Launig, launig
Monday, October 31st, 2011
Am vergangenen Freitag fand in Nürnberg die Gala zum „Deutschen Fussball-Kulturpreis 2011“ statt. An dieser Stelle darüber berichtet werden kann, weil das Buch „Flachpass – Die Bar im Letzigrund“ bei der Verleihung zum Fussballbuch des Jahres den 7. Rang von insgesamt 400 Neuerscheinungen im deutschsprachigen Fussballbuchmarkt erreichte. Die freundliche Einladung der Deutschen Akademie für Fussballkultur bot die Möglichkeit zu einem freien Wochenende in anregendem Umfeld.
Als bestes Fussballbuch prämiert wurde „Der FC Bayern und seine Juden. Aufstieg und Zerschlagung einer liberalen Fußballkultur“ von Dietrich Schulze-Marmeling. Die Laudatio von Jürgen Kaube (FAZ) liess erahnen, dass dem Autor ein wahrhaft grosses Werk gelungen sein muss. Weitere Preise wurden vergeben für das innovativste Bildungsprojekt, sowie für den Fussballspruch und für die beste Fan-Choreografie der zurückliegenden Bundesliga-Spielzeit. Die anwesenden Gäste wählten in einem sympatisch-chaotischen Verfahren den zweisprachigen Beitrag des Dortmunders Roman Weidenfeller zum Fussball(er)spruch des Jahres: „I think we have a grandios Saison gespielt“. Persönlich gefiel mir die knapp unterlegene Feststellung von Bayerns Thomas Müller allerdings besser: „Die haben Leute dabei, die mehr Haare am Rücken haben als auf dem Kopf. Da ist natürlich mehr Erfahrung da.“ (Müller über Inter Mailand)
Heikel wurde es für die Preisverleiher, weil die Kaiserslauterer Ultra-Gruppierung „Generation Luzifer“ den mit 3000 Euro dotierten „easyCredit-Fanpreis“ für ihre Fritz-Walter-Choreografie nicht annahm. Die Ablehnung bezog sich vor allem auf den Sponsor des Preises und der ganzen Gala: Die Firma easyCredit hält die Namensrechte am Nürnberger Heimstadion, was offensichtlich nicht nur Fans des Clubbs erzürnt. Diese würden lieber im Max-Morlock-Stadion spielen.
Krönender Abschluß des Abends war der leibhaftige Auftritt von Sir Bobby Charlton, der mit dem „Walther-Bensemann-Preis“ ausgezeichnet wurde. Charlton erzählte im Interview, dass er schon als kleiner Junge wusste, dass er Fussballprofi werden würde: „I found the game quite easy.“ 14 Stunden dauerten damals seine sonntäglichen Trainingsspiele auf dem lokalen Bolzplatz, von 08.00 bis 22.00 Uhr. Auch wenn man talentiert ist, geht es offenbar nicht ganz ohne Üben.
Spannend ist solch ein fussballkultureller Anlass vorab, weil allerlei angeregte Gespräche mit spannenden Zeitgenossen und -genossinnen geführt werden können, vornehmlich in den langen Stunden nach dem offiziellen Gala-Teil. Die nächtliche Diskussionen kreisten viel um die letztwöchige „Pokal-Schlacht“ zwischen Dortmund und Dresden. Wer sich speziell für dieses Thema interessiert, dem seien folgende Artikel ans Herz gelegt:
http://publikative.org/2011/10/30/besser-jounalismus/
http://publikative.org/2011/10/26/sogenannter-journalismus-wie-erzahle-ich-fusballrandale/
Nürnberg hat nebst Fussballkulturpreis und Lebkuchen natürlich auch weitere Höhepunkte zu bieten: Etwa die lokale Spezialität der geräucherten Blutwurst oder das Restaurant mit dem Wundernamen „Bella Tandoori“ (im Logo das Kolosseum von Rom und der Taj Mahal) und das Ultra-Fanzine „Ya Basta!“.
Und so lassen sich derartige Kurzferien in Deutschland gleich umschreiben, wie ein Akademie-Mitglied schon vor der Gala den Abend anpries: Launig wie immer.











