Archive for the ‘Deutschland’ Category

Interessante Bildwahl III

Tuesday, March 9th, 2010

Aus Basel schreibt uns der aufmerksame Leser Simon: “Neues aus der Rubrik FCB-Fans-all-over-the-world: Neuerdings werden sie auch für Pyro in Freiburg verantwortlich gemacht.” Und er legt uns dieses Bildschirmfoto ab der Homepage des Noch-Bundesligisten SC Freiburg bei:

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11 Kerzen für ein Halleluja

Friday, March 5th, 2010

128066_hugeDas deutsche “Magazin für Fussballkultur” 11freunde ist 100 geworden. Und hat eine schöne Jubiläumsnummer produziert, die auch an hiesigen Kiosken erhältlich ist. Die 7.70 Sfr auszugeben lohnt sich allein schon wegen des grossartigen Tischgesprächs der Herren Biermann, Breuckmann, Redelings, Brux und Köster unter dem Titel “Was hat uns bloss so ruiniert?” Ein Auszug:

Köster: Uns hat vor kurzem ein Fan aus Hamburg trotzig gesagt: “Also für mich bleibt es die AOL-Arena!”

Breuckmann: Ja, die jungen Leute haben dieses ganze Glitzerpaket Fussballbundesliga inhaliert. Die haben sich daran gewöhnt, es wird nicht mehr in Frage gestellt. Man darf sich keine Illusionen machen, dass eine Kommerzkritik grossen Nachhall finden wird.

Dies und noch viel mehr Aufschlussreiches, Kontroverses und zum Teil ausgesprochen Lustiges findet sich auf den Seiten 56-63. Und jetzt ab!

BILD: auch interessante Bildwahl

Friday, February 26th, 2010

BaguetteUnd wenn wir schon dabei sind: Die Bild-Zeitung schreibt etwas über schmuggelnde Saarbrücker unter dem umwerfenden Titel “Bengalo im Baguette”. (Ich hätte gerne eine Baguette. Mit Schinken? Nein, mit Böller) Also, “Böller im Baguette”. Und dann wird das Ganze bebildert mit – tataaaaaaa – zündenden Ultras im alten Joggeli!

Ha Ha Ha Ha-Ess-Vahau

Friday, February 12th, 2010

Es wird angepriesen als das etwas andere Firm-Buch, Alexander Hohs “In kleinen Gruppen, ohne Gesänge – unterwegs mit den Hamburg Hooligans“. Das Buch habe, so der Klappentext, “was vielen anderen Büchern zum Thema abgeht: Eine gesunde Prise Humor”. Im ersten Kapitel sieht das so aus: Auf der Heimfahrt aus277331507631 Kopenhagen werfen die Protagonisten einer aufdringlichen, naiven “Tunte” die Kleider aus dem Zugsfenster, watschen ihr ein bisschen das Köpfchen und verabschieden sie dann am Bahnhof Lübeck mit dem Lied “Einen kleinen Nymphomanen ficken! Eine kleine geile Sau! Sau!” Es darf nun jeder und jede gerne selber abwägen, wie nahe diese Art der Lustigkeit den eigenen Vorstellungen von Humor kommt.

Der Schreibstil darf getrost mit sports-casual umschrieben werden: “Pinny war ein richtiger Sunnyboy. Er hatte lange, lockige, dunkle Haare, auf denen er meist eine Baseballmütze trug. Er besass eigentlich immer ansteckend gute Laune, und ständig sass ihm der Schalk im Nacken. Er war ein durch und durch sympathischer Kerl, der für jeden Spass zu haben war.  Wenn der altmodische Begriff ‘Mit dem kann man Pferde stehlen!’ irgendwann auf jemanden zutraf, dann auf Pinny.” So geht das dann über gut 400 Seiten, und hin und wieder lacht einem dann doch das Glück. Zum Beispiel, wenn auf Seite 163 plötzlich Blitz’ “Razors in the night” aus den Boxen schallt. You – better watch out!

Temperierte Stange? Leider nein

Tuesday, January 26th, 2010

au_0084Beim Spiel St. Pauli – Aachen vom letzten Wochenende gabs kein Bier mehr: Leitungen eingefroren. Sehr lesenswerter Matchbericht auf dem Übersteiger-Blog, weil es da u.a. auch um jenen St. Pauli-Fan geht, der letztes Jahren in Aachen über eine Betonmauer des neuen Tivoli stürzte, sich schwer verletzte und heute … hier lesen.

Rückrundenstart der Gewalt?

Friday, January 15th, 2010

Wie an neuer Stelle vermerkt, widmet sich in der Süddeutschen Buchautor Ronny Blaschke (”Im Schatten des Spiels”) zum Bundesligarückrundenstart der Gewalt im deutschen Fussball bzw. auf den Rängen desselben bzw. vor dessen Stadiontoren, Mannschaftsbussen, Vereinsheimen. Blaschke fragt, wo es hinführen soll, wenn organisierte Fans aus der Kurve mit Gewaltdrohungen Trainer oder Vorstandsvorsitzende wegschreien können. Und er kommt zu keinem guten Fazit: “Wohin Ultras abdriften können, zeigt sich in Italien.”

