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Monday, August 30th, 2010Die aus einem Erdloch aufgetauchten Knapp-daneben-Bücher sind weg. Jetzt heisst vergriffen wirklich vergriffen.
Die aus einem Erdloch aufgetauchten Knapp-daneben-Bücher sind weg. Jetzt heisst vergriffen wirklich vergriffen.
Es gibt in der YB-Gemeinde ja beileibe nicht nur Freundinnen und Freunde der 3. Phase, der Einwechslung Kaenzigs anstelle von Niedermaier. Im Gegenteil. Es soll Leute geben, die seither mit “Ilja des problèmes”-Shirts an die Spiele gehen. Ohne hier in Berner Machtspiele eingreifen zu wollen, möchte ich doch ein – im Fall authentisches – Dokument präsentieren, das ein bisschen beweist, wie vorausschauend Herr Kaenzig schon vor 13 Jahren war, als “Transfer-Koordinator” von GC. Er war Abonnent Nummer 3 des Fanzines und damit Entdecker erster Stunde von “Knapp daneben”, einem BRAND, dem in der Zwischenzeit immerhin dieser hochprofessionelle Blog entsprungen ist, den zu lesen SIE sich ja offenbar nicht zu schade sind. Also geben Sie Herrn Kaenzig die Chance, die er verdient. Auch wenn er, ich muss es in dieser Deutlichkeit sagen, sein Abo damals nie bezahlt hat. Es wären fünfzehn Franken gewesen.
Und à propos Fanzines: Einige wenige der 14 erschienenen Knapp-daneben-Ausgaben sind noch erhältlich (für Herrn Kaenzig aber nur gegen Vorauskasse). Details hier nebenan bei den SEITEN unter “Knapp daneben Fanzines“.
Ossie Ardiles war ein gern gesehener Gast in Londons Tonstudios. Immer wenn sich Tottenham wieder einmal für einen Final qualifizierte und dafür eine neue Platte aufnahm, liessen sie Ossie ans Mikrofon und lachten herzhaft, wenn er sein “Dottingham” sang. Er ist ein feiner Mensch, heisst es, und er war ein feiner Fussballer, und so war ihm dieses “Tottenham” mit drei “t” einfach zu hart. Sehr wahrscheinlich.
Ich wanderte einfach einmal los in Huttwil, das Ossie wohl auch anders nennen würde. Kaum zu glauben, aber nach 500 Metern links ist man schon in diesem Emmental, das sie einem via Käsewerbung weismachen wollen. Ich hätte nicht
gedacht, dass es das so wirklich gibt. Also so in echt. Mit all diesen gigantischen Höfen mit ihren wahnsinnigen Gärten vorne dran wo das Zeug nur so aus dem Boden knallt, Sonnenblumen höher als Ben Roethlisberger, Krautstielblätter grösser als “Die Wochenzeitung für das Emmental und Entlebuch”. Der eine Bauer lässt seinen Stier auf der Weide, ein beachtliches Vieh mit einem Gehänge bis hart an die Grasnarbe, der andere lässt auf seinen Feldern Kräuter für die Firma Ricola wachsen, hunderte von Metern Holunder, Pfefferminzlegionen in Reih und Glied. Und ich habe eigentlich immer gedacht, die stellen das alles im Labor her. Also diese Kräuternoten.
In der Sonne ist noch ein gäbiges Zimmer frei. Die Schweizer, die slowakische und
die deutsche Eishockeynationalmannschaft waren auch schon hier zu Gast. Ob vielleicht der Satan schon in meinem Bett geschlafen hat oder gar der Krüger Ralph? Der Krüger Ralph. Der Aeschbacher Koni. Der Horak Hansjürg. Der Stettler Toni. Einen Tag vor dem YB-Spiel redet am Stammtisch keiner von Fussball. Alle nur vom Eidgenössischen. Aber alle. Und immer der Nachname zuerst. Aber immer. Der Hofer Martin. Vor dem Einschlafen blättere ich noch “Ansichten einer Region” durch. Und staune nicht schlecht, als ich auf Seite 35 sehe, dass Lothar Matthäus nach seinen Engagements in New York, Belgrad und Budapest jetzt im Emmental die Liebhaberbühne leitet. Das Stück heisst denn aber auch “Der schwarze Hecht”.
