Neapel aus der Nähe

“Neben der ökonomischen Krise, von der sowieso alle reden, gibt es eine ökologische Krise, die kaum jemand thematisiert, und eine anthropologische Krise – und die muss uns am meisten Sorgen bereiten. Die Mädchen hier wollen alle nur noch ,veline’ werden, das sind diese halbnackten Fernsehschönheiten, und die Jungs denken ausschließlich an ihre Vespa und Drogen. Sie kommen nie aus ihrem Viertel raus, viele haben das Meer noch nie gesehen. Sie sind gewalttätiger als ihre Altersgenossen in Korogocho und haben eine Wut im Bauch, die ich bei den jungen Leuten in Kenia nicht erlebt habe. Der Berlusconismus hat außerdem das Einzige zerstört, was ihnen noch etwas bedeutete: die Familie.” Das einzige soziale Bindemittel ist der Fußballverein SSC Neapel, der es, seit den Zeiten, als Diego Maradona hier spielte, geschafft hat, sich zu behaupten.

Aus: Herberge der Armen, Angelo Mastrandrea in: Le Monde diplomatique, Mai 2013.

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