Archive for the ‘einst’ Category

Zürcher Südkurve

Friday, January 8th, 2010

“Im Schatten der Westtribüne liegt die Südkurve, in welcher das Fanklubvolk die Stellung hält, den Herren der Haupttribüne schräg gegenüber. “Das ist schon recht, dass die das Geld geben, aber fisi Sieche sind sie trotzdem.” So hat einer aus dem Fahnenwald, dessen Jeansmontur mit Klubabzeichen überdeckt ist, während einer der stillen, trüben Meisterschaftspartien es einmal gesagt. Die Sangeskunst, halb Selbstdarstellung, halb Beschwörungsformel, ist dumpfer, martialischer geworden. “Hardturmleute siegen heute”, hallt es im Sprechchor unnachgiebig aus der Südkurve, auch wenn der Alltag den Hardturm ernüchternd wieder hat und ein paar tausend Unentwegte Nachmittagsruhe zu halten scheinen. “Sieg! Sieg!” wird dazu aus einem Tross gefordert, die Fäuste reihenweise erhoben. Auf den Hardturm kommt die Jugend im Klubtrikot, aber wie es aussieht, ist sie nicht gänzlich abgeneigt, nach eigenem Gesetz inskünftig bandenmässig aufzutreten. Der Taumel der Begeisterung, wenigstens im Fussball soll er sein! Zur Hochstimmung gehören nicht nur am Stadtmatch die Raketen, die knatternd in der Nacht verglühen, die Bierdeckel, die zuhauf über das Gitter geflogen kommen, die Klosettrollen, die als Papierschlangen auf den Rasen niedergehen.”

Vorliegender Auszug stammt aus einem wunderbar anmütigen Zeitungsartikel von Fritz Hirzel vom 9. Oktober 1982, erschienen unter dem seltsamen Titel “Ein Tatort, der Geschichte hat, Planken mit Patina” im Tages-Anzeiger. Ungeachtet dessen, dass es eine Schande ist, nicht den gesamten Text zur Verfügung zu stellen (zu spät, um alles abzutippen, sorry, steigt selber ins Archiv), kommen bei der Lektüre dieser Zeilen ein paar brennende Fragen auf den Tisch: Standen die hartgesottenen GC-Fans früher im Süden ihres Stadions, also in der späteren Auswärtskurve? Benannten sie ihren Standort auch nach der Himmelsrichtung, in der er sich befand, oder tat dies nur der Journalist? Wer hat’s erfunden? Und nicht zuletzt: Warum holt niemand Fritz Hirzel zurück zum Tagi?

19.7.66

Tuesday, July 21st, 2009

Diese Postkarte habe ich heute von Robert geschenkt bekommen. Ein schönes Stück. Adressiert ist sie an eine Familie Bommer in Zürich, geschrieben wurde sie am 19.7.66, abgestempelt einen Tag später in Bournemouth. Hier der Text des Kartengrusses:

Meine Lieben! Wir werden am Sonntag morgen in Zürich ankommen. Wir wissen leider noch nicht um welche Zeit und an welchem Bahnhof. Herr Berger wird Euch aufleuten. Es ist wunderschön hier im Hotel, doch leider regnet es jeden Tag. Zirli geht aber doch schwimmen! Viele liebe Grüsse und Küsse, Marianna, Uriella u. Alzira

Spekulationen rund um den zweiten der drei Frauennamen lassen wir mal beiseite. Erwähnen dafür aber, dass am 19.7.66 die WM noch in vollem Gange war. Und die Schweiz noch mit von der Partie! Am 19.7. selber verlor sie in Sheffield gegen Argentinien mit 0:2. Doch wen interessierts? Hauptsache, es regnet. Wer also heute mit Parolen wie “Scheiss WM” oder “Nein zum modernen Fussball” kommt: Marianna, Uriella und Alzira haben sich schon gekonnt verweigert, da waren wir noch gar nicht auf der Welt.