DSC01781Im aktuellen “Stern“, den ich mir aus diesem Anlass zum ersten Mal in meinem Leben gekauft habe, schreiben zwei ehemalige RUND-Seelen zum selben Thema, mit einer etwas anderen, sagen wir mal Fan-naheren Optik und unter Einbezug entsprechender Gesprächspartner. Interessant am Artikel, der gemessen am Zielpublikum recht breitfächrig und differenziert daher kommt, sind v.a. die sich in dieser Diskussion nie auflösenden Widersprüche. Während etwa von Polizeiseite von “Lebensgefahr für Familien beim Stadionbesuch” gesprochen wird, während in den Stadien selber immer seltener etwas passiert, verweisen Ultras gerne und sicher auch berechtigterweise auf Polizeitaktiken, die Gewalt eher schüren als verhindern. Was denn aber die Polizei damit zu tun haben soll, wenn Braunschweiger einen Zug mit Hamburgern und Hannoveranern angreifen, darauf erhält man keine Antwort. Und dieses Phänomen kennt keine Landesgrenzen, auch nicht gegen Süden hin.

Ein bisschen stossend, wie immer – und auch das kennen wir zur Genüge aus eigenen Zeitungen und Zeitschriften – die Bildwahl im “Stern”: ein wahlloses Durcheinander von pöbelnden Cottbussern, vermummten Rostockern und zündenden Leverkusern. Die Gewalt hat halt viele Gesichter, gell.

Nachtrag zu phootballs Schneeball-Kommentar: Das hab ich auch gesehen gestern. Der Beamte in seiner Überwachungs-Loge, der sagt: Und wenn wir die kriegen, dann gibt das Stadionverbot. Erinnere mich an einen ähnlichen Vorfall in St. Gallen vor einigen Jahren. Der “Blick” schrieb danach von “Hooligans, die Schneebälle aufs Feld geworfen haben”. Es wird immer schlimmer. Immer schlimmer wird es. Schnee als Waffe. Künftig wird es in der Stadionordnung auch heissen, es sei verboten, Schnee mitzuführen. Oder das Schneien wird grundsätzlich unter Strafe gestellt.

“Die eigene Party feiern”

Friday, January 8th, 2010

Vereine und Spieler würden sich immer weniger für die Menschen auf den Rängen interessieren, sagt Michael Gabriel, weshalb die Leute auf den Rängen auch zunehmend ihre eigene, vom Spiel losgelöste Party feierten. Der Leiter der deutschen Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) in Frankfurt spricht in einem ausführlichen Interview mit der Süddeutschen Zeitung über Ultras und Fussball und macht dabei deutlich, wie hilfreich es sein kann, wenn Leute ausgebildet werden, um eine Ahnung zu haben. Eine Ahnung von den Abläufen in der Fanszene zum Beispiel. In der Schweiz sind Ansätze vorhanden, doch die Rückschläge lassen nicht lange auf sich warten: So kürzt die Stadt Luzern ihren Beitrag an die dortige Fanarbeit um 45′000 auf 20′000 Franken, was nicht nur die Fanarbeit an sich, sondern auch das Fanlokal Zone5, in dem die Fanarbeit eingemietet ist, existentiell bedroht. Die lakonische Begründung für die Sparmassnahme: die meisten Fans wohnten ohnehin nicht in der Stadt. Mit dieser Logik könnte Luzern auch gleich seinen ÖV einstellen, wird er doch auch nur zu einem Teil von Stadtbewohnern genutzt.

Als ich mit Beckenbauer spielte

Saturday, December 26th, 2009

Im Sommer 1977 – ich war 12 Jahr alt – war die Aufregung gross in unserem Dorf. Der Fussballgott Franz Beckenbauer wollte sich bei uns niederlassen. Eben erst hatte er einen sagenhaften Vertrag mit New York Cosmos abgeschlossen, für welche beckenbauerer die nächsten drei Jahre zusammen mit Pelé spielen sollte. Die Millionen wollte der Kaiser aber nicht mit dem deutschen Fiskus teilen und einigte sich stattdessen mit den Behörden des Kantons Obwalden. So würde seine Famile also in die oberste Etage des “Hochhauses” einziehen (so genannt, weil es weit und breit das einzige seiner Art war). Das Haus, in dem ich wohnte, stand direkt daneben. Erst kamen die Möbel und kurz darauf die Blutmeute des “Blick”. Weil sie nicht eingelassen wurde, schickte sie kurzerhand den Automechaniker von nebenan, damit dieser an der Wohnungstür klinge, während sich die sprungbereiten Reporter auf der Treppe verstecken konnten. Bald kehrte aber der Alltag ein, und man traf sich mit des Kaisers Söhnen auf dem Spielplatz, oder wir spielten im geräumigen Wohnzimmer der Familie Beckenbauer Tischfussball und tranken Limonade. Stefan, der jüngere, war frech, spuckte Mädchen an (auch ältere!), und ich fand, dass er auch sonst ein feiner Kerl war. Michael, gleich alt wie ich, war still und etwas wehleidig.

