Montag in Basel

Beim Lällekönig, ist das früh. Aufstehen um viertel nach zwei. Im Drämmli sind schon alle gut gelaunt. Aber alles im Rahmen, im Bruno Rahmen. Wir warten bei einer Kirche in der Nähe vom Rathaus, bis es vier schlägt. Einer ist als Costanzo verkleidet. Ganz in Rot und Blau, mit einem Originaltrikot mit Originalunterschriften aller Originalspieler. Als Larve hat er einen Crazy-Fan-Carlsberg-Hut erweitert. Sieht gut aus. Sieht sehr gut aus. Dann, alles innert vier Sekunden: vier Glockenschläge, Morgestraich vorwärts Marsch, elektrisches Licht aus. Wobei in den kleinen Larvenlaternen ja auch fast alles elektrisch ist heutzutage. Also: elektrisches Licht der Strassenbeleuchtung aus. In Liestal, so schrieb die Basler Zeitung, war das auch so. Nur eine einzige Werbeleuchtschrift habe sich nicht daran gehalten: jene der Swisscom.

Diese vier Sekunden um vier lassen dich schaudern, da kannst du nichts machen. Da kannst du die Fasnacht hassen oder Luzerner sein oder Zürcher oder Mainzer. Diese vier Sekunden sollte man sich einmal im Leben geben. Nachher kann man wieder ins Bett oder in die Beiz, eine Mehlsuppe nehmen. Oder einen Gin-Tonic, wie mein Nebenmann, um 04.39 Uhr. Prösterchen, mein Freund, und trösterchen, mein Freund, wie Ivan Rebroff sang in “Schenk noch einen Vodka ein”. Am Nachmittag dann der Umzug, den man Cortège nennen muss, weil es sonst auf die Fresse gibt. Auf einer Laterne stand “Fir alli Unbasler”, und dann waren circa 20 Ausdrücke aufgelistet, die in der Restschweiz anders bzw. falsch gesagt werden. Cervelat zum Beispiel sollte man sich verkneifen. Auf einer andern Laterne ein schönes Gemälde aus lauter Sachen, die man in Basel hasst und am liebsten übermalen möchte mit roter Farbe, was dann auch getan wurde, aber natürlich schimmerte alles noch hervor, das war ja gerade der Effekt. Also auf der Laterne: Bin laden, der FCZ, ein Hakenkreuz, ein Rauchverbot, das Logo der Grünen, das Logo der SVP. Alles Dinge, die dem Basler das Leben versauen. Darum eine Warnung an alle ökologisch denkenden, nichtrauchenden, nationalsozialistischen Selbstmordattentäter unter den SVP-wählenden FCZ-Fans: Meidet den Rhein!DSC01803

Eine Clique hat als Motto die sinnlose Jugendgewalt. “F(r)uschträcht” steht auf ihren schwarzen Hoodies. In der ersten Reihe läuft einer mit einem YB-Schal. Ich interpretiere vom Strassenrand aus: der Inbegriff der sinnlosen Gewalt. FCB-Schals sieht man auch viele, aber eher unter den Schaulustigen. Hinter mir stehen drei Nati-Fans, wobei das ja auch nur Verkleidung sein könnte. Ist ja Fasnacht. Sie blasen in ihre Vuvuzelas. Das gibt sofort eine prächtige Stimmung und man möchte grad in den nächsten Flieger nach Südafrika und dort warten bis es endlich losgeht! Billett hat es ja noch. Dann zieht noch ein Wagen vorbei, bemalt vom schlechtesten Maler der Basler Fasnachtsszene überhaupt. Aber man erkennt den Fussballbezug. Danke sehr. Im Zug dann telefoniert eine junge Thurgauerin mit ihren Eltern: “Holsch mi z’Frauefeld ab?” Dann legt sie auf und versorgt ihr Natel im Natel-Täschli. Es ist ein spezielles Natel-Täschli. Eins mit FCB-Logo drauf.

One Response to “Montag in Basel”

  1. Rundes Leder Browserdienst 09/10 | «Zum Runden Leder» Says:

    [...] derzeit zweitbeste nationale Fussballclub ist auch ein beliebtes Thema bei einem Baseler Tabu-Anlass, wie knappdaneben.net [...]

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