Archive for January, 2010

Kd-Stadionpostkarten

Wednesday, January 20th, 2010

Jetzt endlich übersichtlich! Rechts unter “Seiten” findet sich jetzt eine eigene Knapp-daneben-Stadionpostkarten-Rubrik. Damit man auch wirklich mal drauskommt.

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Unabhängiger Sportjournalismus bei Kalbskotelett und Gemüse

Monday, January 18th, 2010

Oh je. Dieser Beitrag ist eine einzige Peinlichkeit. Verstünde ich nur mehr von Motorsport. Dank Zuschriften und Kommentaren wende ich nun das Gröbste ab. Der Titel ist in Ordnung. War ironisch gemeint. Bleibt so, ist jetzt einfach nicht mehr ironisch. Den Rest versuche ich zu flicken:

KuhnR

Sicher, das wollten wir alle wissen: dass Köbi Kuhn jetzt BMW fährt, wo er doch zuvor jahrelang immer ein VWler war. Köbis überraschender Kommentar dazu: “Ich freue mich auf meine erste Fahrt mit meinem BMW.” Es stand so gestern im Sonntagsblick. Und es stand noch etwas: Dass Köbi den neuen Autoschlüssel nämlich von SF-Sportmoderator Rainer Maria Salzgeber überreicht bekam. Und zwar bei Jacky Donatz oben im Sonnenberg. Und zwar bei Kalbskotelett mit Gemüse, und zwar nicht einfach so, sondern gefolgt von Feigen mit Zimt-Glacé. Ja so arbeitet man doch heute als Journalist! Und erst recht als Sportjournalist! Lässt sich von BMW honorieren und zum Kalbskotelett einladen. Ist ja auch eine völlig sportfremde Firma, BMW. Hat ja zum Beispiel mit der vom Schweizer Fernsehen sozusagen nur beiläufig erwähnten Formel 1 nichts zu tun. Aber was jetzt auch. In anderen Ländern verlieren Redaktoren ihre Stelle, wenn sie sich noch ein bisschen auf die Gehaltsliste von Sponsoren setzen lassen. Bei uns doch nicht! Da gibt es Kalbskotelett. Mit Gemüse! Und Salz! Weil BMW seit einem halben Jahr nicht mehr in der Formel 1 tätig ist, erübrigen sich nämlich auch komische Fragen zu meaculpaden Nebenerwerbentätigkeiten unserer Service-Public-Sportabteilung. Da geht alles mit rechten Dingen zu und her. Mea culpa. Ich war verblendet vor Neid wegen der Feigen mit Zimt-Glacé.

Rückrundenstart der Gewalt?

Friday, January 15th, 2010

Wie an neuer Stelle vermerkt, widmet sich in der Süddeutschen Buchautor Ronny Blaschke (“Im Schatten des Spiels”) zum Bundesligarückrundenstart der Gewalt im deutschen Fussball bzw. auf den Rängen desselben bzw. vor dessen Stadiontoren, Mannschaftsbussen, Vereinsheimen. Blaschke fragt, wo es hinführen soll, wenn organisierte Fans aus der Kurve mit Gewaltdrohungen Trainer oder Vorstandsvorsitzende wegschreien können. Und er kommt zu keinem guten Fazit: “Wohin Ultras abdriften können, zeigt sich in Italien.”

DSC01781Im aktuellen “Stern“, den ich mir aus diesem Anlass zum ersten Mal in meinem Leben gekauft habe, schreiben zwei ehemalige RUND-Seelen zum selben Thema, mit einer etwas anderen, sagen wir mal Fan-naheren Optik und unter Einbezug entsprechender Gesprächspartner. Interessant am Artikel, der gemessen am Zielpublikum recht breitfächrig und differenziert daher kommt, sind v.a. die sich in dieser Diskussion nie auflösenden Widersprüche. Während etwa von Polizeiseite von “Lebensgefahr für Familien beim Stadionbesuch” gesprochen wird, während in den Stadien selber immer seltener etwas passiert, verweisen Ultras gerne und sicher auch berechtigterweise auf Polizeitaktiken, die Gewalt eher schüren als verhindern. Was denn aber die Polizei damit zu tun haben soll, wenn Braunschweiger einen Zug mit Hamburgern und Hannoveranern angreifen, darauf erhält man keine Antwort. Und dieses Phänomen kennt keine Landesgrenzen, auch nicht gegen Süden hin.

Ein bisschen stossend, wie immer – und auch das kennen wir zur Genüge aus eigenen Zeitungen und Zeitschriften – die Bildwahl im “Stern”: ein wahlloses Durcheinander von pöbelnden Cottbussern, vermummten Rostockern und zündenden Leverkusern. Die Gewalt hat halt viele Gesichter, gell.

