Archive for the ‘Deutschland’ Category

Drei von fünf?

Thursday, May 6th, 2010

HandelsblattLeser Pauletta schickt uns ein Faksimile aus dem Handelsblatt Düsseldorf (was die Leute nicht alles lesen!), wo sich jemand vor dem Hintergrund des TRAUMATISCHEN 2006er-Penaltyschiessens über die aktuelle “Superfan“-Aktion des KMU Swiss Life lustig macht. Tenor: Swiss Life soll seine Gelder besser in die Ausbildung versierter Elfmeterschützen stecken als in seltsame Bettgeschichten, denn: “Wir erinnern uns: Drei von fünf Elfern wurden gegen die Ukraine vergeigt.”

Das ist gnädig, sehr gnädig, wird damit doch suggeriert, die andern zwei hätten getroffen. So war es nun ja aber leider nicht. Womit wir dem Handelsblatt Fortuna Düsseldorf mit auf den Weg geben: Entweder ist euer Fussballgedächtnis schandhaft löchrig, oder ihr glaubt, die ganze, harte Wahrheit sei den Lesenden aus Rücksicht auf die Schweizer Volkspsyche nicht zuzumuten. Beides schlimm.

Pauletta übrigens merkt noch an: “Für einmal sind wir Schweizer nicht wegen dem Bankgeheimnis in deutschen Blättern, sondern wegen unseren speziellen Fähigkeiten im Penaltyschiessen. Wobei ich mir nicht sicher bin, was peinlicher ist.”

Aux kiosques, citoyens!

Thursday, April 29th, 2010

Leisten Sie sich unbedingt die aktuelle WOZ, liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs. Sie finden darin ein preiswürdiges Interview mit dem Raucher, Poeten und Sänger Endo Anaconda, eine 1. Mai-Partitur von Pedro Lenz und, jetzt kommts: eine Sonderbeilage zu “100 Jahre FC St. Pauli”. Den Text kann man zwar auch umsonst haben, aber wer sowas nicht in der Hand halten will, und zwar auch noch in 10 oder 20 Jahren, ist zu bedauern. Ist haptisch verkümmert.

Absoluter Konsens? Absoluter Nonsens?

Friday, April 23rd, 2010

Ein gutes oder vielleicht auch sehr gutes Interview mit einem Ultra der Münchner Schickeria führt für Spiegel-online Christoph Ruf. Ein Auszug:

Christian R.: Es gibt die Übereinkunft, dass wir uns selbst verteidigen, wenn wir angegriffen werden. Was meiner Meinung nach selbstverständlich ist.

SPIEGEL ONLINE: Die Frau des Fahrers eines Nürnberger Fanbusses hat im Mai 2007 niemanden angegriffen – nach einem Flaschenwurf aus den Reihen der Schickeria ist sie auf einem Auge blind.

Christian R.: Da gab es auch keinerlei Solidarisierung, im Gegenteil. Die Flaschenwürfe waren feige und gefährliche Taten, die allerdings nicht von der Gruppe ausgingen, sondern von wenigen Einzelnen, die damit die eigenen Ideale mit Füßen getreten haben.

SPIEGEL ONLINE: Das ist doch eine Generalausrede: Für populäre Aktionen sorgt stets die ganze Gruppe, Mist bauen immer nur schwarze Schafe.

Das Kind im Manne

Friday, April 16th, 2010

Wer es auch nicht ganz geschafft hat, sich über die Halbfinalqualifikation des FC Bayern zu ärgern, darf die Tore von Olic und Robben hier noch einmal bestaunen:

Interessante Bildwahl III

Tuesday, March 9th, 2010

Aus Basel schreibt uns der aufmerksame Leser Simon: “Neues aus der Rubrik FCB-Fans-all-over-the-world: Neuerdings werden sie auch für Pyro in Freiburg verantwortlich gemacht.” Und er legt uns dieses Bildschirmfoto ab der Homepage des Noch-Bundesligisten SC Freiburg bei:

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11 Kerzen für ein Halleluja

Friday, March 5th, 2010

128066_hugeDas deutsche “Magazin für Fussballkultur” 11freunde ist 100 geworden. Und hat eine schöne Jubiläumsnummer produziert, die auch an hiesigen Kiosken erhältlich ist. Die 7.70 Sfr auszugeben lohnt sich allein schon wegen des grossartigen Tischgesprächs der Herren Biermann, Breuckmann, Redelings, Brux und Köster unter dem Titel “Was hat uns bloss so ruiniert?” Ein Auszug:

Köster: Uns hat vor kurzem ein Fan aus Hamburg trotzig gesagt: “Also für mich bleibt es die AOL-Arena!”

Breuckmann: Ja, die jungen Leute haben dieses ganze Glitzerpaket Fussballbundesliga inhaliert. Die haben sich daran gewöhnt, es wird nicht mehr in Frage gestellt. Man darf sich keine Illusionen machen, dass eine Kommerzkritik grossen Nachhall finden wird.

Dies und noch viel mehr Aufschlussreiches, Kontroverses und zum Teil ausgesprochen Lustiges findet sich auf den Seiten 56-63. Und jetzt ab!

BILD: auch interessante Bildwahl

Friday, February 26th, 2010

BaguetteUnd wenn wir schon dabei sind: Die Bild-Zeitung schreibt etwas über schmuggelnde Saarbrücker unter dem umwerfenden Titel “Bengalo im Baguette”. (Ich hätte gerne eine Baguette. Mit Schinken? Nein, mit Böller) Also, “Böller im Baguette”. Und dann wird das Ganze bebildert mit – tataaaaaaa – zündenden Ultras im alten Joggeli!