Es lacht einem laut das Herz, Meter für Meter, den man abspult in dieser Landschaft. Hier kreutz ein Reh den Weg, da hämmert ein Schwarzspecht auf eine Buche ein, und oben kreist ein Dutzend Milane. Wäre ich eine Maus, ich würde rufen “Milan, Milan, vaffanculo”, aber ich bin nur ein Wanderer. Unterwegs esse ich den Hefenussgipfel aus der kleinen Bäckerei, denn wenn die Dörfer auch winzig sind und es nicht mehr viel an Öffentlichem gibt, eine Bäckerei hat es immer. Oder auch zwei. Mit Meränggä gross wie Krautstielblätter. Emmentaler Krautstielblätter wohlverstanden. Die Postkarte habe ich leider schon eingeworfen, als ich sehe, dass der Briefkasten schon um acht geleert wurde. Sakerment. Was will man denn da mit A-Post? Wenn ich aufwache, mich anziehe, frühstücke, dann sofort einen wichtigen Brief schreibe, dann muss ich mit dem Velo zehn Kilometer weit fahren bis zur nächsten Poststelle, wenn ich will, dass der Brief am nächsten Tag ankommt. Oder ich muss um halb fünf aufstehen. Dicke Post. Gut, man muss auch sagen, die immer früheren Leerungen kompensieren sie wenigstens mit immer späteren Zustellungen.
Irgendwann komme ich in Bern an. Es hat schon ein paar englische Nester in der Stadt. Immer wenn ein YB-Fan an ihnen vorbeigeht, rufen die Engländer den Namen eines Chinesen, ich weiss nicht warum. “Hu A Ja, Hu A Ja”. Im Anker essen am Nebentisch vier ältere Semester aus London, drei Männer und eine Frau. Die Frau bestellt eine Speckrösti mit Spiegeleiern, dazu ein Bier. Die drei Männer bestellen alle Spaghetti Bolognese, dazu je eine Portion Pommes frites. Und auch Bier. Ausser einem, der bestellt ein Diet Coke. Er sieht aber so aus, als lege er sein Schwergewicht ernährungstechnisch auch sonst eher aufs Essen als aufs Trinken.
Im Stadion hauen sie einem die Tore nur so um die Ohren. Die oft gestellte Sinnfrage im Zusammenhang mit für Fussball aufgewendete Zeit beantwortet Moreno Costanzo mit seinem Pass auf Hochstrasser. Ich spaziere lange nach
Schlusspfiff noch am Stadion-TV-Studio vorbei zum Grillstand, wo Marcel Koller nicht weiss, was er nehmen soll und sich am Ende für einen Hotdog entscheidet, mit Senf. Ich nehme die letzte, lauwarme YB-Wurst. Ein Fehler. Ich werde sie später der Stadt Bern zurückgeben müssen. Dass die heutigen Eventcaterer die Würste nicht mehr durchbraten, weiss man ja. Aber bei einem Schüblig fällt das halt anders ins Gewicht als bei einer Kalbsbratwurst. Gopferteli.
Wie meistens in Bern endet der Abend in ausgesprochen netter Gesellschaft, diesmal mit ein paar Urtrüben. Ich höre noch von einem, der mit dem Velo losgefahren ist nach London, fürs Rückspiel. Vielleicht gewinnen sie ja auch dort. Ich weiss es nicht. Niemand weiss es. Die Antwort kennt nur der Wind, der über den Grat bläst, der zum Ahorn führt. Ein Most, und runter nach Huttwil. Oder Hudwu.
Sind Zugfahrer/-innen eigentlich erfolgreichere Menschen? Erlebt man mit der Bahn mehr als auf der Strasse? Und gibt es heute überhaupt noch ernsthafte Fussballteams, die im Speisewagen an einen Match fahren?
