Archive for the ‘Bier’ Category

Starkbier – wo?

Monday, April 19th, 2010

“Wird im Stadion Starkbier getrunken, soll der Verein mehr bezahlen”

So übertitelt der Tages-Anzeiger in seiner Print-Ausgabe vom vergangenen Samstag einen Text zum neuen “Mustervertrag zur Gewalteindämmung und Nüchternbleibung” zwischen Behörden und Klubs. Starkbier? Kennt jemand einen Verein, der Starkbier ausschenkt? Bitte umgehend melden. Ich würde da gerne ein Spiel schauen gehen.

Mit Tony Renis im Flachland

Monday, March 15th, 2010

SchneemannJetzt, wo sich der Winter bitte langsam dem Ende zu neige, was ich für einen sehr gelungenen Einstiegssatz halte, weil neige = Schnee, jetzt also ist der richtige Moment für eine Liegefahrt im Wiener Walzer, unter dem Arm ein Buch über eine Frau, die im Wiener Walzer fährt (und noch in ganz vielen anderen Nachtzügen). Wie immer ein tolles Erlebnis. Vor allem auch die stets zurückhaltende Art des Liegewagenpersonals, wenn es darum geht, den schon in Linz Aussteigenden das Frühstück zu bringen. Tür aufreissen mit 134 Dezibel, alle verfügbaren Lichter an und dann laut schreien: “Wea hot Tee, wea Kaffee?” Danke, ich nicht, ich habe nur Zeit, noch zwei Stunden um genau zu sein, die ich eigentlich schlafend verbringen könnte, bis Wien, so Sie mich denn lassen.

Die Feier zur 50. Ausgabe des besten Fussballmagazins im erweiterten Alpenraum hält, was sie verspricht, nur dass die grossen Flaschen Newcastle Brown Ale bald ausgehen. Erinnert sich jemand an Alex Rubli? Er war einmal der Beifahrer vom Meteo-Bucheli, in der Frühphase. Alex Rubli hat einmal in der Schweizer Illustrierten gesagt auf die Frage, was ihn glücklich mache: Newcastle Brown Ale. Das Schöne an diesem Bier ist auch die weisse Flasche. Mit jedem Schluck leert sie sich sichtbar, und wenn nichts mehr drin ist, wirkt sie leicht und zart. Und der GCZTrinker ist glücklich, wie Alex Rubli. Ich habe aber zu früh die Segel gestrichen. Es ist das Alter. Beim Rausgehen zeigt mir der Herr Direktor persönlich noch einen Aufkleber eines Schweizer Fussballvereins, den ich so dort nicht erwartet hätte. Mit Sack und Pack schleppe ich mich zum hölzernen Würstlstand und bestelle wie angewiesen eine “Bosna”: Zwei Bratwürste in einer langen Semmel mit allerlei Gewürzen und Saucen, ein veritables Menu, das sich zu einer langen Schifffahrt in einem Meer aus Brown Ale aufmacht.

HSVEs gibt aber auch Tageslicht in Wien. Dabei ist zu erfahren, dass ein bekannter Hamburger Sportverein in Österreich umsonst Mobiltelefone verteilt. Ich hab aber schon eines, und das reicht mir vollkommen. Auf dem Flohmarkt überlege ich mir den Kauf einer  Postkarte mit einer Giraffe vorne drauf, ein Relikt aus den 80er Jahren, Safari-Park irgendwas. Die Frau möchte einen Euro dafür. Das ist sehr teuer, wenn man bedenkt, dass nebenan nagelneue Handys verschenkt werden. Ich lege die Karte zurück in die Kiste und schäme mich auf einem ausgedehnten Spaziergang entlang der Donau ob meiner Knausrigkeit. Dort sehe ich, wie sich ein Heer von Bibern von Osten her allmählich die StadtDSmampf einverleibt. Also: Wer noch nie in Wien war, sofort hingehen. In ca. drei Jahren ist da alles weggefressen.

