“Z Xamax hetts en See”

Allein der Titel weist den Weg: “So genannti Fuessballsongs” heisst eine Doppel-CD mit Liedern zum FCL, die morgen Freitag getauft wird, und wer seine Lieder als so genannte apostrophiert, weiss vermutlich, wie es sich anfühlt, als so genannter Fan zu gelten.

Ironisch, selbstironisch sind denn auch einige der insgesamt 26 Songs – es hätten durchaus mehr sein dürfen. Denn wo das Fan-Leben subtil-lakonisch oder auch grob-grotesk reflektiert wird, ist “so genannti Fuessballsongs” am besten. Und am besten heisst hier: auch für Aussenstehende eine grosse Freude. Auf der CD “Rockers” (sie versammelt FCL- und Fussballlieder von ad-hoc-zusammengestellten Luzerner Rockformationen) löst dies am schönsten Johnny Burn mit “Schön sender do gsii” ein. Die Songzeile des Openers “E Schtadt, ei Liebi”, “Hetts z Xamax en See – mer müesstis meine” gehört aber ebenfalls zu den grossen Glücksmomenten dieses Hörerlebnisses.

Auf der CD “Hooligans” – aus dem Titel spricht die Gelassenheit der ewig Missverstandenen – mit ihren von Fans getexteten Stücken kommt der “Liibesvisitatione-Maa” den Vorstellungen eines grossartigen Fussballsongs am nächsten. Hier wird ein für Fussballfans alltägliches, nauseatisches Prozedere frivol zum Liebeslied verdreht, das in einem Refrain gipfelt, den man künftig an den Toren der Swisspor-Arena mit Sicherheit regelmässig hören wird. Und wer weiss, ob sich daraus dereinst nicht die eine oder andere ernstere Geschichte ergibt – die “Korveschlampe” allein kann es ja nicht sein.

Klar, so ein Werk ist in erster Linie für Ortsansässige interessant. Zu Studienzwecken ist sie aber für alle Interessierten geeignet, gibt sie in ihren Höhen und Tiefen, in ihrem Witz und ihrem versuchten Witz doch einen ehrlichen und wohl recht repräsentativen Einblick in die Welt der Fans, was so manchem gut gemeinten Buch oder Dok-Film nicht gelingt. Interessant ist “So genannti Fuessballsongs” aber auch für Anhänger anderer Vereine, die in einigen Zeilen zu ihren Ehren kommen – was in der Innensicht wohl als Selbstbewusstsein gilt, in der Aussensicht eher Fragen nach unterschwelligen Komplexen aufwirft. Letztlich aber sind einige der hier entstandenen Songs, wie etwa die wunderbare Kitsch-Ballade in Erinnerung an die Allmend, schlicht und einfach sehr gut geworden, und davon, also von guten Fussballsongs, hatten wir in diesem Land bisher noch nicht all zu viele. Kaufen Sie deshalb dieses Werk. Es ist mit Sicherheit mehr wert als alles von U2.

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