Mit Vater zu Brühl

1967 durfte ich zum ersten Mal mit meinem Vater hinaus aufs Krontal. Dass es zu Brühl ging und nicht aufs Espenmoos zum FC St.Gallen, hatte einen einfachen Grund: Brühl spielte immer am Sonntag-Nachmittag, der FCSG dagegen am Samstag-Abend. Sonntag war praktischer, deshalb also Brühl.
Damals hatten wir noch kein Auto, deshalb gingen wir zu Fuss hinaus ins Krontal, eine gute halbe Stunde Richtung Osten. Beim ersten Mal waren wir zu viert, Vater, ich, Fredi, mein Freund aus dem Kindergarten und Herr Hubler, Fredis Vater. Unsere Nachbarn, auch Pöstler. Vom Spiel weiss ich nichts mehr, es war Nati B – Urania, Moutier, Fribourg, in meiner Erinnerung war es ein welscher Klub. Nur etwas ist mir vom Match geblieben. Es war eigentlich ganz ruhig, hin und wieder ein Hopp Brühl, aber dann wurde es plötzlich laut. Torjubel und ich war nicht darauf vorbereitet, weil ich das Spiel nicht wirklich verfolgt hatte. Ich durfte noch ein paar Mal mit, ich malte mir ein Fähnchen mit einer Krone und schrieb darüber Hopp Brühl. Ich ging immer um den Platz herum, drehte Runde um Runde.
An die Stadtmatches zwischen Brühl und dem FC St.Gallen durfte ich nicht. Wohl zu viele Leute, zu eng. Schade, ich habe nie einen richtigen Stadtmatch miterlebt. Vater wusste von den Nachbarn, wer zu welchem Klub stand. Der Vater von Werner Bruderer war ein eingefleischter Brühler. Herr Manser über uns war ein Städtler. Auf der Post gab es dann immer Diskussionen wegen dem Fussball. Vater war in den fünfziger Jahren wegen der Arbeit aus dem Rheintal in die Stadt gezogen. Fussball war eine Möglichkeit für ihn, hier anzukommen. Heute schlägt sein Herz mehr für den FCSG.
Gestern waren wir zum ersten Mal wieder zusammen draussen bei Brühl. Vater hatte unter der Woche angerufen, ob ich an das Aufstiegsspiel gehe, er hätte auch Interesse. Er war nie mehr da gewesen seit 1973, als Brühl in die erste Liga abgestiegen ist. Ich ging zielstrebig unter die Bäume rechts von der Tribüne und sagte: Da warst du doch immer. Ich seh dich vor mir, wie du mit dem Feurer redest, deinem Chef auf der Post. Er korrigiert mich, er sei immer auf der Gegentribüne gestanden früher. Ein Bekannter bringt uns eine Wurst, Vater hat nur eine Hunderternote, aber der andere will kein Geld. Vater ist es nicht recht. Heute hat er mit mir telefoniert, auch wegen der Wurst, ob ich das noch habe in Ordnung bringen können mit meinem Bekannten. Es sei ihm nicht recht gewesen, dass er so zu einem Geschenk gekommen sei. Und er habe geschwitzt auf dem Heimweg, bachnass sei er zu Hause angekommen.

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4 Responses to Mit Vater zu Brühl

  1. blotto says:

    Einfach wunderbar erzählz, vielen Dank. Der Vater eines Freundes hat einen ähnlichen Bezug zu Brühl und freut sich auch bereits diebisch.

  2. christoph says:

    Wirklich schön erzählt..danke!

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