Archive for the ‘Bier’ Category

Ha Ha Ha Ha-Ess-Vahau

Friday, February 12th, 2010

Es wird angepriesen als das etwas andere Firm-Buch, Alexander Hohs “In kleinen Gruppen, ohne Gesänge – unterwegs mit den Hamburg Hooligans“. Das Buch habe, so der Klappentext, “was vielen anderen Büchern zum Thema abgeht: Eine gesunde Prise Humor”. Im ersten Kapitel sieht das so aus: Auf der Heimfahrt aus277331507631 Kopenhagen werfen die Protagonisten einer aufdringlichen, naiven “Tunte” die Kleider aus dem Zugsfenster, watschen ihr ein bisschen das Köpfchen und verabschieden sie dann am Bahnhof Lübeck mit dem Lied “Einen kleinen Nymphomanen ficken! Eine kleine geile Sau! Sau!” Es darf nun jeder und jede gerne selber abwägen, wie nahe diese Art der Lustigkeit den eigenen Vorstellungen von Humor kommt.

Der Schreibstil darf getrost mit sports-casual umschrieben werden: “Pinny war ein richtiger Sunnyboy. Er hatte lange, lockige, dunkle Haare, auf denen er meist eine Baseballmütze trug. Er besass eigentlich immer ansteckend gute Laune, und ständig sass ihm der Schalk im Nacken. Er war ein durch und durch sympathischer Kerl, der für jeden Spass zu haben war.  Wenn der altmodische Begriff ‘Mit dem kann man Pferde stehlen!’ irgendwann auf jemanden zutraf, dann auf Pinny.” So geht das dann über gut 400 Seiten, und hin und wieder lacht einem dann doch das Glück. Zum Beispiel, wenn auf Seite 163 plötzlich Blitz’ “Razors in the night” aus den Boxen schallt. You – better watch out!

Temperierte Stange? Leider nein

Tuesday, January 26th, 2010

au_0084Beim Spiel St. Pauli – Aachen vom letzten Wochenende gabs kein Bier mehr: Leitungen eingefroren. Sehr lesenswerter Matchbericht auf dem Übersteiger-Blog, weil es da u.a. auch um jenen St. Pauli-Fan geht, der letztes Jahren in Aachen über eine Betonmauer des neuen Tivoli stürzte, sich schwer verletzte und heute … hier lesen.

2,4 innerorts

Friday, January 22nd, 2010

16.14 Uhr: Unser Privatreporter meldet per SMS live aus der Pressekonferenz des “Runden Tischs zu Gewalt an Sportveranstaltungen”: “Obacht from Bundeshaus, in Zukunft wird in NLA und NLB nur noch Leichtbier getrunken. Prost.”

Das Bermudadreieck der Langeweile

Sunday, October 18th, 2009

Anfang Oktober war ich zwei Tage in Nürnberg, Franken. Die Franken wechselte ich in Euro, die Euro gab ich aus. Für Kaffee mit Kirschkuchen im Café am Fluss, dessen Namen ich mir nicht merken konnte. Aber Nürnberg ist schöner als sein Ruf. Hat es überhaupt einen Ruf? Ich war angereist über München. Es war das letzte Wiesn-Wochenende. Der Schnellzug aus der Schweiz ein einziger Testosterontransport mit gute-Laune-Wettbewerb. Männer jeden Alters türmen Biere vor sich auf, die sie noch vor der Ankunft getrunken haben wollen. Um dann auch richtig Mass halten zu können im Paulanerzelt. Eine grosse Gruppe welscher Bauern in Edelweisshemd, Ehering und Filz-Gilet macht sich breit. Pro Viererabteil gibts ein Fässchen Feldschlösschen, bis Lindau bleibt davon nur Alu übrig.  Dann kommt der Weisswein und die Frauen werden begrüsst. Mit dem Charme, den ein welscher Bauer nach einem Viertelfass Bier eben so parat hat. In München sind geschätzte 78% der EC-Passagiere bedient. Ich bedaure, nicht dazu zu gehören.

Für je einen Euro kaufe ich mir einen guten Milchkaffee und einen grossen Butterbrezel am Münchner Hauptbahnhof. Es ist interessant: Zuhause herrscht ein Kampf um die Preisobergrenze, Kaffee unter vier Franken am Bahnhof wird schwierig. Ein paar Reisestunden weiter werben alle Buden mit den tiefsten Preisen. Aber zwei Euro für einen Kaffee mit Brezel, was gibt das wohl für einen Stundenlohn, Herr Hartz?

