Tod einer Turnhalle

Menschen sterben manchmal still und leise. In der eigenen Wohnung. Oder im Spital. Und manchmal öffentlich. Etwa wenn sie aus dem Stadion getragen werden. Und die Umstehenden wissen nicht so recht, ob das Herz vor Freude oder vor Schmerz versagt hat.

Stadien und Turnhallen sterben immer öffentlich. Parlamentsentscheide oder Volksabstimmungen leiten den Tod ein. Später kommen die Zügelunternehmer. Und schliesslich die Bagger.

Die Turnhalle St. Leonhard in St.Gallen befindet sich im Sterben. Die Baumaschinen sind schon im Anmarsch. Wer die Halle noch sehen will, muss sich beeilen.

Sie war eine gute Turnhalle. Eine altmodische Halle. Mit Kletterstangen, Sprossenwand und offenen Heizungsrohren. Und weil die St.Galler sparsam sind, haben sie das Tor in grün gleich auf die Wand gemalt.

(Gastbeitrag von Bernhard Thöny, 1. Juli 2015)

turnhalle

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One Response to Tod einer Turnhalle

  1. Daniel Kehl says:

    Danke Bernhard für dein Turnhallen-Requiem: 1970 schnupperte ich als Zweitklässler einen Winter lang beim Post-Turnverein. Unser Trainer hiess Herr Lütolf. Er war Pöstler wie fast alle unsere Väter und wohnte auch in den gleichen Pöstler-Blöcken wie wir. Der Weg zur Leonhard-Turnhalle ging quer durch die Altstadt. Die Älteren warfen immer Schneebälle in die Ventilatoren der Beizen. Dann mussten wir schnell wegrennen. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die vielen Beizen im Bleicheli-Quartier: Gambrinus, Frohegg, Tigerli, Krönli und Stadtbären. Vom Turn-Unterricht weiss ich fast nichts mehr. Herr Lütolf hatte einen roten Adidas-Trainer mit weissen Streifen. Und man musste sich in einer Reihe aufstellen, bevor es los ging.

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