Nachtrag zu phootballs Schneeball-Kommentar: Das hab ich auch gesehen gestern. Der Beamte in seiner Überwachungs-Loge, der sagt: Und wenn wir die kriegen, dann gibt das Stadionverbot. Erinnere mich an einen ähnlichen Vorfall in St. Gallen vor einigen Jahren. Der “Blick” schrieb danach von “Hooligans, die Schneebälle aufs Feld geworfen haben”. Es wird immer schlimmer. Immer schlimmer wird es. Schnee als Waffe. Künftig wird es in der Stadionordnung auch heissen, es sei verboten, Schnee mitzuführen. Oder das Schneien wird grundsätzlich unter Strafe gestellt.

Jesus von Niederbüren

Friday, January 15th, 2010

Während naive Anhängerinnen der verfehlten Kuscheljustiz noch immer der Frage nachgehen, ob der Internetpranger im Zusammenhang mit Fussballausschreitungen angemessen sei, beweist der Gemeindepräsident eines Ostschweizer Dorfes, was Heilsbringung wirklich bedeutet: Er veröffentlicht die Namen von fünf jugendlichen Ultrabrutalen (ihre Opfer: 1 Christbaumbeleuchtung, 1 Inselschutzpfosten, 1 christliche Fensterscheibe) im Gemeindeblatt. Und die Minarettschweiz applaudiert. Endlich! Recht so! Wo wir uns in der Diskussion so rein niveaumässig bewegen, zeigt unter anderem dieser Kommentar auf tagi-online:

Niederbüren

Den Artikel, auf den sich der Kometirende bezieht, sollten sich trotzdem alle gönnen. Ein Mut machendes Beispiel von Gegensteuer.

Verwöhnung in Dornach

Friday, January 15th, 2010

Heute habe ich gelernt: In Dornach wird den Schiedsrichtern nach dem Spiel – unabhängig vom Ergebnis – ein 5-Gang-Menü aufgetischt. Ich war schon viele Male in Dornach, auf der Burg, beim Goetheanum, all die rechtwinkellosen Häuser bestaunen, einmal sogar im Wölfli(sic!)-Lager. Aber das hätte ich jetzt nicht gedacht. 5 Gänge. Chapeau! Gelesen in einer sicher auch in Zukunft sehr gern gelesenen Kolumne unter gaeubschwarz.be

Auf ins WM-Jahr!

Monday, January 11th, 2010

Mit 100 Kartons Dortmunder Pilskrone und einem Farbfernseher!

WM1974

Fields of Play

Monday, January 11th, 2010

Aus Basel geht der Hinweis ein (und wird umgehend verdankt) auf die wohl erste von bestimmt mehreren Ausstellungen hierzulande, die auf die WM in Südafrika hinführen: “Fields of Play” heisst sie, wird am 21. Januar in den Basler Afrika Bibliographien eröffnet und heisst im Untertitel “Ausstellung zu Fussballerinnerungen und Zwangsumsiedlungen”. Der Text auf der noch rudimentär gestalteten Homepage lässt ein paar Fragen offen, so zum Beispiel, ob “Zwangsumsiedlungen” nur den historischen Kontext im Apartheid-Staat meint oder auch von den Nebenwirkungen der Stadionbauten für das kommende Turnier erzählt. Der beste Weg, eine Antwort zu erhalten, ist höchstwahrscheinlich ein Besuch der Ausstellung. Winterpausenunterhaltung.

Um Himmelsrichtungs Willen!

Monday, January 11th, 2010

Der letzte Beitrag zum Hardturm-Text von Fritz Hirzel aus dem Jahr 1982 wirft nicht nur bei einigen Lesern die Frage auf nach der Orientierung in der Stadt Zürich, in der Welt und überhaupt im Leben. Ist die von Hirzel erwähnte GC-Südkurve eigentlich im Westen? Oder die Westkurve im Norden? Grosse Konfusion.

Zu den Tatsachen: Der Grasshopper Club nannte den Gästesektor in seinem Stadion, also jener Bereich, der wie von Hirzel beschrieben “schräg gegenüber” der Haupttribüne lag, stets Tribüne bzw. Estrade WEST. Die Tribüne/Estrade SÜD lag gegenüber der Haupttribüne, die wiederum NORD hiess. Interessant: Im alten Letzigrund, dessen Ausrichtung von Südwest nach Nordost ziemlich genau jener des Hardturm entsprach, war die Bezeichnung der Tribünen anders: Die im hardturmschen Norden gelegene Haupttribüne hiess beim FCZ Westtribüne, jene gegenüber deshalb OST, und die dazwischen, in südwestlicher Richtung, SÜD. Vielleicht geriet Herrn Hirzel deshalb einiges durcheinander. Wobei anzumerken ist, dass auch beim FCZ 1982 noch niemand von einer “Südkurve” sprach. Die Krux liegt wahrscheinlich darin, dass die beiden Stadien mit ihrer Schräglage eigentlich Südwest- und Nordostkurven hätten gebären müssen, dies aber aus nachvollziehbaren Gründen unterlassen haben. Wobei eine “Ost-Nordostkurve Zürich” oder etwas in der Art ja noch irgendwie avantgardistisch getönt hätte.