BiermeisterIn Nürnberg lerne ich die Hersteller des an diesem Abend preisgekrönten Fanzines zur Alemannia Aachen kennen. Und schätzen. Sie sagen Sachen wie “Hannover, Wolfsburg, Braunschweig – das  Bermudadreieck der Langeweile” oder “Von dir will ich mich in Ernährungsfragen nicht länger bevormunden lassen!” Am nächsten Morgen geht es vor die Tore der Stadt. Nach Fürth. Nach einer Nacht mit Vollbier bin ich als Vollzahler Gast bei der SPVGG im leider nicht mehr Playmobil genannten Stadion. Es ist ein selten hässliches Flickwerk aus nicht weniger aus acht verschiedenen Tribünenelementen, wobei der Klotz mit den Logen als besonders misslungen hervorzuheben ist. Wer sich hier als VIP niederlässt und dafür auch noch bezahlt, sollte sich freiwillig bevormunden lassen. Das Spiel ist in der zweiten Hälfte gut, die vielen mitgereisten Fortunen friedliche Menschen. Als ein paar die Fürther Fürthverhöhnen mit “Für ein Heimspiel – seid ihr ganz schön laut”, meint der Capo: “Na gut, viel lauter sind wir auch nicht.” Zurück gehts nach Nürnberg. In der S-Bahn kommentiert ein Düsseldorfer den Look einer dem Zug entsteigenden Mutter: “Frauen ab 40 sollten sich kein Metall mehr aus dem Gesicht wachsen lassen.” Sein Kumpel sagt: “Wenn Quelle zumacht, ist hier nix mehr.” Ich glaube, er hat recht.

Bei einer schönen böhmischen Wirtin schaue ich, wie der Club in Leverkusen auf die Nüsse bekommt. Ein paar ältere Franken schauen mit. Ich esse dazu ein mir bis dahin unbekanntes Gericht: KnaipeEin grosses Schnitzel, eingeklemmt zwischen zwei Rösti-artigen Kartoffeldeckeln. Dazu ein Blatt Salat und zwei grosse Pilsner. Dann fährt der Regio nach Buchloe. Er ist hoffnungslos überfüllt. Eine Frau hält das schlecht aus. “Schatzi, das ist so Scheisse hier”, sagt sie ihm ins Telefon. Schatzi kann auch nichts machen in dem Moment. Aber er darf sich schon mal freuen auf das Wiedersehen. In Buchloe dann ist meine Vorfreude gross auf den EC aus München. Und ich werde nicht enttäuscht: Die Wiesn auf Schienen. Was ich zuvor noch nie gesehen habe: Die Minibar ist mit reduziertem Angebot, dafür mit einer Zapfsäule unterwegs (Heineken). Für Güter die Bahn. Gute Nacht.

Felder (13)

Thursday, October 8th, 2009

Vortal

Aufgenommen von Andrea im Vortal bei Alpirsbach. Dort gibt es ein schmackhaftes gleichnamiges Hefegetränk – besonders empfehlenswert ist das Kristallklar, die “klassische, perlig-prickelnde Erfrischung”. In diesem Zusammenhang bin ich auf die Vereinigung Die Freien Brauer gestossen, welche weitere Kostbarkeiten offenbart. Prost!

PS: Natürlich muss, wer die NZZ liest, nicht für sein Bier in die Ferne schweifen. Sehr wohl aber einen Zug zulegen, um diese beunruhigende Tendenz zu stoppen: “Tranken Frau – und vor allem Herr – Schweizer zu Beginn der neunziger Jahre noch gut 70 Liter Bier pro Kopf und Jahr, sind es heute nicht einmal mehr 60.”

Wir sind Weltmeister!

Wednesday, September 16th, 2009

DSC01662Nicht nur im Sammeln und Rezyklieren von Aluminium, wie uns Swiss Recycling gerne von Plakatwänden verkündet. Sondern auch im pro-aktiven Saufen von alkoholischen Getränken vor alkoholfreien Europacupspielen. Weltmeister! Wer hätte das gedacht! Danke Uefa. (Aufgenommen um 20.19 Uhr vor dem Eingang 6 des Letzigrund Stadions, am Dienstagabend vor FCZ – Reales Madrid. Die rote Dose rechts unten ist von mir. Entschuldigung an dieser Stelle an Entsorgung und Recycling Zürich ERZ.)