Crvena Zvezda

Friday, May 8th, 2009

Kürzlich war zu lesen, dass Roter Stern Belgrad vor dem Konkurs steht. Der Verein, Meistercupsieger von 1991, soll 25 Millionen Euro Schulden haben, was für serbische Verhältnisse eine gigantische Summe ist. Sein Ende ist ein verspätetes Requiem auf das längst untergegangene Jugoslawien: Der Klub, bis in die achtziger Jahre ein Spielzeug der Partei und des Geheimdienstes, nahm für sich in Anspruch, den Vielvölkerstaat zu repräsentieren. Roter Stern Belgrad wollte ein Teamwork von Slowenen, Kroaten, Bosniern, Serben, Albanern, Montenegrinern und Mazedoniern sein im Namen des sozialistischen Fortschritts. 1991, als bereits Panzer durch Jugoslawien rollten, kam der Klub diesem Ideal am nächsten: Im Meistercupfinal gegen Marseille in Bari standen unter anderem mit Robert Prosinecki ein Kroate, Sinisa Mihailovic ein Serbe, Darko Pancev ein Mazedonier und Dejan Savicevic ein Montenegriner im Team.

Ich habe diesen Klub immer gemocht, er ist meine erste Liebe. Ich habe bis heute an ihm festgehalten, auch wenn es in den letzten 20 Jahren viele Gründe gab, mich loszusagen: Die nationalistische Wende der Delije, der Ultras des Vereins. Den Kriegsverbrecher Zeljko Raznatovic alias Arkan, der es vom Kleinkriminellen über den Capo zum Anführer einer Freischärlertruppe, die sich hauptsächlich aus der Kurve rekrutierte, gebracht hatte. Die mafiösen Strukturen des Vereins, die heute von der Staatsanwaltschaft untersucht werden. Die Tragödie von Roter Stern Belgrad hat derzeit auch eine komödiantische Note: Die Delije, in der Zwischenzeit eine kriminelle Vereinigung, rufen zu Spenden zur Rettung des Vereins auf.

Die Nachricht vom bevorstehenden Konkurs rief mir in Erinnerung, warum ich eigentlich an diesem Verein festhalte. Ich hatte diesen Entscheid in meiner frühen Kindheit gefällt. Mein erstes Spiel in einem richtigen Stadion war Zeljeznicar Sarajevo gegen Olimpija Ljubljana, zu dem mich mein Grossvater mitnahm. Ich war tief beeindruckt von den vielen fluchenden, rauchenden Männern, die ihren Unmut über das offenbar erbärmliche Spiel mit Pfiffen kund taten. Doch das Initiationsritual meines Grossvaters schlug fehl. Ich wurde kein Fan von Zeljeznicar. Darko hat es verhindert.

Darko war ein Nachbarsbub, mit dem ich in meinen ersten drei Lebensjahren in Sarajevo oft spielte. Als er mich einmal fragte, welche Mannschaft mir am besten gefalle, wusste ich keine Antwort. Dann zählte er vier Vereine auf, und ich musste mich entscheiden: Dinamo Zagreb, Hajduk Split, Partizan Beograd, Crvena Zvezda Beograd. Ich wählte Crvena Zvezda, weil mir der Klang des Namens am besten gefiel. Für westeuropäische Ohren mag Crvena Zvezda hölzern, ja hart tönen. Im Serbokroatischen klingt er lieblich. Wahrscheinlich strahlten meine Augen damals so, wie es heute diejenigen meiner Tochter tun, wenn ich ihr davon erzähle, dass Eric Hassli ein Tor geschossen hat. Sie spricht dessen Namen nicht kurz und streng als Hassli aus, sondern melodiös als Haseli.

Vedi Diego e poi muori

Thursday, March 26th, 2009

Immer wieder Maradona. Diesmal ein wunderbares Kurzporträt von 1985. Eine Stadt im Diego-Wahnsinn und ein Blick hinter die Kulissen der wachsenden Schwarzmarkt-Fanartikel-Industrie. Diego hier sehen.

Mein Züribasel

Thursday, March 19th, 2009

18uhr10. Ich hole unsre Tochter aus der Krippe ab. In den Strassen des Sihlfelds erste Fangrüppchen. Zwölfjährige Jungs in Südkurvenkluft. Eine Studentinnengruppe im Fanshoplook. Spürbare Vorfreude. 

1990. Erste Fahrt nach Basel. Mein Freund und ich haben schauen uns das Spiel mit seinem Basler Vater an. Natürlich provozieren wir leichtsinnigen Jugendlichen ihn gerne. Mitte der zweiten Halbzeit weitet sich unser Streit aus auf den halben Block („Stön’doch üübärä zu eune Schiisziircher“). Das 3:3 kurz vor Schluss durch Basels Uwe Dittis rettet unsere Haut.

