Archive for the ‘Bücher’ Category

Bitte nicht mehr anrufen!

Monday, August 30th, 2010

Die aus einem Erdloch aufgetauchten Knapp-daneben-Bücher sind weg. Jetzt heisst vergriffen wirklich vergriffen.

Armes Italien

Friday, August 13th, 2010

Wer noch Sommerferien hat, oder sonstwie (viel) zu viel Zeit, kann sich mal von kritischer Seite auf den neusten Stand in Sachen italienische Fankultur bringen. Kai Tippmann, Autor des Blogs Altravita setzt sich intensiv mit einem längeren Bericht aus der Repubblica auseinander, der im Mai unter dem Titel “Die Hände der Ultràs im Geschäft mit dem Fussball” erschienen ist. Ausserdem begrüssenswert ist, dass Tippmann noch dieses Jahr eine Deutsche Übersetzung des Buchs Tifare Contro auf den Markt bringen will. Buch und Blog: Kategorie nicht mehr ganz neu, aber sehr lesenswert.

Buchtipp mit Fleisch II

Monday, March 22nd, 2010

Wie sang einst Helge Schneider: “Mein Zuhaaaaause ist die Metzgerei”. Leser Sporting macht uns im Zusammenhang mit Fleischfussball noch auf eine sehr schöne, natürlich wie immer über ihn zu beziehende Publikation aufmerksam mit dem Titel “Colores en la piel – Costumbres del Futbol Argentino“. Sporting schreibt, es sei

ein toller Bildband aus Argentinien über Rituale der Fussballfans, da hats geschlagene 20 Seiten Grossaufnahmen von Grillwürsten und denen, die sie essen.

Als kleinen – der Ausdruck ist an dieser Stelle wohl zu rechtfertigen – Appetizer hängt er freundlicherweise eine Kostprobe an. El Chorizo fanatico!

HPIM1146

Buchtipp mit Fleisch

Sunday, March 21st, 2010

Freundinnen und Freunden des tadellosen Geschmacks sei das neue Büchlein des Zeichners und Schreibers Ruedi Widmer ans Herz gelegt. Es heisst “Die Wirklichkeit, mit Fleisch nachempfunden” und enthält keine Texte, sondern nur Bildpaare im Stile von “bei der Geburt getrennt”, die meisten davon waren zuvor in der Titanic erschienen. Das handliche Werk eignet sich auch sehr als Geschenk, wenn man z.B. zu einer Berner Platte eingeladen ist. Oder zum Grillplausch. Das folgende Bildpaar stammt nicht aus dem Buch, dafür ist es zu wenig professionell. Ich habe das nur zur Illustration der Buchempfehlung erstellt.

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Ha Ha Ha Ha-Ess-Vahau

Friday, February 12th, 2010

Es wird angepriesen als das etwas andere Firm-Buch, Alexander Hohs “In kleinen Gruppen, ohne Gesänge – unterwegs mit den Hamburg Hooligans“. Das Buch habe, so der Klappentext, “was vielen anderen Büchern zum Thema abgeht: Eine gesunde Prise Humor”. Im ersten Kapitel sieht das so aus: Auf der Heimfahrt aus277331507631 Kopenhagen werfen die Protagonisten einer aufdringlichen, naiven “Tunte” die Kleider aus dem Zugsfenster, watschen ihr ein bisschen das Köpfchen und verabschieden sie dann am Bahnhof Lübeck mit dem Lied “Einen kleinen Nymphomanen ficken! Eine kleine geile Sau! Sau!” Es darf nun jeder und jede gerne selber abwägen, wie nahe diese Art der Lustigkeit den eigenen Vorstellungen von Humor kommt.

Der Schreibstil darf getrost mit sports-casual umschrieben werden: “Pinny war ein richtiger Sunnyboy. Er hatte lange, lockige, dunkle Haare, auf denen er meist eine Baseballmütze trug. Er besass eigentlich immer ansteckend gute Laune, und ständig sass ihm der Schalk im Nacken. Er war ein durch und durch sympathischer Kerl, der für jeden Spass zu haben war.  Wenn der altmodische Begriff ‘Mit dem kann man Pferde stehlen!’ irgendwann auf jemanden zutraf, dann auf Pinny.” So geht das dann über gut 400 Seiten, und hin und wieder lacht einem dann doch das Glück. Zum Beispiel, wenn auf Seite 163 plötzlich Blitz’ “Razors in the night” aus den Boxen schallt. You – better watch out!