Danke II

Monday, May 18th, 2009

Zur Vorgeschichte: Ich heirate am 29. Mai. Für einen FCZ Anhänger ein unpassendes Datum, da ja bekanntlich an diesem Tag die Meisterschaft beendet wird und der FCZ wahrscheinlich gegen GC den Meistertitel holt. Aber a) Fussball ist nicht alles im Leben und b) kannte ich den verdammten Spielplan ja Anfangs Jahr noch nicht. Und wer weiss, wenn die Grossmutter von Herrn Zloczower an diesem Tag Geburtstag gehabt hätte, dann wäre das Spiel vielleicht auf den Samstag verlegt worden. Egal, jedenfalls war ich am Sonntag ziemlich nervös, weil für einmal auch mein privates Glück ein bisschen mit dem FCZ verbunden war. Mich ärgerte es auch weniger, dass der FCZ nicht Meister geworden ist, sondern vielmehr, dass er jetzt Meister wird, wenn ich zum Hochzeitstanz ansetze. Zwei Bier nach dem Spiel beruhigten mich und ich machte mich leichten Fusses auf den Weg nach Hause. Im Tram dann die Überraschung: Hinter mir sitzt doch tatsächlich Christian Gross. Es ist ja eigentlich nichts aussergewöhnliches, dass man in Zürich Prominente auf der Strasse trifft. Meine Zukünftige fuhr zum Beispiel mal mit dem Fahrrad über Moritz Leuenbergers Füsse. Aber der Trainer des FC Basels eineinhalb Stunden nach dem Spiel im Tram durch den Kreis 4? Wo er doch aus seiner Zeit in London wissen sollte, dass der ÖV auch so seine Tücken hat.

Zuerst war eigentlich alles friedlich. Nach zwei Stationen jedoch wusste auch der Letzte im Tram, dass Christian Gross mitfuhr. An der Zypressenstrasse stiegen zwei eher grimmige Fans kurz aus, um ihren Aggressivleader ins Tram zu holen. An der Haltestelle Kalkbreite herrschte schliesslich eine eher ungemütliche Stimmung im Tram. Die bösen Jungs stiegen aber alle aus. Dann aber will der Aggressivleader die Situation doch noch ausnutzen und versucht wieder, ins Tram und zu Christian Gross zu gelangen. Da ich direkt an der Tür stehe, schubse ich ihn zurück. Dafür kriege ich eins in die Fresse. Dann wird noch ins Tram gespuckt und die Tür geht wieder zu. Christian Gross hat an diesem Sonntag also nicht nur meine Hochzeit torpediert, ich habe als Dank auch noch eine eingefangen. Zum Glück ist mir nichts passiert – hätte Scheisse ausgesehen, wenn ich mit einer Gesichtsmaske hätte heiraten müssen. Und was ist die Moral von der Geschichte? Das nächste Mal nehme ich wieder das Velo, das wird eventuell sogar von der Polizei gewaschen.

“In the fuckin’ man!”

Tuesday, April 14th, 2009

Am Bahnhof kaufe ich mir eine kühle Flasche Chodovar, eines meiner Lieblingsbiere. Weil ich nicht zuletzt deswegen Gefahr laufe, eine zu gute Laune mit mir herumzutragen, dämpfe ich die Euphorie mit dem Kauf der aktuellen Weltwoche. Die Titelgeschichte über frustrierte Lehrer beginnt mit einem abschreckenden Beispiel aus Biel: “In der Realklasse 9a im Oberstufenzentrum Madretsch herrschen seit Jahren chaotische Zustände.” Wie lange bleibt eine durchschnittliche Bieler Klasse wohl im 9. Jahr? Ziemlich lange, offenbar.

Dann steig ich in Luzern aus und um auf die ZB nach Kriens Mattenhof. Am Perron bestaune ich die neue Kampagne von bluewin tv. Sie wirbt für Live-Fussball, und zwar so: Julio Hernan Rossi im Dress von Xamax jubelt auf der Leinwand, zwei Männer auf der Couch (man sieht sie von hinten) jubeln ihm zu. Darunter steht: “Stefan und Philipp, Bern, 20.17 Uhr” Das habe ich nicht gewusst. Also dass Xamax in Bern so beliebt ist. Gut, es gibt vielleicht 2-3 Exilneuenburger. Aber die heissen eher nicht Stefan und Philipp. Die Botschaft von bluewin tv ist also: Wenn du männlich bist, in Bern wohnst und Xamax unterstützt, solltest du ein bluewin-tv-Abo kaufen. Ob die Zielgruppe jetzt sehr gross ist, kann ich nicht sagen. 

