Traumduo am Weiher
Es war eine kurze Email-Nachricht an Freunde unter dem Titel „geilesommerlochgeschichte“. Einige löschten sie wegen Spamverdacht sofort, andere schmunzelten über den 63-jährigen Verfasser, der von höchster Stelle bestätigt bekam, wie gut er fussballerisch immer noch im Schuss ist. Mich erinnerte der Bericht dagegen an eine eigene Enttäuschung: Ende der 60er-Jahre lockte mich mein Vater an einem Sonntagmorgen aus der Stadt hinauf auf Dreiweihern. „Lausanne mit Dürr und Chapuisat trainieren heute dort oben.“ Keine Ahnung, wo Vater das Gerücht aufgeschnappt hatte. Es gab an jenem Wochenende ein Trainingsspiel in der Stadt zwischen LS und dem FCSG. Von den Spielern war allerdings an jenem Sonntag auf Dreiweihern nichts zu sehen. Der rebellische und abwesende Chapuisat wurde dennoch zu meinem Vorbild und vielleicht habe ich mich gerade deshalb so über das Mail gefreut, weil mein Vater nachträglich doch irgendwie recht bekam: Manchmal tauchen sie wirklich an unscheinbaren Orten auf und spielen ein ganz gewöhnliches Mätschli mit alten Freunden, die grossen Stars. Aber man weiss eben nie im Voraus, wann und wo und geniesst es umso mehr, wenn man mit dabei ist. Also hier jetzt die Email-Nachricht von meinem Freund:
„Gestern hatte ich das Vergnügen mit tranquillo barnetta einen match auf drei weihern 5 gegen 5 zu spielen. Ich und quillo harmonierten ausgezeichnet zusammen. wir gewannen das spiel 5 zu 4, und schossen je 2 tore, jeweils auf pass vom andern. das letzte tor erzielte barnetta auf eine massflanke von mir mit einem wuchtigen kopfstoss in das 120cm tor. auf dass ich zu ihm meinte, so sollte es in der nati laufen. seine antwort darauf, leider fehlt es mir da an solchen mitspielern.“ 
July 25th, 2010 at 7:47 am
Das kann ich so auch bestätigen. An einem heissen Sommertag irgendwann zur Jahrtausendwende auf dem Hardhof Zürich kommt die Frage an mich heran:”He Goalie, hast nicht noch etwas Zeit für einen Match? Thomy Bickel macht den Libero. Kein Scheiss? Nö, echt.”
Nur geht meine Story nicht ganz so glorreich aus… Ich Trottel im Schweizer Nati Traineroberteil steh im Rücken meines 90er Idols und fang mir 4 Eier ein. Auf ein “Danke” oder wenigstens “mein Gott bist du eine Schelle” wart ich noch heute. Ist aber auch irgendwie egal, kam er doch auch von hinter den Gleisen…