Archive for the ‘Aarau’ Category

Grosser Rat ist teuer

Wednesday, May 5th, 2010

Mit 89 zu 33 Stimmen hat sich also das Aargauer Kantonsparlament, der Grosse Rat, für ein Burka-Verbot und die Lancierung einer Standesinitiative ausgesprochen. Die Idee dazu hatte ein Parlamentarier der Schweizer Demokraten (SD). Das ist jene Partei, die neulich im Zürcher Wahlkampf mit der Parole “Islamisierung und Afrikanisierung stoppen” antrat. 89 zu 33 für die SD. Da muss den Leuten aber was unter den Nägeln brennen, huärägopfertamisiech.robbie.jpg.display

Jetzt gehe ich doch auch schon gegen die 40. Die erste Hälfte meines Lebens hab ich im Dorf gewohnt, die zweite in der Stadt. Aber weder am einen noch am andern Ort habe ich jemals eine Burka tragende Frau gesehen. Ich war auch nicht im gleichen Tram wie jene krass mutige NZZamSonntag-Journalistin, die einen Tag lang wallraffte zwischen Bellevue und Paradeplatz und von ihrer Zeitung eine Seite dafür erhielt aufzuschreiben, wie krass komisch die Reaktionen auf eine Tram fahrende Burkafrau sind. Ich habe also keinerlei Erfahrung mit Burkas, ja ich weiss nicht einmal, ob das der richtige Plural ist oder ob es vielleicht Burken heisst oder Burkis (das wäre dann der Fussballbezug) oder vielleicht sogar ja Burka’s. Keine verdammte Ahnung. Und dann les ich das vom Aargau.

Das muss ja einen Siech voll Burkas haben in diesem Kanton, Herrgottjesus, wenn der Leidensdruck schon das Verhältnis 89 zu 33 erreicht hat. Aber wo? Letzte Woche war ich einen Tag lang in Bremgarten, und was hab ich gesehen? Einen Fluss, eine Brücke, eine Ente. Burka Fehlanzeige. Wo könnten die denn sein? Hat es irgendwo ein Nest? Im Fricktal vielleicht? In Kaisten, Wettingen, Lieli? Oder vielleicht sogar in Endingen und Lengnau?

Wir dürften die Augen nicht verschliessen vor den Problemen unserer Zeit, sagen sie. Ja, die Burka. Genau die Burka ist eines dieser dringenden, drängenden Probleme. Genau ungefähr ihretwegen haben wir uns Sorgen zu machen. Der Rest läuft ja wie geschmiert. Afrikaniserung stoppen, Burka verbieten, 89 zu 33. Herrgott steig hinab und räum auf. Wir bitten Dich erhöre uns.

Über sieben Brüggli musst du gehn’

Wednesday, March 10th, 2010

Anlässlich einer Lesung Ende 2009 darauf angesprochen, habe ich “Brügglifäld Olé” wieder aus dem Gedächtnis verbannt, bis mich Herr Roter Stern Unterstrass heute auf den dazugehörigen Clip rund um den FC Aarau aufmerksam gemacht hat. Sie heissen auch die Unabsteigbaren, die Herren vom FCA, und dass man dem unbedingt beipflichten muss, sehen Sie in den folgenden drei Minuten. Oder möchte das irgend jemand missen? Möchte irgend jemand, dass ein Verein, der sowas hervorbringt, von der Bildfläche verschwindet? Nicht im Ernst, oder? Wie schreibt doch schön der Herr Noz im Kommentar: “Gute Güte”. Damit ist ja dann alles gesagt.

Stadionverbot für Campus-Schläger?

Saturday, February 7th, 2009

Die Geschichte ist bekannt: Hooligan Spielervermittler trifft Journalisten bei Trainingsspiel auf dem GC-Campus in Niederhasli, Austausch von Nettigkeiten, Spielervermittler wird tätlich, Journalist erstattet Anzeige. Gestern nun hat der Tages-Anzeiger, auf dessen Sportredaktion der Journalist arbeitet, den Vorfall in einem längeren Text abgehandelt und vor allem: bebildert! Ein Fotograf des Tages-Anzeigers war nämlich ebenfalls zugegen und Profi genug, die gute Story über kollegiale Solidarität zu stellen, also abzudrücken vor dem Einschreiten.