Auf der Allmend kauf ich ein Billett für den Gästesektor. Dort, beim Eingang, sind eben die letzten Busse aus dem Wallis angekommen. Es steigen und fallen Menschen aus den Karossen, die mit jeder Faser ihres Körpers veranschaulichen, in welche Abgründe eine dreistündige Busreise den menschlichen Organismus zu reissen vermag. Unfairerweise ist der Gästesektor in Luzern für Menschen mit reduziertem Gleichgewichtssinn der gefährlichste Ort überhaupt, besteht er doch zu grossen Teilen aus einer schräg abfallenden, geteerten Fläche, die nirgends Halt bietet. Männer in rot-weissen Textilien verteidigen verbissen ihre persönliche Vertikale, indem sie Schwankungen mit dem Gewicht einer Wurst in der einen und jenem eines Bieres in der andern Hand auszugleichen versuchen. Es macht sich rundherum eine grosse Heiterkeit breit.

Kurz vor Anpfiff ertönt “We will rock you” aus den Boxen. Mein Unterwalliser Nebenmann ist wie elektrisiert. Er singt laut mit: “Cas in the pace, livin the nace, bady i canner and in the fuckin’ man – We will we will rock you!” Dann ziehen die Luzerner ihre Choreografie hoch. “Mais c’est mille fois meilleur que le Kop Nord”, sagt mein Nebenmann zu seinem Kumpel. Überhaupt, die Luzerner: Die haben einen ausgezeichneten Sinn für Melodie und Rhythmus. Selten werden Gesänge so rein vorgetragen, selten bleibt eine Kurve so sicher im Takt wie auf der Allmend. Meine Theorie: die Fasnacht. Die beste Schule für Kollektivgesang.

In der zweiten Halbzeit treffe ich vier Bekannte. Sie haben kein Ticket für den Heimsektor mehr gekriegt. Mit offiziellen und weniger offiziellen Rauschmitteln verschaffen sie sich jenen Ruhepuls, der nötig ist, um nicht plötzlich unbedacht zu jubeln bei Luzerner Treffern. Es gelingt ihnen vorzüglich. Mit dem Schlusspfiff nach 90 Minuten spüre ich ein plötzliches Absacken meines körperlichen Salzgehalts auf ein gefährlich tiefes Niveau. Und so tue ich, was ich die vielen hundert Male zuvor im Stadion noch nie getan habe: Ich esse eine zweite Wurst. Einen zweiten Schüblig. Es sollte mir nicht gut bekommen.

Die Penaltyentscheidung sehe ich vom Sockel des Flutlichtmastens aus, die Bekannten reichen mir netterweise ein letztes Getränk hoch. Danach kippen jubelnde Walliser über den Zaun zu ihren Spielern. Einige werden frivol und rennen Richtung Heimkurve, um den Sieg noch etwas fieser auszukosten. Das reicht dann aber einem kleinen Bataillon Blau-weisser. Vorschriftsgemäss vermummen sie sich und rennen den Wallisern entgegen. All das unter teilnahmsloser Beobachtung der Securitas, die unterdessen den Spielerausgang bewacht. Nach ein paar Tritten und Flätteren ist die Sache gelaufen, der letzte Walliser weggeschickt und das Territorium verteidigt. Dann kommt doch noch die Securitas. Sie hatte so lange gebraucht, weil sie sich erst noch neongelbe Signalwesten besorgen musste.

Draussen bleibt es ruhig. Am schönsten Wasserwerfer der Schweiz vorbei besteige ich den Bus. Dann den Zug. Ich bin froh, hab ich die Allmend noch einmal lebend gesehen.

Moldova

Friday, March 27th, 2009

Im Stadion, in dem die Nati sich gerade auf das morgige Quali-Spiel vorbereitet, hab ich einmal ein Spiel der Ersten Moldawischen Liga gesehen, Dynamo gegen ZSKA, im Herbst 2006. 0:8 hiess es am Ende, ab Nummer 6 hatte der Junge an der hölzernen Anzeigetafel ein Problem. Das brachte das kleine Bataillon moldawischer Rekruten, die sich auf der Tribüne zur Unterstützung ihres Klubs ZSKA eingefunden hatten, sehr zum Lachen. 

Wir wohnten damals direkt neben dem Dynamo-Stadion. Tagsüber fand dort Schulsport statt, abends kickten die Jungen auf den Beton-Nebenplätzen. Ein schöner Ort, gut ausgelastet. Und mit wunderbaren Reliquien aus der Zeit vor dem Chinaplastik, der heute die Märkte Chisinaus und der ganzen Welt dominiert. So zum Beispiel das schmiedeiserne Stadiontor mit dem Dynamo-D oder die von Hand gemalten Matchplakate rund ums Stadion. Überhaupt ist der Beruf des Schriftenmalers/der Schriftenmalerin in Moldawien noch immer ein sehr attraktiver. In den Strassen schmücken riesige, handgemalte Unikate die Häuserwände und werben für Konzerte oder sonstige Veranstaltungen.

