönen Dienstagsseite auch nicht schlecht bekommen, dass vor wenigen Jahren der Musikjournalist Hanspeter Künzler das Kommentieren des Inselgeschehens übernommen hat. Seine Sicht ist nicht eng, seine Texte verströmen den unverkennbaren Hauch der Passion. So auch gestern, als die NZZ Künzler eine halbe Seite zur Verfügung stellte für eine Ode an einen englischen Fünftligisten: Luton Town. Allein das Bild des Stadions an der Kenilworth Road im Gegenlicht lässt leer schlucken. Ich war dort noch nie an einem Spiel. Hab nur einmal mit meinem Kumpel José Lassiran den Sivilla im Stadtzentrum am Mittag zwei lauwarme Bitter getrunken und dazu einen Tandoorischenkel gegessen. Die Feststellung eines von
Künzler Zitierten, “Fussball ist alles, was wir hier noch haben”, kann ich seither auf alle Fälle nachvollziehen.
Über 6000 Zuschauer kommen im Schnitt zu Lutons Heimspielen. Die Stimmung, schreibt Künzler, “ist grandios”, obwohl der Platzklub drei Elfmeter verschiesst. Von Ausbeutung und Konkursen gezeichnet, sackten die Hatters (Luton war einst Hutmacher-Hochburg) von der Ersten runter in die Fünfte Liga und träumen seither von der Rückkehr. In die Vierte. Die Single “Hatters-Hatters” erschien 1974, nachdem Luton innert sechs Jahren drei Aufstiege geschafft hatte und endlich wieder in der höchsten Klasse spielte. Ich muss sie nicht einmal digitalisieren, sie ist hier zu hören (wobei die B-Seite “We are Luton Town you know” deutlich besser ist). Den Aufstieg haben sie offensichtlich ausgelassen gefeiert damals. Hoffen wir, dass sie ihren Manager bald wieder ins Ermüdungsbecken schmeissen können. Und dass sich Künzler noch öfters in die Keller des britischen Fussballs verirrt. Hats off!




Um die Ostnostalgie etwas zu brechen hier ein Beispiel guter Insulanerfussballgrafik, aus einem Matchprogramm von Crewe Alexandra vom 16.12.94 (gegen York City). Wüsste ich doch nur, was ein Sentinel ist. Man wird aufgefordert, die Geschicke von Alex (Kosename von Crewe Alexandra) in einem Sentinel zu verfolgen. Was könnte das sein? Ein Kleidungsstück? Wikipedia hilft nicht weiter, da kommt für Sentinel alles in Frage, von U-Boot über Satellit, Computerspiel und Zeppelin bis hin zum Aufklärungsflugzeug. Aber die können ja nicht ernsthaft gewollt haben damals, dass ich mir die Crewe-Spiele aus einem U-Boot anschaue. Von einem Zeppelin runter schon eher, aber man stelle sich mal vor, jeder Käufer und jede Käuferin eines Matchprogramms hätte diesen Wunsch beherzigt und wäre dann mit dem eigenen Zeppelin über dem Stadion aufgekreuzt. Grosses Puff im Luftraum! Zudem ist Crewe ein traditioneller Eisenbahnerverein. Die wollen doch nicht wirklich Luft- und Seefahrt fördern in ihrem Heftchen. Wer weiss weiter? Thank you (in your Sentinel)