Sion_HardturmWie dem auch sei, dass sich noch lange nach 1982 hartgesottene GC-Fans in jenem himmelsrichtungsmässig umstrittenen Sektor getummelt haben, daran kann ich mich selber gut erinnern. Als sich Sion 1997 mit einem Sieg im Hardturm die Meisterschaft sicherte “so gut wie sicherte” (stellt der Oberwalliser klar), pöbelten sich Zürcher und Walliser durch ein Trenngitter einen Match lang an (s. Bild). Das Trenngitter übrigens war ideal auf linienbewusste Freunde der Erlebnisorientiertheit zugeschnitten, war es doch für Leichte ein leichtes, sich zwischen zwei Gitterelementen hindurch auf die gegnerische Seite zu zwängen, was dann auch mehrmals geschah in jenem Spiel. Das war aber nichts gegen den Platzsturm der Walliser nach Schlusspfiff. Die haben da schön den Zaun eingedrückt. Wir haben unser letztes Bier damals auch noch im Anspielkreis getrunken, was ungefährlich war, gab es doch noch keine richtigen Überwachungskameras, und Karin Keller-Sutter war auch noch nicht an der Macht. Gute Nacht.

Zürcher Südkurve

Friday, January 8th, 2010

“Im Schatten der Westtribüne liegt die Südkurve, in welcher das Fanklubvolk die Stellung hält, den Herren der Haupttribüne schräg gegenüber. “Das ist schon recht, dass die das Geld geben, aber fisi Sieche sind sie trotzdem.” So hat einer aus dem Fahnenwald, dessen Jeansmontur mit Klubabzeichen überdeckt ist, während einer der stillen, trüben Meisterschaftspartien es einmal gesagt. Die Sangeskunst, halb Selbstdarstellung, halb Beschwörungsformel, ist dumpfer, martialischer geworden. “Hardturmleute siegen heute”, hallt es im Sprechchor unnachgiebig aus der Südkurve, auch wenn der Alltag den Hardturm ernüchternd wieder hat und ein paar tausend Unentwegte Nachmittagsruhe zu halten scheinen. “Sieg! Sieg!” wird dazu aus einem Tross gefordert, die Fäuste reihenweise erhoben. Auf den Hardturm kommt die Jugend im Klubtrikot, aber wie es aussieht, ist sie nicht gänzlich abgeneigt, nach eigenem Gesetz inskünftig bandenmässig aufzutreten. Der Taumel der Begeisterung, wenigstens im Fussball soll er sein! Zur Hochstimmung gehören nicht nur am Stadtmatch die Raketen, die knatternd in der Nacht verglühen, die Bierdeckel, die zuhauf über das Gitter geflogen kommen, die Klosettrollen, die als Papierschlangen auf den Rasen niedergehen.”

Vorliegender Auszug stammt aus einem wunderbar anmütigen Zeitungsartikel von Fritz Hirzel vom 9. Oktober 1982, erschienen unter dem seltsamen Titel “Ein Tatort, der Geschichte hat, Planken mit Patina” im Tages-Anzeiger. Ungeachtet dessen, dass es eine Schande ist, nicht den gesamten Text zur Verfügung zu stellen (zu spät, um alles abzutippen, sorry, steigt selber ins Archiv), kommen bei der Lektüre dieser Zeilen ein paar brennende Fragen auf den Tisch: Standen die hartgesottenen GC-Fans früher im Süden ihres Stadions, also in der späteren Auswärtskurve? Benannten sie ihren Standort auch nach der Himmelsrichtung, in der er sich befand, oder tat dies nur der Journalist? Wer hat’s erfunden? Und nicht zuletzt: Warum holt niemand Fritz Hirzel zurück zum Tagi?

“Die eigene Party feiern”

Friday, January 8th, 2010

Vereine und Spieler würden sich immer weniger für die Menschen auf den Rängen interessieren, sagt Michael Gabriel, weshalb die Leute auf den Rängen auch zunehmend ihre eigene, vom Spiel losgelöste Party feierten. Der Leiter der deutschen Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) in Frankfurt spricht in einem ausführlichen Interview mit der Süddeutschen Zeitung über Ultras und Fussball und macht dabei deutlich, wie hilfreich es sein kann, wenn Leute ausgebildet werden, um eine Ahnung zu haben. Eine Ahnung von den Abläufen in der Fanszene zum Beispiel. In der Schweiz sind Ansätze vorhanden, doch die Rückschläge lassen nicht lange auf sich warten: So kürzt die Stadt Luzern ihren Beitrag an die dortige Fanarbeit um 45’000 auf 20’000 Franken, was nicht nur die Fanarbeit an sich, sondern auch das Fanlokal Zone5, in dem die Fanarbeit eingemietet ist, existentiell bedroht. Die lakonische Begründung für die Sparmassnahme: die meisten Fans wohnten ohnehin nicht in der Stadt. Mit dieser Logik könnte Luzern auch gleich seinen ÖV einstellen, wird er doch auch nur zu einem Teil von Stadtbewohnern genutzt.