WdG – eine Zürcher Geschichte

Seit dieser Woche ist Walter de Gregorio nicht mehr Mediensprecher der Fifa. Warum, ist offiziell nicht bekannt. Vieles ist zu lesen: zu flapsig, zu stark, zu beliebt sei er geworden. Wir werden es kaum je erfahren. Es ist auch nicht so interessant.

Interessant ist dafür, wie erst einer wie Walter de Gregorio die Fifa zu einer Zürcher Geschichte gemacht hat. In den 1930er Jahren bezog Ivo Schricker als Generalsekretär der Fifa ein kleines Büro an der Bahnhofstrasse. Seither ist die Fifa in Zürich. Die Büros wurden grösser, die Fifa stieg auf, den Zürichberg empor. Aber eine Zürcher Sache war sie nie. Höchstens indirekt: Manchen wäre es lieber gewesen, der Weltverband hätte sich woanders angesiedelt. Dann wurde Walter de Gregorio, WdG, Kommunikationsdirektor.

De Gregorio ist in Zürich verankert. In der Szene, wenn man so will und es die gibt. Wer ihn nicht persönlich kennt, hat vielleicht schon gegen ihn gespielt. So wie ich. In der Alternativliga oder beim Clash of Civilizations, WOZ gegen Weltwoche, wo WdG die Verteidigung zu stabilisieren versuchte (natürlich vergebens). WdG ist gut vernetzt und weit herum beliebt. In den letzten Wochen standen ihm seine Freunde bei: Sie schrieben Kolumnen auf seine Grandezza oder verteidigten ihn in Kommentarspalten. Sie entkoppelten WdG von seinem Chef Sepp Blatter, lösten den Guten vom Bösen.

Diese Entkoppelung ist mutig. WdG hatte einst als Angestellter der Weltwoche Sepp Blatter interviewt. Das Gespräch las sich wie ein “Bewerbungsschreiben“. Was es vermutlich auch war. Kurz darauf wurde WdG Blatters Berater für die Fifa-Präsidentenwahl 2011. In dieser Funktion zog er über ehemalige Kollegen her und empfahl ihnen, “journalistische Grundregeln zu beachten“. Ob er damit sein Blatter-Interview meinte, sagte er nicht. Nach Blatters Wiederwahl wurde WdG Fifa-Medienchef. In dieser Funktion verdiente er wohl mindestens das Vierfache seines Journalistenlohnes. Und er musste nicht mehr, wie er es damals als Journalist tat, mutmassen, dass für die WM-Vergabe nach Katar Geld geflossen sei.

Zu seinem Abgang hat sich WdG bisher nicht geäussert. Er ist jetzt runter vom Berg. Vielleicht zieht es ihn zurück in den Sportjournalismus. Es wäre zu wünschen. Die Zürcher Fifa-Geschichte ist zu Ende. Sie war kurz. Aber lange genug.

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