Dann fährt der Zug hinaus in die Neustadt, Sturm Graz ist zu Gast bei Magna, dem neuen Spielzeug von Herrn Stronach. Eine interessante, sehr flache Gegend. Und Gäste-Anhänger mit einem für mich nur noch schwer zu entziffernden Idiom. A goa da guegg da goan da guaag. Der junge Herr vor mit im Block trägt eine Jacke mit einer Ausbuchtung am Rücken, auf der steht: “Avalanche Rescue System”. Sehr beruhigend. Es sind zwar keine Erhebungen auszumachen rund um Wiener Neustadt, aber angenommen es wären, angenommen die Tektonik hätte plötzlich einen Anfall und Berge würden sich erheben und Schnee zu Tale stürzen, dieser Mann vor mir wäre auf der sicheren Seite, und ich würde mich an seine Kapuze hängen und wäre mitgerettet. Solche Sachen können einem schon in den Sinn kommen bei einem Spiel, in dessen Verlauf es genau eine Torchance gibt, die zudem vergeben wird. “Gemma Gemma Gemma” singen unterdessen und mit Ausdauer die “Schwoazn” aus Graz, eine schöne Reminiszenz an Tony Renis‘ “Quando Quando Quando”.

Dann überstürzen sich die Ereignisse und auf der Rückfahrt auch die Dose Zywiec des mitgereisten Direktors, der sich dafür in einem Anflug beispiellosen Anstandes cat_1125660977bei den übrigen Abteilinsassen für die nasse Sauerei inklusive Geruchsemissionen entschuldigt. Höflichkeit kennt keine Grenzen innerhalb von Österreich. Um ein Haar verpasse ich den Nachtzug nach Hause, schuld war ein explosionsartig aufkommendes Hungergefühl. Ich schnappe mir eine Lange Scharfe Ungarische, das ist die Paradewurst der Westbahnhof-Bude, und sie wird, als wäre sie ein Wienerli, in ein Brot gesteckt, obwohl sie grösser ist als ein ausgewachsener Schüblig – ein gigantischer Hotdog. Mein Abteil, das ich dank einer glücklichen Fügung (für alle andern) mit niemandem teilen muss, erlebt einen Brosamenregen sondergleichen, so knusprig ist der Brotschlafsack der Langen Scharfen Ungarischen. Am Morgen bleibe ich aus Protest liegen, bis links das Perron vom Zürcher Hauptbahnhof erscheint. Es ist 7.19 Uhr. Der Schaffner wird ranzig: “Jetzt sind Sie aber wach ja!” Jetzt bin ich wach, ja.

Ha Ha Ha Ha-Ess-Vahau

Friday, February 12th, 2010

Es wird angepriesen als das etwas andere Firm-Buch, Alexander Hohs “In kleinen Gruppen, ohne Gesänge – unterwegs mit den Hamburg Hooligans“. Das Buch habe, so der Klappentext, “was vielen anderen Büchern zum Thema abgeht: Eine gesunde Prise Humor”. Im ersten Kapitel sieht das so aus: Auf der Heimfahrt aus277331507631 Kopenhagen werfen die Protagonisten einer aufdringlichen, naiven “Tunte” die Kleider aus dem Zugsfenster, watschen ihr ein bisschen das Köpfchen und verabschieden sie dann am Bahnhof Lübeck mit dem Lied “Einen kleinen Nymphomanen ficken! Eine kleine geile Sau! Sau!” Es darf nun jeder und jede gerne selber abwägen, wie nahe diese Art der Lustigkeit den eigenen Vorstellungen von Humor kommt.

Der Schreibstil darf getrost mit sports-casual umschrieben werden: “Pinny war ein richtiger Sunnyboy. Er hatte lange, lockige, dunkle Haare, auf denen er meist eine Baseballmütze trug. Er besass eigentlich immer ansteckend gute Laune, und ständig sass ihm der Schalk im Nacken. Er war ein durch und durch sympathischer Kerl, der für jeden Spass zu haben war.  Wenn der altmodische Begriff ‘Mit dem kann man Pferde stehlen!’ irgendwann auf jemanden zutraf, dann auf Pinny.” So geht das dann über gut 400 Seiten, und hin und wieder lacht einem dann doch das Glück. Zum Beispiel, wenn auf Seite 163 plötzlich Blitz’ “Razors in the night” aus den Boxen schallt. You – better watch out!

Temperierte Stange? Leider nein

Tuesday, January 26th, 2010

au_0084Beim Spiel St. Pauli – Aachen vom letzten Wochenende gabs kein Bier mehr: Leitungen eingefroren. Sehr lesenswerter Matchbericht auf dem Übersteiger-Blog, weil es da u.a. auch um jenen St. Pauli-Fan geht, der letztes Jahren in Aachen über eine Betonmauer des neuen Tivoli stürzte, sich schwer verletzte und heute … hier lesen.

2,4 innerorts

Friday, January 22nd, 2010

16.14 Uhr: Unser Privatreporter meldet per SMS live aus der Pressekonferenz des “Runden Tischs zu Gewalt an Sportveranstaltungen”: “Obacht from Bundeshaus, in Zukunft wird in NLA und NLB nur noch Leichtbier getrunken. Prost.”

Das Bermudadreieck der Langeweile

Sunday, October 18th, 2009

Anfang Oktober war ich zwei Tage in Nürnberg, Franken. Die Franken wechselte ich in Euro, die Euro gab ich aus. Für Kaffee mit Kirschkuchen im Café am Fluss, dessen Namen ich mir nicht merken konnte. Aber Nürnberg ist schöner als sein Ruf. Hat es überhaupt einen Ruf? Ich war angereist über München. Es war das letzte Wiesn-Wochenende. Der Schnellzug aus der Schweiz ein einziger Testosterontransport mit gute-Laune-Wettbewerb. Männer jeden Alters türmen Biere vor sich auf, die sie noch vor der Ankunft getrunken haben wollen. Um dann auch richtig Mass halten zu können im Paulanerzelt. Eine grosse Gruppe welscher Bauern in Edelweisshemd, Ehering und Filz-Gilet macht sich breit. Pro Viererabteil gibts ein Fässchen Feldschlösschen, bis Lindau bleibt davon nur Alu übrig.  Dann kommt der Weisswein und die Frauen werden begrüsst. Mit dem Charme, den ein welscher Bauer nach einem Viertelfass Bier eben so parat hat. In München sind geschätzte 78% der EC-Passagiere bedient. Ich bedaure, nicht dazu zu gehören.

Für je einen Euro kaufe ich mir einen guten Milchkaffee und einen grossen Butterbrezel am Münchner Hauptbahnhof. Es ist interessant: Zuhause herrscht ein Kampf um die Preisobergrenze, Kaffee unter vier Franken am Bahnhof wird schwierig. Ein paar Reisestunden weiter werben alle Buden mit den tiefsten Preisen. Aber zwei Euro für einen Kaffee mit Brezel, was gibt das wohl für einen Stundenlohn, Herr Hartz?

BiermeisterIn Nürnberg lerne ich die Hersteller des an diesem Abend preisgekrönten Fanzines zur Alemannia Aachen kennen. Und schätzen. Sie sagen Sachen wie “Hannover, Wolfsburg, Braunschweig – das  Bermudadreieck der Langeweile” oder “Von dir will ich mich in Ernährungsfragen nicht länger bevormunden lassen!” Am nächsten Morgen geht es vor die Tore der Stadt. Nach Fürth. Nach einer Nacht mit Vollbier bin ich als Vollzahler Gast bei der SPVGG im leider nicht mehr Playmobil genannten Stadion. Es ist ein selten hässliches Flickwerk aus nicht weniger aus acht verschiedenen Tribünenelementen, wobei der Klotz mit den Logen als besonders misslungen hervorzuheben ist. Wer sich hier als VIP niederlässt und dafür auch noch bezahlt, sollte sich freiwillig bevormunden lassen. Das Spiel ist in der zweiten Hälfte gut, die vielen mitgereisten Fortunen friedliche Menschen. Als ein paar die Fürther Fürthverhöhnen mit “Für ein Heimspiel – seid ihr ganz schön laut”, meint der Capo: “Na gut, viel lauter sind wir auch nicht.” Zurück gehts nach Nürnberg. In der S-Bahn kommentiert ein Düsseldorfer den Look einer dem Zug entsteigenden Mutter: “Frauen ab 40 sollten sich kein Metall mehr aus dem Gesicht wachsen lassen.” Sein Kumpel sagt: “Wenn Quelle zumacht, ist hier nix mehr.” Ich glaube, er hat recht.

Bei einer schönen böhmischen Wirtin schaue ich, wie der Club in Leverkusen auf die Nüsse bekommt. Ein paar ältere Franken schauen mit. Ich esse dazu ein mir bis dahin unbekanntes Gericht: KnaipeEin grosses Schnitzel, eingeklemmt zwischen zwei Rösti-artigen Kartoffeldeckeln. Dazu ein Blatt Salat und zwei grosse Pilsner. Dann fährt der Regio nach Buchloe. Er ist hoffnungslos überfüllt. Eine Frau hält das schlecht aus. “Schatzi, das ist so Scheisse hier”, sagt sie ihm ins Telefon. Schatzi kann auch nichts machen in dem Moment. Aber er darf sich schon mal freuen auf das Wiedersehen. In Buchloe dann ist meine Vorfreude gross auf den EC aus München. Und ich werde nicht enttäuscht: Die Wiesn auf Schienen. Was ich zuvor noch nie gesehen habe: Die Minibar ist mit reduziertem Angebot, dafür mit einer Zapfsäule unterwegs (Heineken). Für Güter die Bahn. Gute Nacht.

Felder (13)

Thursday, October 8th, 2009

Vortal

Aufgenommen von Andrea im Vortal bei Alpirsbach. Dort gibt es ein schmackhaftes gleichnamiges Hefegetränk – besonders empfehlenswert ist das Kristallklar, die “klassische, perlig-prickelnde Erfrischung”. In diesem Zusammenhang bin ich auf die Vereinigung Die Freien Brauer gestossen, welche weitere Kostbarkeiten offenbart. Prost!

PS: Natürlich muss, wer die NZZ liest, nicht für sein Bier in die Ferne schweifen. Sehr wohl aber einen Zug zulegen, um diese beunruhigende Tendenz zu stoppen: “Tranken Frau – und vor allem Herr – Schweizer zu Beginn der neunziger Jahre noch gut 70 Liter Bier pro Kopf und Jahr, sind es heute nicht einmal mehr 60.”

Wir sind Weltmeister!

Wednesday, September 16th, 2009

DSC01662Nicht nur im Sammeln und Rezyklieren von Aluminium, wie uns Swiss Recycling gerne von Plakatwänden verkündet. Sondern auch im pro-aktiven Saufen von alkoholischen Getränken vor alkoholfreien Europacupspielen. Weltmeister! Wer hätte das gedacht! Danke Uefa. (Aufgenommen um 20.19 Uhr vor dem Eingang 6 des Letzigrund Stadions, am Dienstagabend vor FCZ – Reales Madrid. Die rote Dose rechts unten ist von mir. Entschuldigung an dieser Stelle an Entsorgung und Recycling Zürich ERZ.)

Danke II

Monday, May 18th, 2009

Zur Vorgeschichte: Ich heirate am 29. Mai. Für einen FCZ Anhänger ein unpassendes Datum, da ja bekanntlich an diesem Tag die Meisterschaft beendet wird und der FCZ wahrscheinlich gegen GC den Meistertitel holt. Aber a) Fussball ist nicht alles im Leben und b) kannte ich den verdammten Spielplan ja Anfangs Jahr noch nicht. Und wer weiss, wenn die Grossmutter von Herrn Zloczower an diesem Tag Geburtstag gehabt hätte, dann wäre das Spiel vielleicht auf den Samstag verlegt worden. Egal, jedenfalls war ich am Sonntag ziemlich nervös, weil für einmal auch mein privates Glück ein bisschen mit dem FCZ verbunden war. Mich ärgerte es auch weniger, dass der FCZ nicht Meister geworden ist, sondern vielmehr, dass er jetzt Meister wird, wenn ich zum Hochzeitstanz ansetze. Zwei Bier nach dem Spiel beruhigten mich und ich machte mich leichten Fusses auf den Weg nach Hause. Im Tram dann die Überraschung: Hinter mir sitzt doch tatsächlich Christian Gross. Es ist ja eigentlich nichts aussergewöhnliches, dass man in Zürich Prominente auf der Strasse trifft. Meine Zukünftige fuhr zum Beispiel mal mit dem Fahrrad über Moritz Leuenbergers Füsse. Aber der Trainer des FC Basels eineinhalb Stunden nach dem Spiel im Tram durch den Kreis 4? Wo er doch aus seiner Zeit in London wissen sollte, dass der ÖV auch so seine Tücken hat.

Zuerst war eigentlich alles friedlich. Nach zwei Stationen jedoch wusste auch der Letzte im Tram, dass Christian Gross mitfuhr. An der Zypressenstrasse stiegen zwei eher grimmige Fans kurz aus, um ihren Aggressivleader ins Tram zu holen. An der Haltestelle Kalkbreite herrschte schliesslich eine eher ungemütliche Stimmung im Tram. Die bösen Jungs stiegen aber alle aus. Dann aber will der Aggressivleader die Situation doch noch ausnutzen und versucht wieder, ins Tram und zu Christian Gross zu gelangen. Da ich direkt an der Tür stehe, schubse ich ihn zurück. Dafür kriege ich eins in die Fresse. Dann wird noch ins Tram gespuckt und die Tür geht wieder zu. Christian Gross hat an diesem Sonntag also nicht nur meine Hochzeit torpediert, ich habe als Dank auch noch eine eingefangen. Zum Glück ist mir nichts passiert – hätte Scheisse ausgesehen, wenn ich mit einer Gesichtsmaske hätte heiraten müssen. Und was ist die Moral von der Geschichte? Das nächste Mal nehme ich wieder das Velo, das wird eventuell sogar von der Polizei gewaschen.

“In the fuckin’ man!”

Tuesday, April 14th, 2009

Am Bahnhof kaufe ich mir eine kühle Flasche Chodovar, eines meiner Lieblingsbiere. Weil ich nicht zuletzt deswegen Gefahr laufe, eine zu gute Laune mit mir herumzutragen, dämpfe ich die Euphorie mit dem Kauf der aktuellen Weltwoche. Die Titelgeschichte über frustrierte Lehrer beginnt mit einem abschreckenden Beispiel aus Biel: “In der Realklasse 9a im Oberstufenzentrum Madretsch herrschen seit Jahren chaotische Zustände.” Wie lange bleibt eine durchschnittliche Bieler Klasse wohl im 9. Jahr? Ziemlich lange, offenbar.

Dann steig ich in Luzern aus und um auf die ZB nach Kriens Mattenhof. Am Perron bestaune ich die neue Kampagne von bluewin tv. Sie wirbt für Live-Fussball, und zwar so: Julio Hernan Rossi im Dress von Xamax jubelt auf der Leinwand, zwei Männer auf der Couch (man sieht sie von hinten) jubeln ihm zu. Darunter steht: “Stefan und Philipp, Bern, 20.17 Uhr” Das habe ich nicht gewusst. Also dass Xamax in Bern so beliebt ist. Gut, es gibt vielleicht 2-3 Exilneuenburger. Aber die heissen eher nicht Stefan und Philipp. Die Botschaft von bluewin tv ist also: Wenn du männlich bist, in Bern wohnst und Xamax unterstützt, solltest du ein bluewin-tv-Abo kaufen. Ob die Zielgruppe jetzt sehr gross ist, kann ich nicht sagen. 

