Wir Kleinkarierten

Es gebe halt auch “Leute, die am liebsten hätten, wenn alles gleich bleiben würde.” Das sagt die Architektin Christine Binswanger von Herzog & de Meuron diesen Sommer (in Wiederholungen) in der Sendung “Selbstgemacht” auf Radio SRF4, angesprochen auf die teils heftige Kritik am hierzulande imposantesten Bau ihres Büros, dem Basler Roche-Tower. Binswanger gibt sich im ausführlichen Gespräch offen, bricht eine Lanze für das Widersprüchliche, Stossende, das eine Stadt erst zu einer Stadt mache. Im Umgang mit Kritik wirds dann aber Bush-like: Wer gegen uns und unsern Turm ist, ist halt leider von gestern.

Ich bin auch von gestern. Eingebettet zwischen dem weltoffenen Zürcher ex-Stapi Elmar Ledergerber und dem visionären Architekten Mike Guyer durfte ich 2013 im “Magazin” den gestrigen Fanfürsprecher geben, konservativ und grundsätzlich dagegen. Es ging um den Zürcher Fussball und dessen nie endende Stadiontragödie, hier im Speziellen um das für die EM 2008 geplante Fünfeck:

«Schade und kleinkariert», sagt Elmar Ledergerber, «das Stadion wäre eine Sehenswürdigkeit gewesen.» Die Zürcher Fussballfans, die ins Stadion gehen, wollten das Fünfeck nie und haben das auch auf Transparenten zum Ausdruck gebracht, meint Pascal Claude, der die Flachpass-Bar im Letzigrund führte. «Eine klassische Zürcher Entwicklung», sagt Mike Guyer. «Zürich ist eine Stadt, wo Mittelmass schon oft über grosse Visionen gesiegt hat.»

Ein halbes Jahr später, die nächste Abstimmung zu einem neuen Hardturmstadion stand an, interviewte der Tages-Anzeiger Jacques Herzog. Der sagte, er habe “nie verstanden, weshalb man eine viereckige Rasenfläche mit einem Fünfeck umgeben will.”

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