Ich war ein schlechter Fussballer, eine klassische Nummer 13 (zweiter Einwechselspieler). Ich spielte rechter Aussenverteidiger und hatte Angst, den Ball zu bekommen. Ich stellte mich, wann immer möglich, neben einen Gegenspieler. So war ich gedeckt, und keiner kam auf die Idee, mich anzuspielen. Stefan war ziemlich talentiert und spielte deshalb in Luzern. Er hat es später beim FC Saarbrücken zum Bundesligaprofi gebracht, für die ganz grosse Karriere hat es aber nicht gereicht. Michael dagegen war nicht so gut und spielte mit mir bei den C-Junioren des Dorfvereins. Er hat öfter geweint nach einem harten Zweikampf oder wenn ihm etwas misslang. Einmal  fuhren wir abends mit unseren Fahrrädern vom Training nach Hause, als er bei einem Bahnübergang mit dem Vorderreifen in die Schiene geriet und stürzte. Er hatte sich ziemlich aufgeschürft und heulte. Ich weiss nicht, was mich mehr ärgerte: das Heulen oder dass er zu blöd war, um über die Gleise zu fahren. Er tat mir aber auch leid, und ich kehrte um und wartete auf ihn. Im Grunde war er mir sympathisch, weil er – wie ich – alles andere als ein Held war. Mein Glück war, dass mein Vater nicht Franz Beckenbauer hiess. Ich frage mich, was aus Michael geworden ist. Es wäre schön, wenn er sich wieder einmal bei mir melden würde. Wir könnten gemeinsam etwas unternehmen. Eine Radtour, vielleicht.

(von Markus, heute nicht mehr im Dorf wohnhaft)

Witz komm raus

Friday, December 11th, 2009

… beide Nati-Stürmer (gesprochen: Nazi-Stürmer) …

Es musste wieder mal sein, es waren schon zu viele Wochen vergangen seit dem letzten Mal. Im aktuellen 11freunde-Magazin hat sich Christoph Ruf, Autor des Fussballbuchs des Jahres 2008, den FC Basel vorgenommen – und eine im Grunde lesenswerte Aussensicht abgeliefert. Diese auf Teufel komm raus lustige Pointe wäre allerdings nicht nötig gewesen. Im Artikel geht es u.a. um das Verhältnis der 125712_hugeBasler zu ihren deutschen Nachbarn, und eigentlich auf gutem Niveau. Der Nazi-Nati-Witz aber, herrgott. Bruno Ziauddin hat in seinem Buch beschrieben, dass sich viele Schweizer v.a. über die Verniedlichung alles Schweizerischen durch einige Deutsche ärgern. Dass sie alles Schweizerische so putzig finden, so süss. Genau das spielt beim Nazi-Nati-Witz: Die Schweizer sind so herzig-unbedarft, dass sie sogar, ohne es zu merken, aus ihren Nationalspielern Nazis machen. Dass aber eben niemand Schweizer Naaazi sagt, sondern Natzi mit kurzem a, fällt leider dem Humor zum Opfer. Vor diesem Hintergrund nervt es dann grad auch ein bisschen mehr, ein paar Zeilen später zu lesen:

Tranquillo Barnetta, Diego Benaglio, Ivan Rakitic, Mladen Petric oder Eren Derdiyok heissen die Spieler, die derzeit in der Bundesliga spielen. Sie wurden samt und sonders beim FC Basel ausgebildet.

Thesen, Thesen, putzige Thesen. Nun denn.

(Ernsthaft putzig dagegen: das Augsburg-Stadionposter in der selben 11freunde-Ausgabe. Spiegelverkehrt. U.a. mit dem Effekt, dass auf der Anzeigetafel der FCA zum Gästeverein degradiert wird.)

“Schuldigung, meine Frau”

Thursday, November 26th, 2009

Es gab ja dieses Spiel Hansa Rostock gegen St. Pauli, an einem Montag vor ein paar Wochen. Rostock liegt in Deutschland. Deutschland ist eines jener Länder, in denen laut Karin Keller-Sutter und ihren Mitreisenden viereinhalb Polizisten reichen, um ein Hochrisikospiel zu begleiten. In Rostock, Deutschland, waren es an jenem Montagabend ein paar mehr, 1500 insgesamt. Eine Ausnahme, würde Karin Keller-Sutter vermutlich sagen. Aber sie weiss vielleicht auch gar nichts von diesem Spiel. Für sie und ihre KKJPD-Gefährten sind Begegnungen wie Freiburg-Hoffenheim ja Hochrisiko. Item. Nun gibt es auf Youtube einen Zehnminüter zum Polizeieinsatz in Rostock. Embedded journalism at its greatest. Und doch ein bisschen aufschlussreich: