Knappdaneben-Stadionpostkarten
Friday, February 26th, 2010Jetzt endlich übersichtlich! Rechts unter “Seiten” findet sich jetzt eine eigene Knapp-daneben-Stadionpostkarten-Rubrik. Damit man auch wirklich mal drauskommt.
Jetzt endlich übersichtlich! Rechts unter “Seiten” findet sich jetzt eine eigene Knapp-daneben-Stadionpostkarten-Rubrik. Damit man auch wirklich mal drauskommt.
Und wenn wir schon dabei sind: Die Bild-Zeitung schreibt etwas über schmuggelnde Saarbrücker unter dem umwerfenden Titel “Bengalo im Baguette”. (Ich hätte gerne eine Baguette. Mit Schinken? Nein, mit Böller) Also, “Böller im Baguette”. Und dann wird das Ganze bebildert mit – tataaaaaaa – zündenden Ultras im alten Joggeli!
Am Mittwochabend hatten ein paar Fans im schönen Niederhasli ja die gute Idee, den Repressionsbefürwortern noch ein paar Argumente zu liefern. Sie haben ja sonst zu wenige. Der Tagi war dabei. Und auch der Blick. Das heisst: Der tut zumindest so. Schreibt ein bisschen was und hängt ein Bild dazu. Von den vermummten FCZ-Fans in Niederhasli. Aber ist es wirklich Niederhasli? Steht das Joggeli jetzt im Wehntal? Und sind es wirklich FCZ-Fans? Und ist es im Februar am Abend hell? Nun, das ist ja eigentlich auch völlig egal. Es ist ja online-Journalismus. Da kann man auch mal Hundefleisch ins Sandwich tun.
Ein Sportwissenschafter in Diensten des OSC Lille hat mithilfe technischer Geräte errechnet, dass ein durchschnittlicher Profi seines Teams heute gerade mal eine knappe Minute lang in Ballbesitz ist. Pro Spiel. Die restlichen 89 Minuten rennt er dann eigentlich mehr oder weniger orientierungslos übers Feld. So ist das. Und er
rennt ja viel, das weiss man mittlerweile ja, zehn Kilometer oder mehr. Was aber an der Studie auch noch interessant ist: Auf welcher Position hat man wohl überdurchschnittlich viel Ballbesitz? Und rennt dabei überdurchschnittlich schnell? Nein, nicht im Tor. Aussen Mitte.
Aber lesen Sie doch selbst. Danke Deutschlandfunk. Und danke, Massimo Furlan. Der auf dem Bild zu sehende Künstler hat die Forschungsergebnisse nämlich bereits vor einer Weile erahnt, als er anfing, grosse Spiele allein und ohne Ball nachzustellen. Hier ist er gerade Jürgen Sparwasser.
An dieser Stelle ein Hinweis auf einen Plattenladen im Zürcher Kreis 4 (Zweierstrasse 56) namens SPOOKY SOUND, der eine ziemlich erstklassige Auswahl an verstaubten Fussball-Accessoires feilbietet. Nicht nur schöne alte Dächlichappen wie auf dem Bild, sondern auch viele Fussball-Singles (Vinyl), NLA-Quartette, Bücher und Trikots, z.B. im Moment gerade Originale von Leeds und ManCity (70er), GC (div. 90er), FCB (Pax), Servette (letzte Meistersaison). Mal hingehen vielleicht, wer grad in der Gegend ist. Offen Di, Do, Fr 13-18 Uhr, Sa 12-16 Uhr
Ganz Griechenland? Nein! In einem kleinen Oval in Piräus arbeiten ein paar tausend Leute wie emsige Bienchen, emsige rot-weisse Bienchen: singen laut, strecken Sachen in die Höhe, klatschen und tun und machen. Wie sagte gestern der “Rundschau”-Moderator: für die Griechen seien immer die andern schuld. Das mag ja stimmen (z.B. ganz im Gegensatz zu uns Schweizern, die wir die Schuld grundsätzlich und gerne und eigentlich immer bei uns selber suchen), aber eben mit einer kleinen Ausnahme. Heureka!
Eine kleine Freude ist es, im Magazin des Tages-Anzeigers wieder Reportagen von Eugen Sorg zu lesen. Eine kleine Freude und ein grosser Spass, denn: Noch nicht so verdammt lange ist es her, da machte der Chefredaktor des Magazins im Editorial dem damaligen Weltwoche-Mann Sorg dessen marxistische Vergangenheit zum Vorwurf, in einem Kleinkrieg der Abgelöschten. Aber lasst uns nach vorne schauen und Crevetten und Thunfisch fressen – es hett so langs hett!
(Pardon, vergessen, der Fussballbezug: Er ist auch Marxist. Immer noch!)
Wenn man so hört und liest, wie es rund um die italienische Swisscom-Tochter Fastweb zu und her geht, stellt sich einem die Frage, ob all das in die Juve gepumpte Geld des ehemaligen Hauptsponsors auch wirklich ganz, aber auch ganz sauber ist. Beziehungsweise war. Oder ob Del Piero and the Buffons ihre Rennschlitten am Ende mit Geld der ‘Ndrangheta gewaschen haben.
