Super Servette Seiten

Es ist nicht gerade, was man erwartet hätte: ein 320-seitiges Buch zum Servette FC im Frühling 2013. Es gäbe marketingtechnisch günstigere Momente, mit einer solcher Publikation aufzuwarten, als ausgerechnet jetzt und heute. Nur: Kümmern mich Marketingtechniken, wenn ich meinen Verein liebe? Interessieren mich Work-Life-Balances, wenn ich für meinen Verein ohnehin so viel Zeit aufwende, dass ich aus dem Ungleichgewicht gar nie mehr herausfinde?

Ein Deutschschweizer und ein Welscher, die sich hinter den Pseudonymen Jacky Pasteur und Germinal Walaschek verstecken (aus einer von Enthusiasmus durchtränkten couverture-et-quatrieme-de-couv1Bescheidenheit), haben zwischen September 2011 und Dezember 2012 online Geschichte und Geschichten zum SFC und seinen Protagonisten zusammengetragen, jeweils inspiriert von der gerade anstehenden Partie oder einem anderen aktuellen Ereignis rund um den Klub. Daraus ist “Un peu d’Histoire …” geworden, und das ist natürlich eine glatte Untertreibung. Was das Buch an Anekdoten, Grafiken, Illustrationen, Bildern und Querverweisen bereit hält, ist beaucoup, beaucoup, beaucoup. Und für alle weit weg von Genf genau deshalb von Interesse, weil aus jeder Zeile diese sympathisch nutzlose Liebe zum Detail spricht, diese Begeisterung für etwas, das gemessen an ökonomischen Kriterien keine Zuwendung verdient hätte.

Vor dem Heimspiel gegen YB am 28. 4. 2012 zum Beispiel gedenken die Autoren der langen Geschichte der Charmilles bis zum letzten Abend, dem Match gegen YB im Dezember 2002, als Léo Thurre kurz vor Schluss in Unterzahl zum 4:4 (!) ausglich und Servette und seine Supporter sich so in Würde von ihrem geliebten Heim verabschieden konnte. “Rien n’effacera 72 ans d’histoire”, stand damals auf dem Transparent in der Kurve, und wie sehr das stimmt, beweist auch und gerade dieser Text in diesem Buch.

Vielleicht bedeutet es für die einen eine qualvolle, mit Traumata belegte Anstrengung, für die Lektüre dieses Buches das Schulfranzösisch aus den 80er Jahren zu reaktivieren. Wenn ein Buch aber etwas Schweiss und Tränen wert ist, dann “Un peu d’Histoire …”. Es zeigt, dass der Schweizer Fussball auch dort lebt, wo er für scheintot erklärt wird. Und dass die Sauerstoffzufuhr oft genug von unten kommt, von selbstlosen Freaks, die ihr Wissen und ihren Überblick ohne Lohn Gleichgesinnten zur Verfügung stellen, auf dass es weiter schlägt, dass Grenat-Herz.

“Un peu d’Histoire …”, Jacky Pasteur et Germinal Walaschek, Ibach 2013.

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