Auf der Allmend kauf ich ein Billett für den Gästesektor. Dort, beim Eingang, sind eben die letzten Busse aus dem Wallis angekommen. Es steigen und fallen Menschen aus den Karossen, die mit jeder Faser ihres Körpers veranschaulichen, in welche Abgründe eine dreistündige Busreise den menschlichen Organismus zu reissen vermag. Unfairerweise ist der Gästesektor in Luzern für Menschen mit reduziertem Gleichgewichtssinn der gefährlichste Ort überhaupt, besteht er doch zu grossen Teilen aus einer schräg abfallenden, geteerten Fläche, die nirgends Halt bietet. Männer in rot-weissen Textilien verteidigen verbissen ihre persönliche Vertikale, indem sie Schwankungen mit dem Gewicht einer Wurst in der einen und jenem eines Bieres in der andern Hand auszugleichen versuchen. Es macht sich rundherum eine grosse Heiterkeit breit.

Kurz vor Anpfiff ertönt “We will rock you” aus den Boxen. Mein Unterwalliser Nebenmann ist wie elektrisiert. Er singt laut mit: “Cas in the pace, livin the nace, bady i canner and in the fuckin’ man – We will we will rock you!” Dann ziehen die Luzerner ihre Choreografie hoch. “Mais c’est mille fois meilleur que le Kop Nord”, sagt mein Nebenmann zu seinem Kumpel. Überhaupt, die Luzerner: Die haben einen ausgezeichneten Sinn für Melodie und Rhythmus. Selten werden Gesänge so rein vorgetragen, selten bleibt eine Kurve so sicher im Takt wie auf der Allmend. Meine Theorie: die Fasnacht. Die beste Schule für Kollektivgesang.

In der zweiten Halbzeit treffe ich vier Bekannte. Sie haben kein Ticket für den Heimsektor mehr gekriegt. Mit offiziellen und weniger offiziellen Rauschmitteln verschaffen sie sich jenen Ruhepuls, der nötig ist, um nicht plötzlich unbedacht zu jubeln bei Luzerner Treffern. Es gelingt ihnen vorzüglich. Mit dem Schlusspfiff nach 90 Minuten spüre ich ein plötzliches Absacken meines körperlichen Salzgehalts auf ein gefährlich tiefes Niveau. Und so tue ich, was ich die vielen hundert Male zuvor im Stadion noch nie getan habe: Ich esse eine zweite Wurst. Einen zweiten Schüblig. Es sollte mir nicht gut bekommen.

Die Penaltyentscheidung sehe ich vom Sockel des Flutlichtmastens aus, die Bekannten reichen mir netterweise ein letztes Getränk hoch. Danach kippen jubelnde Walliser über den Zaun zu ihren Spielern. Einige werden frivol und rennen Richtung Heimkurve, um den Sieg noch etwas fieser auszukosten. Das reicht dann aber einem kleinen Bataillon Blau-weisser. Vorschriftsgemäss vermummen sie sich und rennen den Wallisern entgegen. All das unter teilnahmsloser Beobachtung der Securitas, die unterdessen den Spielerausgang bewacht. Nach ein paar Tritten und Flätteren ist die Sache gelaufen, der letzte Walliser weggeschickt und das Territorium verteidigt. Dann kommt doch noch die Securitas. Sie hatte so lange gebraucht, weil sie sich erst noch neongelbe Signalwesten besorgen musste.

Draussen bleibt es ruhig. Am schönsten Wasserwerfer der Schweiz vorbei besteige ich den Bus. Dann den Zug. Ich bin froh, hab ich die Allmend noch einmal lebend gesehen.