Gestalterisches und darstellerisches Geschick und einen Sinn für klare Botschaften beweisen die MoldawierInnen aber auch bei Sakralbauten und Kruzifixen, wie ich bei einem Ausflug zu einem Klosterkomplex ausserhalb der Hauptstadt erfahren durfte. Zuguterletzt sei auf die grosse Liebe der Einheimischen zu ihrem Lokalbier (”Chisinau”) verwiesen, das Jung und Alt bereits ab den Morgenstunden in den Parks konsumiert. Verpönt ist das keineswegs, verkaufen doch alle paar Meter kleine Kioske das hervorragende Brauerzeugnis.

Mein Züribasel

Thursday, March 19th, 2009

18uhr10. Ich hole unsre Tochter aus der Krippe ab. In den Strassen des Sihlfelds erste Fangrüppchen. Zwölfjährige Jungs in Südkurvenkluft. Eine Studentinnengruppe im Fanshoplook. Spürbare Vorfreude. 

1990. Erste Fahrt nach Basel. Mein Freund und ich haben schauen uns das Spiel mit seinem Basler Vater an. Natürlich provozieren wir leichtsinnigen Jugendlichen ihn gerne. Mitte der zweiten Halbzeit weitet sich unser Streit aus auf den halben Block („Stön’doch üübärä zu eune Schiisziircher“). Das 3:3 kurz vor Schluss durch Basels Uwe Dittis rettet unsere Haut.

19uhr30. Nur noch schnell den Sohn ins Bett und dann ab. FCZ-Songs steigern seine Weinkrämpfe, beim einzigen Basellied, das ich kenne, döst er friedlich ein. Ein gutes Omen? 

1994. Im Joggeli mit 42‘000 weiteren Zuschauern. In der Halbzeitpause besucht eine Basler Fangruppierung in orangen Bomberjacken die Zürcher Ecke und es kommt zu einer Rauferei. Sektorentrennung, damals noch ein Fremdwort. Haris Skoros 1:1 verhindert vorerst Basels Aufstieg in die NLA.

19uhr46. Auch die 37jährigen Familienväter ziehen nun zum Stadion. Schnell noch einen Kebab und zwei Bier am Lochergut. Ich hoffe auf ein überlanges Spiel bis zum 18. Penalty. Träumer. 

1998. Heimspiel im Letzigrund. Vor dem Spiel prügeln FCB-eigene Security-Kräfte die Basler Fans der Osttribüne entlang in Richtung Auswärtssektor. Die Clubordner haben verdächtige Ähnlichkeiten mit den Typen in den orangen Jacken. Shorunmu, Huber und Bartlett gewinnen gegen Potocianu, Ceccaroni und Rychkov mit 2:1.

20uhr07. Schon drin. Sie haben was gelernt im neuen Letzi und endlich zusätzliche Eingänge geöffnet. Laute Antibasel-Gesänge vor dem Spiel und schöne Pyroshow der Basler.  

2004. Humor im St. Jakob. Auf den Rängen duellieren sich zwei Fangruppen mit ausgefeilten Ideen. Die Südkurve verlegt den ersten Teil der Choreografie kurzerhand ausserhalb des Stadions an ein Brückengeländer. Die Muttenzerkurve ihrerseits entrollt über dem FCZ-Block ein Transparent mit der Aufschrift „Fusion, da laufts“. Was sich liebt, das neckt sich.

21uhr40. Scheissspiel. Scheisspenalty. Passt. Einsamer Höhepunkt ist das neue Lied der Südkurve. Eine Adaption des Friedenslieds Hevenu Shalom Alechem. Passt eher nicht. Ausserdem scheint mir der Text ‚Mir gäbet alles für dä FCZ‘ nicht ganz astreines Züridütsch.

2007. Bomber im Hardturm. Bei Spielende besucht die Crème de la crème der Basler Ehemaligen-Hooliganszene (ja, die in den vormals orangen Jacken) den Eingang der FCZ-Fankurve und haut auf alles ein, was sich bewegt. Stadionsicherheit und Polizei haben vom Aufmarsch wieder einmal nichts mitbekommen.

22uhr15. Es knallt an der Schlachthofecke. Wie seit jeher. Wir ziehen uns auf ein Mineralwasser ins Lokal zurück, Bier gibt‘s erst ab Mitternacht. Selten so entnervtes Servierpersonal gesehen. Später dann noch Steinbocksalsiz aus Brigels und Zürcher Pils in einer netten Bar. Diskussionen mit Zlaty und Theo über Uniformität und Radikalität der Kurve, über Stromlinienförmigkeit und Totalitarismus. So wird es schnell einmal spät.