FWW-Buchhinweis

Friday, January 29th, 2010

Hier wieder einmal ein Buchtipp: Am 8. Februar erscheint (nicht ganz in Echtzeit) “Feld-Wald-Wiese” von Daniel Ryser, ein dünnes Buch, das zu dicken Diskussionen Anlass geben wird und übrigens nichts mit Geografie, Forst- oder Landwirtschaft zu tun hat, sondern mit der Zürcher Hooliganszene. Und nein, es ist nicht so, wie Sie denken. Es ist NICHT in der Tradition englischer oder neuerdings auch deutscher Hooligan-Literatur (hust, hust, hust) gehalten, weil zwar von innen betrachtet, aber immer von aussen beschrieben wird. Davon konnte ich mich an der Lesung im Dezember überzeugen. Mit freundlicher Bestellempfehlung.

Bücher zu Weihnachten

Friday, December 18th, 2009

Damit kann sich auch nicht jedes Buch rühmen: dass es in der NZZ gleich zweimal prominent besprochen wird, beide Male mit farbiger Abbildung des Buchumschlags. Dem “Hardturm” kommt diese Ehre zuteil: Nach einer schwärmerischen Rezension im Zürich-Bund kurz nach Erscheinen folgt heute die etwas gedämpftere auf der “Sportbücher”-Seite im Sportteil. “Der Hardturm” wird dabei nun mit dem “nach wir vor empfehlenswerten” Espenmoos-Buch von 2008 verglichen, was ein bisschen doppelt fies ist. Weil an das Espenmoos-Buch heranzukommen auch doppelt schwierig ist: Es ist nämlich nicht nur grossartig, sondern auch längst vergriffen und entsprechend begehrt.

Nun denn. Auf der selben Sportbücherseite würdigt Heinz Stalder heute auch das “Stadion Allmend“, indem er den Fokus stark auf die darin breit vertretene Fanszene legt (aus deren Innerem das Buch ja auch stammt):

Luzerner Löwen jagten die Tiere aus den Wappen der Gegner, (…) Anfeuerungs- und Spottsprüche wurden in wilden Rhythmen zusammengestellt und umformuliert. Feuerwerk wurde gezündet, die Allmend mit bengalischem Licht eingeräuchert. Die Offiziellen auf den Holzbänken und Schalensitzen (…) entsetzten sich oft, freuten sich aber insgeheim über die Kreativität der immer schon sehr eigenständigen Fans auf den Stehrampen der gegenüberliegenden Tribüne. Worüber sollte man sich auch allzu sehr echauffieren?

Wer noch weitere sinnvolle Geschenktipps braucht, kann gerne die Kategorie “Bücher” auf diesem Blog anklicken oder, um den Begriff der Sinvölle zu strapazieren, sich hier gütlich tun.

Schon wieder ein Buch!

Wednesday, November 18th, 2009

dasbuchUnd schon wieder eine Erinnerung an ein dahingeschiedenes Stadion: Nach dem “Hardturm” erscheint diese Woche “Stadion Allmend“, ein 312 Seiten dicker Ziegelstein mit 400 Bildern, dazu eine DVD für die Masochisten unter den Nostalgikern. Aus Gründen der Befangenheit halte ich die Empfehlung kurz und nüchtern: buy or die. Gilt nicht nur für Weihnachten und nicht nur für die Innerschweiz.

Ein Stück Stadtkultur

Friday, November 13th, 2009

Die Kulanz des Hier+Jetzt-Verlages macht es möglich, dem blossen Hinweis auf das eben erschienene Hardturm-Buch nun auch eine kurze inhaltliche Würdigung folgen zu lassen. Man hält mit den “Erinnerungen an ein aussergewöhnliches Stadion”, wie es im Untertitel heisst, ein schönes Werk in den Händen. Die Fotosammlung des GC-Fans Jens Fischer bildet die Grundlage der Publikation, und es wird an vielen Stellen deutlich, dass hier weniger der Profi mit dem Sinn für Kompositionen und als Moment erfassten Geschichten als eben der Anhänger mit dem Auge fürs Detail an der Arbeit war. Seine Heimat waren zweifelsohne die Stehplätze im Heimsektor, Aufnahmen der Haupt- oder Gästetribüne während eines Spiels fehlen. Das ist zwar bedauerlich, aber verständlich bei einer Publikation, die weniger auf einem Konzept als auf dem Fundus eines “Archivars” basiert.