19uhr30. Nur noch schnell den Sohn ins Bett und dann ab. FCZ-Songs steigern seine Weinkrämpfe, beim einzigen Basellied, das ich kenne, döst er friedlich ein. Ein gutes Omen? 

1994. Im Joggeli mit 42‘000 weiteren Zuschauern. In der Halbzeitpause besucht eine Basler Fangruppierung in orangen Bomberjacken die Zürcher Ecke und es kommt zu einer Rauferei. Sektorentrennung, damals noch ein Fremdwort. Haris Skoros 1:1 verhindert vorerst Basels Aufstieg in die NLA.

19uhr46. Auch die 37jährigen Familienväter ziehen nun zum Stadion. Schnell noch einen Kebab und zwei Bier am Lochergut. Ich hoffe auf ein überlanges Spiel bis zum 18. Penalty. Träumer. 

1998. Heimspiel im Letzigrund. Vor dem Spiel prügeln FCB-eigene Security-Kräfte die Basler Fans der Osttribüne entlang in Richtung Auswärtssektor. Die Clubordner haben verdächtige Ähnlichkeiten mit den Typen in den orangen Jacken. Shorunmu, Huber und Bartlett gewinnen gegen Potocianu, Ceccaroni und Rychkov mit 2:1.

20uhr07. Schon drin. Sie haben was gelernt im neuen Letzi und endlich zusätzliche Eingänge geöffnet. Laute Antibasel-Gesänge vor dem Spiel und schöne Pyroshow der Basler.  

2004. Humor im St. Jakob. Auf den Rängen duellieren sich zwei Fangruppen mit ausgefeilten Ideen. Die Südkurve verlegt den ersten Teil der Choreografie kurzerhand ausserhalb des Stadions an ein Brückengeländer. Die Muttenzerkurve ihrerseits entrollt über dem FCZ-Block ein Transparent mit der Aufschrift „Fusion, da laufts“. Was sich liebt, das neckt sich.

21uhr40. Scheissspiel. Scheisspenalty. Passt. Einsamer Höhepunkt ist das neue Lied der Südkurve. Eine Adaption des Friedenslieds Hevenu Shalom Alechem. Passt eher nicht. Ausserdem scheint mir der Text ‚Mir gäbet alles für dä FCZ‘ nicht ganz astreines Züridütsch.

2007. Bomber im Hardturm. Bei Spielende besucht die Crème de la crème der Basler Ehemaligen-Hooliganszene (ja, die in den vormals orangen Jacken) den Eingang der FCZ-Fankurve und haut auf alles ein, was sich bewegt. Stadionsicherheit und Polizei haben vom Aufmarsch wieder einmal nichts mitbekommen.

22uhr15. Es knallt an der Schlachthofecke. Wie seit jeher. Wir ziehen uns auf ein Mineralwasser ins Lokal zurück, Bier gibt‘s erst ab Mitternacht. Selten so entnervtes Servierpersonal gesehen. Später dann noch Steinbocksalsiz aus Brigels und Zürcher Pils in einer netten Bar. Diskussionen mit Zlaty und Theo über Uniformität und Radikalität der Kurve, über Stromlinienförmigkeit und Totalitarismus. So wird es schnell einmal spät.

Ennetbürger Wandmalereien

Friday, December 5th, 2008

Der treue Leser und Sportsmann Fabian C. hat bei einem Besuch des altehrwürdigen, ehemaligen und  vielleicht dereinst wieder zum Leben erweckten Hotels Honegg oberhalb Ennetbürgen NW ganz erstaunliche Wandmalereien entdeckt und diese für die interessierte Nachwelt festgehalten. Es handelt sich um kurze Aufzeichnungen eines Fussballfreundes aus den 20er Jahren. Der anonyme Chronist hat anhand der Spieltage vom 9. und 16. Juni 1929 den Punktestand der Grasshoppers, der Young Boys und von Urania Genf ausgerechnet. Was sich aufgrund der Kritzeleien noch nicht hatte erahnen lassen: Die Berner wurden 1929 Meister, nachdem sie den Cupfinal im selben Jahr gegen Urania 0:1 verloren hatten.

Rund um die “Tabelle” sind die Namen M. Bettex (Lausanne), Jean Füllemann (Romanshorn) und Hans Peter Odermatt zu lesen. Es handelt sich bei ihnen vermutlich um Teilnehmer von militärischen Weiterbildungskursen oder Klassenlagern, die ihre Spuren hinterlassen wollten. Hans Peter Odermatt kommt – anders als Bettex und Füllemann – als Urheber der Aufzeichnungen nicht in Frage. Er hat an anderer Stelle – und versehen mit der Jahreszahl 1967 – in einer Art Cluster-Diagramm von seinem Leben erzählt. Rund um einen Kasten mit seiner Adresse und über den Satz “Für das alles intressiere ich mich” schreibt er unter anderem “Essen, Fischen, Naturkunde, Kriminalistik, Beat Music, Skilager, Fussball, Abfahren, Abmachen, Zirkus, Sprachen, Fernsehen”. Bei diesem Reichtum an Interessen dürfte es im Folgenden nur so gepoltert haben in Hans Peter Odermatts Briefkasten.

Beim wiederholten Studium der Tabelle ist mir nun mit reichlicher Verspätung aufgefallen, dass es sich dabei wohl um die ersten beiden Spieltage der neuen Saison, also 1929/30, handeln muss und nicht etwa um die letzten der Saison 1928/29. Das würde dann aber heissen, dass nicht YB, sondern Servette den späteren Meister stellte, natürlich sehr zum Ärger von Urania und wohl auch zum Leidwesen des Kritzlers, dem die Grenats damals keine Spalte wert waren.

Chrigel und Litti

Thursday, November 20th, 2008

Als sie diesen Pierre Littbarski nach Vaduz holten, wurde ich ein bisschen nostalgisch. Ich hatte dem einen Brief geschrieben, damals Anfang 80er Jahre, wollte ein Autogramm. Die Adressen auf meinen Briefen lauteten damals so: Pierre Littbarski, Fussballer, 1. FC Köln, Köln, Deutschland. Oder: Ian Rush, FC Liverpool, Liverpool, England. Erstaunlich vieles kam an bzw. zurück. Auch wenns manchmal eine Weile dauerte. Trevor Steven vom damals grossen Everton war einer der letzten, dem ich schrieb. 1985 warf ich den Brief ein, 1987 kam die Autogrammkarte.

Es war eine aufregende Zeit damals und ein aufregendes Hobby. Es ging zwar alles Sackgeld für Briefmarken drauf, dafür kam die Post damals noch zweimal am Tag. Das hiess zweimal Hochspannung, am Morgen nach der Schule, am Nachmittag nach der Schule. Erstaunlich vieles hab ich noch in wacher Erinnerung. Bernd Nickel von YB kam zum Beispiel mit der Nachmittagspost.

Und also eben Litti. Gestern holte ich meinen alten grünen Ordner “Autogramme” aus der Versenkung. Und dann fand ich ihn, den Pierre Littbarski, mit “Doppel Dusch” auf dem Bauch, und wer sekundiert ihn? Der Chrigel Gross im Bochum-Dress. Hat wohl auch eine Weile gebraucht mit antworten. Als ich ihn einklebte, spielte er auf jeden Fall schon für St. Gallen.

The Kop: She loves you

Friday, November 14th, 2008

Es geht auf ein kaltes Wochenende zu, und da tun ein paar Minuten Herzwärme sicherlich gut: Dieser Ausschnitt einer BBC-Reportage aus den 60er Jahren über den alten Kop in der Liverpooler Anfield Road hat die erzählerische Dichte einer ganzen Fussballenzyklopädie. Ich habe den Beitrag 2001 im Football Museum der FA in Preston gesehen und konnte mich damals kaum mehr davon lösen. Erst vor wenigen Wochen ist mir in den Sinn gekommen, ihn auf Youtube zu suchen -- und siehe da! Erstaunlich, dass den noch nicht mehr als 12′300 sehen wollten. Recht viel Vergnügen und ein schönes Wochenende.

Split – Ancona 1:1

Friday, October 24th, 2008

Während der Überfahrt  mit der Fähre von Italien Richtung Kroatien fällt mir im Reiseführer eine Passage über Split auf: „ Besuchen Sie unbedingt ein Heimspiel von Hajduk.“  Nicht gerade üblich, dass kulturell und historisch ausgerichtete Reisebücher Fussballspiele empfehlen. Spätestens nach der Ankunft in der kroatischen Hafenstadt wird klar, dass Hajduk weit mehr ist als ein Fussballklub.  Jeder Souvenirstand verkauft Klubtrikots und -andenken. An Hauswänden haben sich die Fanklubs verewigt: Torcida nennen sich die einzelnen Fraktionen, denn egal wohin wir auch fahren, überall an der Küste tauchen weitere Hajduk-Fanklubs auf, selbst im kleinen Küstendorf auf Korcula  hat jemand mit schwarzem Klebband „Torcida Lumbarda“ auf ein Fenster geschrieben. Auf einem Schulhof ist in der Mitte des Spielfelds  das Hajduk-Emblem aufgemalt, ein rotweisses Schachbrettmuster in blauem Kreis. Ich lese in  Miljenko Jergovics „Walnusshaus“, aber auch dort  komme ich nicht an Hajduk vorbei, denn der Autor skizziert mit wenigen Sätzen eine ganze jugoslawische Fussballtradition: „Statt das Radio einzuschalten, wirbelten in seinem Kopf alle Begegnungen zwischen Hajduk und Roter Stern durcheinander, die er in er in einer langen Reihe von dreissig Jahren bewusst erlebt hatte, Jahre, in denen sich Fussballergenerationen abgelöst hatten.  Talente wurden geboren, die mit dem ersten Rausch in sich zusammenfielen, die grössten Spieler trugen die Neun oder Zehn auf dem Rücken, bei Hajduk Split Jurica Jerkovic, beim Roten Stern Jovan Acimovic….“ – Jerkovic? Spricht Autor Jergovic in seinem Roman etwa vom  ehemaligen FCZ-Star Jure Jerkovic, dem unvergesslich herausragenden Fussballer? – Nach einer Woche Strandfussball  geht’s zurück Richtung Italien. In Ancona stärken wir uns am Montag Morgen in einer Bar mit Kaffee und lesen die Schlagzeilen. Ancona hat in Treviso vor 1368 Zuschauern nur 1:1 gespielt. Aber die Zeitung berichtet vor allem von den Zwischenfällen vor dem Anpfiff, drei der fünfzig Ancona-Ultras wurden festgenommen. Ziemlich trostlos, der Fussball scheint in der bedeutendsten Hafenstadt an der italienischen Adria weit weniger zu beschäftigen als auf der anderen Seite des Meers. Dann fällt mir in der Bar per Zufall ein kleines Heftchen der „Associazione Clubs Forza Ancona“  in die Hände, das mein Interesse weckt. Mittendrin in der Werbung verbirgt sich ein Juwel: Auf der einen Seite ist Johannes der 23. abgebildet, gegenüber Franz von Assisi. Offenbar liegt dem freiwilligen Kulturverein „Quadro Di Giovanni XXIII“, der sich der Aufwertung der Stadt Ancona und der Unterstützung von Personen in Schwierigkeiten verschrieben hat, gerade auch der Fussball am Herzen. Einzigartig und Split ebenbürtig ist zumindest der Einfallsreichtum Anconas:  Politiker, Showstars und  Wirtschaftsgrössen sonnen sich überall auf der Welt gerne im Erfolg der Fussballklubs.  Päpste und Heilige habe ich aber ausser in Ancona noch in keiner Klubzeitschrift angetroffen.

Fredy Bickel: Nein zum modernen Fussball!

Thursday, October 23rd, 2008

Was ein wirklicher “Vollblutstürmer” ist, das wissen wir heute ja gar nicht mehr. Denn wir leben in einer furchtbaren Zeit: stürmende Verteidiger, verteidigende Stürmer – die einen nennen es Total Football, doch letztlich ist es Total Beliebig. Einer, der noch wusste, wo er hingehörte, war die treue GC-Seele Fredy Bickel (1918-1999). Der Mann, der 21 Jahre lang im selben Team spielte, über 200 NLA-Tore schoss und an zwei Weltmeisterschaften dabei war, erklärt sein Verständnis von Rollenteilung:

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(Gefunden auf der LP “Die grosse Sportparade” von 1975. Der unsaubere Schnitt gegen Ende der Sequenz stammt vom Original)