Beim Lällekönig, ist das früh. Aufstehen um viertel nach zwei. Im Drämmli sind schon alle gut gelaunt. Aber alles im Rahmen, im Bruno Rahmen. Wir warten bei einer Kirche in der Nähe vom Rathaus, bis es vier schlägt. Einer ist als Costanzo verkleidet. Ganz in Rot und Blau, mit einem Originaltrikot mit Originalunterschriften aller Originalspieler. Als Larve hat er einen Crazy-Fan-Carlsberg-Hut erweitert. Sieht gut aus. Sieht sehr gut aus. Dann, alles innert vier Sekunden: vier Glockenschläge, Morgestraich vorwärts Marsch, elektrisches Licht aus. Wobei in den kleinen Larvenlaternen ja auch fast alles elektrisch ist heutzutage. Also: elektrisches Licht der Strassenbeleuchtung aus. In Liestal, so schrieb die Basler Zeitung, war das auch so. Nur eine einzige Werbeleuchtschrift habe sich nicht daran gehalten: jene der Swisscom.
Diese vier Sekunden um vier lassen dich schaudern, da kannst du nichts machen. Da kannst du die Fasnacht hassen oder Luzerner sein oder Zürcher oder Mainzer. Diese vier Sekunden sollte man sich einmal im Leben geben. Nachher kann man wieder ins Bett oder in die Beiz, eine Mehlsuppe nehmen. Oder einen Gin-Tonic, wie mein Nebenmann, um 04.39 Uhr. Prösterchen, mein Freund, und trösterchen, mein Freund, wie Ivan Rebroff sang in “Schenk noch einen Vodka ein”. Am Nachmittag dann der Umzug, den man Cortège nennen muss, weil es sonst auf die Fresse gibt. Auf einer Laterne stand “Fir alli Unbasler”, und dann waren circa 20 Ausdrücke aufgelistet, die in der Restschweiz anders bzw. falsch gesagt werden. Cervelat zum Beispiel sollte man sich verkneifen. Auf einer andern Laterne ein schönes Gemälde aus lauter Sachen, die man in Basel hasst und am liebsten übermalen möchte mit roter Farbe, was dann auch getan wurde, aber natürlich schimmerte alles noch hervor, das war ja gerade der Effekt. Also auf der Laterne: Bin laden, der FCZ, ein Hakenkreuz, ein Rauchverbot, das Logo der Grünen, das Logo der SVP. Alles Dinge, die dem Basler das Leben versauen. Darum eine Warnung an alle ökologisch denkenden, nichtrauchenden, nationalsozialistischen Selbstmordattentäter unter den SVP-wählenden FCZ-Fans: Meidet den Rhein!
Eine Clique hat als Motto die sinnlose Jugendgewalt. “F(r)uschträcht” steht auf ihren schwarzen Hoodies. In der ersten Reihe läuft einer mit einem YB-Schal. Ich interpretiere vom Strassenrand aus: der Inbegriff der sinnlosen Gewalt. FCB-Schals sieht man auch viele, aber eher unter den Schaulustigen. Hinter mir stehen drei Nati-Fans, wobei das ja auch nur Verkleidung sein könnte. Ist ja Fasnacht. Sie blasen in ihre Vuvuzelas. Das gibt sofort eine prächtige Stimmung und man möchte grad in den nächsten Flieger nach Südafrika und dort warten bis es endlich losgeht! Billett hat es ja noch. Dann zieht noch ein Wagen vorbei, bemalt vom schlechtesten Maler der Basler Fasnachtsszene überhaupt. Aber man erkennt den Fussballbezug. Danke sehr. Im Zug dann telefoniert eine junge Thurgauerin mit ihren Eltern: “Holsch mi z’Frauefeld ab?” Dann legt sie auf und versorgt ihr Natel im Natel-Täschli. Es ist ein spezielles Natel-Täschli. Eins mit FCB-Logo drauf.
Es wird angepriesen als das etwas andere Firm-Buch, Alexander Hohs “In kleinen Gruppen, ohne Gesänge – unterwegs mit den Hamburg Hooligans“. Das Buch habe, so der Klappentext, “was vielen anderen Büchern zum Thema abgeht: Eine gesunde Prise Humor”. Im ersten Kapitel sieht das so aus: Auf der Heimfahrt aus
Kopenhagen werfen die Protagonisten einer aufdringlichen, naiven “Tunte” die Kleider aus dem Zugsfenster, watschen ihr ein bisschen das Köpfchen und verabschieden sie dann am Bahnhof Lübeck mit dem Lied “Einen kleinen Nymphomanen ficken! Eine kleine geile Sau! Sau!” Es darf nun jeder und jede gerne selber abwägen, wie nahe diese Art der Lustigkeit den eigenen Vorstellungen von Humor kommt.
Der Schreibstil darf getrost mit sports-casual umschrieben werden: “Pinny war ein richtiger Sunnyboy. Er hatte lange, lockige, dunkle Haare, auf denen er meist eine Baseballmütze trug. Er besass eigentlich immer ansteckend gute Laune, und ständig sass ihm der Schalk im Nacken. Er war ein durch und durch sympathischer Kerl, der für jeden Spass zu haben war. Wenn der altmodische Begriff ‘Mit dem kann man Pferde stehlen!’ irgendwann auf jemanden zutraf, dann auf Pinny.” So geht das dann über gut 400 Seiten, und hin und wieder lacht einem dann doch das Glück. Zum Beispiel, wenn auf Seite 163 plötzlich Blitz’ “Razors in the night” aus den Boxen schallt. You – better watch out!