Zuerst zur letzten Frage: Erstaunlicherweise reiste der FC Naters heute per Eisenbahn vom Wallis nach St.Gallen zur Cuppartie gegen den SC Brühl. Der Grund: Der Reisecar kann nicht auf den Autozug durch den Lötschberg verladen werden und der Umweg auf der Autobahn über den Genfersee lohnt sich nicht. Zur Frage nach dem Erfolg: Naters vergibt in der zweiten Halbzeit erstklassige Chancen zum Ausgleich und scheidet mit 0:1 aus dem Cup aus.- Nun zur schwierigsten Frage: War die beschwerliche Anreise mit dem Zug schuld an der Naterser Niederlage, wurde die Mannschaft abgelenkt durch Handygeplapper oder Jugendliche auf dem Weg zur Streetparade? Wurde den Oberwallisern gar der Speisewagen zum Verhängnis? – Wir wissen es nicht. Aber eines ist sicher: Es wäre jammerschade, wenn der FC Naters die schöne Zug-Tradition nach dem Misserfolg in St.Gallen wieder aufgeben würde. Denn auch die SBB könnten die Gelegenheit nutzen und statt den ewig gleichen Schauermärchen über Fussballfans in Extrazügen eine Werbekampagne lancieren mit Fussballern der ersten Mannschaft des FC Naters. Szenen dazu gibt’s genug. Man braucht nur mit jenen zu reden, die ein Leben lang mit der Bahn unterwegs waren zu Fussballpartien in der ganzen Schweiz, zum Beispiel der 90-jährige ehemalige FCSG-Spieler Röbi Engler: „Wir mussten mit dem Zug nach La Chaux-de-Fonds an ein Auswärtsspiel, und der Hugo wollte unbedingt mit, aber für ihn gab es neben Mannschaft und Trainer kein Billet mehr. Der Hugo Heilig, unser Masseur! Der hat die Beine mehr gekitzelt als geknetet und mit seinen Wässerli eingerieben, aber das war ein lieber Kerl. Da ging er in den Speisewagen und fragte, ob sie noch einen brauchen können. Mit Erfolg. Der Hugo hat Teller abgewaschen, bis wir in La Chaux-de-Fonds waren.“ – Sollte das den Werbern der SBB doch zu verstaubt vorkommen und zu sehr an „Mein Name ist Eugen“ erinnern , dann können sie sich auch einfach auf dem Bahnhof in Brig aufstellen, zum Beispiel gerade jetzt und die Gesichter der geschlagenen Naterser Cup-Helden festhalten, die kommen jetzt dann gerade an, Abfahrt in St.Gallen war um 21.11 Uhr, Ankunft in Brig ist um 1.20 Uhr.

Wer noch Sommerferien hat, oder sonstwie (viel) zu viel Zeit, kann sich mal von kritischer Seite auf den neusten Stand in Sachen italienische Fankultur bringen. Kai Tippmann, Autor des Blogs Altravita setzt sich intensiv mit einem längeren Bericht aus der Repubblica auseinander, der im Mai unter dem Titel “Die Hände der Ultràs im Geschäft mit dem Fussball” erschienen ist. Ausserdem begrüssenswert ist, dass Tippmann noch dieses Jahr eine Deutsche Übersetzung des Buchs Tifare Contro auf den Markt bringen will. Buch und Blog: Kategorie nicht mehr ganz neu, aber sehr lesenswert.
Während der WM und dem Saisonstart in der Schweiz habe ich wieder mal gemerkt, dass es zwei unterschiedliche Interpretationen von Fairness gibt. Für die einen bedeutet Fairness, dass man lediglich gemeinsame Regeln und Sanktionen festlegen muss. Eine Angelegenheit ist dann fair, wenn derjenigen bestraft wird, der gegen die Regel verstossen hat. Rolf Fringer beispielsweise behauptete, dass die rote Karte gegen Suarez im WM Viertelfinal unfair gewesen sei, da es ja schon Elfmeter gegeben hätte. Die Idee dahinter ist, dass man jemanden nicht für das gleiche Vergehen zweimal bestrafen darf. Auf der anderen Seite steht die Ansicht, dass Fairness eine Einstellung ist. Der Spieler soll versuchen, sich an die Regeln zu halten – unabhängig von den möglichen Konsequenzen. Diese Ansicht gipfelt in der (zugegeben) naiven Vorstellung, Fabiano hätte zumindest nach seinem dritten Handspiel eigentlich zugeben müssen, dass sein Tor nicht regulär war. Selbstverständlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Fussball soll ja nicht päpstlicher sein als der Papst. Trotzdem hat mich in letzter Zeit das Gefühl beschlichen, Fairness im Fussball werde immer häufiger als “crime and punishemt” betrachtet. Für mich liegt darin auch der Grund für die unsäglichen Diskussionen über Schiedsrichterentscheidungen. Wenn die Bestrafung zu einem zentralen Element eines funktionierenden Spiels wird, dann bekommt die Rolle des Schiedsrichters mehr Gewicht und somit steigt auch die Fehleranfälligkeit. Ich aber denke, dass eigentlich die Spieler in der Kritik stehen müssten.
Es braucht ja nicht gleich Aktionen wie im Video. Ich hoffe aber einfach, dass wir nicht die ganze Super-League Saison lang über Schiedsrichterentscheide diskutieren müssen, sondern hin und wieder auch mal ein bisschen gelebte Fairness zu sehen bekommen.