155_0_umschlag_gross“Der Hardturm” ist ein unverzichtbares Erinnerungsstück für alle, die in diesem Stadion eine Heimat gefunden hatten. Er versetzt aber mit Sicherheit auch jene in Rührseligkeit, die jahrelang skandierend drohten, das Stadion dereinst anzuzünden. Denn so sehr der Hardturm bei Gästefans als verhasste und schwer einzunehmende Festung galt, so deutlich wurde nach seiner Schliessung, welch grosse Lücke in der Stadionlandschaft er hinterlässt. In einem der 20 kurzen Textbeiträge schildert der Autor denn auch prägnant, welche Chance mit dem Abriss vertan wurde. Die alte Haupttribüne zeitgemäss ersetzen, und viele Diskussionen um Euro, Quartierverträglichkeit und Urbanität wären hinfällig geworden.

Nicht immer reicht die Kürze der Texte für so viel Klarheit. So wird die temporäre Besetzung des Hardturm im Sommer 2008 auf irritierende Weise verurteilt und implizit für den späteren Abriss verantwortlich gemacht. Hier hat man offiziellen Verlautbarungen zu sehr Glauben geschenkt: Ob mit oder ohne “Brotäktschen”, wie die Besetzung damals hiess, eine Sanierung des alten Stadions stand nie ernsthaft zur Debatte. Man müsste sich vielmehr glücklich schätzen, atmete der Hardturm vor seinem Ende noch einmal etwas Leben.

Spieltage in Zürich-West waren immer etwas Besonderes, die Erinnerungen an Fantrauben vor dem Restaurant “Stadion” und nach dessen Abbruch vor dem “Hobo”, an die Ansammlungen der Gästefans vor dem “Herdern”, das kurz nach der Stadionschliessung aus lauter Wehmut explodierte – sie sind wach und schmerzen zuweilen. Dass die Grundmauern heute einer reichen Stadtflora Boden bieten, ist ein kleiner Trost. Genau wie das Buch selber. Ein kleiner Trost, der seinen Preis allemal wert ist.

Jens Fischer: Der Hardturm. Erinnerungen an ein aussergewöhnliches Stadion. Hier+Jetzt, Baden 2009. 38 Sfr

Nächste Station: Hier und Jetzt

Monday, November 9th, 2009

155_0_umschlag_grossAngesichts eines Defizits von 10 Millionen Franken und der Aussicht, sich noch bis 2019 mit Boris Smiljanic herumschlagen zu müssen, wird es Anhängerinnen und Anhänger des Grasshopper Club sicherlich freuen, dass auch gute Nachrichten möglich sind in diesen durch und durch trüben Zeiten: Beim Hier+Jetzt-Verlag ist soeben ein Buch über den Hardturm erschienen, das zu kaufen sich sicherlich lohnt. Es ist schon lobenswert genug, dass jemand ein Buch zu einem dahingeschiedenen Stadion macht (wir erinnern uns sehr gern ans Espenmoos-Buch und, Achtung: Ende November kommt ein dicker Ziegel zur Luzerner Allmend). Dass es gerade hier und jetzt erscheint, zeugt zusätzlich von grossem Mut, haben viele GC-Fans ihren letzten Groschen doch dem Verein gespendet. Aber vielleicht kauft ja der Boris mit einem Bruchteilchen seiner zehn noch ausstehenden Jahresgehälter die ganze Auflage (2500) auf und verschenkt sie dem Volk. Das wäre einmal eine Geste.

Übrigens: Beim googeln von “hier jetzt hardturm” stiess ich auf einen Tagi-online-Artikel vom 4. September 2009, der das Kunststück fertig bringt, dem “Stadion” dreimal orthographisch zu huldigen, und zwar auf zwei verschiedene Arten. Bonne nuit.

Tagi-Hardturm

Tagi_Hardturm2