Die Aufnahme ist, bei aller Anteilnahme, ein Glücksfall. Sie liefert dem Tages-Anzeiger nämlich eines dieser so heiss begehrten, leider aber viel zu seltenen Hooliganbilder. Endlich erhält der (auch vom Tagi) dutzendfach wiederverwertete Schnappschuss vom Cupspiel Schaffhausen-FCZ, den die Agentur Keystone seit Jahren anbietet, ernsthafte Konkurrenz. Wurde ja auch Zeit. Dem Spielervermittler, inzwischen auch als “Campus-Schläger” bekannt, droht nun Stadionverbot. So erwägt laut Tages-Anzeiger der FC Aarau, dem Manne künftig den Zutritt zum Brügglifeld zu verwehren (Sportchef Hächler: “Es ist höchste Zeit, dass etwas unternommen wird.”). Ein Stadionverbot wäre auch absolut vertretbar und völlig reglementskonform. Gewalt gegen Leib und Leben am Rande eines Fussballspiels – das reicht sogar locker für die Hooligandatenbank. Wir bleiben dran.

Ja und übrigens: Was passiert ist, ist natürlich

hundsmiserabelgrottenschlimm.

Mit Hosenträgern im Cornaredo

Friday, September 5th, 2008

Es heisst “Das Fanbuch”, erschien 1988 im strohalm-Verlag und umfasst über 340 authentische Beiträge aus dem Leben von “Fans und Hooligans”. Wir werden hier tröpfchenweise Perlen aus diesem einzigartigen, 800-seitigen Kompendium der Fanszene veröffentlichen und beginnen mit einem der wenigen Berichte aus der Schweiz. Es handelt sich um die Auswärtsfahrt des Aarauer Fanclubs “Adler ’86″, der noch heute aktiv ist. Viel Vergnügen bei der Lektüre dieser Huldigung an Anführungszeichen und Hosenträger:

 

Lugano – Aarau

Als unser Fahrer Marcel alle Leute im Kleinbus hatte, konnte die Fahrt Richtung Lugano losgehen. Die meistend der zehn Anwesenden sahen noch ziemlich verschlafen aus. Im Kleinbus herrschte schon bald eine gute Stimmung. In Ambri legten wir eine Frühstückspause ein. Für die Weiterfahrt waren wir gut gerüstet: Bier, Fressalien und – Hosenträger. Fast alle waren scharf auf Chäschpis Hosenträger. Die Fahrt konnte ohne grosse Hindernisse fortgesetzt werden. In Lugano gut angekommen, suchten wir ein einigermassen akzeptables Restaurant. Leider war das Essen mangelhaft und die Getränke viel zu teuer (3 dl Cola kosteten 4,50 Franken!). Dank Hurnis tollen Italienisch-Kenntnissen konnte der Preis noch um einen Franke reduziert werden.

Hinterher vergnügten sich einige im Park, beim Pedalo-Fahren oder mit Hosenträgersuche in der Stadt. Leider fand nur ich die passenden… Nachher vergnügten sich Adi, Markus, Dani und ich an den weiblichen Wesen (sagenhaft!). Dann kam Regine noch auf die Idee, mir die Hosenträger anzumalen. Phänomenal!

Als es 17 Uhr war, marschierten wir zum Stadion Cornaredo. Dort suchten wir uns zuerst einmal unseren Standplatz aus. Danach warteten wir auf die Leute vom offiziellen Fanclub. Als wir auch noch unsere «Tücher» ans Gitter «montiert» hatten, konnte das Spiel beginnen. Das Spiel war «beschissen». Durch ein «saudummes Tor» in der 87. Minute verloren wir 0 :1. Einige verdauten diese Niederlage sehr schlecht (Chäschpi und ich). Unser Entschluss war, sofern wir absteigen sollten, Cornaredo zu sprengen und dann mit einem FCA-Leibchen und einem englischen Schal zu sterben…

Als uns Widmer endlich gefunden und uns Trost gespendet hatte, konnten wir die Heimfahrt  «in Angriff nehmen». In unseren Kummer hinein mussten wir auch noch das Bier trinken, welches wir am Morgen gekauft hatten und was den ganzen Tag im Wagen gelegen hatte. Köstlich… Bei einem späteren Halt kaufte Eric noch ein «Playboy»-Heft, was die Stimmung wieder gewaltig ansteigen liess. So kamen wir dank unserem Superchauffeur Marcel wieder gut in unserer Heimat an.

 

Fredy, FC Aarau-Fanclub «Adler ‘86»