Ha Ha Ha Ha-Ess-Vahau

Friday, February 12th, 2010

Es wird angepriesen als das etwas andere Firm-Buch, Alexander Hohs “In kleinen Gruppen, ohne Gesänge – unterwegs mit den Hamburg Hooligans“. Das Buch habe, so der Klappentext, “was vielen anderen Büchern zum Thema abgeht: Eine gesunde Prise Humor”. Im ersten Kapitel sieht das so aus: Auf der Heimfahrt aus277331507631 Kopenhagen werfen die Protagonisten einer aufdringlichen, naiven “Tunte” die Kleider aus dem Zugsfenster, watschen ihr ein bisschen das Köpfchen und verabschieden sie dann am Bahnhof Lübeck mit dem Lied “Einen kleinen Nymphomanen ficken! Eine kleine geile Sau! Sau!” Es darf nun jeder und jede gerne selber abwägen, wie nahe diese Art der Lustigkeit den eigenen Vorstellungen von Humor kommt.

Der Schreibstil darf getrost mit sports-casual umschrieben werden: “Pinny war ein richtiger Sunnyboy. Er hatte lange, lockige, dunkle Haare, auf denen er meist eine Baseballmütze trug. Er besass eigentlich immer ansteckend gute Laune, und ständig sass ihm der Schalk im Nacken. Er war ein durch und durch sympathischer Kerl, der für jeden Spass zu haben war.  Wenn der altmodische Begriff ‘Mit dem kann man Pferde stehlen!’ irgendwann auf jemanden zutraf, dann auf Pinny.” So geht das dann über gut 400 Seiten, und hin und wieder lacht einem dann doch das Glück. Zum Beispiel, wenn auf Seite 163 plötzlich Blitz’ “Razors in the night” aus den Boxen schallt. You – better watch out!

Temperierte Stange? Leider nein

Tuesday, January 26th, 2010

au_0084Beim Spiel St. Pauli – Aachen vom letzten Wochenende gabs kein Bier mehr: Leitungen eingefroren. Sehr lesenswerter Matchbericht auf dem Übersteiger-Blog, weil es da u.a. auch um jenen St. Pauli-Fan geht, der letztes Jahren in Aachen über eine Betonmauer des neuen Tivoli stürzte, sich schwer verletzte und heute … hier lesen.

Rückrundenstart der Gewalt?

Friday, January 15th, 2010

Wie an neuer Stelle vermerkt, widmet sich in der Süddeutschen Buchautor Ronny Blaschke (“Im Schatten des Spiels”) zum Bundesligarückrundenstart der Gewalt im deutschen Fussball bzw. auf den Rängen desselben bzw. vor dessen Stadiontoren, Mannschaftsbussen, Vereinsheimen. Blaschke fragt, wo es hinführen soll, wenn organisierte Fans aus der Kurve mit Gewaltdrohungen Trainer oder Vorstandsvorsitzende wegschreien können. Und er kommt zu keinem guten Fazit: “Wohin Ultras abdriften können, zeigt sich in Italien.”

DSC01781Im aktuellen “Stern“, den ich mir aus diesem Anlass zum ersten Mal in meinem Leben gekauft habe, schreiben zwei ehemalige RUND-Seelen zum selben Thema, mit einer etwas anderen, sagen wir mal Fan-naheren Optik und unter Einbezug entsprechender Gesprächspartner. Interessant am Artikel, der gemessen am Zielpublikum recht breitfächrig und differenziert daher kommt, sind v.a. die sich in dieser Diskussion nie auflösenden Widersprüche. Während etwa von Polizeiseite von “Lebensgefahr für Familien beim Stadionbesuch” gesprochen wird, während in den Stadien selber immer seltener etwas passiert, verweisen Ultras gerne und sicher auch berechtigterweise auf Polizeitaktiken, die Gewalt eher schüren als verhindern. Was denn aber die Polizei damit zu tun haben soll, wenn Braunschweiger einen Zug mit Hamburgern und Hannoveranern angreifen, darauf erhält man keine Antwort. Und dieses Phänomen kennt keine Landesgrenzen, auch nicht gegen Süden hin.

Ein bisschen stossend, wie immer – und auch das kennen wir zur Genüge aus eigenen Zeitungen und Zeitschriften – die Bildwahl im “Stern”: ein wahlloses Durcheinander von pöbelnden Cottbussern, vermummten Rostockern und zündenden Leverkusern. Die Gewalt hat halt viele Gesichter, gell.

Nachtrag zu phootballs Schneeball-Kommentar: Das hab ich auch gesehen gestern. Der Beamte in seiner Überwachungs-Loge, der sagt: Und wenn wir die kriegen, dann gibt das Stadionverbot. Erinnere mich an einen ähnlichen Vorfall in St. Gallen vor einigen Jahren. Der “Blick” schrieb danach von “Hooligans, die Schneebälle aufs Feld geworfen haben”. Es wird immer schlimmer. Immer schlimmer wird es. Schnee als Waffe. Künftig wird es in der Stadionordnung auch heissen, es sei verboten, Schnee mitzuführen. Oder das Schneien wird grundsätzlich unter Strafe gestellt.